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Die Stimme · 1929-08-09 · Heft 86 (9.8.1929) · page 6

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Journal
Die Stimme
Volume
2 (1929)
Issue
Heft 86 (9.8.1929)
Date
1929-08-09
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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DTE STIMME Nr. 80 Verhandlungen wegen der neuen Exekutive (Eigenbericht der „Stimme“.) Zürich', 8. August. Die Frage der Bildung der künftigen Exekutive der Zionistischen Weltorganisationen, die seit mehreren Tagen die Kommissionen sehr stark beschäftigt, scheint sich einer Lösung zu nähern. In den letzten Tagen sprach man auch von einer schweren Krise der Exekutive und faßte sogar schon die Möglichkeit ins Auge, daß der Kongreß auseinandergeht, ohne eine neue Exekutive zu bilden und daß die bisherige Exekutive vorläufig im Amt verbleibe. Dies hätte zur Voraussetzung, daß der Kongreß die Verfassung der Jewish Agency annimmt, woran ja ein Zweifel nicht besteht Ein Präjudiz nach dieser Richtung schuf bereits der 14. Zionistenkongreß, der 1925 in Wien abgehalten wurde. Dieser Kongreß schloß nach einer dreizehnstündigen Sitzung um 6 Uhr morgens, ohne eine Exekutive gebildet zu haben, und betraute Weizmann und Sokolow mit der Bildung einer neuen Exekutive, die dann von dem neugebildeten Aktionskomitee zu bestätigen war; dies hat das Aktionskomitee in seiner ersten Sitzung nach dem 14 Kongreß in Berlin auch getan. Einer solchen Lösung setzte eich diesmal Dr. Weizmann mit allen Kräften entgegen. Er schlug der Permanenzkommission die Beibehaltung der bisherigen Palästina-Exekutive, bestehend aus Harry Sacher, Miß Henrietta Szold und Colonel Kish und ihre Ergänzung durch je ein Mitglied der Vereinigten Arbeiterpartei und des Misrachi vor. Eine spezielle Fraktionssitzung des Misrachi befaßte sich mit Weizmanns Koalitionsvorschlag und formulierte die Misrachi-Bedingungen hinsichtlich des Chinuch. Die Linke beurteilte die Frage einer Beteiligung des Misrachi an der Exekutive unter Zugrundelegung seiner Chinuch-Forderungen pessimistisch, die Führer der Linken behaupteten, Miß Henriette Szold werde in eine Koalition, die den Misrachi einschließt, nicht eintreten. Am 6. August abends begab' sich das Präsidium der Permanenzkommission zu Dr. Weizmann, um ihn über den Stand der Angelegenheit zu informieren. Weizmann erklärte nochmals, er sehe keine andere Lösung, als die Bildung einer Koalitionsexekutive, der sowohl Sacher, als auch die Linken angehören. Ich weiß, sagte Dr. Weizmann, daß die palästinensischen Arbeitervertreter gegen Sacher sind, was mich sehr deprimiert. Der Vertreter des Hitachduth eklärte, auch Hitachduth werde gegen Sacher stimmen. Hingegen erklärten die Misrachi-Vertreter, auch sie wünschten eine Exekutive ohne Sacher, sie wollten aber daraus keine Kabinettsfrage machen; ihnen sei es wichtiger, daß das Erziehungswesen dem Einfluß von Miß Szold entzogen werde. Im Verlauf des 7. August hat die Frage der Exekutivebildung eine Klärung und Milderung erfahren. Sacher erklärte sich bereit, in eine Exekutive auf der Basis der Koalition einzutreten, stellte,aber die Bedingung, daß der Kongreß hinsichtlich Budgetdetails keine die Exekutive bindenden Beschlüsse fassen, sondern das Budget als ganzes annehmen solle, auch erklärte er, daß er sich in der Angelegenheit des Chinuch mit Henrietta