Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 2 (1929)
- Issue
- Heft 82 (25.7.1929)
- Date
- 1929-07-25
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 DIB STIMME Nr. 82 Tagesordnung des XVI. Kongresses Zürich, vom 28. Juli bis 6. August 1929 ’jrsn tronpn ummvun K.ZKMSTCNKONGREB I. Eröffnungssitzung. Sonntag, 2 8. J u I: 4.30 Uhr nachmittags: 1. Eröffnung des Kongress«. h den Präsidenten der Zionistischen Organisation, b:. Ch. Weizmann. 2. Begrüßungen. 3. Gedenkrede anläßlich des 25. Todestages Theodor Herzls. Nahum Sokolow, Präsident der Zionistischen Exekutive: «Theodor Herzl und die Zionistische Organisation.» II. Sitzung (Vormittagssitzung). Montag, 29. Juli, 9.30 Uhr vorm, bis 1.30 Uhr nachmittags: 4. Wahl des Kongreßpräsidiums. 5. Bericht des Kongreßgerichtes über das Ergebnis der Kongreßwahlen. Berichterstatter: Vorsitzender des Kongreßgerichtes, Herr S. Gronemann. 6. Referat Dr. Arthur Ruppin: «Die Bedeutung Palästinas für die Zukunft der Juden.» 7. Referat Dr. Chaim Weizmann: «Rechenschaftsbericht und Programm.» III. Sitzung (Nachmittagssitzung). Montag, 2 9. J u 1 i, 3.30 bis 6.30 Uhr nachmittags: 8. Wahl des Resolutions-Ausschusses. 9. Referat Felix Rosemblüth, Mitglied der Exekutive: «Die Verfassung der Jewish Agency.» 10. Referat Prof. Dr. S. Brodetsky, Mitglied der Exekutive: «Die Aufgaben der Zionistischen Organisation in der Zukunft.» IV. Sitzung (Abendsitzung). Montag, 29. Juli, 8.30 bis 11.30 Uhr abends: 12. Fortsetzung der Generaldebatte über die Referate zu 7., 9. und 10. V. Sitzung (Vormittagssitzung). D i e n s t a g, 3 0. J u 1 i, 10 Uhr vorm, bis 1.30 Uhr nachmittags: 13. Nachruf des Präsidenten der Exekutive, Herrn Nahum Sokolow, auf die seit dem letzten Kongreß verstorbenen Zionisten. 14. Wahl der Kongreß-Kommissionen. 15. Fortsetzung der Debatte über die Referate zu 7., 9. und 10. VI. Sitzung (Nachmittagssitzung). Dienstag, 3 0. J u 1 i, 3.30 bis 7 Uhr nachmittags: 16. Fortsetzung und Schlpß der Generaldebatte über die Referate zu 7., 9. und 10. Am Dienstag abends treten die Kommissionen zu ihren konstituierenden Sitzungen zusammen. VII. Sitzung (Vormittagssitzung). Mittwoch, 31. Juli, 9.30 Uhr vormittags bis 1.30 Uhr nachmittags: 17. Referat Harry Sacher, Mitglied der Exekutive: «Die Palästina-Arbeit der Zionistischen Organisation.» 18. Referat Dr. Arthur Hantke, geschäffcsführenden Direktors des Keren Hajessod: «Aufgaben und Arbeitsprogramm des Keren Hajessod.» 19. Referat M. M. Ussischkin, Vorsitzenden des Direktoriums des Keren Kaje-meth Lejrsrael: «Erfolge und Aussichten des Keren Kajemeth.» 20. Debatte Über die Referate zu 17. bis 19. VIII. Sitzung (Nachmittagssitzung). Mittwoch, 31. Juli, 3.30 bis 6.30 Uhr nachmittags: 21. Kommissionsbericht über die Verfassung der Jewish Agency und Abstimmung. Der Abend des Mittwoch bleibt für die Sitzungen der Kommissionen reserviert. IX. Sitzung (Vormittagssitzung). Donnerstag, 1. August, 9.30 Uhr vorm, bis 1.30 Uhr nachmittags: 22. Fortsetzung und Schluß der Debatte über die Referate zu 17. bis 19. Donnerstag nachmittags finden Kommissions- Sitzungen statt. Donnerstag abends finden wegen des Schweizerischen Nationalfeiertages (Bundesfest) keine