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Die Stimme · 1929-07-25 · Heft 82 (25.7.1929) · page 3

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Journal
Die Stimme
Volume
2 (1929)
Issue
Heft 82 (25.7.1929)
Date
1929-07-25
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 82 DIE STIMME Seite 3 Theodor Herzl und das erste zionistische Legat Ein sensationeller Prozeß aus dem Jahre 1901. .Wien erlebte im Jahre 1901 eine nicht alltägliche Sensation. Ei-n Betrugisprozeß gegen den Wiener Bankier Vogl winde angestrengt. Die in diesem Prozesse agierenden Personen verliehen Hum die Merkmale einer Sensation. Angeklagt war der nicht ganz einwandfreie Träger eines in Wien bekannten Namens, der Bankier Albert VogL Die Anklage legte ihm zur Schuld, daß er den imzurecfrnungsfäihigen Zustand des im Sterben liegenden russischen Juden Täubin dazu benützte, um demselben eine mündliche T e stam e nts einse tzung zum alleinigen Erben henauszmlocken. Herzl erwähnt in seinen Tagebüchern mehrmals die beiden: Täubin und Vogl und: teilt auch mit, daß Täubin den Plan hatte, sein Vermögen der damals jungen politisch-zionistischen Bewegung zu vermachen, und zwar zu Händen Theodor Herzts. Dieser Umstand brachte es notgedrungen, daß Herzl in dem vor dem Wiener Strafgerichte geführten Prozesse als Zeuge erscheinen mußte. Auf Gr-und der Prozeßakten und zeitgenössischer Berichte entsteht vor uns eine der vielen menkwiürdiigan Episoden aus den Kampftagen Herzls und bereichert unser Wissen um die kristallreine, erhabene Persönlichkeit des großen Führers. Wer war nun Täubin? . Im Jahre 1878, nach dem russisch-türkischen Kriege, kam ein sehr vornehm auftretender russischer Staatsangehöriger, der sich Georg Herz Taubin nannte, nach Wien und wurde daselbst bald bekannt. Er kam aus Witebsk und war sehr reich. Sein großes jüdisches Wissen suchte er in Wien durch das Erwerben einer allgemeinen Bildung zu erweitern, und man wußte, daß der vornehme Ausländer ganz einsam seine Tage verbringe. Doch zusehends ging in diesem Menschen eine Wandlung vor sich. Seine, Kleidung wurde nachlässig, er ergab sich dem Trünke und bald wußte man auch, daß der zum Sonderling gewordene Taubin an Verfolgungswahnsinn leide. Besonders haßte er seine Angehörigen, denen er sein großes Vermögen nicht zurücklassen wollte. Eines Tages —■ es war dies kurz vor dem Auftreten Herzls — eröffnete er diesen seinen Plan dem Baron Rothschild, der ihn an den Baron Günsburg wies. Täubin über-; sandte auch an Günsburg 25.000 Rubel für arme jüdische Kinder in, Rußland. Als Taubin von Herzl hörte, beschloß er, sein ganzes Vermögen dem Zionismus zu schenken. Er selbst sprach von 200.000 Florins, doch die Polizeiakten wissen von. 000.000 Florins. zu berich- 1 ten. Taubin kam zu Herzl und sprach «vernünftig, sogar edel ». Auf Wunsch einiger Freunde erwiderte Herzl seinen Besuch bei Täubin und fand denselben in einem sonderbaren Zustand, den er «entweder als betrunken oder geistesgestört» bezeichnet. Herzl ließ darauf (üe Sache fallen, . «weil er solches Geld nicht annehmen wollte». Dieses Geld ergaunerte der angeklagte Bankier Vogl. Er stammte aus Prag, wanderte in seiner Jugend nach Amerika aus und führte ein stürmisches Leben. Im Jahre 1895 bringt er durch seine Spekulation die Wiener Börse ins Wanken. Jetzt stand er. nun als Angeklagter Rede. Der sensationelle Prozeß ging in Wien vor sich. In ihm fiel zum eisten Male vor Gericht das Wort «Zionismus» und die Einvernahme Herzls als Zeugen bedeutete eine Sensation. Mein Garten Von