Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 2 (1929)
- Issue
- Heft 85 (6.8.1929)
- Date
- 1929-08-06
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Sötte 2 f*. 85 Der xn. Zh)ilstenkOff$refi In miKh Randglossen zum Kongress (f) Die Trauerktmdgebung des Kongresses infolge der Klagemauer -wirkt wie ein Flammeni protest nicht nur England, sondern der ganzen I gesitteten Welt gegenüber. Noch einmal wird J in ruhigen, aber von einem ungeheuren Ernst j enzitternden Worten Sokolows von der einzigen! Welttribüne des aufstrebenden Judentums auf | die ewigen Rechte hingewiesen, die das Judenj tum mit Erez Israel und der Klagemauer als i dessen heiligstem Symbol verknüpfen. Der; historischen Verbundenheit eines ganzen Vol- | kes gegenüber müssen alle kleinlichen Berech-; nungen lokaler Kronjuristen in ein Nichts zerfallen, da es über der Gerechtigkeit des Alltags eine höhere Gerechtigkeit der Geschichte gibt. Und eben diese Gerechtigkeit war es, die die Balfour-Deklaration uns bescherte und diese Gerechtigkeit muß siegen, wenn Abgesandte eines Volkes und der ganze Jiszuw sich mit aufwühlendem Schmerz und Zorn gegen eine Ver- * fttgung eines englischen Beamten in Palästina aufbäumen, die geeignet ist, den Sinn der ^höheren europäischen Gerechtigkeit in das Gegenteil zu kehren. Der Kongreß hat es wohlweislich vermieden, billige Angriffe gegen englische Lokal- Ibeamte zu richten. Kolonel Kish und der greise |Bürgermeister Jerusalems David Jellin weri‘den es wohl verstehen, als Abgesandte des Kongresses beim Kolonialamt in London unserer 'Empörung genügenden Nachdruck zu verleihen. # Die Kunde von der Klagemauer, die wie ein Blitz in die ziemlich optimistische Stimi mung einschlug, erhellte auch einen Ausspruch, I der verdient, festgehalten zu werden: Unsere Erfolge hängen nur von unserer Stärke ab. 1 Einem starken Jiszuw gegenüber, mit einer gefestigten Wirtschaft, mit einer wachsenden Einwanderung und wachsendem Wohlstand einer Million Juden, würde sich auch die Haltung der jMandatarmacht und des Völkerbundes wesentlich ändern. Ewige Rekriminationen einer schwachen Minderheit, die noch hiezu von politischen Kämpfen allzu sehr unterwühlt wird, wirken wohl als Ausdruck des Protestes, verwischen jedoch die Horizonte und lähmen die Spannkraft für die Zukunft. Mit verbissenem Groll müssen wir die Dinge so hinnehmen, wie sie eben sind und nur durch fortgesetzte Anstrengungen, durch fortwährende Erweiterung unserer städtischen und landwirtschaftlichen Expansionsmöglichkeiten und durch die möglichste Hintansetzung aller unnützer Reibarcieu und Bruderkämpfe in Erez Israel, uns bemühten, im friedlichen Wettbewerbe eine Festung jüdischen Lebens aufzurichten. Das Bewußtsein, daß die Zeit gegen uns arbeitet und daß eine historische Chance sich nur selten wiederholt, sollte uns Mut und Kraft geben zum Ausharren. Hiezu ist jedoch auch Disziplin notwendig und Weizmann berührte dieses brennende Problem mit aller Wucht in seiner grandiosen Erwiderung in der Generaldebatte, indem er mit einem ungeheuren Ernst sich gegen Versuche wandte außenpolitischer Extratouren seitens einzelner Gruppen oder auch gegen das Bestreben, eine zionistische Institution gegen die andere auszuspielen. Die Generaldebatte am Kongreß zeigte in vielleicht bisher noch nicht dagewesenera Maße die volle politische Reife und den Ernst der Delegierten. Ungestört konnte jeder seine Meinung äußern und die Arbeitervertreter Palästinas gaben durch ihr ganzes Verhalten während der Debatte und ihre Sprecher ein Musterbeispiel hoher politischer Schulung. * Ueber alle Debatten rückt das Problem der neuen Exekutive in eine bereits bedrohliche Nähe, ohne daß darüber etwas Entscheidendes verlauten würde. Koalitionsregierung oder Zentrum wie bisher — diese Frage harrt noch immer der Lösung. Wenn nicht alle Zeichen trügen, muß eine Koalitionsregierung nunmehr die Leitung übernehmen und damit auch die volle Verantwortung. Der Zustand, daß die linke und die Rechte für sich die bequeme Rolle de« Kritikers in Anspruch nahmen, während das ohnehin durch