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Die Stimme · 1929-07-30 · Heft 83 (30.7.1929) · page 3

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Journal
Die Stimme
Volume
2 (1929)
Issue
Heft 83 (30.7.1929)
Date
1929-07-30
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 83 0TB STIMME *feite 3 Folge hatten über unsere Auffassung der Frage der HeHigen Stätten. Wenn der Jüdische Gottesdienst vor der uns heiligen Klagemauer gestört wird, so ist die heftige Entrüstung der jüdischen Welt eine natürliche Reaktion. Wir haben klar gemacht, daß wir eine Verletzung unseres Rechtes auf Andachtsübung nicht hinnehmen können. Zugleich aber wiederholen wir, daß uns nichts weniger in den Sinn kommt, als eine Antastung der religiösen Rechte oder heiligen Stätten anderer Konfessionen. Wir werden es stets als Ehrensache betrachten, diese fremden Rechte heilig zu halten. Wir bedauern, daß diese Affäre Anlaß gegeben hat zu einer akuten Mißstimmung zwischen uns und den mohammedanischen Mitbürgern in Palästina. Wir sind überzeugt, daß die Quellen dieser Konflikte sich beseitigen lassen und wollen unsererseits alles tun, um :n diesen und anderen Fragen eine Verständigung mit den Arabern herbeizuführen. Das neue organisatorische Problem. Unsere Organisation steht bereits in ihrem vierten Jahrzehnt. Wir haben in dieser Organisation uns ein Instrument unseres Willens geschaffen, das erste politische Werkzeug des Volkes seit 2000 Jahren. Aber wir vergessen niemals, daß die jeweilige Form dieser Organisation eben nur ein Instrument ist und nicht Selbstzweck. Einer Bewegung wie der unseren droht nur eine Gefahr, die Gefahr der Veralterung der Formen, die Gefahr, statt Herr über die selbstgeschaffene Struktur zu sein, ihr willenloser Diener zu werden. Die Erweiterung der Agency schafft neue Organe innerhalb unseres zionistischen Gesichtskreises. Wir wünschen und hoffen, daß der Geist der Zionisten, die Leidenschaft des Dranges nach jüdischer Wiedergeburt, zu immer intensiverem Erfassen der mit Palästina verbundenen Juden führen wird und daß unabhängig von den Fesseln der äußeren organisatorischen Struktur, sich eine elementare Kraft entwickeln wird, die dem Aufbau Zions dient. Kampf um die Seele der Jugend. Unsere Bewegung ist der klarste Ausdruck des Erwachens der jüdischen Seele, das sich im letzten halben Jahrhundert vollzogen hat. Mit brennender' Schärfe empfinden wir die Verantwortung für das ganze Voffc. Die Botschaft des Zionismus fst noch lange nicht in jedes jüdische Haus gedrungen. Noch immer dient ein großer Teil unserer Jugend fremden Göttern in verschiedener Gestalt. Wir haben uns in den letzten Jahren ausschließlich konzentriert auf die praktische Arbeit in Palästina. Heute, wo eine neue Generation herangewachsen ist, empfinden wir, daß es an der Zeit ist, den Zionismus mit erneuter Hingebung als eine Sache der sittlichen Entscheidung vor die jüdische Welt zu bringen. Nach dem, was wir bereits erreicht haben, Stottern — heilbar Sichere Beseitigung der Sprachstörung, Ueberrascbende Erfolge, zahlreiche Anerkennnngsschreiben. Dr. 8 L8w, Wie« V., Mittersteig 4. Freie Auskunft täglich ren 2 bis 4 Uhr__ hat die Entscheidung für oder gegen das Palästina- Programm an Schärfe verloren. Worauf es amkommt, ist die Gewinnung der Jugend für eine Entscheidung zu ihrer nationalen Verantwortung. Der Zionismus ist der Wille, ein neues Judentum zu schaffen. Aus diesem Grunde muß die Kulturarbeit, das ist der Kampf um die Seele unserer Jugend, in Zukunft einen noch größeren Platz bei uns einnehmen als bisher. Wir haben Anfänge bedeutsamer Art ln Palästina, die Entwicklung unserer Universität