Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 2 (1929)
- Issue
- Heft 86 (9.8.1929)
- Date
- 1929-08-09
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nri 85 Bis jetzt setea kelat wcsettitehen Vorwürfe gegen sie erhoben« Die nationale Chaluziuth müsse Sache, aller Fraktionen sein. Mosslnson (Demokrat, Palästina) spricht Übet die Frage der Erziehung. Miß Szdd habe sich leider zu sehr mit Administration und Organisation befaßt und die eigentlichen Probleme der Erziehung in ihrer Rede nicht berührt Unsere Stellung gegenüber der Regierrung sei auf dem Gebiete der Erziehung in den letzten zwei Jahren geschwächt worden, indem diese Konkurrenzschulen schaffe und überhaupt beginne, sich mehr in unsere inneren Erziehungsangelegenheiten einzumischen. Auch sei er der Ansicht, daß die Religion nicht Monopol des Misrachi sei, ebensowenig wie die Arbeit Monopol der Linken. Dieser Kongreß müsse das ganze Problem der Kulturarbeit in Palästina auf rollen. Im Lande entstehen neue Kulturwerte, so auf dem Kunstgebiet durch das Theater und die Malerei, es fehle aber an einer Hand, die diese Entwicklung führt Das Erziehungsdepartement dürfe sich nicht nur mit den Schulen befassen, sondern müsse sich für alle kulturellen Fragen interessieren. Frau Persitz (Allgemeine Zionisten) bemerkt, es gehe nicht an, die Exekutive in den Dingen der Erziehung und der Kultur für Sünden des Jischuw verantwortlich zu machen. Heute gebe es noch keine Einheitsschule, die eine Synthese der verschiedenen Strömungen im Judentum darstellte. Niemand nehme dem Misrachi das Recht, die Tradition zu verteidigen, aber keine Richtung habe das Recht; den Namen des Glaubens für sich allein zu beanspruchen. Der Zionismus habe für die Verbreitung der hebräischen Sprache, für die hebräische Literatur und die jüdische Kunst sehr wenig getan, man habe überhaupt begonnen, sich anzupassen und die Prinzipien aufzugeben, auf denen unsere Bewegung ruhte. Rednerin tritt für die Schaffung eines besonderen Erziehungs- und Kulturfonds ein. B a d i c h i (Yemenite) führt aus, die Lage der Yemeniten habe sich nicht geändert, und für sie gäbe es überhaupt keine Erziehung, so daß Hunderte, vielleicht Tausende yemenitische Kinder für uns verloren gehen. Die Palästina-Exekutive habe das Budget für die Sicherung der yemenitischen Positionen gestrichen, obwohl die Lage im Yemen eine schwere sei und die Yemeniten vielfach der Zwangstaufe ausgesetzt sind. Es sei endlich an der Zeit, dtye Yemenitenfrtagje zu lösen und den Yemeniten die Möglichkeit zu geben, am Aufbau dies Landes teUzunehnuen. Sachers Antwort Sacher erklärt, die Exekutive werde von den Parteien .zum Teil aus dem Gründe kritisiert, weil sie alle Probleme allein vom Standpunkte des allgemeinen zionistischen Interesses beurteilt habe. Sie habe nie Parteiinteressen vertreten. Was den Frieden zwischen den Arbeitgebern und den Jüdischen Arbeitern, sowie die Beschäftigung ausschließlich jüdischer Arbeiter durch die Pflanzer anbetrifft, so habe die Exekutive nicht in zwei Jahren durchsetzen können, wofür schon seit 25 Jahren gekämpft werde. Keine Exekutive könne in dieser Frage ihre Meinung aufoktroyieren. Ein kleiner Fortschritt sei trotzdem erzielt worden, und mehr hätte keine andere Exekutive erzielt. Auf den Vorwurf, die Exekutive habe nur unter dem Drucke der Arbeiterpartei etwas für die Bekämpfung der Arbeits- : losigkeit getan, entgegnete Sacher, es, sei;, etwas anderes, auf dem Papier Pläne auszuarbeiten, als diese Pläne bei der Regierung