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Die Stimme · 1929-08-09 · Heft 86 (9.8.1929) · page 5

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Journal
Die Stimme
Volume
2 (1929)
Issue
Heft 86 (9.8.1929)
Date
1929-08-09
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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DIE STIMME I Seite S Der 16. Zionistenkongreß stimmt über die Agency-Verfassung ab (Eigenbericht der „Stimme“.) Zürich, 8. August. Per Kongreß sollte in der Sitzung von Donnerztag Vormittage in die Beratung des Vor« faesungeentwurfes für die Jewish Agefccy ein« treten. Pie Sitzung mußte aber, kaum begonnen, vertagt werden, da die Stimmung hinsichtlich einiger wesentlicher Punkte nicht geklärt war und die Opposition, besonder# die Fraktion der Revisionisten, sich zu einem!hartnftck?gen Widerstand rüstete. In der vorangegangenen gemeinsamen Sitzung der Agenoykommfseion und der Organisationskommission, die die ganze Nacht andauerte, konnte Über die Frage des Modus der eventuellen Auflösung der erweiterten Agency keine Einigung erzielt werden. Pagegen wurde in der Frage der Bindung des Votums der zionistischen Hälfte des Council ein Beschluß gefaßt, der läutet: „Per Znonictenkongreß ist berechtigt, in Fragen von fundamentaler Bedeutung zu beschließen, daß die von ihm in den Council der Jewish Agency entsandten Personen gebunden sind, einheitlich nach ihnen gegebenen Direktiven zu stimmen. Ferner ist der Kongreß berechtigt, das Recht der Bindung der zionistischen Stimmen auf das Aktionskomitee öder auf die zionistische Hälfte des Council der Agency (bei Mehrheitsbeschluß) zu übertragen. Doch kann, wo notwendig, die zionistische Hälfte des Council gemeinsam mit dem Aktionskomitee bei einer. Zweidrittelmehrheit die Bindung des Votums aufheben.“ Der Permanenzausschuß befaßte sich mit der Forderung der amerikanischen Zionisten, ihnen 25 Sitze der zionistischen Councilhälfte zu überlassen. Es wurde ein Vorschlag gemacht, diese Forderung der Amerikaner dadurch zu befriedigen, daß man ihnen außer den ihnen zahlenmäßig zukommenden. Sitzen auch noch die steten Sitze, die auf die revisionistische Fraktion,entfallen und 'deren Besetzung diese Fraktion bekanntlich ablehnt, überläßt. Den Amerikanern scheint es aber unerwünscht zu sein, die Mandate einer geschlossenen Einzelgruppe, die noch dazu der extremen Opposition angehöi;t, zu übernehmen: Der Permanenzausschuß schlug daher vor, diese Frage dem neuzüwählen- Streiflichter aus Zürich Ijn Hotel am Doldenberg : Zürich, im August. Hoch oben am Doldenberg, im Dooder Grand Hotel, residiert der Generalstab der zionistischen Organisation. Fern von der Stadt, vom Lärm, vom Brennpunkt der Kämpfe. Es ist nicht leicht, dorthin zu gelangen. Man muß zuerst mit der Drahtseilbahn fahren und dann mit der Tramway eine kurze Serpentine der Schienen entlang bis zum Eingang des Hotels. Still ist es im Hotelpark. Im Dickicht der großen Bäume spielt die Sonne mit der grünen Dämmerung. Abseits liegt ein saftiger Rasen des Golfplatzes. Weizmann ist hier ein anderer als zur Zeit, wo er auf der Kongreßtribüne spricht. Er atmet die Stille ein. Sonnt sich auf der Terrasse. Sokolow spaziert im Park mit seinem Enkel, einem kleinen Palästinenser, dem Sohne seiner jüngsten Toohter Frau Sophie Raczkowska. Er führt ihn zii den Rehen und Hirschen. In der Hotelhalle unten sitzt die unschätzbare Sekretärin Sokölows, seine Tochter Celina, die ihren Vater hei allen seihen Reisen in der ganzen Welt begleitet und ihn hie verläßt. Sie empfängt die Gäste, die Interessenten, erteilt Informationen, übernimmt die Post. Mr. Sacher ist hier nicht der gefürchtete Jerusalemer Sanierer, er lächelt gutmütig und fragt die Freunde aus Palästina: „Wann Jahren wir nach Hause?