Szold identifiziere. Sollten die Arbeitervertreter auf ihrer Ablehnung der Person Sachers beharren und in die Exekutive nicht eintreten, so wird wahrscheinlich eine Exekutive unter Beteiligung von Misrachi geschaffen werden, der gegenüber die Arbeiter in einer nicht feindFchen Opposition bleiben werden. Die Arbeitervertreter erklären, daß ihnen eine solche Lösung genehmer sei als ihr Eintritt in eine Koalitionsexekutive. Im Bureau der Jüdischen Telegraphen- Agentur im Kongreßhause wurde unter dem Vorsitz Weizmanns eine Sitzung der Exekutive abgehalten, in der alle diese Konstellationen.^besprochen wurden, wobei We'zmann unterstrich, daß man die Versuche, die Arbeiterschaft für die Koalitionsexekutive zu gewinnen, mit allen Anstrengungen fortsetzen solle. Die Einzelmitglieder der Exekutive übernahmen es dann, mit dem Misrachi-Präsidenten Rabbi Meir . Berlin und den Führern von Poale Zion und Hitachduth zu verhandeln. Hälfte möglichst zu verwischen, damit die Agency ,wirklich die Einheit des Judentums beim Aufbau Paläff sthras manifestieren soll. Die Fraktionen, aber erklären 1 sich mit einer solchen Lösung nicht einverstanden. Dia | Vertreter der Poale Zion erklären* gegen die Agency stimmen zu wolle«, falds die Exekutive auf der Bedingung beharren würde, daß die zionistische Hälfte nicht nach dem Schlüssel der Parteienverteihmg auf dem Kongreß zu wählen sei, sondern, daß hervorragende Persönlichkeiten als «Virilisten* eiribezogen werden sollten. Die Arbeitspartei Hitachduth zeigt sich in diesem Punkte nachgiebiger. Die Agehcy-Kommission hat in der Frage der Bindung das Votums der gesamten zionistischen Hälfte im Council der Agency einen Vermittlungsvorschäag ausgearbeitet, demzufolge die Bindung keine ständige, sondern eine fallweise sein soll und daß die Stimmenbkudimg nur durch eine Mehrheit der zionistischen Hälfte des Council beschlossen werden könne. Die Agency-Kommission berät auch über einen Vermitt- Iungsrvorschlag, wonach eine Auflösung der Agency mit gewöhnliche® Mehrheit vom Council beschlossen werden könne. In der politischen Kommission referierte Nahum Sokolow über die Araber-Frage und betonte die Notwendigkeit, die Verständigungspolitik gegenüber Arabern fortzuiühnen. Er kritisierte den Teil der hebräischen Presse, der durch seine Haltung eine solche Verständigungspolitik beeinträchtigt Dr. Weizmann verhandelt ununterbrochen mit den Parteiführern und den Vertretern der Landsmannschaften, insbesondere mit dem Misrachi-Präsidium und der britischen Delegation, über die Bildung einer Exekutive auf der Grundlage der Teilnahme des Zentrums und den Flügel. Diese Kombination steht noch immer im Vordergründe. Rund um den Kongreß (Von unserem S. H.-Berichterstatter.) Zürich, 6. August. Sehr erfreulich ist die Tatsache, daß die allgemeinen Zionisten eine große Aktivität entwickeln; eingedenk der großen Verantwortung, die sie der Gesamtorganisation gegenüber tragen, sind sie gegenwärtig eifrig bemüht, eine einheitliche Weltorganisation der allgemeinem Zionismen ins Leben zu: rufen. Dr. Schwarzbart, der Hauptverfechter der Unüfikationsidee innerhalb des polnischen Zionismus, hat auch hierin die Initiative ergriffen; und so kam als erster Schritt eine Konferenz den Allgemeinen zustande, an der sich Delegierte aller Länder beteiligten: von Polen bis Südafrika. Dr. Schwarzbart und Dr. Bileski (Berlin) übernahmen