Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 2 (1929)
- Issue
- Heft 85 (6.8.1929)
- Date
- 1929-08-06
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Die Sitzung vom Sonntag Bericht ütfer <üe I?hl3tetD»exfckirtive. (Ejgeoberrchf -der «Stimme».) Zürich, 4. August. Sa; che?, verweist auf seinen den. Delegierten vorliegenden Bericht. Darin ist zuerst von den mit dem! jfedHiw verbundenen Problemen die Rede. Sacher ver- ' feicfigt die Palästina-Exekutive gegenden. Vorwurf, daß sie den Interessen des Jhsobmv indifferent gegenüber, gestanden habe. Wenn sie auch beim Besuche öffentlicher Versammlungen oder in der Beeinflussung der 1 öffentlichen Meinung durch die Presse keine besondere Aktivität an den Jag gelegt habe, so sei sie doch den Parteien, stets erreichbar gewesen. Ihre Aufgabe dem Jischusw gegenüber habe die Exekutive vor altem darin gesehen, einmal den Jischuiw zu ermutigen., sich wo immer er es 'könne, selbst zu helfen und Ln wichtigen : Fragen, insbesondere denjenigen der örtlichen Regierung, der Industrie und des Steuerwesens, Rat und) Hilfe zu gewähren. Der Rückzug des die Gemeindeautonomie stark beeinträchtigenden Regierungsentwurfes über die lokale Verwaltung sei zum Teil der Intervention der : Palästina-Exekutive zu verdanken. fluten aktiven Eingrleifejn sei auch zuzuschrfefoen, ..daß die Regentag einen Plan ausge^rbeZtet habe, der dein finanziellen Schwierigkeiten von Teä Aviv ein Ende machen wind, indem die Regierung von flnten Forddnmgjan gegen diese Stajdt 74.000 Pfund unjd tfie Zionistische Exekutive 30.000 Pfund streichen. Die Exekutive mache es sich weiter zur Aufgabe, die Regierung davon zu überzeugen, daß die junge Industrie von1 Palästina nur durch eine umfassende und groftoügige TarifpoLitik aus ihrer schwierigen- Lage, in die sie vor allem durch das mangelnde Verständnis der Regierung geraten sei, befreit werden könne. Die Zo34beziehungen mit Syrien seien in einer befriedigenden .Weise gelöst worden. Dagegen habe die Exekutive weder die Mittel, noch die Absicht, die Politik der, Kreditgewährung fortzusetzen, da dies Sache der zahlreichen Kreditinstrtuti erneu sei. Die Palästina-Exekutive sucht, die Sicherung harmonischer Beziehungen zwischen Arbeitgeber und Aribeftnrehmefr, in der sie eine Vorbedingung für die industrielle Entwicklung siebt, durch die Vermittlung von Abkommen zwischen den Parteien zu fejr^eichen. Sie beglückwünsche den Industrieverband und die Histadrnht zu dem wunderbaren Geist von Entgegenkommen, der die bisherigen .Verhandlungen beherrscht habe, und (Hoffe, <faiß ähnliche Abkommen auch zwischen .Unternehmern und Arbeitern und zwischen Kolonisten und landwirtschaftlichen Arbeitern abgeschlossen werden. Die Spannung zwischen jüdischen Kolonisten und jüdischen Arbeitern habe nachgelassen und die Zahl der jüdischen Arbeiter auf dem Lande zugenommen. Wetter habe sich die Palästina-Exekutive bei der Regierung für die Durchführung einer Eisenbahnpoli-tik eingesetzt, die, nicht durch fiskalische, sondern durch wirtschafifllohe Interessen bedingt ist, und sie -habe Grund zur Annahme, daß diese Auffassung ständig an Boden gewinnt. Das schwerste Problem sei die Arbeitslosigkeit gewesen. Es sei der Palästina-Exekutive gelungen!, die Regierung zu» bewegen, einen Teil der Verantwortung ztr übernehmen. Spezieller Dank gebühre Lord Plumer, der, diese Frage zu seiner persönlichen Angelegenheit gjemacbt habe. Die