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Die Stimme · 1929-07-30 · Heft 83 (30.7.1929) · page 2

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Journal
Die Stimme
Volume
2 (1929)
Issue
Heft 83 (30.7.1929)
Date
1929-07-30
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 Nr. 8» Der XVI. Ztoihienhontird) in lürlcli Eröffnung des Kongresses Erster telegraphischer Bericht (Von unserem nach Zürich entsende ten Sonderberichtersrfatter) Zürich, Sonntag nachts. Im bis zum letzten Plätzchen gefüllten Stadttheatersaal wurde heute die würdige und einfache Eröffnungsfeier des Kongreßes vörgenoittfliett. Präsident Weizmann wird mit Riesenovationen empfangen. Iffl giüngeschmückten Hintergrund des Saales hängt das Bild Herzls in schwarzem Rahmen. Auf der Tribüne nehmen um Weizmann die Mitglieder der Exekutive Platz. Hinter ihnen die Präsidenten des Nationalfonds, des Keren Hajessod, Mitglieder des A. C., zionistische Beamte und Pressevertreter. Die Rede des Präsidenten Weizmann wird von Delegierten und Gästen mit atemloser Spannung aufgenommen, Nach ihm’ spricht Sokolow. Seine hebräische Ansprache, voll variierter Bibelstellen, die der Redner mit Herzischen Gedanken in Zusammenhang bringt, ist ein Meisterstück oratorischer Leistung. Hierauf erfolgt die Begrüßung des Kongresses durch den englischen Gesandten und Völkerbund Vertreter. Die enthusiastische Stimmung wächst von Minute zu Minute. Vom Lord Melchett, Professor Einstein und Nathan Strauß langen Begrüßungstelegramme ein, die vom Kongreß wärmstens aufgenommen werden. Weizmann teilt mit, daß die Exekutive an den Lord Balfour einen Genesungswunsch übersandte, was mit großem Beifall quittiert wird. Dem Professor Warburg werden anläßlich seines 70. Geburtstages stürmische Ovationen bereitet. Weizmann schließt dio Eröffnungssitzung mit der Ankündigung, daß in der montägigen Vormittagssitzung die Wahl des Kongreßpräsidiums vorgenommen werden wird. Unter großer Begeisterung erhebt sich der gesamte Kongreß von den Sitzen und bereitet Weizmann große Ovationen. Mit der «Hatikwah» schließt diese eindrucksvolle und unvergeßliche Feier. Der Kongreß ubersiedelt ins Stadttheater Zweiter telegraphischer Bericht (Von unserem Züricher T. N.-Sondenberichterstatter.) Zürich, Montag, 2 9., J u 1 i. Infolge des Riesenandranges des Publikums ist teute der Kongreß in das Stadttheater übersiedelt. Der Präsident der Zionistischen Weltorganisation, Dr. Chaim Weizmann, führte in seiner Eröffnungsrede aus: Der Tag, an dem wir uns zum sechzehnten Male zu unserem Kongreß versammeln, ist ein großer nationaler Gedenktag. Heute sind es 25 Jahre, daß der Schöpfer dieses Kongresses für immer von uns gegangen ist. Die Erinnerung an den unsagbaren Schmerz, von dem alle Teile unseres versprengten Volkes erfaßt wurden, ist heute noch in allen lebendig, die diesen Tag miterlebten. Aber heute, nach einer historischen Distanz von einem Vierteljahrhundert, vermag unser treues Go-- denken sich über Trauer und Klage zu erheben, und wir können den Todestag Herzls begehen im Gefühl der tiefen Dankbarkeit für sein unserer Idee Angegebenes Leben, ein Leben des unermüdlichen Dienstes am Volke. So ist der 20. Tamus in unserem KaJender ein Tag der Sammlung aller im Geiste Zions geworden, an dem v/ir uns unserer nationale^ Zusammengehörigkeit, unserer Verantwortung vor unserem Volke und der Größe unserer Aufgabe bAvußt werden, indem wir Wohl und Wehe unseres Werkes jiöoh Inniger umfassen als sonst. An diesem Gedenktag tritt unser XVI. Kongreß zusammen. Möge es ein gute?« Symbol «ein! Dia besondere Aufgabe das XVI, Kongresses. Geehrter Kongreß! Jeder unserer Kongresse ist dazu da, Rechenschaft abzulegen Über das Getane und Versäumte, und dieser hat äußetdenl eine besondere Aufgabe, die ihrt vielleicht Herausheben Wird aus der Reihe der Kongresse ih der Geschichte'unserer Bewegung. f?f liöt Für die Verwirklichung des Zieles des Zionismus, für die im Baseler Programm postulierte Schaffung einer nationalen Heimstätte für das jüdische Volk irt Palästina, ein neues organisatorisches Gebilde zu konstruieren, das, wie wir hoffen, dem Werke des Auföoue» erh«büche neue Kräfte lufühtett wird, E® lut Emil Vandervelde beim Kongreß (Eigenbericht.) Zürich, 28. J -u I i. Nach Zürich kam anläßlich des Kongresses der hervorragende Staatsmann Emil Vandervelde, der durch eine Delegation der belgischen Zionisten mit Jeatt Fischer an der Spitze begrüßt wurde. Vandervelde wird an den Kongreßberatungen als Gast teilnehmcn. Weizmann bei der A. C. Sitzung (Eigenbericht.) Zürich, 28. Juli. Zur heutigen A. C.