Mannheim
Compact Memory

Die Stimme · 1929-08-06 · Heft 85 (6.8.1929) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Stimme
Volume
2 (1929)
Issue
Heft 85 (6.8.1929)
Date
1929-08-06
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3053752-3053805-3053837--1184-3056517
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr, SS aelte*3 äässsÖM«MiliMi PIE STttPfE Fortsetzung der Generaldebatte R’ von OHtckson, Lewin, Usslschkin, Martin Bnber, Bert Kazenelson, Melr Großmann n, a. J. Berger (allgemeine Zionisten Besambiens) begrüßt, daß die Exekutive ein Referat Ober die hebräisdie Kufturafbeit aascb in der Gafoth awf die Tages- Qodnsng des Kongresses gesetzt herbe. Farchy (Sefarde) bedauert, daß sich die fcebfäiscfie Sprache am Kongreß immer noch nicht durchgesetzt habe. Mit Freude nehme er es entgegen, daß die Exekutive in ihren Arbeitsplan für die nächste Zukunft auch die Propagandaarbeit unter den Sefardim, die bisher vernachlässigt worden sei, einbezfehe. -Die bulgarischen Zionisten unterstützen die Agency-Politlk der Exekutive. Df. Glückson (Demokraten Erez Jisrael) hält der Exekutive vor, daß sie es zu sehr als ihre Aufgabe zu betrachten scheine, die Palästinaregierung zu verteidigen, obwohl diese uns Schwierigkeiten bereite. Die Erreichung der 2400 Zertifikate sei ein Erfolg der Exekutive gewesen, im allgemeinen aber zeige sich die Regierung in der Frage der Einwanderung nicht entgegenkommend, wie ihre Haltung gegenüber der Einwanderung von Verwandten und von bemittelten Elementen beweise. Auch in der Frage der Staatsländereien sei nichts geschehen, womit die Regierung den ausdrücklichen Bestimmungen des Mandates zuwiderhanddet Dasselbe sei in bezug auf die Frage des Kötel Hamaarawi zu sagen, die den letzten Berichten zufolge ungünstig für uns stehe. Dt. Hindes (allgemeine Zionisten) verteidigt die Politik der Exekutive, die zum erstenMaledieMethodendermodernen Staatskunst angewandt habe, gegenüber den Angriffen, die ein Rückfall in den vorzionistischen Messianismus bedeuten. Die gegenwärtige Exekutive habe den Begriff der persönlichen Verantwortung geschaffen und sich nicht schleppen lassen, sondern geleitet Redner wendet sich gegen die Vergeudung nationaler Mittel durch unfruchtbare Kolonisationsexperimente und nimmt die produktive private Pflanzungsarbeit in. Schutz. Den ersten Wahlmodus für die Jewish Agency halte auch er für den demokratischen Traditionen des Zionismus widersprechend, glaube aber, daß die Agency sich demokratisieren werde. Dagegen anerkenne er nicht die Gefahr einer Anpassung der Zionisten an die Nichtzionisten, da der Einfluß jener, da sie die Grundlagen des Palästinaaufbaues geschaffen habe, . der stärkere sein werde. Redner wendet sich gegen gebundene Mandate der zionistischen Delegierten in der Jewish Agency, da dies den Wert der Agency beeinträchtigen werde. Der Zionistenkongreß sei nicht Selbstzweck, vielmehr sei es notwendig, die alten Formen den neuen Bedingungen anzupassen, Jean Fischer (allgemeine Zionisten) führt atfs, das schlechte Verhältnis der englischen Regierung zum jüdischen Palästinawerk sei die Folge unserer falschen Einstellung zum Zionismus. Da unser Recht auf Palästina unabhängig vom der Lage des Landes sei, halte er es für verfehlt, die ökonomische Basis in Palästina zur Grundlage unserer Politik zu -machen. In der Frage der Jewish Agency gäbe e s h e u t e k e i n Z u r ü c k m e h r, u n d d 1 e 0 p Position könues'ichuur.'deshalb erlauben, gegen sie zu sprechen, weil sie sich in derMinderheitwisse. Schmarja Levin (Allgemeine Zionisten) findet es bedauerlich, daß ein Teil der Zionisten selbst statt in der Erweiterung der