zionistische Organisation habe als solche erhebliche Mittel aufgebracht und daneben habe sich auchdie Pica*, die Palestine Economic Corporation sowie der KKL an der Lösung des Problems beteiligt Ohne die unermüdlichen Anstrengungen der Histadruth hätte nur wenig erreicht werden können. Hejujife gibt es keine wirkliche Arbeitslosigkeit mehr in Palästina. Eine der dringendsten Aufgaben sei die Konsolidiertmg der bestehenden Siedlungen, die allen anderen Aufgaben voran gehen müsse. Infolge der Vorstellungen der Exekutive dürfe man von der Regierung eine Steuerreform erwarten, durch die vor allem der untragbare Zehent diwch eine einfache Landsteu/er ersetzt werden soll. Dar gegen sei es der Exekutive nicht gelungen, entsprechend den Beschlüssen des letzten Kongresses die Verträge mit den Siedlern abzuschließen. Unter den mit der Organisation verbundenen Problemen erwähnt Sacher die Notwendlgjkeit, die Finanzen zu sanieren. Trotz Versagens der Zloriisten, besonders Sn America, bei Erfüllung der übernommenen Verpflichtungen sfcden dennoch die Schulden erheblich vier« mJnlde^t, dejr Kredit der Exekutive wieder hetrges$el!t t^nd d|e Bejaraten- und Lehnesgiehältejr voll nachgezahlt worden. Infolge des Fehlens entsprechender Einnahmen ln den letzten Monaten sei jedoch eine Wendung zum Schlechten zu befürchten. Auf dem Gebiete des Erziehiungswesens sei es der Exekutive trotz finanzieller Schwierigkeiten gelungen, das Schulsystem auszubauen. Besonderer Dank gebühre der aufopfernden Arbeit von Miß Szold, die u. a. den Ecdehuogsddrektor Dr. Berks an gewannen und durch privat aufgebrachte Mföel das Budget des Etztehungswesens balanciert habe. Dem Kongreß werde ein von Miß Szold und Dr. Berksen atssgearbetieter Refonmplan der bisher unbefriedigenden Organisation des Erziehungswesens vorgelegt werden* Die Beziehungen der Palästina-Exekutive zum Direktorium des Keren Hajessod seien durchaus harmonische gewesen, nicht dagegen za ihrem Bedauern zum Direktorium des Keren Kajemeths der sich für eine völlig unabhängige Organisation zu halten scheine, während die Exekutive den Standpunkt vertritt, daß ihr Wille in letzter Instanz entscheiden müsse. Die Palästina-Exekutive bemühe sich, ein Verhältnis gegenseitigen Vertrauens zwischen ihr und der Regierung zu unterhalten. Die Beziehungen hätten sich zum mindesten nicht verschlechtert, wie die Erfolge auf dem Gebiete der Beschäftigung jüdischer Arbeiter bei öffentlichen Arbeiten und auf dem Gebiete der Einwanderung beweise. In der Frage des Kötel Maarawt endlich habe die Palästina-Exekutive in einem Memorandum dargelegit, daß der Status quo durch das Mandat nicht gerechtfertigt sei Bericht des Keren-Hajessod-Direktoriums. (Eigenbericht der «Stimm».) Zürich, 4. August Der Keren Hajessod habe Nichtzionlsten die Möglichkeit einer ailativen Teilnahme am Palästina-Aufbau ohne formellen Anschluß an die Zionistische Organisation gegeben. Dadurch seien 120.000 neue Keren- Soeben erschienen! Kongreßnummer 7/9 von „S»AEÄSTIMA“ Monatsschrift für den Aufbau Palästinas. Redaktion: Adolf Böhm, Wien, XVI., Wiihelminenstraße 28. Aus dem Inhalt: Dir. Prof. Dr. Suter: Die Psychotechnik beim Aufbau Palästinas. Agr. E. Volcani (Wilkansky): Die Bedeutung der Milchwirtschaft. Agr. J. Siman: Die Pflanzungswirtschaft. Julius Berger: Mittelständische Kreditpolitik. Ing. R. Pacowsky: Technische Probleme des Bauens. Dr. Ing. Menasche ben Ephraim: Jüdische und Nichtjüdische Erziehung. Dr. Haniel: Die Feldberegnung. Agr. J. Walz: Die Aufforstung. Kongreßberichte. Rundschau: Politik von Dr. Emst Simon. Geistiges Leben von Dr. Hugo Bergmann. Arbeiterbewegung von Dr. A. Tartakower. Nachrichten und Daten, Bücherbesprechungen. Jahresabonnement: Oesterreich S 12.