die verantwortungsvolle Mission der Fixierung eines Planes für ein Zusammenwirken aller allgememzionistischen Kräfte. .V ' * Weizmann bemüht sich bekanntlich um das Zustand ebrinigerc einer Koalitions-Exekutive. Die größten Schwierigkeiten bietet da die Person van Sacher. Die Sache wird leicht verständlich, sobald man erwägt, daß Sacher aufgehört hat, als Individuum zu gelten und gleichsam zum Symbol eines gewissen Systems geworden ist. Die Linke hat sich ihn zum Sündenbock erkoren und schiebt ihan alle politischen Mißerfolge ki Palästina in die Schuhe; auch Jabotinsky hat ihn in seiner Rede sehr scharf angegriffen. Sacher selbst zeigt gar, keine Anzeichen der Entrüstung; man könnte im Gegenteil von einem gewissen Zynismus sprechen, der mit der typischen englischen Ruhe vereint, in seinen bisherigen' Auslassungen wahrzunehmen war. So bemerkt er z. B. sarkastisch, man werfe ihm in Palästina Geistlosigkeit vor, gemeint sei aber damit Geldlosigkeit; er könne aber kein Geld hergeben, wiofern er keines verfügbar habe ... Man begreift, daß es schwerfallen wird, die Linke zu bewegen, mit einem solchen Mann gemeinsam in der Exekutive zu sitzen. Zwar wollen manche wissen, daß die Linke angesichts der dringenden Forderung des Präsidenten auch darauf elngehen würde, aber unter der Bedingung, daß Mp. Sacher weder das Finanznoch das Kolonisationsressort übergeben werden; er dürfe, wenn er zustimimt, das politische Ressort leiten. Sacher wird aber kaum zustimimen. Denn dann hätte er ein sehr umgrenztes Tätigkeitsgebiet. Aus dieser Erwägung heraus ist er persönlich gegen eine Koalition, da er weiß, daß in einer solchen fütr ihn kein Platz wäre. Im letzten Augenblick taucht das Projekt auf, an Sachers Stelle Ussischkin oder Ruppin einzusetzen. Die Entscheidung hierüber liegt voll bei Weizmann. Für Ussischkin dürfte er jedenfalls kaum zu haben sein — das begreift jeder, der die Geschichte des «Waad- Haztrim» ein wenig kennt . * ’ Nicht gering sind auch die Schwierigkeiten bei der Fixierung der Haltung, die die Zionisten Innerhalb der Agency einzunehmen haben, Grünbaum verlangt sogar gebundenes Votum, d. h. die Verpflichtung sämtlicher Zionisten, gemäß den Direktiven des Kongresses geschlossen in der Agency zu stimmen. Demgegenüber wird auf die Gefahr hingewiesen, die daraus erwachsen könnte, indem sich die andere «frfty» ebenfalls zu einem geschlossenen Block zusammentun könnte. Wo wäre da die Möglichkeit einer freundschaftlichen Auseinandersetzung gegeben? Die Atmosphäre wäre im vorhinein von gegenseitigem Mißtrauen getrübt? Wie sich der Kongreß aus dieser Schwierigkeit helfen wird. Ist gUjE Sffeunde noch völlig unübersehbar. Die allgemeinen Zionisten und die neue Exekutive (Eigenbericht der «Stimme».)! Z ü r i c h, 6. August. Die Resolution der allgemeinen Zionisten bezüglich der neiien Exekutive lautet: Wir fordern eine Exekutive, die die Arbeit der jetzigen Exekutive kraftvoll fortsetzt und den neuen Verhältnissen entsprechend ausbaut, eine Exekutive, der die tragenden Persönlichkeiten der jetzigen Palästina-Exekutive, insbesondere Sacher und M i ß Szold, angehören, eine Exekutive, die eine möglichst breite parlamentarische und zionistische Basis haben soll und die deshalb auf einer Koalition beruhen soll, wenn in ihr die vorstehenden Forderungen verwirklicht werdeh können. Ein Weltverband der Allgemeinen Zionisten geplant Z ü r