Sitzungen statt. X. Sitzung (Vormittagssitzung). Freitag, 2. A u g u s t, 9.30 Uhr vormittags bis 1.30 Uhr nachmittags: 23. Berichte von Kommissionen. XI. Sitzung (Nachmittagssitzung). Freitag, 2. August, 9.30 Uhr vormittags bis 1.30 Uhr nachmittags: 24. Berichte von Kommissionen. Sonnabend, den 3. August, finden Sitzungen der Kongreßgruppen und des. Resolutions-Ausschusses statt. Sonntag, den 4. August, finden nur Sitzungen der Kommissionen statt. XII. Sitzung (Vormittagssitzung). Montag, 5. August, 9.30 Uhr vormittags bis 1.30 Uhr nachmittags: 25. Referat Izchak .Grünbaum: «Aufgaben und Organisierung der hebräischen Kulturarbeit in der Gatuth.» 26. Debatte über das Referat zu 25. 27. Berichte von Kommissionen und Abstimmungen. XIII. Sitzung (Nachmittagssitzung). Montag, 5. A ugü st, 4 bis 12.Uhr nachmittags: 28. Berichte von Kommissionen und Abstimmungen. XIV. Sitzung (Vormittagssitzung). D i e n s t a g, 6. A u g u s t, 10 Uhr vormittags bis 1.30 Uhr nachmittags: 29; Referat: «Alijah und Hacfischarah». Referent wird noch bekanntgegeben. 30. Debatte über das Referat zu 29. 31. Berichte von Kommissionen und Abstimmungen. XV. Sitzung (Nachmittagssitzung). Dienstag, 6. August, 3.30 bis 8 Uhr abends: 32. Berichte von Kommissionen und Abstimmungen. 33. Wahl der Exekutive, des 'Aktionskomitees, der zionistischen Vertreter in der Jewish Agency, des Kongreßgerichtes, des Ehrengerichtes, des Köngreßanwaltes und der Revisoren. . 34. Schluß des Kongresses. Die Vorbereitungen zum Kongreß (Eigenbericht der «Stimme».) In Zürich finden fieberhafte Vorbereitungen für den XVI. Zionistenkongreß statt. Die Tagesordnung der Eröffnungssitzung wurde in manchen Punkten geändert. Nach der Ansprache Weizmanns werden Lord Robert Cecil, nach ihm Lord Melchett und schließlich der bekannte sozialistische Führer und Freund der zionistischen Sache, Leon Blum, große Reden abhalten. Die Reden dieser drei Vertreter verschiedener sozialer Richtungen, die Rede eines englischen Konservativen, eines Vertreters der großen Weltindustrie und eines Repräsentanten der sozialistischen internationale, werden ein sichtbares Zeichen sein für die Anerkennung und Sympathie, derer sich der Zionismus in allen Kreisen erfreut. Nach diesen Reden soll! der englische Gesandte in der Schweiz den Kongreß begrüßen. Nach ihm ein Vertreter des Völkerbundes und des Arbeitsamtes beim Völkerbund. Auch alle bei der Schweizer Regierung akkreditierten Gesandten fremder Mächte werden der Eröffnung des Kongresses beiwohnen. Außer ihnen eine Reihe hervorragender Männer aus England und Frankreich, wie auch Delegierte des Kolonialamtes und der palästinensischen Regierung. Konstiuierendc Sitzung des Council der Jewish Agency Zürich, 16. Juli. (J. T. A.) Die konstituierende Sitzung des Council der Jewish Agency wird Sonntag, den 11. Augjust, 3 Uhr nachmittags, io Zürich eröffnet und wird zirka drei Tage dauern. Die Eröffnungssitzung findet voraussichtlich im Züricher Stadttheater statt, die weiteren Sitzungen im Saale «Zur Kaufleuten». Jüdischer Nationalfonds und Jewish Agency Zürich, 18. Juli. (J. T. A.) Am Montag, den 22. Juli, abendis, wird in Zürich die Konferenz des Jüdischen Nationalfonds (Keren Kajemeth Lejisraei) unter der Leitung des Präsidenten M. M. Ussischkin beginnen. Am Dienstag nachmittags wird Ussischkin eine Aussprache eröffnen über die Themen: «Jüdischer Nationalfonds und Jewish Agency» und «Die Prinzipien unserer Arbeit Mnsiohtlioh unseres Abkommens mit dem Keren Hajessod». Die Vertreter des uugarischen Judentums in der Jewish Agency Buda p es't, 18. Juli. (J. T. A.) Auf Einladung des ungarisch-jüdischen Pro-Palästina-Verbandes, in welchem etwa 12.000 ungarische Juden organisiert sind, wurde eine Konferenz zur Wahl der Vertreter der ungarischen Juden im niohtzionistisohen Teil des Council der Jewish Agency abgehalten, der Vertreter ungarischjüdischer Gemeinden, Organisationen und Institutionen beiwohnten. Die Vorsitzenden Oberrabbiner und Oberhausmitglded Dr. Immanuel Löw (Szeged), Oberrabbiner der Pester Reiigjonsgemeinde Dr. Julius Fischer, Oberregierungsrat Dr. Ignaz Friedmann, Unlversitätsdozent Dr. Julius Donath und Hochschulprofessor Adolf Strauß entwickelten das Programm der Paäästinaarbeit durch die Jewish Agency. . Nach Annahme der entsprechenden Resolutionen wurden in den Council der Jewish Agency als Vertreter gelieferten Setzlinge werden von der jüdischen Gärtnerin — Reihe für Reihe — in die Pflanzungslöcher gesenkt. Nun ist der Fruchtgarten dem Walten Gottes und der Obhut der Hausbewohner anvertraut. Der Himmel tut das Seine. Stromweis stürzt der Winterregen nieder und dringt tief in den gelockerten Grund; und zwischendrein lacht und lockt die strahlendste Sonne. Doch ist erst der Malkosch, der Spätregen, vorbei, gibt es tüchtig zu schaffen. Die Erde verkrustet rasch und muß mit dem Maader — wie heißt das nur aus deutsch? — um und um gegraben werden; dabei quellen stets, endlos, neue Steinbrocken hervor; in Pachim gehäuft und fort mit ihnen, über den Zaun hinweg! Du weißt nicht, Galuthmensch, was ein Pacht ist? Es Ist hierzuland das Mädchen für alles, wenn auch zunächst ntor ein schlichtes Petroleumblech. In ebendiesen Pachim, zum Beispiel wird das belebende Wasser herbeigeschleppt, die dürstenden Bäumchen zu tränken. Ein weiter, heißer Weg aus dem Keller mit dem Auslauf der Wasserleitung zum Gartenbrunnen, der nicht ganz so poetisch als bei Bialik, dafür um so nahrhafter, Abfallwasser halbpart beisteuern muß. Für jede Mulde ein Pach. Gut nur, daß die Salomonischen Teiche bei Bethlehem heuer gefüllt sind bis zum Rand. Und wird das erst bequem sein, wenn ein Schlauch angeschafft ist! Wahrlich, diese Arbeit lohnt. Man kann die Bäumchen schier wachsen sehen. Und nicht nur die legitim gepflanzten, sondern auch — und erst recht! — die Bastarde, die der Wind so hergeweht. Im Winkel der Hausfront wiegt sich solch ein Geselle, ein wilder Mandelbaum. Täglich — nach dem Amt —merke ich’s schon von der Gartentür her an den Fugen der Wand, wie er sich, noch und noch eine Spanne, höherreckt. Und er hat da und dort Genossen, einen Mischmisdi, einen Pfefferbaum und drei wahrhaftige, kleine Dattelpalmen, um die meine jüngste aus Steinchen mystische Schutzkreise zog. Von dem Lorbeer weiß ich wenigstens, woher er stammt. Aus dem Nachbargarten der Witwe nach Ben Jehuda. Was aber ist das? Schier über