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Die Stimme · 1929-08-02 · Heft 84 (2.8.1929) · page 5

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Journal
Die Stimme
Volume
2 (1929)
Issue
Heft 84 (2.8.1929)
Date
1929-08-02
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 84 DIE STIMME Seife 5 sich hier in seiner ganzen Tiefe und Größe. Und ich muß sagen: Audi wer wie ich für den «Ichud» im Lande ist, mußte schwankend werden, wenn er diese Männer sah und hörte. Denn es ist eine schwere Frage, ob es absolut richtig ist, daß diese Kräfte in der Masse einer einheitlichen Partei untergehen sollen, ja, ob sic es können. Uebrigens wurde mitgcteilt, daß eine Reihe von lohudgegnern der neuen Partei nicht beitreten werden. Hiebei muß bemerkt werden, daß es bei diesen Menschen ausgeschlossen ist. daß sie sich zu einer Gegengrnppe zusammenschließen werden. Sie werden den tiefen Schmerz des Unterganges ihrer Gruppe in ihrem Innern tragen und sich bemühen, soweit es geht, diese herrliche Energie in Schöpfungen wirtschaftlicher Art umzugießen. Ein Gespräch mit Vandervelde (Eigenbericht der «Stimme».) Zürich, 30. Juli. Der jetzt in Zürich weilende Führer der zweiten Internationale und bekannte Zionistenfreund Emil . Vandervelde äußerte sich in einem Gespräch mit einem jüdischen Journalisten unter anderem: «Ueber meinen Besuch in Polen bin ich sehr zufrieden. Die Herzlichkeit, mit der mich dort die jüdischen Massen empfangen haben, hat mich tief ge* rührt. Die Begeisterung für den Zionismus, die ich dort gesehen habe, muß wahrhaft imponieren.» «Was meine Person anbelangt, wissen Sie doch, daß ich ein aufrichtiger und überzeugter Freund der zionistischen Sache bin, und bin immer bereit, alle meine Kräfte für sie zur Verfügung zu stellen.» «In der nächsten Zeit begebe ich mich nach Deutschland, wo ich in vielen Städten Vorträge über den Zionismus abhalten werde.» Auseinandersetzung zwischen Keren Kajemeth und Keren Hajessod auf dem Kongreß (Eigenbericht der «Stimme».) Zürich, 28. Juli. Es scheint sich auf dem Kongreß eine ziemlich scharfe Auseinandersetzung zwischen Keren Kajemeth und Keren Hajessod anzukündfgen. Der Keren Kajemeth unter Führung Ussischikins ist bestrebt, die Bodenfrage zu einem zentralen Punkt zu machen. Es wird versucht, dem Keren Kajemeth als lern nach Erweiterung der Agency verbleibenden «einzigen zionistischen Fonds» eine Vorzugsstellung zu . geben. M. M. U s s i s ch k i n begrüßte die Keren-Hajessod-Konferenz in hebräischer Sprache, und unterstrich die Notwendigkeit, dem Keren Kajemeth mehr Akfionsfreiiheit zu geben. Wir wenden uns an Sie, s a g te e r m i t d e r flehentlichen B i 11 e, u n s freier at beiten zu lassen, aber wir iebenen auch, wenn dies notwendig werden sollte, vor einem Kampfe nicht zurück. Ussischkins Worte wirkten sensationell. Es kam zwischen ihm und Sokolow zu einer Auseianndersetzung, indem Sokolaw auch weiterhin dem Keren Hajessod das Primat gesichert wissen wollte. Die Zionisten Oesterreichs beim Kongreß Nachstehende Gesinnungsgenossen aus Oesterreich beteiligen sich in offizieller Form an Arbeiten des Kongresses und dessen Bureaus: Als Kongreßdelegierte: Dr. Desider Friedmann und Ing. Stricker. Als Delegierte der WIZO: Die Frauen: Gisela Blauer, Dr. Martha Hoffmann, Sofie Loewenherz, Sabine Laßweg, Marie Pollak, Salome Rottenberg, FaniWeiß. Als Vertreter der Fonds: Dr. Otto Abeies, Professor A. Freud, Dr. Koffler, Dr. Ch. Tartakow, Dr. E. M. Zweig. Als Leiter des Sekretariatsbureaus: Dr. N. M. Gelber. In der Leitung