Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 2 (1929)
- Issue
- Heft 82 (25.7.1929)
- Date
- 1929-07-25
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Sehe K) DIE STIMME Nr. 88 mit fortreißt. Dr. Martha Hoffmann aus Wien, Lehrerin an der Dr. Chajes Schule, bricht eine Lan-ze fiir die hebräische Sprache. Nur mit ihrer Kenntnis sei die Bibel zu verstehen. Frau Bondi erzählt von all den Stiftungen und Gründungen Wiens, von welchen manche während des Krieges und nachher eingehen mußten, und von den Schwierigkeiten, die der plötzliche Ansturm;o vieler Ortsfremder mit sich brachte. Ein besonders großes Erlebnis war es, die Frauen Palästinas zu hören: Frau Helene Hannah Thon und Frau Rosenblüttt. Schlanke Gestalten mit ausgearbeiteten Gesichtern. Beide stehen mitten in der Arbeit für den Aufbau des Landes, dessen Schwierigkeiten sie miterleben und zu überwinden suchen. Früher war die Bevölkerung Palästinas erzogen, Geld zu nehmen, nun ist die Erziehung zur Selbstverantwortung gelungen. Die Kinder Palästinas erleben die Geschichte des Volkes mit, in ihren Feiertagen und ihrem Schabbat. Die jüdische palästinensische Frau muß sich jede Handlung, jedes Wort überlegen, um ihre ideale Pflicht den Kindern gegenüber zu erfüllen, damit durch diese dann die ganze Erfüllung kommen kann. Die Frauen Englands stehen mitten in der Arbeit. Lizzi Hand« arbeitet an der Verbesserung des Rechtes der jüdischen Frau. An der Diskussion über diese Frage nehmen Frauen aus allen Ländern teil; leidenschaftlich und doch sachlich werden diese Fragen behandelt, welche besonders für die Frauen des Ostens von Bedeutung sind. Die anwesenden Rabbiner der verschiedenen Richtungen sprechen je nach ihrer Meinung über dieses Thema. Eine Frau von besonderem Liebreiz ist Basil Henriques. Sie lebt mit Mann und Familie in London in einem Settlement. Sie, das Produkt feiner Kultur, findet die Kraft mit den ärmsten der Armen zu leben, weil sie glaubt, nur so wirkliche HrKe bringen zu können, wenn sie wie eine der ihren ist. Ada Reichenstein, Vorsitzende des jüdischen Frauenbundes in Lemberg, ist klar, energisch und zielbewußt. Die dortige Arbeit sei wenig bekannt, weil man wenig schreibe und viel arbeite. Sie erzählt von den Fachschulen, die von 15.000 Mädchen besucht werden, und von der Umstellung der Mädchenerziehung und der allgemeinen Erziehung und hofft vieles für die Zukunft von der Zusammenarbeit von Mann und Frau. Holland sandte sechs Vertreterinnen. Caroline Wyssenbeck-Franken, die mit größter Sachlichkeit über das Minderheitsrecht und die Juden beim Völkerbund und das Balfourmandat referierte. Eine sympathische Vertreterin Hollands, A. Schwimmer, sprach von der zionistischen Arbeit der Frauen in Holland. Ich fürchte, zu ausführlich zu werden, ohne denn Geist der Veranstaltung näher zu kommen, und beschränke mich noch auf die Erwähnung von Frau Eder, der Vorsitzenden des Bundes deutscher Frauenvereine in Hamburg. Sie hob die treue Freundschaft und Kameradschaft hervor, die die Frauenvereinigungen nicht nur in Hamburg, sondern im ganzen Reiche verbinden. Gleiche Fragen der Erziehung und des Rechtes vereinen die Mitarbeiter. Je klarer der jüdische Standpunkt sei, auf dem die Frau stehe, desto willkommener die Mitarbeit. Die Vertreter der großen jüdischen Organisationen «Bes Jakob» und «Ort-Ose» kamen zu Wort, wo hätten sie auch bessern Boden für die Verbreitung ihrer Ideen gefunden als in dieser Versammlung von Frauen aller Länder. Sie kamen aus allen Ländern und gingen zurück, woher sie kamen. Sie brachten mit sich nach Hause den Glauben an den hohen Wert des Zusammenarbeitens der Frauen, den Glauben, daß die Frau dazu bestimmt sei, überall mitzuarbeiten an der Besserung der sozialen Mißstände, mitzuarbeiten