“ Die Jerusalemer und Tel-Aviver Gesellschaft bespricht hier die letzten Neuigkeiten von „zu Hause“, und vereinbart Zusammenkünfte. *. Abends naoh dem Dinner strahlen die Luster im Hotel, weiche Perserteppiche verschlingen den Widerhall der Tritte. Geräuschlos bewegen sich die Gäste und die Dienerschaft. Man sieht hier verschiedene Gruppen: reiche amerikanische und englische Touristen, Alpinisten, die nur vorübergehend in Zürich weilen, die Kongreßgesellschaft und „die anderen*4. „Die anderen“ sind schon auch da. Aus Deutschland, Frankreich, England, Amerika sogar aus Südafrika..- den Aktionskomitee zur Entscheidung zu überlassen und deutete gleichzeitig gewisse Möglichkeiten einer Lösung an. Vor der konstituierenden Sitzung der Jewish Agency (Eigenbericht der «Stimme».) Z fl r i c h, 8. August. Die konstituierende Sitzung des Councils der Jewish Agency findet, wie bereits gemeldet, Sonntag, den 11. August, 15 Uhr, im großen Saale der Tonhalle statt; in diesem. Gebäude werden auch alle Verhandlungen der Jewish Agency abgehalten werden. Es steht fest, daß eine große Zahl fahrender Juden das Wort, ergreifen werden, so Professor Albert Einstein (Berlin), Lord Melchett, der frühere Kongreßbuchhandlung DR. HEINRICH GLANZ Wien, VIII,, Ladogasee Nr. 32, Tal, B,42-9-12 Wwn 1925, Basel 1927, Zürieh 1929, KongreägebSude Bastsllungsn wtrdsn prompt auagsführt Oberkommissär Palästinas, Unterhausmitglied Sir Herbert Samuel (London), 0. E. d’Avidgor Goldsmit (London), Präsident des Jewish Board of Deputies; der französische Sozialistenführer L6on Blum (Paris); Oscar Wassermann (Berlin), Direktor der Deutschen Bank; Professor Dr. Weizmann, Nahum 'Sokolow, Rabbi Uziel; für die Amerikaner werden Louia Marshall und Felix M. Warburg, für die Schweizer Juden J. DreyfysrBrodski (Basel),, Präsident des Isr. Gemeindebundes der Schweiz, sprechen. Louis Marshall, der Führer der amerikanischen Judenheit begibt sich in Begleitung seines Schwiegersohnes Jacob Billikopf nach Zürich. Mit ihm kommen rund 120 Delegierte zur Jewish Agency, die sich am 2. August an Bord der «Majestic» einschifften und voraussichtlich am 10. August in Zürich eintreffen werden. Die amerikanischen Counidl-Mitglieder setzen sich aus allen bedeutenden Richtungen des amerikanischen Judentums zusammen. Für WeekmdundAu^lüge nicht vergessen: Schokolade u. Bonbons sind der beste PraxHant/ Das Programm der ersten Tagung der Jewish Agency Zürich, 7. August. (J. T. A.) Die erste Tagung des Council der Jewish Agency für Palästina findet in der Tonhalle zu Zürich ln der Zeit vom II. bis 14. August 1929 statt. Die Tagung beginnt am Sonntag, den 11. August, 3 Uhr nachmittag®. Die Tagesordnung wurde endgültig wie folgt festgesetzt4.. Erste Sitzung: 1. Eröffnungsansprache des Präsidenten der Zionistischen Organisation, Dr. Chaim Weidmann. 2. Begrüßungsansprache des Präsidenten des Israelitischen Oemeindebundes für die Schweiz, Herrn Dreyfus-Brodsky. 3. Ansprachen: a) Herr Chaim Nachman Bialik, b) M. L6on Blum, c) Prof, Albert Einstein, d) Mr. 0. E. d’Avigdor Goldsmid, e) Rabbi Jechezkiel Lipszyc, f) Mr. Louis Marshall, g) The Rt. Hon. The Lord Melchett, P. C., F. R. S., h) The Rt. Hon. Sir Herbert Samuel, 0. C. B., 0. B. M. P., i) Rabbi Uziel, k) Mr. Felix Warburg, 1) Herr Oskar Wassermann. 4. Wahn des Legitimationsaus-. schusSes. 5. SchJußansprache des Präsidenten der Zionistischen Exekutive, Herrn Nahum Sokolow. Zweite Sitzung: 1. Wahl des Präsidenten. 2. Berichte und Debatte über das Tätigkaitsprogiramm der Agency. 3. Wahl von Ausschüssen. Dritte Sitzung: 1. Bericht und Beschlußfassung über die Verfassung der Agency. 2. Bericht und Beschlußfassung über das Budget. 