ist verheißungsvoll, die hebräische Sprache ist dank der aufopfernden Tätigkeit des hebräischen Lehrers zu einer Selbstverständlichkeit geworden. Aber all dies genügt nicht, es sind erst die Voraussetzungen für ein wirkliches kulturelles Wirken und Schaffen. Die Befürchtung, daß durch die Jewish Agency die Zionistische Organisation überflüssig wird, scheint mir kleinmütig. Der Zionismus hat niemals Garantien seines Bestandes gehabt, er war stets ein großes Wagnis, seine einzige Stütze der feste Glaube der Getreuen. Wenn unser Geist lebendig ist, dann wird aus jeder äußeren Veränderung der Zionismus bereichert und gestählt hervorgehen. Möge dieser Kongreß durch seinen würdigen Verlauf und durch den Ernst seiner Verhandlungen uns dieses große Gefühl der Selbstsicherheit geben, auf dem jedes zionistische Wirken beruht. Nahutn Sokolows HerzI-Gedenkrede Der Präsident der Zionistischen Weltexekutive, Nahutn Sokolow, hielt die Gedenkrede auf den vor 25 Jahren verstorbenen Schöpfer der zionistischen Bewegung, Theodor Herzl. Er führte ungefähr au6: .Verehrte Kongreßmitglieder! Wieder ist mir die Aufgabe zugefallen, dem Andenken Theodor Herzls den Tribut der Zionistischen Organisation ztj zollen. Es ist dies die größte Ehre meines Lebens. Das große Leben, das vor 25 Jahren aufhörte, kann unmöglich mit einem Blick übersehen werden. Große Männer sind wie Berge, wir können ihre Höhe nicht erschauen, solange wir unmittelbar vor ihnen stehen. Es ist jetzt 25 Jahre her, daß Herzl starb; in 25 Jahren, die dem Tode eines großen Mannes folgen, muß ihr Ruhm oft durch Verdunkelungen gehen. Die Generation, die ihn kannte, verschwindet allmählich. Es wächst ein jüngeres Geschlecht auf, dem er in gewissem Sinne Zeitgenosse war, aber ein Zeitgenosse, von dem sie wenig wußten. Jeder große Mann, sei er Wissenschaftler, Philosoph oder Staatsmann, verliert sehr im Verlauf der Periode, in der er aufhört, Zeitgenosse zu sein, ehe noch die Historiker ihm den ihm gebührenden Platz in der Geschichte seiner Zeit zugewiesen haben. Dies aber war und wird bei Herzl nicht der Fall sein. Ein Leben, wie das seine, läßt sich in einer Biographie nicht ausschöpfen. Von wie vielen Gesichtspunkten -aus läßt sich doch an das Studium dieses Meisterwerkes eines Lebens, dieses vielseitigen Genies, dieser fesselnden Persönlichkeit herangehen, einer Persönlichkeit, die die größten Gestalten unserer zeitgenössischen jüdischen Geschichte in den Schatten stellt. Die Rückkehr des verlorenen Sohnes. Mit Herzl begann eine neue Epoche unserer Geschichte; Die Rüokkehr des verlorenen Sohnes. Herzls Kindheit und frühe Jugend waren von einer Atmosphäre verfeinerter westeuropäischer Kultur beherrscht. Aber gleich Abraham brach er mit der Ueberlieferung. Unter dem Gebot seines jüdischen Gewissens wand er sich aus jüdischen Vorurteilen heraus und warf einen Grundsatz nach dem anderen über Bord. Er, der als junger Mann in den Wiener aristokratischen und intellektuellen Salons als kommende Größe galt, wurde später der Liebling des osteuropäischen Ghettos. Der weltberühmte Schriftsteller wurde zum Organisator des jüdischen Volkes; er, weitherziger Menschenfreund, heftete sein Geschick an das einer einzigen Nation. Diplomat, Dichter, Redner, Journalist, politischer Führer und Künstler in einer Person, bereicherte er alle Dinge, mit denen er in Berührung kam. In unserem Volksgeist nahm er einen weiten Raum ein; er drang so tief in die Volksphantasie ein, seine Tätigkeit war so epochemachend und seine Energie so unerschöpflich, daß eine volle Wertung seiner wundervollen Persönlichkeit erst möglich sein wird, wenn eine entsprechende Zeitspanne