durchzusetzen. Die Exekutive könne nicht verpflichtet werden, Pläne zu akzeptieren, ohne sich zu überzeugen, ob sie gut und durchführbar sind. Es »ei der Exekutive gelangen, dUrchzustetzen, daß die Regierung zum drstenmal bei der Bekämpfung der jüdischen Arbeitslosigkeit selbst eingegriffen habe. In der Frage des Kotei Maarawi habe der Jischuw seiner Ansicht nach übereilt gehandelt, und die Möglichkeiten und Gefahren nicht genau abgewägt. In der letzten Zeit habe die Exekutive mit gewissem Erfolg versucht, die Behandlung dieser ganzen Frage auf eine festere Basis zu stellen. Da man jetzt mitten in Verhandlungen stehe, sei es für die Exekutive schwer, eine genaue Antwort zu geben. Zur Frage der Beziehungen zum Keren Kajemeth, die von der Linken aufgeworfen worden sei, müsse er bemerken, die Verfassung des Keren Kajemeth selbst sehe ein Vetorecht der Exekutive vor.. Die Exekutive habe von diesem Recht, wo es ihr nötig schien, Gebrauch gemacht. Zu den Ausführungen von Soskiin bemerkt Sacher, eine solche Anleihe werde nicht Privatpersonen, sondern Regierungen gegeben. Zutreffend sei dagegen, daß die Exekutive die Verträge mit den Siedlern noch nicht abgeschlossen habe. Im ersten Jahre ihrer Tätigkeit konnte sie sich mit dieser Frage nicht beschäftigen, weil Redner die meiste Zeit abwesend gewesen sei, und als sie sich zu Anfang dieses Jahres wirklich ernst damit befaßte, da hätten die sehr schwierige Frage der Statuten der Kwuzoth, sowie die unannehmbaren Anleihebedingungen der Kolonisten den Abschluß der Verträge unmöglich gemacht. Die Exekutive habe aber ihr Möglichstes getan. Auf den Vorwurf vqn Dr. Goldmann, die Exekutive stehe im Jischuw völlig isoliert und genieße keine moralische Autorität, erwidert Sacher, DIE STIMME Setfqfä5»r COfi EIHHPW BSM PUgpEKuKNE ffflfi MDB OBS }CH mand fflr ate efagettBten wäre, ihr Anti; «getosten» Jeder objektive ftetifteUaf müsse ttbjer zugetan, daß sich die Meänujngen über die Exekutive seHtodr, Koch in den Reihen der Linken geändert haben. Die Geschichte dieser Exekutive bedeute im Gegensatz zu früheren, in denen auch Vertreter deir Flügelparteften saßen, ein Vorwärtsschreiten, und dtys Lage in Palästina sei eine bessere als am Talge ihres Amtsantrittes. Erst in der praktischen Arbeit werde man deefce Exekutive besser zu würdigen lexjnien. Ussischkin gibt die persönliche Erklärung ab, formell sei die Exekutive mit ihrem Veto gegenüber dem KKL-Direktorium im Recht gewesen. Dagegen habe sie den Kauf aus südafrikanischem Geld selber bestätigt. Ihr Veto habe sich vielmehr auf den Vorschlag bezogen, eine Parzelle von 1000 Dunam bei Petach Tikwah für eine Arbeitersiedlung zu kaufen. Das Keren-Kajemeth-Direktorium habe diesen Vorschlag angenommen, weil sie die Bodenbeschaffung für die Arbeiterschaft für sehr wichtig hält, die Exekutive habe aber ihr Veto eingelegt mit der Begründung, die finanzielle Lage des Keren Kajemeth erlaube diesen Kauf nicht. Beinahe in derselben Zeit aber habe sie vom Keren Kajemeth gefordert, daß er den Boden der Amzic (American Zion Commonwealth) im Be-' trage von über 100.000 Dollar übernehme. Eine solche Logik könne er nicht verstehen. Sacher erwidert, das Verlangen auf Uebernahme des Bodens der Amzic sei Monate früher gestellt worden. Der drohende Bankerott dieser Gesellschaft hätte den Zusammenbruch der Zionistischen Organisation Amerikas sowie den Rückfall jüdischer Kolonien LLOYD TRIESTIHO DIREKTE LINIE TRIEFT-JAFFA UND RETOUR Abfahrten jeden zweiten Donnerstag 8 Uhr abends. Fahttdauer unter Berührung von Brindisi bloß 51/, Tage Fahrpreise; L Kl. Lst 22.