Nacht hat sich neues Unkraut in den keuschen Boden gekrallt. Die Wildnis gibt kein Stückchen ihres Machtbereiches gutwillig preis. Zäh ist der Kampf gegen Distel und Dorn. Ehe die Hacke zu kann, gilt es mit dem Messer in der bloßen Hand. Nun stehst du da und beguckst tiefsinnig, was dir der Dorn für Wunden schlug. Vom Gdud, dem drüben der Keren. Hajessod auf Nationalfondboden eine Siedlung bereiten hilft, kommt ein Chaluz — in seine Assefah eilend — vorbei. Er wirft einen schiefen Blick über den Zaun: «Was treibt der Burschuj?» In allen Talpiother Gärten sind die Hausbesitzer samt Weib und .Kindern rege. Sie bearbeiten — wie vor so nach dem Tagewerk in dumpfen Büros und Läden, In schwülen Küchen und Schulen — nun hier ihren Gartengrund, der ein Teil ist vom heiligen Boden des Volks. «Aeh Luxus, Sport!» Kann solcher Hohn den Wert ihrer Arbeit mindern? Chuz laarez treiben Juden anders Luxus, anders Sport. Und wenn man von der Stadt her auslugt* etwa von der El Aksa .Moschee oder vom Kloster Ratisbonne, ist das frohlockende Grün von Talpioth nicht mehr zu übersehen, das den Namen der «jüdischen Gartenstadt» rechtfertigt und zu Ehren bringt. — Und dennoch «Burschuj»? Nur Geduld — Sie wissen nicht was sie tun. Der Abendwind, der vom Meer ins Land streicht, kühlt die von Arbeit glühenden Stirnen, säuselt die Zorneswallung nieder. Geduld, der Hauch Er'ez-Israels wird auch jene Köpfe lüften und aus ihnen das russische Dogma vom « Klassenkampf und all die volksfremden Irrlehren fortfegen. Wer wollte auch mit Menschen rechten, wenn der Himmel so in voller Gnade prangt. Im Westen sinkt der Sonnenball purpurrot hinter den königlichen Zinnen des Dorfes Malkah und auf der Misrachseite, über dem Salzsee und den Moabiterbergen, ist das Firmament wie mit einem einzigen, in Opalfarben schimmernden Paroches bespannt. Zur feierlichen Stimmung paßt da nicht schlecht der Chorgesang, der jetzt in meinen Garten dringt. Er kommt von drüben, wo auf den Feldern des Wakuf von Beth Sefafa fellachische faglöhner, so man Araber nennt, die Gerste schneiden. Sie singen, unbeschwert durch ihren kargen irdischen Lohn, lobsingen dem Herrn, der ein so reiches Erntejahr gab. Schon stehe ich am Rain und werde nicht müde zu schauen. Sie ernten und singen, sie tragen sich und sie fühlen, wie unsere Väter es auf diesem Boden getan, bis in den letzten Schnörkel hinein. Hinter der Schnitterschar, die sich nie nach einer der Sichel entschlüpften oder einer entfallenen Aehre umkehrt, folgen die Armen des Dorfs, Witwen und Waisen, ferne Enkelkinder unserer Ruth. Lächelnd träume ich: «Ihr wilden Juden — Nachbarn, Brüder, wenngleich entfremdete Brüder ...» Da richtet sich ein brauner, sehniger Bursch, von seiner weißen Abaje umflattert, im Feld auf und ruft mir — in sympathischem Sprachgemisch — wohlgelaunt zu: «Schalom, Chawadja. Frieden Dir, Herr! Du hältst uns wohl für verrückt?» «La, la, Allai salemkum!» springt es mir von Herz und Lippen». «Nicht doch, Gott segne Euch!» Und schaue nochmals froh in die dämmernde Runde, nach den hochragenden Mauern Jerusalems unten, nach all den Siedlungen und Dörfern in blühendem Kranz ringsum und nach meinem kleinen Garten, mittendrein.