3. Wahl des Vorsitzenden, und anderer Funktionäre des Coiuncils. Vierte Sitzung: Wahlen. Das Problem des zionistischen Agencyteils kompliziert Zü rieh, 7. August. (J. T. A.) Die Frage der Verteilung der 110 zionistischen Sitze im Council der Jewish Agency auf die einzelnen Richtungen hat sich kompliziert. Nahum Sokolow ist fortdauernd bemüht, die Parteienvertrefer davon zu überzeugen, daß die Verteilung nicht streng nach Parteien zu geschehen hätte, da es gelte, nicht allein die Parteigrenzen innerhalb des Zionismus, sondern auch die Grenzen zwischen der zionistischen und der nichtzionistischen Die oberen. Zehntausend. Am Kongreß erscheinen sie in Logen, hören zu, beobachten. Die Damen elegant, beringt, mit Schmuck, behängt, Die Herren "■*- ebenfalle sehr elegant gekleidet, viele blasierte Gesichter, aber die Hände größtenteils dick — her vor quellende Adern — Arbeitshände. Unsere haute flnanee erwirbt nicht so leicht ihren Reichtum. Und die Genealogie? Nicht von besonderer Bedeutung. Höchstens dre Generationen, die. im, Wohlstand lebten. Drei Zweige am jungen, genealogischen Baum, - * „Die anderen“ — das ist das Publikum der zukünftigen Jewish Agency, diejenigen, die den Nichtzionisten folgen* Schließlich — sie könnten dem Judentum ihren Rücken zeigen. Haben sie doch die goldenen Schlüssel, mit Hilfe deren sich jede Tür aufmachen läßt. Sie drängen sich nicht durch den Straßemnob zü Fuß, sie fahren in AohtzylinderautomobRen. Und sie kamen her, weil es einen geheimnisvollen. Kongreß gibt, der von Freud nicht beschrieben worden ist. Wie soll man ihn nennen? Palästinasentiment? Jüdischer Komplex? Sokolow und Weizmann gehen durch den Saal — „die anderen“ schauen sie mit Ehrerbietung an. Suchen eine Bekanntschaft mit den Zionisten. Jemand, der alle gut kennt, erteilt mir Informationen: „Sehen Sie diesen Herrn mit der Glatze? Fünfzig Textilgeschäfte in verschiedenen Teilen Londons. Jene Dame? Die Gattin eines Frankfurter Bankiers. Diamantenfelder — Johannisburg. Der größte Pfropfenexport — Afrika. Dieser junge, untersetzte? Autopneu. Spitzen. Kunstseide, Brüssel. . Maschinen... Die größte Produktion der Arbeitskittel.“ Bei einem der Tteohchen sitzen Palästinenser. Ein bitteres Lächeln: „Werden sie etwas von ihren Reicht Urnern geben? Oder ist es nur ein Sentiment?“ Die Jazzband spielt „Raraona“. In der Bar wird getanzt — Zigarrenrauch. Ich höre eine Bemerkung; „Der Tanz um das goldene Kalb.“ Mitten durch die tanzenden Paare windet sich jemand durch. Nicht das goldene Kalb — es ist nur Mr. Isaao Z. aus Cleveiand. Heute früh wurde ich mit ihm am Kongreß bekannt. Zähne — alle aus Gold. Gutmütig und naiv blicken seine schwarzen Augen, „Wann ist die Sitzung der Jewish Agency? In einer Woche muß ich nach Amerika zurück. Wenn Sie wollen, können wir in einer Ecke Platz nehmen, plaudern.., Diese modernen Tänze verstehe ioh nicht. In meiner Jugendzeit in Rumänien tanzten wir den Contredanse. Das war ein Tanz .. Mr. Isaac hat jetzt seinen Geburtsort besucht. Eid kleines Städtchen. Ale die Juden erfuhren, daß ein reicher Landsmann aus Amerika gekommen ist, begannen sie, ihn mit Unterstützungsbitten zu überhäufen. „4000 Dollar hat mich das gekostet. Außerdem .mußte ich in einer Reihe von wichtigen Angelegenheiten Abhilfe schaffen. Im Beth* Hamidrasch sickerte es durch das Daoh, einem armen Juden krepierte die Kuh, die dreißigjährige Rabbinertochter fand endlich einen Bräutigam, aber sie hatte keine Aussteuer... Und — bitte erraten Sie was noch! Drei Eidamen in meiner Familie hat .man nicht ausgezahlt.. „Was hat man nicht ausgezahlt?“ „Verstehen Sie nicht? Die Mitgift, die man ihnen vor Jahren versprochen hat. Und alle kamen sie zu mir mit Ansprüchen.“ Mr. Isaac —- immer guter Laune — lacht herzlich auf. „Erraten Sie, was mir größtes Ve^g "gen im Leben bereitet?“ „Soll ich — klassische Vergnügung.: auf*; zählen? Geld? Liebe? Wein?“ „Nein, nein! Das Lesen von Schalora i Alechem!“ * Wieder Londoner Jude, der fünV'; Textilgeschäfte hat, bei der Arbeit unser. : itionalen Heimes mithelfen wird, weiß ich nickt. Aber um : den Mr. Isaac aus Cleveland, dessen größtes , Vergnügen das Lesen von Schalom Alechem ist, i habe ich keirie Sorge... Jacob Appens

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