Jewish Agency einen Sieg des zionistischen Gedankens zu feiern, eine gedrückte Stimmung auf dem Kongresse schaffe. D i e z i o i s t ische Bewegung sei ner z u e i n e m T e i 1 e in die zionistische Organisation ein gespannt, und der zionistische Gedanke erfasse über diese hinaus konzentrisch linnmer weitere Kreise. Man dürfe aber diejenigen, die sich der Bewegung infolge ihrer Erziehung in einer falschen Ideologie erst später anschließen, nicht deshalb für minderwertig befrachten, und man müsse begreifen, daß diese Menschen nicht sofort schon den Sah ekel entrichten. Man übersehe vielfach, daß die andere Seite die größeren Konzessionen mache, und daß der Agency-Gedanke auch die im Assimilationsprozeß befindliche jüdische Arbeiterschaft erfaßt habe. Der Sieg werde unser sein, weil den fifty-Nichtzionisten nicht fifty-Zionisten, sondern diese plus Palästina gegenüberstehe und weil nicht die Geldgeber über das Schicksal Palästinas entscheiden, sondern diejenigen, die die tägliche Arbeit dort verrichten. Alles Neue sei mit einem Risiko verbunden, man müsse aber bedenken, daß unsere Partner nicht dem Judentum entfremdet sind, sondern sei es aus religiöser, sei es aus Palästinabegeisterung oder weil sie kein anderes jüdisches Tätigkeitsfeld haben, zu uns kommen. Wäre der psychologische Moment für die Erweiterung der Jewish Agency vor fünf Jahren erfaßt worden, so wäre mancher Kampf erspart geblieben. Die Zionisten haben verlernt, Ideen zu verbreiten und erschöpfen sich in Fragen der Organisation. Die Bewegung ist aber über die Organisation hinausgeflutet. Der Wortlaut des Kontraktes sei nebensächlich’, da stoli unter den fifty- Nichtzronisten mindestens fifty-Zionisten befinden. Redner beglückwünscht Df. Weizmann zu der Intuition, die ihn auf den Weg zur Jewish Agency geführt habe, und stellt die Prognose, daß de* XVI. Kongreß in der Gesch ichts als der Beginn einet neuen Aera verzeichnet bleiben werde. Usslschkin stimmt der Erweiterung der Jewish Age cy zu, weildiefumdamendalcn zionistischen Grundsätze nicht angetastet worden seien und er es für ein Verbrechen halte, die Organisation zu verlassen. Er werde daher in der Organisation bleiben und ihr seine Kräfte zur Verfügung stellen. Er verwahre sich aber dagegen, daß die Jewish Agency gegen den Keren Kajemeth ausgespielt werde. Den allgemeinen Z ionisten in der GaluthwirftUssischkin vor, daß siedle jüdische Jugend, der sie nur eines gäbe, nämlich das Bestehende gutzuheißen, an die Flügelparteien, wo noch Schwung und Idealismus vorhanden sind, verliere. Dem Mitglied der Exekutive, Prof. Brodetsky, spricht er das Vertrauen in sein Erziehtmgsprogramm aus, empfiehlt ihm aber, dessen Durchführung nicht von London, sondern von Jerusalem aus zu leiten. Zum Schlüsse verteidigt Ussischkin seine den Flügelparteien angehörenden Mitarbeiter im Direktorium des Keren Kajemeth gegen den von Bfumenfekl erhobenen Vorwurf, daß -sie nach Instruktionen ihrer Parteien gehandelt hätten. Dr. Bernstein (allgemeine Zionisten Holland): Im Zeitpunkte der Erweiterung der Jewish Agency sei es unerläßlich, die besonderen Aufgaben der Zionistischen Organisation in der Zukunft aufzudecken, die ihren Weiterbestand rechtfertigen. Formen seien dabei nebensächlich. Von der Palästinaregierung müsse man verlangen, daß sie die politischen Bedingungen der jüdischen Kolonisation schaffe und sich der zu kolonisierenden Elemente annehme. Farbstein (Misrachi): Wir erstreben Erez Jisrael und nicht Palästina. Ussisch-kin habe die Unzufriedenheit mit der Lage in Palästina ausgedrückt, die 90 Prozent aller Zionisten empfindem D i e Rechte, die man -uns nicht frei- SloMent — laellbar