-Sitzung erschien Weizmann, der durch lang anhaltenden Beifall aller A. C.-Mitglieder begrüßt wurde. Es wurde bei dieser Sitzung ein Komitee gewählt, welches sich zwecks Vorbereitung der Wahl des Kongreßpräsidiums mit allen Gruppen ins Einvernehmen setzen soll. Konferenz der Revisionisten (Eigenbericht.) Zürich, 28. Juli. Heute wurde hier die Weltkonferenz der Revisionisten, an der alte Kongreßdetegierten teilnehmen, eröffnet. Die Eröffnungsrede hielt Jabotynski, der jedoch absichtlich politische Probleme, die auf der Tagesordnung stehen, nicht berührte. Presseempfang der Exekutive (Eigenbericht.) Zürich, 28. Juli. Heute fand hier ein Presseempfang statt, bei dem Vertreter der Weltagenturen, Berichterstatter ‘ europäischer und überseeischer Blätter anwesend waren. An 300 erschienene Journalisten hörten in größter Spannung die Berichte Sokolows und Prof. Brodeckys an, die die Ziele und Erfolge des Zionismus auf Grund eines ausführlichen Tatsachenmaterials erörterten. Sokolow hob insbesondere die wachsende Sympathie der Weltpresse dem Zionismus gegenüber hervor, die uns aus den friedlichen Bestreben gen dieser Bewegung erklärlich ist. dies nw eine Konsequenz aus den Inneren Entwicklungen, die sich ln den letzten dreißig Jahren und besonders den letzten zehn Jahren, vollzogen haben. Als wir die Zionistische Organisation gründeten, war die jüdische Heimstätte nur eine ,.I4ee, keine praktische Wirklichkeit. Die Zionistische Organisation umfaßte alle die, die diese Idee bejahten, sie forderte von den Juden eine geistige EntStheklimg. Der Zionismus war eine Sache des Glaubens. Der Kampf um die von uns verkündete Idee ergriff das jüdische Volk in seinen tiefsten Tiefem Der Zionismus hat sich in diesem Kampfe behauptet, durch alte Wechselfälle des äußeren Geschehens hindurch hielt er An seinem Ziele fest und beeinflußte auch das Denken und Fühlen eines großen Teiles der Judenheit, die ihn ablehnte. Die Balföur- Deklaration, die uns mit einem Schlage vor die poiiti sehe Möglichkeit stellte, unser Nationalheim aufzubauen, führte eine nemo Epoche herauf, für die unsere alten Denkformen und organisatorischen Mittel nicht mehr atisreichen. Die Dinge sind schneller gereift, als wir nach Hereis Tode gedacht hatten. Der Zionismus ist mit einem Male nicht mehr nur eine Sache der geistigen Entscheidung, sondern in einem starken Ausmaße auch der technischen Bewältigung und der praktischen Leistung. Diese verwandelte Situation hat Schwierigkeiten geschaffen, ja sogar Erschütterungen hervorgerufen, die uns ln den letzten Zehn Jahren oft genug auf eine harte Probe gestellt haben. Wir vertrauten unserem Wollen, aber wir hatten eine unzureichende Kenntnis unseres Könrtetrte. Wir konnten nicht sofort den Ausgleich finden zwischen ideologischer Forderung utid praktischem Leben. Auf dem Weg* zum Ztei. Geehrter Kongreß! Heute können wir ohne Ueber* hebung von uns sagen, daß wir. in der Bewältigung der Aufgabe große Fortschritte gemacht haben, Wir sind nöcn nicht am Ziel, aber wir haben uns aus der Un-* Sicherheit der ersten Machkriegsjahre herausgearbeitet und wir sehen heute den Weg vor uns, auf dem wir weiter zu gehen haben, um die historische Pflicht zu erfüllen, die unsere Generation in der jüdischen Geschichte gesetzt hat. Wir stehen heute am Abschlüsse einer großen zionistischen Periode, einer Periode der praktischen Bewährung. Wir haben eine praktische Leistung vollbracht, die die Kritik nicht zu Scheuen hat. Wir wollen diese Kritik, weM wir durch sie lernen und weil vieles in unserem Werk verbesserungsbedürftig sein muß. Wir hatten in der abgelaufenen Kongreßperiode die erwünschte Gelegenheit, unser kolonisatorisches Werk von einer Reihe erstrangiger Experten prüfen zu lassen, und was immer diese ln Einzelheiten an Verbesserungsvorschlägeti vorbrachten, ihr