an der Idee des Friedens der Menschheit und der Erhaltung des Judentums. Aus technischen Gründen verspätet. (A-nm. der Redaktion.) Buch und Kunst Ein Zionistischer Bücher-Bund. Der Jüdische Verlag in Berlin versendet soeben den Prospekt und die Statuten einer im Einvernehmen mit der Zionistischen Exekutive in London gegründeten Büchergemeinschaft, die den Namen «Zionistischer Bücher-Bund» (Z. B. B.) führt. Durch diese Vereinigung soll die Möglichkeit der Publikation zionistischer Werke in deutscher Sprache zu billigen Preisen gegeben werden, so daß allmählich eine klassische zionistische Bibliothek für deutsch lesende Juden entstehen soll. Unter den ersten Bänden, die der «Zionistische Bücher-Bund» seinen Mitgliedern in Aussicht stellt, befindet sich eine Auswahl aus den Schriften A. D. Gordons, das berühmte, bisher nur in russischer Sprache zugängliche Standardwerk des Nationaljudentums von Simon Dubnow («Briefe über das alte und das neue Judentum»), die Geschichte der jüdischen Legion von Wladimir Jabotinski, eine Auswahl aus den Briefen Achad Haams, die bisher nur hebräisch erschienen sind, ferner Bücher von Theodor Lessing, S. Weißenberg u. a. Vor allem sollen Monographien zur zionistischen Geschichte und jüdischen Gegenwartskunde erscheinen, sowie Uebersetzungen wichtiger zionistischer Werke, die bisher in deutscher Sprache nicht zugänglich sind. Der Mitgliedsbeitrag von 18 Mark jährlich berechtigt zum Bezug von vier Bänden im Jahre, außerdem werden den Mitgliedern eine Reihe anderer Vorteile geboten und bei Erreichung eines bestimmten Mitgliedslandes ist auch die Herausgabe einer Zeitschrift in Aussicht genommen. Anmeldungen sind zu richten an die Geschäftsstelle des Z. B. B. (Jüdischer Verlag), Berlin W 50, Budapester Straße 11, wo auch alle Auskünfte erteilt werden. Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft Das Juniheft der Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums liefert erneut den Nachweis, mit welchem Eifer diese Zeitschrift bemüht ist, ihre Leser über alle Erscheinungen auf dem Gebiet der jüdischen Wissenschaft auf dem laufenden zu halten. So erschien vor wenigen Monaten ein Buch von A. S. Yahuda, welches den Nachweis versucht, daß die Thora in weit höherem Maße, als seither angenommen würde, Spuren des Einflusses des Aegyptischen verrät. Ist dies richtig, so erheben sich gegen die landläufige Meinung der kritischen Schule, daß das biblische Schrifttum erst lange Zeit nach dem Exodus begründet worden sei, ganz ungeahnte Bedenken. Der Aegyptologe der Budapester Universität, Professor Eduard Mahler, setzt sich eingehend mit dem Buche auseinander und gelangt trotz mancher Abweichungen im einzelnen zu dem Gesamtergebnis, daß Yahudas Forschungen doch wichtiges Licht auf die Grundfragen der biblischen Literaturgeschichte werfen. Im gleichen Heft geht Rabbiner Dr. Lewin den Neuerscheinungen auf dem Gebiete der ostjüdischen Geschichte nach. Eine Anzahl fachgelehrter Arbeiten über Grundfragen der Religionsgeschichte gibt auch dem Laien einen Begriff davon, daß die Wissenschaft des Judentums über ihr engeres Fachgebiet hinaus ihren Anteil an den Aufgaben der Gesamttheologie nimmt. Man abboniert die Monatsschrift, indem man Mitglied der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums in Berlin wird und den jährlichen Mindestbeitrag von 10 Mark an diese Gesellschaft (Postscheckkonto Paul Veit Simon, Berlin 7030) oder an einen der Vertrauensmänner sendet, welche in fast jedem Hefte der Monatsschrift aufgezählt sind. Jüdische Studien, Festschrift zum 60. Geburtstag von J. Wohigemuth. J. Kaufmann, Verlag, Frankfurt a. M., 1028. Freunde und Schüler widmen dem bekannten Re 1 igi onsphdosophen, Dozenten am Rabbiner- Seminar in Berlin, ihre