der einzelnen Bureaus sind tätig: Dr. Kellner, Dr. Schmitz, Saul Welnreb. Schließlich leitet A. M. Tennenblatt das Jüdische Telegraphenbureau. Ueberdies ist eine überaus große Anzahl von jugendlichen aus Oesterreich im Ordnerdienst des Kongresses tätig. Samuel Tschernowitz gestorben (Eigenbericht der «Stimme»,) Tel-Aviv im Juli. Der bekannte hebräische Schriftsteller und Journalist Samuel Tschernowitz ist gestorben. Tschernowitz gehörte zu den fähigsten und angesehensten Schriftstellern im Lande. Vor vielen Jahren war er Redakteur der Warschauer «Hazefirab». In der letzten Zeit war er in einer ganzen Reibe van hebräischen und jiddischen Zeitungen tätig. Der Verstorbene war Sekretär des «Waad Haleumi» In Jerusalem. Der Jlschuw und die jüdiische Journalistik verlieren in ihm einen fähigen und der jüdischen Renaissance treu ergebenen Mitarbeiter. Die Züricher Kongreßzeitumg ist in der Buchhandlung M. Ratih, Wien, II., Taborstraße, erhältlich. ICH übersiedlel Meinen Freunden und Kunden zur Nachricht, daß ich meine Buchhandlung R. Löwit am 1 . August 1929 in die neuen großen Räume Wien 1. wonzeiic 0-8 verlegt habe. Ich habe die Buchhandhandlung R. Löwit mit dem berühmten Antiquariat A. MEISTR 1K vereinigt und führe nun beide Firmen zusammen WIEN I, WOLL- ZEILE 6 fort. Mein Zentralbüro bleibt unverändert I. Fleischmarkt 1. Ich hoffe, daß mir meine Kunden und Freunde auch in den neuen Räumen Treue und Anhänglichkeit bewahren werden. Dr. Max (Mayer) Präger Inhaber der Buchhandlung R. Löwjt und A. M e j s t r i k jetzt nur (Tel. R 25-4-53) Zentralbüro: 1. F1 e i s ch m a r k t 1 Zwischen den Zeilen Kongreß — Hailoh, hallohl Verbinden Sie mich doch. Ick warte. Warte schon lange. Die Hand wird schwach, das Hörrohr sinkt. Hallohl — Falsch — nicht Sie wollte Ich sprechen. Auch nicht Sie. Hier das Gewissen ... — Ja, noch immer beim Apparat. Seit Jahren. Seit Jahrtausenden. Ich warte auf Jemanden, der Jenseits des Drahtes, jenseits des Aethermeeres mir lauschen wird, meine Worte trinken wird, an meinen Sätzen sich berauschen wird, von meinen Reden Kraft und Mut schöpfen wird. Hier das Gewissen des jüdischen Volkes ... — Dich, Dich will ich sprechen, Volk. Hier — Dein Gewissen. Bleibe, bleibe, höre ... — Worte? Sind das nur Worte? Strömt nicht in ihnen, hinter ihnen, das Leben? Geknechtetes, nach Freiheit sich sehnendes Leben? Schicksal, Parlament, Wendepunkt, Führer, Kongreß, Jubel, Opferbereitschaft, Triumph . . . all das Worte? Nur Worte? , . , — Nein, das Hörrohr wird zerschmettert, der Draht zerrissen. Ich sende Dir meine Botschaft durch den kosmischen Aether. An Alle! An alle Juden! Wo immer sie sind, wo immer sie leben, wo immer sie singen und weinen und.beten und mich verraten. Hier das jüdische Gewissen -rzu einer Sonne geworden — in einer Alpenstadt, hier Kongreß, hier Licht, hier Hoffnung. Und ich spreche zu Dir, an Dich, in Dich — jüdisches Volk, jüüüüdisches Voooolk . . . Höre!/ Sem. Die Opposition Von Dr. Israel Taubes. Jabotinski und Grünbaum sprachen vor «Gott und Geschichte». Sie sind sich der Aussichtslosigkeit ihres Kampfes am Kongreß bewußt, aber sie wollen nicht früher diesen Kongreß verlassen, ehe sie nicht die letzten Warnungen ausstießen. Man darf die Bedeutung einer Opposition nie verkennen, aber diesmal hat die Opposition den Kongreß mit einem Meeting verwechselt, Jabotinski und Grünbaum hatten einen leichten Standpunkt. Sie versetzten sich in die prähistorischen Zeiten des Zionismus, entblößten sich als «Neschumezionisten» und wirkten rhetorisch hervorragend. «Vor