vergangen ist und wir nicht mehr durch den Glanz seines Genies oder durch parteiliche Vorurteile geblendet sind. Es sollte heute, wo die Welle des Schmerzes verebbt ist, möglich sein, die Wunderkraft dieses Mannes und den Platf, den er in den Herzen der Menschen einnimmt, genauer zu zeichnen. Wir Zionisten haben Herzl sofort in dem richtigen Lichte gesehen, in dem Lichte unserer nationalen Geschichte. .Wir erkannten ihn sogleich; als einen Propheten — so wahr, wie nur je ein Prophet gewesen ist —- nur in moderner Gestalt Von ihm strahlte der Geist der Tat aus. Selber voller Lebendigkeit, voller Feuer und Ideen, gab er lins Flügel. Schon seine äußere Erscheinung wirkte wie ein Magnet. Seine Fähigkeit, Menschen aller Nationen anzuziehen, hatte etwas Messianisches an sich. Was er zu sagen hatte, sagte er in kürzesten, klarsten und unmittelbarsten Worten. Seine wahrhaft vornehme Art übte auf alle, die ihm zuhörten, eine tiefe Wirkung aus. Nie verließ ihn der Mut, für seine Sache einzutreten. Er besaß die seltene Gabe, intuitiv die Menschen zu beherrschen, er überzeugte sie und sie folgten ihm. Er aber blieb immer der Gleiche, der Erfolg verdarb ihn nicht. Der Weg zwischen der Veröffentlichung des «Judenstaat» bis zum ersten Zionistenkongreß war voll I Verwicklungen und kaleidoskopartigen Schwierigkeiten, durch die er hinduroh mußte. Der Biograph kann hier nicht anders, als unbedingt loben. Der Zionismus war zu jener Zeit noch nicht organisiert, wohl aber der Antizionismus. * 1 Der erste Gruß, der den neuen Sonnenstrahl traf, war der Münchener Boykott. Der Vorstand der Münchener jüdischen Gemeinde hatte von der Abhaltung des Kongresses in München abgeraten. Diesem «Consilium abeundi» folgten bald weitere Erklärungen gleichen Charakters«. Indem Herzl gegen diese Schwierigkeiten aokämpfte, wurde er wie Jacob zu «Israel». Im Kampfe wuchsen ihm die Kräfte. Sanft und liebenswürdig im privaten Verkehr, entwickelte er im öffentlichen Leben größte Bestimmtheit, gepaart mit konstruktiver Fähigkeit. Als Diplomat hatte er nicht seinesgleichen, Aber er stand immer zu seinem Wort. Er pflanzte seine Standarde hoch, er erhob das jüdische Leben auf seinen eigenen, erhobenen Standplatz. Herzl auf dem ersten Kongreß. Am Abend des 29. August 1897 tat Herzl, als er, ich und noch einige Freunde auf dem Balkon des Hotels «Drei Könige» in Basel saßen und der Rhein zu unseren Füßen floß, den folgenden Ausspruch: «Die bulgarischen Juden haben von jeher geglaubt, daß der Messias am ersten Elul geboren werden wird. Sie haben Recht behalten. Der Messias wurde heute auf dem Zionistischen Kongreß geboren. Dieser Messias wird wachsen!» Herzl war frei von Aberglauben, aber sein Herz war eines tiefen, religiösen Gefühles voll. Er glaubte nicht nur an das, was er sagte; er sah es mit seinen eigenen Augen. Seine geniale Führerschaft hatte das zusammengebunden, was bisher als nicht vereinbar Letzte Nachrichten Die Konstituierung. Zürich, 30. Juli. (Eigenbericht der «Stimme».), Des Zioiiristenkongreß hat Nahum Sokolow (London) zum Kongreßpräsidenten gewählt. Es sind 254 Delegierte aus 46 Landesorganisatronen, zusammen mit den stimmberechtigten Fwiktionären 322 Delegierte anwesend. Prof. Weizmann erstattete den Rechenschaftsbericht Über die abgelaufene zweijährige Amtsperiode der zionistischen Exekutive. Dr. Ruppin referierte über die Bedeutung Palästinas für das jüdische Volk. Nachmittags referierte Felix Rosenblueth über die Verfassung der Jewish Agency. Der Kongreß begann hierauf die Generaldebatte. erschien: das jüdische Volk. Er hatte nicht eine bestimmte Politik erfunden; sein Ziel war, das Volk in den Marsch z«u