viele Splitter geschwächte Zentrum der allgemeinen Zionisten die ganze Bürde der schweren Verantwortung zu tragen hatte, muß in einer gesunden Bewegung aufhören. Erez Israel wird weder flir Misrachi, noch für die Arbeiterschaft allein und auch nicht von diesen allein gebaut — das Land gehört dem ganzen Volke und müssen auch Vertreter des ganzen Volke« über das Aufbauwerk bestimmen und hieftir in der Leitung die Verantwortung tragen. Die erweiterte Jewish Agency ist Das Oberrabbinat telegraphiert an Ramsay Macdonald, Lord Balfour and an den Völkerbund. Jerusalem. Die Erregung der palästinensischen Judenheit Über den Entschluß der Palästina-Regierung, den Mohammedanern die Weiterfuhrung der Bauaibet- Jen über und an der Klagemauer und den Durchbruch eines Zuganges zur Omar-Moschee durch die Mauer zu gestatten, hält unvermindert an. Das Oberrabbinat bat sich telegraphisch. an den britischen Premierminister Ramsay Macdonaid, den Kolonienminister Lord Paßfield, Lord Balfour, das Sekretariat des Völkerbundes und an den gegenwärtig in Zürich tagenden Zionistenkongreß gewandt und gegen die Erneuerung der Bauarbeiten an der Mauer, die eine unzweideutige Verletzung des Status quo darstellen und außerdem den jüdischen Gottesdienst an der Mauer Stören, protestiert Das Oberrabbinat, die Vertreter der Zionistischen Exekutive und die Mitglieder des Waad Leumi haben eine gemeinsame Beratung abgehalten und beschlossen, den stellvertretenden Oberkommissär, Herrn Luke, a,u>fwsuefien und ihm gegenüber in aller Form Verwahrung gegen den gesetzlich nicht zu rechtfertigenden Standpunkt der Regierung einzulegen. Der Waad Leumi und die jüdischen Gemeinden in Jerusalem und in Haifa, sowie die Stadtverwaltung von Tel-Aviv haben' den Zionistenkongreß telegraphisch aufgefordert, zu der Frage der Klagemauer öffentlich Stellung zu nehmen. Die allgemeine Arbelterföderation Palästinas (Histadruth) hat sich telegraphisch an die britische Arbeiterpartei um Intervention gewandt. In allen Teilen des Landes werden Komitees zum Schutze -der jüdischen Rechte an der Klagemauer gegründet. Der Widerhall der Klagempuervorfälle ln Zürich , Z ü r i c h. Die bei der zionistischen Exekutive und der Leitung des Zionistenkongresses aus Jerusalem eingetroffenen Telegramme, daß die Regierung den Moslemiten gestatte, die Bauarbeiten an der Klagemauer fortzuführen, haben in den Kreisen der Kongreßdelegierten Erregung hervorgerufen. Die Mitglieder der Exekutive und die in Zürich weilenden Mitglieder des Waad Leumi haben in dieser Angelegenheit eine gemeinsame Beratung abgehaäten. Es verlautet, daß Dr. Weizmann von Zürich aus ein Memorandum an das Londoner Kolonialamt gerichtet hat, in welchem vom Standpunkt des Rechtes und des jüdischen Interesses nachdrücklichst Verwahrung gegen die Entscheidung der palästinensischen Beamten eingelegt wird. Es verlautet ferner, daß sich von Zürich aus eine Persönlichkeit mit einem speziellen diesbezüglichen Auftrag nach London begeben hat. Proteste aus Palästina Jerusalem, 31. Juli. Das Oberrabbinat von Palästina richtete auf telegraphischem Wege Proteste an den englischen Premierminister, an den Kolonialminister, an Lord Balfour, an das Sekretariat des Völkerbundes sowie an den Zionistenkongreß wegen der Entscheidung der englischen Regierung, die die Erlaubnis erteilt fiat zum Weiterbau bei der Klagemauer. In diesen Telegrammen wird die Verfügung der Regierung als Vergewaltigung de$ Statu« quo bezeichnet, wodurch den Arabern die Möglichkeit geboten wird, die Andacht der Juden an der Klagemauer stets zu stören. Kundgebung des Zionistenkongresses in Sachen der Klagemauer Sokolow verliest eine Protestresolution der Exekutive, — Delegierte weinen. — Eine Abordnung der Exekutive begibt «ich nach London, Zürich, 2. August, ln der Sitzung des Ziöntatenkongresses von Freitag Nachmittag« verla« der Präsident des Kongresses, Nahum Sokolow, während sich sämtliche Delegierten und Qäste zum Zeichen des Protestes und der Trauer von den Sitzen erhoben, die folgende Erklärung der Exekutive: Seit dem Zusammentritt des 16. Kongresses