—, Deutschland M 8.40, Tschechoslowakei cK 70.—, übriges Ausland Dollar 2.—. Verlag: C. Barth, Wien, L, Heßgasse 7. HajessodsZahler gewonnen worden, was eine Verdoppelung der finanziellen Kräfte des Palästimawerkes bedeutete. Der Keren Hajessod verleugne nicht das nationale Ideal, sondern vertrete lediglich den Standpunkt der Neutralität in der LnmerjÜdiLschen Politik. Es sei daher der erste Schritt auf dem Wege zur Einbeziehung der Nichtzionisten in die Palästinaarbeit gewesen«, und auf seiner Idee sei die Jewish Agency aufgetoaut De. Hantke wendet sich gegen Sondersanrmlungen. Auch nach der Bildung der Jewish Agency werde der Keren Hajessod die nationalen Kapitalien sammeln und seine Methoden noch eine erhebliche Zelt weiter anwenden müssen. Für eine langfristige Anleihe, die ja auch durch den Keren Hajessod siohergestellt werden müsse, seien die Bedingungen heute noch ungünstig. Die landwirtschaftliche Kolonisation werde noch stärker ais bisher die entscheidende Aufgabe des Keren Hajessod sein. Die Privatinitiative wende sich fast ausschließlich dem sehr rentablen Pflanzungsbau und der Umgebung älterer landwirtschaftlicher Punkte zu, lehne sich aber im übrigen an den Keren Hajessod und teilweise an den KKL an. Landwirtschaftliche Kolonisation großen Stils, Seßhaftmachung von Arbeitern und Kleinbauern werden auch in der Jewish Agency ohne Keren Hajessod so lange eine Utopie bleiben, als die Kolonisation überall die Unterstützung staatlicher Instanzen erfordert. Die Einnahmen des Keren Hajessod, über deren Verwendung Im übrigen die Exekutive bestimme, sollten als eine nationale Sammlung in erster Linie in dauernden Werten, wie landwirtschaftlichen Siedlungen und industriellen Unternehmungen angelegt werden und vor allem nur für unbedingt notwendige Ausgaben in Anspruch genommen werden. Dar Keren Hajessod, so schließt Df. Hamtke, bedeute. Gleichberechtigung alle?, die am Palästina- Aufbau mitwlrken wollen, Befreiung von der Bevormundung der alten Philaiitjropie und dftn.. Grundstein zu dem stthtabfiigeritefien jütflschen Existenz. Bericht des Keren-Kajemeth-Direktorinms. (Eigenbericht der «Stimme».) Zürieh, 4 August Usslschkln stellt fest, daß die Einkünfte des KKLtm allgemeinen, mti Ausnahme von Kanada, nicht weiter gestiegen seien, dies komme daher, daß die meisten Kräfte der Organisation nicht dem KKL gewidmet würden. Die Spesen seien gegenüber dem Vorjahre stark vermindert worden. Die Vermehrung der Einkünfte hänge von den Sammlern ab, heute aber liege die gesamte Arbeit auf den Sobultern der Jugend. In den vergangenen zwei Jahren ist der Bodenbesitz des Keren Kajemeth auf 100.000 Dunam, <L 1. um über 40 Prozent vermehrt worden. 