Sichere Beteftigung der Sprachstörung, Ueberraschend» Erfolge, zahlreiche Anerkennungsschreiben. Dt. S LBw, Wie» V., Mfttersteig 4. Freie Auskunft täglich v»n 2 bis.4 Uhr w i 11 i g g i b t, m ü ß t e n erkämpft werden. Die Ereignisse am Kotei Maarawi bezeichnet der Redner als einen geistigen Pogrom. Martin B u b e r (Hitachduth) führt aus: Die Jewish Agency sei eine hi-stprische Tatsache und Palästina s?i nicht mehr.eine Angelegenheit der Zionisten allein. Die Aufgabe der Zionistischen Organisation in der Zukunft werde sein, die Volksbewegung auch in der Agency zu erhalten. Israel bedeute mehr als nur Nation «ntj Zionismus sei das Bekenntnis zu einem -geläuterten Nationalismus, der sich nicht in der Selbstbehauptung erschöpfe, sondern bahnbrechend neue Wege des Völkerlebens weise. Buber warnt davor, die Araber, weil sie uns fremd seien, als minderwertig zu betrachten. Wir dürfen uns -nicht majorisieren lassen, dürfen aber auch nicht andere majorisieren. Da Juden wie Araber Palästina lieben, sei eine gemeinsame Landespolitik möglich. Da diese Auffassung aber nicht nur in Deklarationen, sqpdern im praktischen Leben des Alltags zum Ausdruck kommen müsse, empfehle er die Einsetzung einer besonderen Kommission, die -die Palästina-Exekutive in der Frage der Beziehung zu den Arabern beraten solle, Hebräischsei nur der Beginn der Erziehung der Jugend zu einem hebäischen Humanismus. Entscheidend sei nicht die Sprache, sondern was wir in dieser Sprache der Menschheit zu sagen haben werden. Berl Kazenelson (Poale Zion)' erklärt, man behandle die Arbeiterschaft an diesem Kongreß so gut, weil man irrtümlich glaube, sie werde zur Stagnation in Palästina schweigen. Die Arbeiterschaft jage nicht nach Portefeuilles, sondern fordere einen schöpferischen Zionismus, der sich in der Arbeit für den Keren Kajemeth, Alijah Und Hachscharah äußere. Und das System der Exekutive, die nur eine Minorität vertrete und ihr Ziel mit Drohungen zu erreichen suche, werde bei einer neuen Krise wiederum eine Panik erzeugen, weil man glauben mache, die Hilfe könne nur von außen kommen. Die Schuldenverminderung habe die Exekutive nyr durch Eingehung hoher Verpflichtungen, zu der sie vom Kongreß nicht ermächtigt gewesen sei, erreicht. Die Konsolidierung könne von ihr nicht durchgeführt werden. Die starke Hand habe die Exekutive überall dort, wo man sie gebraucht hätte, wie bei der Durchsetzung des Rechtes auf jüdische Arbeit, nicht gezeigt, wohl aber gegenüber dem Keren Kajemeth, als dieser Boden für Arbeitersiedlungen erwerben sollte. Der Exekutive fehle das Verständnis dafür, weiche Fragen brennend seien. Sie habe das Budget für jüdische Arbeit in den Kolonien sowie für die Kulturarbeit der Arbeiterschaft gestrichen, die Arbeiterbank nicht unterstützt und durch die Nichtüberführung städtischer Arbeiter in die Landwirtschaft neuen Krisen Stoff geschaffen. Es fehle der Exekutive auch an politischem Mut, wie ihre Haltung in der Frage der Beschränkung der Gemeindeautonomie beweise, in der sie die Initiative den Arabern überlassen habe. Auf einen Zwischenruf, weshalb er von der Jewish Agency schweige, antwortet der Redner, die Arbeiterschaft habe wichtigere Fragen zu lösen und fürchte die Agency nicht. Obertabfoiner Landau (allgemeine Zionisten) ist der Ansicht, daß in Palästina nicht alles so sei, wie es sein sollte. Die Schuld trage aber nicht die zionistische Leitung, sondern die englische Regierung. Großmann (Revisionisten): Die Exekutive habe nichts unternommen, um das englische Parlament über die wirkliche Lage in Palästina aufzuklären. Die -hebräische Sprache werde nicht als gleichberechtigt behandelt. Es sei ein