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Die Stimme · 1929-07-18 · Heft 81 (18.7.1929) · page 10

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Journal
Die Stimme
Volume
2 (1929)
Issue
Heft 81 (18.7.1929)
Date
1929-07-18
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Sette 10 DIE STIMME Nr. 81 In eigener Sache Wir erhalten nachstehende Zuschrift: Das Flugblatt der «Wiener demokratischen Zionisten» in der Form einer Sondernummer der «Neuen Welt» befaßt sich auch mit meiner Haltung in der Hauptwahlkommission. Ich erkläre hiemit, daß alle drei darin enthaltenen, mich betreffenden Behauptungen vollkommen unwahr sind. Ad 1. In der Flugschrift heißt es, ich wäre in der Hauptwahlkonimission als Vertreter der Rad ikalen erschienen. Das ist unwahr. Wahr ist vielmehr, daß ich am 25. Juni vom Zionistischen Landeskomitee gebeten und beauftragt wurde, das dem Landesverbände zustehende dritte Mandat in der Hauptwahlkonunission auszuüben. Davon hat am selben Tage das Landeskomitee die Hauptwahlkommission brieflich in Kenntnis gesetzt und letztere hat in einer Abstimmung mich ausdrücklich als Vertreter des Landesverbandes anerkannt. Ad 2. Im Flugblatt wird behauptet, der Vertreter der Radikalen hätte sich bei der Sitzung am 1. Juli erbötig gemacht, «13 von Schekelzahlern 1 ordnungsmäßig ausgestellte Protokolle vorzulegen, aus denen hervorgeht, daß in Linz 13 Schekelzahler überhaupt nicht gewählt haben und ein Schekelzahler ein Kind von 12 Jahren ist». DasistvonAbisZ g I a 11 erfunden! Ich berufe mich auf das Protokoll dieser Sitzung, ferner auf das Zeugnis des Vorsitzenden und aller Mitglieder der Kommission, die bestätigen können, daß der Vertreter der Radikalen weder von den 13 Nichtwählern noch vom 12jährigen Kind auch nur mit einem Wort erwähnt hat! Der Vertreter der Radikalen hat lediglich gesagt, er habe Nachricht, daß vier Wähler für Stricker gewählt hätten, während im Protokoll keine einzige Stimme für Stricker verzeichnet wird. Auch für diese Behauptung hatte er keinen wie immer gearteten Beweis; er beantragte vielmehr, daß das bereits vor vier Tagen abgeschlossene und verifizierte Skrutinium und das ermittelte Wahlergebnis aufgehoben werden und die Hauptwahlkommission sich bis Dienstag 5 Uhr vertage, zu welcher Zeit er bereits den Beweis für seine Behauptung erbringen werde. Daß die Sache mit den vier Stimmen für Stricker -glatt erfunden war, ergeht schon daraus, daß weder im Flugblatt, noch in der «Neuen Welt», noch im Wahlprotest diese angeblichen vier Stimmen für Stricker auch nur erwähnt, geschweige denn be- /wiesen werden. Ad 3. Im Flugblatt heißt es dann anschließend än die ad 1. und 2. besprochenen Lügen wörtlich: «Herr Rath, der sich, wie oben bemerkt, als «Radikaler» ein Mandat in der Kommission von Herrn Dr. Leo Goldhammer auf unehrenhafte (!) Weise hatte zuschanzen lassen, hatte die Stirne, den Antrag ■m stellen, überdiese Fakten (??!) zur T a- ’g-esordnung überzugehen t» Diese dritte Verleumdung hat in ihrer Kraßheit ihresgleichen nur im Buche «Die Weisen von Zion» oder in der Ritualniordlügc der Hitler-Presse! Ich berufe mich auf das Protokoll d-ieser Sitzung sowie auf das Zeugnis des Vorsitzenden und aller anwesenden K o m m i s s i o n s m i t g 1 i e d e r, die bestätigen werden, daß n i c h t i c h diesen Antrag ge- , stellt habe, sondern ein anderer Vertreter des Landesverbandds, welcher seinen Antrag damit begründet hat, daß das Wahlergebnis noch am Freitag, den 28. Juni von der Kommission uncl dem Vorsitzenden auf Grund der Akten und der verifizierten Protokolle widerspruchslos ermittelt wurde, es daher jetzt am Montag, den 1. Juli, auf eine vage, durch nichts bewiesene Behauptung eines Kommissionsmitgliedes, daß angeblich vier Stimmen von Stricker auf Friedmann in Linz umgetauscht wurden, unmöglich ist, das Skrutinium neuerlich zu eröffnen und auf den vom Vertreter der Radikalen in Aussicht gestellten Beweis zu warten; dies um so mehr, als das Linzer Protokoll vollständig ln Ordnung ist. Allfäilige nachträglich erwiesene Unzukömmlichkeiten könnten ja dem Kongreßgerichte vorgelegt werden. Bei der Abstimmung über diesen Antrag haben sich die Vertreter der «Misrachi» und ich der A b s t i m m u ng enthalten. Schließlich stelle ich noch fest, daß ich es war, 'der in der Sitzung vom 27. Juni den Antrag auf vollständige Annullierung der Wahl in St. Pölten gestellt habe und die einstimmige Annahme m s An tragesenergischbetrieben d.(lurchgesetzt habe. Dies der wahre Sachverhalt, wobei ich es noch unterlassen will, auf die weiteren persönlichen Beschimpfungen, die in diesem Flugblatt enthalten sind, Jemzugehßn- Moses R a t h. w ' —- Eingesendet Vr’Der Jtagendbund «Trumpeklor» in Wien e auht »uns, den von uns in der vorletzten N--;nmer von Herrn ^. .