90 Prozent der Eingänge des KKL seien durch kleine Beiträge aufgebracht worden. Einzig Lord Melchett habe eine größere Summe, nämlich 9000 Pfund zum Kauf der Haifa-Bay beigetragen. Die entscheidende Frage für die Zukunft Palästinas sei, wem der Boden gehören werde. Alles von den Staatsländereien zu erwarten wie die Revisionisten, sei absurd, da man auch den großen Bodenbesitz aus Privathand erwerben müsse. Für die nächsten zwei Jahre müßten die Einnahmen auf eine Million gesteigert, d. h. verdreifacht werden, damit die Verpflichtungen bezahlt, neue Unternehmungen ausgeführt, Arrondierung und Konsolidierung bewerkstelligt und Wasserleitungen angelegt werden könnten. Eine Bodenreserve sei angesichts der steigenden Preise unerläßlich. Die Privatinitiative im Bodenerwerb dürfe nur zugelassen werden, wenn Garantien dafür bestehen, daß der Boden auch in Zukunft in jüdischen Händen bleibt, daß jüdische Arbeiter auf ihm beschäftigt werden und er nicht zu Spekulationen ausgebeutet wird. Auch der Boden, den die Jewish Agency kauft, werde Boden des KKL sein. Auf Grund von Besprechungen mit Dr. Weizmann hoffe er, daß dem Keren Kajemeth durch die Jewish Agency neue Quellen erschlossen werden. Sollten die erwarteten Mittel aber ausbleiben, so werde im Winter eine große Aktion in Amerika durchgeführt werden. Ussischkin appelliert zum Schluß seiner Rede an alle Zionisten, an der Erlösung des Bodens von Palästina mitzuarbeiten. Erklärung Weizmanns über den Keren Kajemeth (Eigenbericht der «Stimme».) Z ü r i c h, 4. August Dr. Weizmann bemerkt zum Referat von Ussischkin, die Bodenfrage und die Ansiedlung gehörten zweifellos zu den wichtigsten Problemen des Palästinaaufbaues. Auf demselben Boden in privaten Hänr den könnten nur 1—2 Familien angesledelt werden, wenn es sich dagegen im Besitze des Keren Kajemeth befindet, 15—20. Eine Million Pfund für den KKL sei nur xein Programm-Minimum, ln Amerika habe der Nationalfonds, besonders auf Grund der neuen Konstellation noch größere Möglichkeiten. Sollten sich die Erwartungen aber nicht erfüllen, so solle ln Amerika nach dem Keren Hajessod-Drive ein großer Nationalfonds- Drive durchgeführt werden. In der Frage der Kontrolle über die Böden könne die Zionistische Organisation lediglich einen moralischen Druck ausüben. Das Prinzip der jüdischen Arbeit sei leider In großen jüdischen Kolonien nicht durchgeführt Zwischen den Zeilen Klagemauer Eine hohe Wand, Steinblöcke — alt, uralt Quadern auf Riesenquadern gehäuft. Sonst nichts. Der Weg zur Wand: enge, schmutzige, lärmende Oäßchen. ’ Vor ihr auf steinernen Fliesen: jüdische Pilger and jüdische Siedler. Die, die im Lande nur sterben wollen und die hier ein neues Leben beginnen. Und hinter ihr das prachtvolle Wunder der Omar* moschee. Am Berge Moriah sind Quadern auf Riesenquadern gehäuft. Sonst nichts? Wer einmal sie sah, oder einmal nur fühlte — der weiß: die Klagemauer ist mehr, viel mehr, ist heiligstes Out und teures Kleinod, ein Amulett am Halse des Volkes, in allen Zeiten getragen. Nicht Steine — Edelsteine, doch ohne Rahmen und äußeren Glanz. Aber durchglüht vom Inneren Feuer, ein Steinsymbol leuchtend in dunkle Nacht der Zer- Streuung, die endlich zu weichen beginnt. Ringsum sind Häuser, wo Hassende wohnen and Feige. Moslims, im roten Fes, die meuchlings das Messer zücken und Fromme verhöhnen. Sie wollen stören, wollen den Klagenden, Betenden, Hoffenden den Weg verrammeln. Und bauen einen profanen Bau. Und der Beamte der Mandatarmacht erlaubt: «Juristen... Akte... läßt sich nichts machen...» Auch ein — Non possumus .. . Und überall, wo Juden nur wohnen, erhebt sich ein ungeheurer Sturm des Protestes. Ein Zornesausbruch, ein Schrei der Wut und eine Klage, gebracht vor das Forum der Wett: Ich, jüdisches Volk, klage Dich an, England, wegen der Klagemauer. Man schändet mein heiligstes Out und Du gestattest. I’acc^l cem