Gott und Geschichte» legten sie wieder ihr Credo ab und versuchten, mit Gefühlen Staaten zu bauen. Kein konstruktiver Gedanke, kein Wort von einem Aufbauplan, nur eine Fülle von Sentimentalitäten und Traditionsmomenten. Sie redeten nicht von der revolutionierenden Kraft der Idee, nicht von den ungeheuren Umwälzungen, die die Macht der Idee brachte, sie zitterten und fürchteten nur vor einer Uebermacht der «Nichtzionisten». Sie möchten den 11. August, den Tag, an welchem die Einheit des jüdischen Volkes wieder neu proklamiert wird, aus der jüdischen Geschichte ausmerzen. Der 11. August ist für die Opposition der Trauertag, er bedeutet für sie die Liquidierung des Zionismus. Diese defaitistische Stimmung versuchten diese zwei Redner in den Kongreß hineinzutragen. Der gesunde Instinkt bäumte sich dagegen. Blumenfeld als Sprecher der Mehrheit fand das richtige Wort hiefür und er machte die Oeffentlichkeit aufmerksam, daß Rhetorik nicht immer politische Reife . sei und dieses unpolitische System, das die Opposition vertritt, nur zur Schwächung der Bewegung beitragen müsse. Und das möchte doch auch die Opposition nicht. Die Opposition will für die «Reinheit» der Idee j in der Jewish Agency kämpfen. Sie, die Hüterin dieser «Reinheit» möchte unsere Idee stets in Sabbathkleidern sehen und übersieht, daß Zionismus als Volksbewegung alles, was jüdisch ist, in sich aufnimmt. Wir erwarteten von der Opposition, auch wenn ihr Kamp.t auf dem Kongreß mehr für die Straße berechnet ist, neue, erfrischende Losungsworte, Worte, die in der Lage wären, unsere Organisation zu festigen und zu stärken. Nichts von alledem. Die Opposition bat schließlich den lieben Herrgott um . . . Verzeihung für die Exekutive und ist mit ihrem «Erfolge» zufrieden. Zürich, 31. Juli 1929. Begrüßung des Kongresses durch Großbritanien und den Völkerbund Zürich, 28. Juli. (J. T. A.) Als Sokolow geendet hatte, betrat der Gesandte des Britischen Reiches die Tribüne, mm den Kongreß im Namen seiner Regierung zu1 begrüßen. Es war dies das erstemal, daß die Regierung Großbritanniens als die Mandatarmacht Palästinas einen zionistischen Kongreß offiziell begrüßt. Auf der Tribüne erschienen sodann hohe Beamte des Völkerbundes, als dies Protektors Palästinas, um den Kongreß im Namen der Völkergemeinschaft zu begrüßen. Diese Ansprachen übten starke Wirkung aul den Kongreß aus und brachten die Riesenversammlung in eine gehobene Stimmung. Es wurden dann unter starkem Beifall der Versammlung BegrUßunigstelegramune von Prof. Albert Einstein, Lord Melohett, und dem amerikanisch1-jüdischen Philanfropen Nathan Straus verlesen. Hierain teilte Dr. Weizmann mit, daß die Exekutive an Lord Balifouir ein Telegramm abgesand't habe, ln welchem der innige Wunsch für baldige Genesung des hervorragenden Staatsmannes und Denkers ausgesprochen wurde. Der Kongreß bereitete Prof. Otto Wartung, der am 20. Juli sein 70. Lebensjahr vollendet hat, eine herzliche Ovation. Fraktionssitzung des Misrachi Zürich, 28. Juli. (J, T. A.) Die Fraktion de# Misrachi auf dem Kongreß hielt eine Sitzung ab, in de$ der Präsident des Weltmisrachi Rabbi Meir Berlin ausführlich über die wichtigstem Misrachi-Problerne auf^ dem Kongreß referierte und die Lege der zionistischen Bewegung im Zusammenhang mit der Bildung der Agency erörterte. Rabbi BerRn erklärte, .Wsrachl sei bereit, sich an der Exekutive m beteilig: wenn dl* Garantie geschafften wird, daß das Minimalprogramm . des Misrachiverwirklicht werden wird.

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