l)r. E. M. Zweig-Jerusalem «Jesch li gan uw’er jesch li . . so hebt eines der geflügeltsten Volkslieder Bialiks an. «Ein Garten und ein Brunn’ sind mein . . .» heißt das ungefähr in deutscher Uebersetzung. Doch kannst Du, armer Europäer, auch schon nachfühlen, was alles drin steckt! Ja, ja, du hast den Sommer über einen Garten gemietet, in Purkersdorf draußen oder in Wimpassing, oder Du bist gar grundbüchertich beglaubigter Eigentümer eines Deine Währinger Cottagevilla umsäumenden Gartenareals, ganze 20 Quadratmeter groß, das Dir der Hausmeister instand hält. Bevor Du Dich aber vermißt, Bialik mit Inbrunst zu singen, laß Dir sagen, was ein Heimgarten im Hebräerland bedeutet, in Erez-Israel. Und wenn ich da grad’ von meinem Garten in Talpioth erzähle, so will er drum nicht besser noch schlechter sein als irgendeiner im Dünensand von Tel-Aviv oder an ddn Karmelhängen über Haifa, in Sfath oder Tiber las. Als vor zwei Jahren unser Häuschen erbaut war, breitete sich dahinter icn Geviert ein Dunam Land, von dem es wundernahm, warum man es mit einem Drahtzaun von der übrigen Wildnis nebenan abgegrenzt. Denn es blieb steinig und wüst; es schien ja auch hoffnungslos, dort Hand anzulegen. Die historische Glorie Talpioths war diesem Erdenfleck zum Verhängnis geworden. Seit Urzeiten hatte man wohl auf diesem «Schönen Hügel» gehaust und nun waren all die Ruinen grade hier zu einem Trümmerhaufen gemengt, der jede Regung Leben ersticken mußte. Mein Bub etabliert sich hier als Archäologe. Erst gräbt er schmucke Stein- Die «Neue Freie Presse» verschwieg den Prozeß, um nicht gezwungen zu sein, das Wort Zionismus zu drucken, und die anderen Wiener Blätter berichteten malrtiös über die Zeugenaussage des bekannten Schriftstellers Theodor Herzls, «der bekanntlich der Führer der zionistischen Bewegung ist». Und es fehlte auch sonst nicht an Anfeindungen und Bosheiten. Herzl schreibt darüber in seinen Tagebüchern: «Kurios ist, wie sich immer die «pares» zusammenfinden. Die Gefldjuden, als deren Vertreter der Vogl anzusehen ist, sind heimlich über mich empört, erstens weil ich ein Exempel der Haltung vor dem Gelde gegeben habe, zweitens weM manifestiert wind, daß ich anders bin als sie.» (Tagebücher Il„ S. 583.) Vor dem Gerichte sagte Herzl aus, daß er Taubin geraten habe, wegen seiner beabsichtigten Schenkung zugunsten des Zionismus sich mit einem Notar zu beraten. Auch fragte ihn Herzl, ob er denn keine Verwandten habe und riet ihm, sich die Sache reiflich zu überlegen. Der Staatsanwalt und die Verteidigung stellten an Herzl eine Reihe von Fragen. Besonders der Staatsanwalt wallte von Herzl betont haben, warum er denn das ihm von Täubin angetootene Geld nicht annehmen wollte. «Herr Zeuge — meinte Staatsanwalt Ritter von Hauer — interessieren sich für die zionistische Bewegung, der in diesem FaUe so hohe Summen zufallen sollten, es mußten daher gewichtige Gründe gegen eine Annahme seitens des Zeugen sprechen?» Herzl erklärte, er fand es «gegen die Gesittung, von einem nicht zurechnungsfähigen, wenn auch edlen Menschen Geld anzunehmen». «Ist es Ihnen überhaupt vorgekommen, daß jemand sein ganzes Vermögen der zionistischen Bewe- Sun«#' Die führende schwedische Weltmarke. gung opfern wollte» — fragte, in ungläubigem Tone foirtfahrend, der Staatsanwalt. «Ja» — erwiderte Herzl fest und. schneidend. Ausführlich antwortete aber Herzl dem Staatsanwalt in einem Briefe vom 10. Juli 1901. (Tageb. III, S. 75.) «Gestatten Sie mir freundlichst, daß ich Sie privatim mit der. Antwort behellige, die ich mich gestern