wissenschaftlichen Arbeiten, die hier kurz besprochen werden sollen. Den deutschen Teil eröffnet M. Auerbach mit einer Abhandlung über den Streit zwischen Saadja Gaon und dem Exiiarchen David ben Sakkai. Auf Grund einer Quellenprüfung kommt er zu dem Ergebnis, daß man, im Gegensatz zut üblichen Auffassung, den Etilarchen nicht als den allein Schuldigen ansehen dürfe. Die Behauptung des Verfassers, Saadja habe den Anstoß zum Kampfe gegeben (S. 22), ist aber meines Erachtens nicht mit Sicherheit aus den Quellen zu entnehmen. Ueber das sagenhafte Land «Schabat», das in den Reisebemerkungen des russischen Kaufmanns Akanas Nikitin (Reise von 1466/72) erwähnt wird, berichtet J. Markon. Er vermutet unter dieser Benennung den sagenhaften Fluß Sambation.*) Reiches Material aus Talmud und Midrasch wird herangezogen. Eine Lücke in der historischen Landeskunde Palästinas füllt der beste Kenner auf diesem Gebiete, S. Klein, aus. Seime Ausführungen über Galiläa (von der Makkabäerzeit bis 67) bringen viel Interessantes für den Geographen, Philologen und Historiker. So erfahren wir, daß Galiläa schon damals eine bedeutende jüdische Bevölkerung (also keine Proselyten) batte. Besonders lesenswert, auch für den Laien, ist der Aufsatz von Unna über die Stellung Schopenhauers zum Judentum, ln dem in anschaulicher Weise die Angriffe dieses Philosophen gegen das Judentum widerlegt werden. Der Hindenburger Rabbiner Kaatz erklärt die schwierige Psaimstelle 115/17 und J. Horovitz erläutert einige Talmudstellen. Eine sehr wichtige Arbeit liefert A. Blau. Die .Tatsache, daß ein und dasselbe Wort im Hebräischen, wie auch in anderen Sprachen zwei entgegengesetzte Bedeutungen haben kann, wird: mit Hilfe der Freudschen Lehre von der sogenannten Ambivalenz gewisser Grundgefühle erklärt Er knüpft dabei an die Arbeiten von Abel :und Landau an. Eine Reihe von Beispielen wird als Beleg angeführt. Wie der Verfasser selbst zugi'bt, wird der strenge Philologe nicht immer diese rein psychologische Erklärung geLt^n lassen. Jedenfalls ist der Aufsatz auch für den Hebräisch Lernenden von Wichtigkeit. Interessant sind auch die Einleitung i.n das Buch Ruth von Cariebach (diese Idylle wird von der moralischen Seite beleuchtet) und A. Marmorsteins Arbeit über die Nachahmung Gottes. Eingehend werden die Anthropomorphismen in der Agada behandelt. (Das Nomen —-- soll die Idee der Nachahmung Gottes ausdrücken, S. 154.) Der deutsche Teil schließt mit einer über fünf Druckbogen starken Arbeit des jungen Gelehrten E, Hildesheimer über die Komposition von Sammlungen der gaowäischen Respomsen. Auf Grund eines umfangreichen Handschriftenmateriats wird durch eine Rekonstruktion (veranschaulicht durch Tabellen) die ursprüngliche Reihenfolge wieder hergestellt. Zum Schluß kommen einige photographische Probeseiten. Mit dem berühmten Responsenwerk von R. Acliai Gaon, *) Wie mir mitgeteilt wird, soll Schipper neuerdings den Sambation in eine Beziehung zum russischen Fluß I>njepr gebracht haben. Den in einer Tageszeitung in Polen erschienenen Artikel von Schipper habe ich leider nicht zu (ie'sirl»* hpVnmmen dem ScbeHtoth, befaßt sich im höbrähscheo Teil B. Lewin, bekannt durch seine Scheria-Gaon-Editron und als Herausgeber des Ozar Hg’onlm. Einige Eigentümlichkeiten werden besprochen und durch Stichworte angegebene halachische Vorträge werden rekonstruiert. Sehr interessant ist auch die zweite hebräische Arbeit von S. Grünberg, welche Erklärungen zu verschiedenen Talmudstellen enthält. Die Ausführungen zur berühmten Stelle im Traktate Sabbath (21/2) über Chanuka bieten auch dem Historiker viel Wertvolles. Das sehr wichtige Buch ist warm zu» empfehlen. David G f n s b e r g. Schönheits-Lexikon nach Prof. Senquin, herausgegeben von Wil. J. Büx. Verlagsanstalt Melantrich A.