—-.—, II. Kl. Lst. 15.—.—, III. Kl- Lst 5.—.— inklusive Kabine und Verpflegung. Eine Fahrt Triest—Jaffa—Half« und zurück kostet in der III. Klasse Inklusive Kabine und Verpflegung bloß österri Sch/345.—. Für Gesellschaftsreisen besondere Ermäßigung l Auskünfte t Lloyd Triestino, Wien,!., Kärhtnerring 6 Telephon U 46-0-53, U 46-0-54» U 46-0-55. an die Araber zur Folge gehabt. Die Exekutive habe es für die Pflicht des Keren Kajemeth gehalten, diesen Verlust jüdischen Landes zu verhüten und habe ihm daher vorgeschlagen, die Hypotheken zu bezahlen und die Ländereien der Amzic zu übernehmen. Von sich aus habe der Keren Kajemeth,. obwohl es sich um seine eigensten Angelegenheiten gehandelt habe, keine Hand gerührt " ......... .. Um 8Yz Uhr abends wurde die Sitzung geschlossen. Scharfer Zusammenstoß bei der Sitzung der Agency- Kommission Die Revisionisten, Hltachduth, Poale-Zion Und Radikale verlassen den Sitzungssaal. (Eigenbericht der «Stimme».) Zürich, 7. August Bel* der heutigen Sitzung der Agency-Kommission kam es zu einem scharfen Konflikt zwischen dem Vorsitzenden' der Kommission Georg Halipem und dem ganzen linken Kongreßflügel. Der Vorsitzende hat im Namen der Kommission die Vorlage einer Resolution an den Kongreß empfohlen, in der die Jewish Agency aufgefordert wird, ihre spezielle Aufmerksamkeit der Sicherung und Erstarkung der jüdisch-religiösen Interessen zu widmen. Diese Resolution wurde von dem Misrachi als Bedingung ihres Eintretens für die erweiterte Jewish Agency aufgestellt. Hierauf erklärte der Vertreter der Revisionisten, Qroßman, die Kommission sei für diese Resolution nicht kompetent, welchen. Standpunkt auch Remes für die Poale Zion vertrat. Trotzdem wurde diese Resolution durch die allgemeinen Zionisten und die Misrachi angenommen* -• Vor der Abstimmung verlangten die linken Fraktionen die Eröffnung den Diskussion über den Antrag des Vorsitzenden, wobei es, zu einem scharfen Wortwechsel zwischen Georg Ha,lpem und Großman kam. Hierauf verließen zum Zelcjjpri des Protestesvor der Abstimmung die Radikalen* Revisionisten, Hitachduth i und Poale Zion den Beratungssaal- Stfoiiem — heilbar Sicken ftettttiftuäg der SprachtiSrnog, Uebefrncbende Erfolge, nblrelche Anerkennungsschreiben. Dr. s Uhr, Wien V., Mittersteig 4. Freie Auskunft «glich refl t bis 4 Uhr Realität und Romantik (Einiges zu den Kongreßproblem.)” Als Abg. Grünbaum mitten in seiner an sich sehr schönen und tiefem zionistischen Verantwortungsgefühl durchdrungenen Rede sich plötzlich pathetisch an die palästinensischen Arbeiterführer wandte und seiner Verwunderung darüber Ausdruck gab, daß sie auf die «Geldehe» mit den Nichtzionisten eingehen, warf ihm einer der apostrophierten Palästinenser kurz und trocken, ja nicht ohne eine gewisse Grausamkeit ein: Palästina hat Wichtigeres zu tun, als auf Ihre Reden zu lauschen! Dieser Zwischenruf erleuchtet blitzartig die ganze Situation, in der sich unsere Bewegung gegenwärtig befindet Es geht ein tiefer Riß durch die zionistischen Reihen. Aber er geht eher durch die Ger müter denn durch die Organisation, die trotz allem Wehklagen ziemlich stark dasteht — was nicht zuletzt dieser Züricher Kongreß bewert Dieser Riß röhrt von dem Mangel an Anpassungsfähigkeit her, mancher zionistischen Kreise an die eisernen Tatsachen des Lebens, welches in seinem ewigen Vorwärtsdrängen immer neue Realitäten schafft, an die sich der Mensch halten muß, will er nicht an ihnen