bringen, es unter einem Banner zu vereinigen; er vertraute darauf, daß der Genius dieses Volkes es schon dem richtigen Endziel zuführen wird. Er vertraute darauf, daß das, was dem jüdischen Volk als Wunsch vorschwebte, nicht durch Mangel an Kraft und Hingabe mißlingen werde. War dies nicht messianisch? Der erste Zionistenkongreß und die gesamte erste Periode des Zionismus war vvie eine phantastische Vision, heroisch und bedeutend. Um diese Vision Wirklichkeit werden zu lassen, bedurfte es vieler Begabungen. Es bedurfte des großen Intellektes eines Max Nordau und der Hingabe eines David Wolfsohn. Es bedurfte ferner jener Männer der Tat, die die Föderationen und Institutionen gründeten, nicht zu schweigen von den Kolonisten-Pionieren in Erez Israel, deren man heute und für alle Zeiten mit höchster Anerkennung gedenken muß. Aber alle diese Einzelarbeit konnte nicht so sehr den künftigen Geschlechtern die Größe des Unternehmens vermitteln, als die stolze Vision Theodor Herzls. Herzl, der Lehrer, Demokrat und Arbeiter. Herzl hatte es erfaßt, daß die Judenfrage nicht mehr allein eine Frage der Religion sei. Als er eingesehen hatte, daß die Liebe zu Zion ein inspirierendes Ideal für. das Judentum ist, ohne welches es sich selbst aufgeben würde, wurde er Zionist und Palästinenser. Seine Inbrunst, seine exakte Logik waren beglückend, beunruhigend und doch besänftigend. Er suchte und fand Befreiung von der Bürde und dem Mysterium der ungelösten jüdischen Tragödie. Nachdem Sokolow ein eindringliches Bild des Verläutfes und der Probleme des ersten Zionisterikongresses gezeichnet hatte, fuhr er fort: Keiner erfaßte es besser als Herzl, daß der Zionismus das jüdische' gen stige Bewußtsein in ungeahnter .Weise stärken würde; Der historische Herzl beginnt mit der Verkündung Palästinas als dem jüdischen Lande und mit dem fersten Zionistenkongreß. Bis dahin war der politische Zionismus bloß Theorie; er lebte in Broschüren, in der Einbildung der Führer und in den Herzen des Anhänger. Der Kongreß gab dem Zionismus konkreten Ausdruck. Herzl wurde in dem Augenblick, in welchem er mii seinem Volke in Berührung kam, als Führer anerkannt. Vom ersten Tage des ersten Kongresses an hatten seine Lehren und Ideen die Geister erhellt und die Herzen des Volkes erfreut. Seine Grundidee war: das jüdische Volk auf eine Basis gleicher. Würde mit allen anderen Völkern zu stellen. Darum: «Oeffentlich-redhtlich gesicherte Heimstätte.» Unser «Kaddisch» für Herzl ist nicht ein KaÜdlsch der Trauer, sondern der Verherrlichung Gottes, Unsere heutige Gedenkfeier bringt mir das ergreifende Bild vor die Augen, wie die Jerusalemer Chewra Kadischa zu nächtlicher Stunde ihre Toten bestattet. Der Reihe' nach neigen die Mitglieder die Schulter, um die heilige Last zu ihrer letzten Ruhestätte auf den Hängen des Oelberges zu bringen. Auf dem ganzen Wege wird der 91. Psalm gesungen und die Täler und Hügel ringsum geben den Widerhall dieser erhebenden Töne. Auch wir wollen Herzls in einer Weise gedenken, daß die Täler und Bügel im Lande Israel von den Psalmen der Freude widerhallen, von dem Triumphgesang des «schir Hamaaloth», von dem Gesang der Erlösung unseres Volkes. r Der Vertreter des italienischen Judentums in der Agency. Mailand, 23. J-uli. (J. T. A.) Die Föderation der jüdischen Gemeinden Italiens hat Comroandore Federico Jarach, Präsidenten des italienischen Metalfatrgl- \ sehen Verbandes und der Lombard Industrie Union, sollt \ Vertreter des italienischen Judentums in der Jet»istt ) Agency gewählt. Stellvertreter fst der Professor der ' Universität Rom, Riccardo Bachi ' - s

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