Fehler, nach außen zu proklamieren, daß man eine Bodenreserve schaffen wolle, da dies die Preise in die Höhe treibe und unsere Forderung nach Anteil an den Staatsländereien beeinträchtige. Redner wirft Weizmann vor, daß er dem Kongresse immer wieder seine Unersetzbarkeit Vorhalte und behauptet, es gäbe in allen Parteien genügend Leute, die die Leitung übernehmen könnten. Die Revisionisten seien für die Zusammenarbeit mit den Niohtzionisten, vorerst aber imr in ökonomischer Hinsicht, gewesen. Redner teilt mit, daß die revisionistische Fraktion einstimmig beschlossen habe, nicht in die Jewish Agency einzutreten, dagegen weiter in der Zionistischen Organisation zu verbleiben. Fishman (allgemeine Zionisten): Dr. Wiise habe in seiner Eigenschaft als Ehrenpräsident des American Jewish Congres bei Senator Borah zugunsten der russischen Zionisten interveniert, so daß ihm nicht vorgeworfen werden könne, er habe als Zionist die Prärogativen der Exekutive durchbrochen. Gegenüber -der Behauptung Ussischkins müsse er feststellen, daß die Jugend in Amerika auf seiten der allgemeinen Zionisten stehen. N a i d i t s c h (allgemeine Zionisten); stimmt mit Jaboti-nslki darinüberein, daß man unter dem Nationalheim von Anfang an den Judenstaat verstanden hätte. Auch er tritt für gebundene Mandate der zionistischen Delegierten in der Jewish Agency ein und fordert, die Erziehung müsse in den Händen der Zionistischen Organisation bleiben. S o 1 o w e i t s c h i k (Radikaler) bezeichnet Weizmarin als einen guten Politiker in Zeiten des Aufstiegs, -der aber in schlechten Zellten die Nerven verliere. Zwischen Zionisten -und Nichtzionisten bestehen tiefgreifende Unterschiede, die man vergeblich zu verwischen suche. Die Zionistische Organisation dürfe nicht an die Nichtzionisten ausgeiiefert werden, und es müsse daher eine von der Agency unabhängige Exekutive gewählt, sowie das Prinzip der gebundenen Mandate d-urchgesetzt werden. Dt. Klee (allgemeine Zionisten) weist auf die Bedeutung der jüdischen Turnbewegung für die jüdische Renaissainoe bim und tritt für eine aktiv-e Unterstützung des Makkabi-Weltbundes ein. Die Zionisten sollten optimistisch in die Agency eintreten, aber auch in Zukunft neben den gemeinsamen Aufgaben die große Erziehungsarbeit für die Durchsetzung Ihrer Weltanschauung im jüdischen Volke fortsetzen. Der Zionismus muß alle Machtpositionen -im jüdischen Leben und vor allem die -Gemeinden zu erobern suchen. Nach Dr. Klee sprach Thursz (Marokko)’. Verhandlungen Dr. Weizmanns mit dem Präsidium des Permanenzausschusses Zürich, 2. August. (Eigenbericht.) Präsident Dr. Weizmann nahm heute an der Sitzung des Präsidiums des Permanenzausschusses teil, die längere Zeit dauerte. Nachher erschien er im Plenum des Permanenzausschusses* dem er wichtige Aufklärungen gegeben hat. Weizmann erklärte auch, daß er es in diesem Moment als seine Pflicht erachte, die, Leitung der Exekutive weiter zu behalten. Bezüglich der Zusammensetzung der neuen Exekutive gab Präsident Weizmann der Meinung Ausdruck, daß es an der Zeit wäre, die Exekutive durch Heranziehung der. Vertreter der linken und rechten Gruppe zu erweitern* Die Zusammensetzung der Permanenzkommission Zürich, 2. August. (J. T. A.) Die Penn* nenzkommission besteht aus nachstehenden Vertretern : 8 allgemeine Zion5sten, 5 Vertreter des Misrachi, 4 Poale Zionisten, 4 Hitachduth, 2 üevisionjsten und 1 Radikalen. In das Präsidium der Perraanenzkommission wurden gewählt* Mossinsohn als Vorsitzender, Brudny (Poale. Zion), Gedalje Buhlik (M’srachi) und B. Goldberg (Allgemeine Zionisten) als Stellvertreter,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.