haben die Exekutive und viele Delegierte aus Palästina Nacli- I bereit« kein Projekt, sondern Wirklichkeit vom 11. August, bis dahin muß auch die Einheitsfront der zionistischen Organisationen auch in jler Leitung zum Ausdruck gelangen. Die« muß man vom Kongreß erwarten und fordern. richten erhalten, aus denen hervorgeht, daß die von der palästinensischen Regierung den moslemitischen Behörden gegebene Erlaubnis, in unmittelbarer Nachbarschaft der Klagemauer gewisse Bauarbeiten auozufüliren, unter der jüdischen Bevölkerung Erez Israels tiefe Besorgnis hervorgerufen hat. Diese Arbeiten würden zum ersten Male die Ermöglichung einer direkten Verbindung zwischen dem Haram-Gebiet und. einem arabischen Hause schaffen, das unmittelbaren-Zugang zu der jüdischen Andachtsstätte an der Klagemauer hat. Die'Exekutive hat die autoritative Versicherung erhalten, daß die Ausführung dieser Arbeiten keinerlei Handlung im Gefolge haben wird, die geeignet, wäre, Belästigungen oder Störungen der jüdischen Beter hervorzurufen. Die Exekutive hat zwar die von der Palästina-Regierung über ihre Absichten gegebenen Versicherungen entgegengenommen, hielt es jedoch für ihre Pflicht, die Aufmerksamkeit auf die Tatsache zu lenken, daß' die Oeffnunig einer direkten Verbindungsmöglichkeit'zwischen dem Haram-Gebiet und der jüdischen AndachtS^tätte..gerade jene Wirkung haben kaum, die nach.dem Wunsch der Regierung und nach unserer eigenen gerechtenForderung unbedingt vermieden werden soll. Dies aber ist die Seite der Frage, die bei r.llen Juden in Palästina und in der ganzen jüdischen Welt die tiefste Erregung hervorgerufen hat. Alle legalen Rechte, die die Eigentümer der Grundstücke, an denen die Arbeiten ausgeführt werden sollen, besitzen mögen, sind bedingt und begrenzt durch die anerkannte Pflicht der palästinensischen Regierung, das Recht der Juden auf ungestörte Andachtsübung an der .Klagemauer. zu schützen.» Die Erklärung machte tiefsten Eindruck auf alle Anwesenden, zahlreiche Delegierte hatten Tränen in den Augen. Zur Symbolisierung des Ernstes der jüdischen Klage wurde die Sitzung für kurze Zeit unterbrochen. Entsprechend den Wünschen des Kongresses und dem Einverständnis mit der politischen Kommission entsandte die Exekutive eine Delegation nach London, um an maßgebender Stelle die ernste Besorgnis, mit der der Kongreß die gegenwärtige Lage betrachtet, auszudrücken. Dem Staatssekretär für die Kolonien soll auf die dringende Notwendigkeit hingewiesen werden, Maßnahmen 2u ergreifen, die den von der Regierung hinsichtlich der Ausübung der jüdischen Rechte an der Klagemauer erhaltenen Versicherungen praktische Wirkung gibt und ferner Garantien zu schaffen, damit der eigentliche Charakter des Platzes vor der Klagemauer als einer öffentlichen Gebets- und Andachtsstätte in keinei Weise angetastet wird. Colonell Kish und Dawid Jelin nach London abgeflogen Zürich, (Eigenbericht.) Auf Grund des einstimmigen Beschlusses des Kongresses begaben sich auf dem Luftwege Colonell Kish . und der Bürgermeister von Jerusalem, Dawid Jellin, nach London, um hier im Namen des Kongresses auf die riesige Erregung und die Gefahr von Unruhen hinzuweisen, welche die Verfügung der Regierungsstellen in Palästina wegen der. Klagemauer in der ganzen jüdischen Weit hervorgerufen bat. Der Stellvertreter des Oberkommissärs wegen der Klagemauer Jerusalem, 3. August. Der Stellvertreter des Oberkommlasärs, Luke, empfing hier die Oberrabbiner Palästina« i>n Angelegenheit der Klagemauer, denen er in einer zweistündigen Konferenz die Gründe awselnandersetzte, weiche die englische Regierung bewogen haben, den Arabern auf Grund des Gutachtens von Kronjurieten die Erlaubnis zu erteilen, die Arbeiten bei cler Klagemauer fortzusetzen. Luke gab den Erschienenen den Rat, an das Kolonialamt in London zu berufen. Er versprach zugleich, Vorsorge zu treffen, d*aß die Ruhe während der Andacht an der Klagemauer in keiner Weise gestört werde. Proteststurin wegen der Klagemauer Erregung der palästinensischen Judenheit Aber die Klagemauer-Entscheidung der Regierung