Urteil hat bewiesen, daß die Grundlagen unseres Werkes gesund und tragfähig sind. Der jüdische Siedler hat seine Scholle in Besitz genommen und er weicht nicht mehr, Der jüdische Arbeiter hat Schritt für Schritt sich Positionen errungen und bildet heute ein stabiles und angesehenes Element der jüdischen Bevölkerung. Landwirtschaft und Industrie, großes und kleines Unternehmertum fügen sich zu einem lebenden Organismus zusammen. Der Kongreß im Zeichen der Jewish Agency. Diese Entwicklung Palästinas hat auf die gesamte Judenheit eine tiefe Wirkung ausgeübt. Unsere praktische Arbeit hat Freunde gewonnen. Diese Freunde haben uns ihre Hilfe beim Aufbauwerk zur Verfügung gestellt. Vor sechs Jahren haben wir die Verhandlungen begonnen, die darauf abzielten, die im Artikel 4 des Palästina-Mandats vorgesehene Jewish Agency, mit deren Funktionen zunächst die Zionistische Organisation betraut war, zu einer umfassenden Vertretung des jüdischen Volkes auszugestalten. Alle Kreise, die bereit waren, am Aufbau der jüdischen Heimstätte gemäß dem Mandat teilzunehmen, sollten auch organisch mit der Agency verknüpft sein. Es ißt erklärlich* daß dieser Gedanke, der eine so gewaltige Neuerung kn jüdischen Leben darstellt, Zeit brauchte ,zu seiner Realisierung. Dieser Kongreß steht in ihrem Zeichen. Dank an Marshall und Warburg. Geehrter Kongreß! Wir Zionisten waren stets überzeugt, daß nach der Erreichung unseres politischen Zieles unsere Funktion sich ändern muß: Ein jüdisches Nationalheim, das wirklich besteht, ist nicht mehr bloß eine zionistische Angelegenheit. Es ist eine zentripetale Kraft, die jüdische Energien in der ganzen Welt anzieht. Wir haben großzügiges Verständnis bei führenden Persönlichkeiten und bei den Schichten der wichtigsten Judenheiten der Welt-gefunden. Es ist mir ein Bedürfnis, Worte des Dankes an sie zu richten, vor. allem an die Führer der amerikanischen Juden, Marshaiti und Warburg, die als die ersten mit uns an der Ausarbeitung der neuen Organisationsform gearbeitet haben. Unsere Verhandlungen mit den amerikanischen Nichtzionisten schufen die Basis, auf der das Gebäude der erweiterten Jewish Agency errichtet werden kann. Im Kampfe um die Idee konnten wir allein stehen, im Ringen um die Verwirklichung brauchen wir. ais Bundesgenossen die ganze übrige Judenheit. Die Fortschritte der nationalen Kolonisation. Vor zwei Jahren waren wir zutiefst beunruhigt von der Lage in Palästina. Wir empfanden damals mit Schmerz, daß wir der Krise schneller Herr geworden wäre«, wenn wir mehr Mittel und Kräfte gehabt hätten. In den letzten zwei Jahren hat sich die Lage aufgehellt und wir haben mit Freude vernommen, daß der High Commissioner vor der Mandatskommission erklären konnte, daß die Zeit des Ueberschusses der Auswanderung beendet ist und eine Zeit der Ein Wanderung beginnt. Die Lage in Palästina hat sich grundlegend gebessert. Wir halben letztens besonders eine Entfaltung des privaten Unternehmungsgeistes zu verzeichnen. Aber auch unsere nationale Kolonisation hat Fortschritte gemacht und steht zum Teil auf eigenen Füßen.. Die Erweiterung unserer Kräfte durch die Agency müssen wir benutzen, um ehv Arbeitsprogramm für mehrere Jahre aufzustellen, nachdem wir die Basis unserer Kolonisation In Stadt und Land systematisch und im schnellen Tempo verbreitern können. Wir sind erfüllt von neuen Impulsen und Hoffnungen, aber ebensowenig, wie wir vor zwei Jahren uns dem Pessimismus ergaben, werden wir uns jetzt von übertriebenem Optimismus leiten lassen* Wir vertrauen unserem Eftthuelä&mus, aber wir sehen alle Realitäten, und unsere Politik zielt dahin, im Ringen mit diesen Realitäten die Obedmttd zu behalten* Die önsiehuttg tut MandAtarmacht. — bas Problem der Kiagettiaueh In Uttegrer Aufbaiiähbeit stehen wir unter dem Schütze der Manda tanh acht, mit der uns, wie bisher, Bande des Vertrauens und Verständnisses verknüpfen» wenn wir a-uch gar manches an ihrer Politik atiszusöföen haben* Wir haben mich in der Öffentlichen. Meinung viele ttetie Freunde gewonnen. Ifl der letzten Kongreßperiode sind bedauerliche Zwischenfäke geschehen, die Mißvmtändmsee zor Die Eröffnungsrede Weizmanns

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