geniert habe, Ihnen öffentlich zu geben. Ich hatte ohnehin schon das widerwärtige Gefühl, in der Pose jemandes dazustehen, der sich rühmt, obwohl Sie ja wissen, daß ich mich , zu einer Aussage niemals gemeldet hatte. Sie fragten, hochverehrter Herr Staatsanwalt, ob mich schon Taubins erstes Anerbieten stutzig gemacht habel Nein! Denn ich selbst habe in der zionistischen Sache für meine Verhältnisse große Geldopfer gebracht, und ebenso eine Anzahl meiner Freundei Täubin wollte sein Geld im Grunde Ohne persönliches Opfer hengeben, da er es ja nicht mitnehmen konnte. Dennoch glaube ich, nicht anders handeln zu können, denn die zionistische Bewegung, die eine ethische ist und bleiben soll, darf kein Geld von zweifelhafter Reinheit nehmen.» Die in diesem Briefe am Schlüsse von Herzl gesagten Worte: «ich bin nicht einmal Freimaurer», beziehen sich auf die Tatsache, daß der Angeklagte Vogl Freimaurer war. Der Prozeß ging zu Ende. Vogl wurde wegen Mangel an Beweisen freigesprochen. Das große erste wUrfelchen von weißem und rosa Marmor hervor, stumme Zeugen alter Pracht, Bruchstücke von Mosaiks aus sarazenischen und abbassidischen Landhäusern, oder gar, noch weiter zurück, aus Palästen der Römerzeit und der hellenistischen Epoche; schließlich bringt er mir gar — voll Stolz — eine Barkochba-Münze in grüner Edelpatina auf der noch edleren Inschrift «Lecheruth Jeruschalajim». Bald aber lehren mich die Kinder, die sich stets gern draußen umtreiben, daß unser Grund auch Leben birgt, Leben, restlos dem Heute hingegeben. Ueber und zwischen den Steinen tummelt sich allerlei Getier. Bunte Falter gaukeln lautlos dahin. Mit feiner Musik begleiten die Grillen ihr Liebesspiel. Schlanke Eidechsen, plumpe Geckos, schillernde Chamäleons nehmen ein Sonnenbad. Im Schatten lauern Skorpione, die vom schwarzen und die vom gelben Regiment. Manchmal humpelt eine Schildkröte daher oder windet sich eine Silberschlange, jagend und gejagt, von der Feldmaus, vom flinken Igel, Und just aus dem Steinicht wuchert eine kuriose Flora auf, frechstes Unkraut, obenan «koz wedardar», Dorn und Distel, dieser Fluch im Mund der Propheten; hier und da auch ein Büschel echtes Gras, das köstliche Haschisch der Fellachen, die es — am Heimweg nach Ihren Dörfern — gierig als Futter erbetteln für Schaf und Ziege. Zwei Jahre liegt nun schon die umzäunte Wildnis da. Die Talpiothen, die sich ihrer sobönen Gärten rühmen, sind unzufrieden mit uns. Die Ehre der Schchunah sei im Spiel. Und falls es uns wirklich an Geld fehle, zinsfrei wollen sie’« borgen. Wenn schon nicht Blumen, so »sollten wir doch Bäume pflanzen, denn schade, jammerschade sei es ujn jeden verlorenen Frühling» Und noch beredte? mahnt der Boden selbst. Nur diese Schwedenklinge macht Rasieren zum Vergnügen Legat für den politischen Zionisnv.r- '::;m nicht zustande. Und wie nötig hallo die iungc Bcv%.:g ing das Geld! ln diesem Prozesse vor dem Wiener Gericht erschien als Sachverständiger Hofrat Professor Haberda und als Verteidiger Vogls intervenierte der im Wiener Barreau bekannte und beliebte Rechtsanwalt Regierungsrat Dr. Heinrich Steger. Dr. T. Nüssenblatt. Theodor Hcrzl-Ausstellung in der Jüd. Nationalbibliothck Jerusalem, 18. Juli. (J. T. A.) Aus Anlaß der 25. Wiederkehr des Todestages van Theodor Herzl hat die Jüdische Nation albiblrothek der Hebräischen Universität zu Jerusalem eine Th eodör-Herzl-Ausstellung eröffnet, in der zahlreiche Dokumente, Photographien und andere an die Persönlichkeit Herziis gemahnende Gegenstände zu sehen sind. Unter den