i c h, 6. August. Die Delegierten der Allgemeinen Zionisten auf dem Kongreß hielten eine Konferenz ab, und wählten ein Komitee aus 30 Personen, das über die Schaffung einer Weltvereinigung Allgemeiner Zionisten beraten soll. Dieses Komitee wählte einen Achterausschuß, bestehend aus Abraham Goldberg (Amerika), Doktor Alexander Goldstein (Südafrika), Morris Myer (England), Dr. Leon Reich (Ostgalizien), Dr. M. Hindes (Kongreßpolen), Dr. Schwarzbarth (Westgalizien), Dr. Bileski (Deutschland), und Georg Halpem (Palästina). Ein Unterausschuß (Doktor Bileski, Dr. Schwarzbarth) hat die Ausarbeitung eines gemeinsamen ideologischen Programms übernommen. Noch im Verlauf der Kongreßzeit wird dem Zentralkomitee die Konstitution und das Programm einer Weltvereinigung Allgemeiner Zionisten unterbreitet werden. Das Programm enthält auch die Schaffung von Institutionen für Hachscharah und hebräische Kultur. Der Konflikt Nationalfonds und Keren Hajessod gelöst Zürich, 8. August. (J. T. A.) Dem Kongreß wird eine Auseinandersetzung und eine Entscheidung in dem entstandenen Konflikt zwischen Keren Kajemetb und Keren Hajessod erspart bleiben; es kam eine von allen Seiten mit Freude begrüßte Verständigung zwischen den beiden zionistischen Fonds zustande auf der Grundlage, daß die Exekutive dem Nationalfonds die Führung eines eigenen Drives unter der Voraussetzung, daß der Keren Hajessod nicht dadurch geschädigt werde, für den Fall zubilligte, daß die erwarteten Beiträge der Jewish Agency für neue Bodenkäufe des Nationale fonds ausbleiben sollten. , Edmond de Rothschild beglückwünscht Weizmann zur Bildung der Jewish Agency Zürich, 7. August. (J. T. A.) Baron Edmond de Rothschild, der „Vater“ der jüdischen Kolonisation in Palästina, hat ein Telegramm aus Paris an Dr. Weizmann nach Zürich gesandt, in welchem er der Hoffnung Ausdruck gibt, daß sieb mit der Gründung der Jewish Agency eine neue Aera für Entwicklung und Wohlstand in Erez Israel eröffnen wird und der neuen Körperschaft von ganzem Herzen Erfolg wünsch! Zwischen den Zeilen Eljen ungarischer Mauschel! Wir protestieren gegen die Meinung, daß die. Jewish Agency das Parlament aller Jaden darstelle* Wir Ungarn .jüdischen Glaubens wissen von der Jewish Agency nichts und wollen von ihr nichts wissenl Wir sind Magyaren vom Scheitel bis zur Sohle und Nachkommen des großen Arpad in gerader Linien Eljen! Zwischen der Donau und der Theiß stand dis Wiege unserer Konfession. j; Wir sind trotz dem numerus clausus an den Hochschulen, trotz dem numerus apertus in Bezug ca/ Vogelfreiheit, ungarischer noch als Gömbös, patriotischer als Hejjas. Wir sind päpstlicher als der Papst der erwachenden Magyaren. Eljen! i Wir sind selbst Erwachende. Wir erwachen zur. Erkenntnis, daß es eine Frechheit ist, für die Juden in Palästina eine neue Heimat bauen zu wollen. i Daher: Nieder mit dem Zionismus, nieder mit der Jewish Agency, nieder mit der Freiheit fflr ein Volkg das gar nicht existiert! Hoch unser heißgeliebtes Pogromvaterland! Hoch die Prügelsiudenten, die unsere Mädchen mit Gummiknüppeln schlagen! Hoch die Offiziersdetachements, die unsere Männer gefoltert, unsere Frauen geschändet habenl Nieder mit dem Jüdischen Volk! Eljen ungarische Mauschel! ... * Wortwörtlich lautet die Erklärung der ungarischen Mauschel anders. Ihr Sinn ist aber dieser. Sem• i

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