zugrundegehen oder — zum unfruchtbaren Romantiker werden. Drei derartige R e a 1 i täten-bat nun unser nationales Leben im letzten Jahrzehnt gezeitigt: das im Aufbau befindliche Palästina, die weite Peripherie um dasselbe und die Entstehung mächtiger Flügel innerhalb der zionistischen Organisation. Man muß nicht auf dem Standpunkt Hegels stehen, der bekanntlich behauptete, alles Seiende sei vernünftig, um zu diesen Realitäten positiv Stellung zü nehmen. Wohl ist es unsere Pflicht zu untersuchen, inwiefern diese positive Einstellung berechtigt ist. Dies wollen wir im folgenden in aller Kürze versuchen. Die erste Realität ist, wie gesagt, P a I ä s tl na, die Sphinx, die uns zu erlösen oder zu verschlingen droht — wie dies Weizmann in seinem Resume zur Generaldebatte des Kongresses mit wunderbarer Bildhaftigkeit auisgedrückt hat. Dieses Palästina hat seine unabweisbaren Forderungen und unabänderlichen Gesetze der Entwicklung. Dieselben lassen sich auf eine kurze Formel bringen: s ch öp f e risch er Neubau. Hierin ist alles enthalten; denn, es bedeutet Aufbau und originelle, schöpferische Formen zu gleicher Zeit; es bedeutet, daß man da weder mit den veralteten Siedlungsmethoden '(wie sie sich zum Beispiel die «Eth Liwnoth»-Gruppe wünschen würde) was ausrichten kann, noch mit allemeuesten, aber bei uns nicht anwendbaren Formen, wie es namentlich die Revisionisten haben möchten. Der Aufbau muß mit Gegebenheiten rechnen — in erster Linie mit dem Siedlungsmatefiäl: Mit Chaluzim läßt sich ein Land weder so bauen wie die Ica-Kolonien in Argentinien, noch so Staat machen, wie es Mussolini in Italien tut. Dessen muß, wer den Aufbau ehrlich will, immer eingedenk sein! Palästina weist außerdem ein anderes wichtiges Problem auf: dieAraherfrage, Auch diese muß im Lichte der Wirklichkeit nüchtern betrachtet werden. Auch hier, ja hier vor allem darf man die Realitäten nicht aus den Augen verlieren! Und diese erfordern: stramme Wahrung der eigenen Rechte, Vorsicht und Takt den Arabern gegenüber und —• fortwährende Verstärkung der eigenen Machtpositionen. Das schließt aber sowohl Säbelrasselh und Deklamationen über den zu errichtenden Judenstaat aus, als auch — zuckersüße Worte über unseren ehrlichen Friedenswillen, den ja (wie Ussischkin in der Debatte trefflich bemerkt hat); kein Mensch an* zweifelt, solange wir im Lande die Schwächeren sind. Die zweite große Realität ist die P e r i p h eti'e des Aufbaues. Palästina ist .ein gewichtiges Wort geworden; es zieht an^und übt starke Wirfamg aus; der Radius seiner Einwirkung hat sich seit der Balfour-Deklaration (trotz mancher Schwankungen)] bedeutend erweitert. Diese Tatsache legt uns Pflichten auf. Außenpolitisch: Wir müssen den Ruf Palästinas in die fernsten Winkel der gesitteten Welt tragen und die Atmosphäre der Sympathie um unser Werk herum verstärken. Innenpolitische wir müssen die Kreise, die in den Bannkreis Erez-Israels gelangt sind, zu intensiverer Mitarbeit und zur — Mitverantwortung heranziehen. Dies ist der wahre Sinn der Agency-Erweiterung. Dieselbe bedeutet daher eine Pflicht und eine Chance zu gleicher Zeit. Wer nun verlangen würde, daß die anderen bereits jetzt unsere glühende Palästina-Liebe in sich fühlen sollten, wäre ein Narr; wer aber deswegen es ablehnen sollte, ihnen die Möglichkeit zu ngeben, sich enger mit Palästina zu verknüpfen und gemeinsam mit uns die Verantwortung für die ungeheure Aufgabe zu übernehmen, ist einfach ein Besessener besessen von einer Vergangenheit, die nicht weg-