Photographien befinden sich solche, die das Zusammentreffen Theodor Herzls mit dem damaligen deutschen Kaiser Wilhelm II. im Jahre 1908 in Palästina darstellen. In der Ausstellung sind auch das 1901 von Herzl verfaßte Testament, in welchem er bittet, sich nach seinem Tode seiner Kinder anzunehimen, sowie die Originalmanuskripte verschiedener seiner Reden auf zionistischen Kongressen zu sehen. — Das Arbeitszimmer Theodor Herzls wdrde im Februar 1928 aus Wien nach Jerusalem gebracht. Unter den Gegenständen befindet sich der Tisch, an dem Herzl den «Judenstaat» schrieb, 17 Bücherschränke mit seiner Bibliothek und Herzl-Bilder von Israels, Struck u. a. m. Diese Gegenstände sollen den Kern eines in Jerusalem zu errichtenden Herzl-Museums bilden. Hebräische Universität und Internationaler Kongreß für Religionsgeschichte Jerusalem, 16. Juli. (J. T. A.) Nach einer Mitteilung der Hebräischen Universität wird der Dozent für jüdische Philosophie, Dr. Zwi-Diesendruck, die Hebräische Universität auf dem 5. internationalen Kon- Summi-Stpüinpjfe . tiOtpfixx!'- 8 gyeß für Religionsgesohichte, der vom 27. bis 29. August in Lund (Schweden) tagt, vertreten. Doktor Diesendruck wird ein Referat über den Begriff dei; Seele in der jüdischen Re.1 igionsphilosophie des Mittelalters halten. Auch die Mitglieder; des Kuratoriums der Hebräischen Universität Dr. Martin Buber und ProL J. Horovitz van der Universität Frankfurt werden Vorträge auf dem Kongreß halten. Bialiks Erkrankung (Eigenbericht der «Stimme».) Aus Berlin wird uns gemeldet, daß die Operation an dem erkrankten Dichter Bialik erfolgreich vorgenommen wurde. Die Aerzte hoffen auf seine baldige, vollständige Genesung. Der Dichter äußerte nur sein Bedauern darüber, daß er diesmal nicht an dem Kongreß wird teilnehmen können. Lügen strafen will er die Mär, als sei er mit Unfruchtbarkeit geschlagen. Sieh, dort wo die Mauer vor Jahr und Tag Kerne weggespuckt, schieben sich zarte Melonenranken vor und bald an ihnen grüne Blätter und gelbe Blüten, die zu schwellenden Früchten reifen, mit froher Spannung von meinen Töchtern betreut, bis die Riesenkugeln duftend auf dem häuslichen Tisch landen. Doch meine brave Frau führt strenge Kasse und läßt sich nicht beirren. Erst wenn dem Baumeister die dringendtten Schulden bezahlt sind, kommt der Garten zu seinem Recht. Der Joreh, der ersehnte Frühregen, fällt und netzt den verdorrten Grund. Jetzt ists an der Zeit. Wieder regt sich jüdische Arbeit. Zum 15. Geburtstag unseres Behors ziemt der erste Spatenstich. Karren auf Karren wird mit Steinlast fortgeschleppt zum nächsten Schuttplatz, in die Löcher des Straßengrunds, irgendwohin. Ein kleiner Tel! der Steinbrocken reicht hin, quer durch die abschüssige Fläche eine Terrassenmauer zu ziehen, wie es bei den Fellachen von Judäa Brauch. Nun wird mit der Spitzhacke das zähe Wurzelwerk des Unkrauts hervorgezerrt und erbarmungslos vernichtet Endlich ist der Grund auch geebnet. Schon längst wurden indes im Familienrat die Baumarten erwogen und erwählt, die hier Heimstatt finden sollen. Natürlich gehören Weinstook und Feigenbaum hieher, denn unter ihnen behaglich zu sitzen, ist jedem rechten Juden verheißen. Aber noch andere Bäume .sind in der Bibel genannt, die ihrer Auferstehung harren. Neben den europäischen Obstsorten finden so der Granatapfel-, der Maulbeerbaum, der Charol, die Jerusalemfichte, die Pinie und ein nachbiblischer Zitronenbaum ihren Platz. Die aus det Maschtelah (Baumschule) im nahen Makor ChajiM

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