-G., Wien, IX., Auslieferung durch F. Sußmann, Wien, I., Salztorgasse 7. Ein Nachschlagewerk für alle Fragen der Schönheit«- und Gesundheitspflege. Beileibe nicht nur für das zarte Geschlecht zusammengestellt, sondern auch für Männer und Kinder überaus verwendbar. Durchaus nicht doktrinär gehalten, bringt dieses Schönheits-Lexikon neben wissenschaftlichen Beobachtungsergebmissen auch erprobte Rezepte und Ratschläge, die das Produkt praktischer Erfahrung darstellen. In einer Zeit, wo Körperpflege eine Angelegenheit nicht nur bemittelter Stände, wo Sport und Pflege des Aeußeren eine Sache der Allgemeinheit geworden ist, müssen wir einem Buch, das uns einfache und unschädliche, aber trotzdem und vielleicht eben deshalb wirksame Mittel zu empfehlen weiß, doppelten Dank wissen. Eine neue Zeitschrift „Das jüdische Magazin" Berlin, 12. Juli. (J. T. A.) In diesen Tagen erschien das erste Heft einer neuen Monatsschrift «Das jüdische Magazin». Als Herausgeber zeichnet B. Pollak, als Schriftleiter Oscar Grün. (Verlag: Berlin S. O. 16, Alelchiorstraße 23). Die Zeitschrift will ein Organ sein, das sich in seriöser, aber mehr unterhaltender Form jüdischen Themen und Problemen widmet. Das Heft enthält einen Aufsatz von Dr. Ludwig Haas, Mitglied des Reichstags, über «Rathenau und das Rasseproblem»; Auszüge aus Rathenaus Schriften und unveröffentlichte Aphorismen Rathenaus, ferner Aufsätze und Skizzen von Julius Ba/b, Maurus Jokai, Willy Mansbach, Oscar Grün, M. Joffe, Paul Morgan, Erich H. Altendorf; eine Abteilung Sport, in der Ismar Freund über «Fünf Jahre Hakoah» referiert, sowie eine Reihe schöner Bilder und Zeichnungen. Scherz und Humor Letzter Wille. Herr Levy schloß die Auigen für immer. Die Verwandtschaft öffnete, schwarz gekleidet, das Testament. Alle waren in großer Erwartung. Herr Levy hatte 120.000 Dollar hinterlassen — aber mit einer seltsamen Klausel, die Zeugnis von seiner Habgier selbst nach dem Tode gab. Sam, sein Neffe, erihiielt den ganzen vorhandenen Betrag zugesprochen — mit der Bedingung, daß dem Verblichenen 100.000 Dollar davon in den Sarg mitgegeben würden. Da blieben also bloß noch 20.000 Dollar für die Erben übrig. Sam stierte enttäuscht vor sich hin. Da trat sein Vetter Hesökiel auf ihn zu. «Gibst du mir 10 Prozent, wenn ich dir die 100.000 Dollar, ohne gegen das Testament zu verstoßen, rette?» Sam erklärte sich einverstanden. Und man legte den heim gegangenen Herrn Levy einen Scheck über 100.000 Dollar pietätvoll in den Sarg. XVI. ZIONISTEN¬ KONGRESS Zürich, Jul! 1929. KONGRESSPUBLIKATIONEN; 1. Berichte an den XVI. Zionistenkongreß: a) Bericht 4er Zionistischen Exekutive (hebräisch, englisch oder deutsch), . Frs, 8*70 b) Bericht des Keren Hayesod (bebrftlsch, englisch oder deutsch) . . B 8*— c) Bericht des Keren Kayemeth Lelsrael (hebrölsch, englisch oder deutsch). . , 8*— Kongreßzeitung, einziges offlxlelles Organ des Kongresses, erscheint (ln deutscher Sprache) während des Kongresses täglich; Abonnements in der Schweis ....... . In den übrigen Ländern . . 3. Stenographisches Protokoll desXVI.Zionletenkongresset (ln deutscher Sprache), erscheint hu September 1928 . 8*80 *•- 7*50 Generalabonnement für alle drei Publikationen . vty , j«*20 Die Besteller von General-Abonnements erhalten auf die Preise der Gastkarten znm Kongreß 10% Rabatt. Bestellungen an d. Bureau d. XVI. Zionistenkongresses, Brünn, Lenmstätte 17, Tschechoslowakei; Geldsendungen an den Schweizerischen Bankverein, Zürich, für Rechnung des Bureaus des XVI. Zlonlstenkongresses. Die Kongreßzeitung und das Kongreß- {»rotokoü sind ein unentbehrliches Hilfsmittel edes Zionisten, der lückenlose und autben- Ische Information über die gesetzgebende Körperschaft des Zionismus wünscht