^racfijen Bericht über eine Stuilcnteiwersammlung dahin richti.gzuste!len, daß dieselbe von der revisionistischen Gruppe Trumpddor weder einberufen noch beschickt wurde. Buch und Kunst Jüdische Musik in Wien. Von Joachim Stutschewsky. (JPZ) Dank der regsamen Tätigkeit des vor einem Jahre gegründeten «Verein zur Förderung jüdischer Musik», konnte man in der abgelaufenen Konzertsaison in Wien eine größere Zahl von Werken aus der jüid. Musikliteratur kennenlernen. Das Echo, das unsere Aufführungen allgemein fanden, die immer zunehmende Besucherzahl zeigt deutlich, daß die jüd. Musik weiteste Kreise zu interessieren vermag. In einigen internen Abenden und zwei öffentlichen Konzerten wurde ein kleiner Ausschnitt aus dem Musikschaffen unserer heutigen Musiker vermittelt. Folgende Werke wurden aufgeführt: Alex. Krein (Klarinettenquintett, Lieder, Klavierstück); Weprik (Klarinettenstuck, Volkstänze für Klavier); Acliron (Lieder, Elegie für Streichquartett); Brandmann (Streichquartett, Hebräische Lieder); Engel (Lieder, «Haidybuk»-Suite); Milner (Gesänge); Lewin (Elegie); Ernest Bloch (drei Stücke für Cello); Reti (Hebräischer Tanz); Stutschewsky (Eli, EH, Dweikuth, M.chol Kedem); Wolfsohn (Paraphrasen über jüd. Volksweisen) und Volksmusik für Gesang und in instrumentaler Bearbeitung. Von nachhaltigster Wirkung war, neben der Haidybuk-Musik von Emgel, die Kindersuite für Sextett von Achron. Ueberwumden sind die Zweifel und Kämpfe um Form, Harmonie und Struktur. Aus diesem Werke leuchtet Einheitlichkeit, Klarheit und eine Natürlichkeit, die uns die wahre Begabung Achrons offenbart. Auf der gleichen Entwicklun.gslinie befindet sich auch die uraufSgeführte Elegie für Streichquartett auf den Tod Engels. Auch die neuen Lieder ohne Text von Alex. Krein sind sehr bemerkenswert. Krein hat den Mut und den Willen, ganz er selber zu sein. Und wir sehen an jedem neuen Werke, wie er das, was er zu innerst fühlt und trägt, zu immer vollkommenerem und reinereim Ausdruck zu formen vermag. Ein junger, zur Zeit in Wien lebender Musiker, Israel Brandmann, lenkte auf sich die Aufmerksamkeit der Musikalischen Kreise mit vollkommeneren Variationen über ein palästinisches Tamzmotiv und drei, im Ausdruck fein empfundenen Liedern auf Texte von Bialik und Tschern-ichowsky. Bedeutende Erfolge erwarb sich mit drei Konzerten der «Jüdische Gesangverein», der unter seinem neuen Chordirigenten Dsimitrowsky, ein wichtiger Faktor im Musikleben Wiens zu wenden verspricht. Auch hier steht die Pflege jüdischer Musik an erster Stelle. Das neue Streben zu einer eigenen Musikäußerung ist ein Symptom für die Wandlung, die sich im Judentum vollzieht. Aus der veränderten Einstellung zürn gesamten Komplex «Jude», aus der Bejahung unserer ganzen Existenz fließt die Lichtquelle einer neuen Zukunft, neuer schöpferischen Leistungen. Leider wird die jüd. Musik immer noch als Stiefkind behandelt, wegen ihrer Unterwerfung mißverstanden. Nicht weil unsere heutige jüdische Musik so belanglos ist, überhört man sie, sondern weil man sie gar nicht kennt, achtet man sie zu wenig. Darum gilt es, die Gleichgültigen aufzurütteln, muß die Forderung stets von neuem erhoben werden: bei iüd. Veranstaltungen jüd. Kunst, jüdische Musik. Anthologie der hebräischen Dichtung Palästinas. Soeben erschien im Verlage Wsc’nod (M. I. Freid & Co., Warschau) eine Anthologie der neuesten hebräischen Dichtung Palästinas in einer vorzüglichen polj nischen Uebersetzung .von Simon Wolf, dem Wiener j Berichterstatter polnisch-jüdischer Blätter. Schon beim flüchtigen Durchblättem fällt einem die Fülle großer Begabungen auf, die in allerletzter Zeit in Palästina auf dem Gebiete hebräischer Dichtung tätig sind. Der Uebersetzer verstand es durch herrliches Einfühlungsvermögen, gepaart mit vollendeter StUkunst, die berückende Pracht aufstrebender dichterischer Talente aus den Gefilden Palästinas in dem Kulturpreis moderner europäischer Literatur biniüberzupflanzen. Die Einleitung des Uebersetzers ermöglicht auch das notwendige kulturhistorische Verständnis. Es sei auf dieses Werk nachdrücklich verwiesen! Zijurim, ein Sammetband (hebräisch), (Verlag Eschkol, Berlin.) Dem Gedächtnis des zu früh verstorbenen Mitarbeiters bei der Redaktion der jüdischen Enzyklopädie Jacob Naftali Simchqni (Dr, Simchowitz) weiht der Verlag Eschkol diesen Sarmnetband. Er zerfällt in vier Abteilungen, die, sämtlich in klarem Hebräisch geschrieben, Beiträge bekannter jüdischer Schriftsteller und Gelehrten enthalten. Die Persönlichkeit Simchonis behandelt die erste Abteilung, in der Freunde des Verstorbenen über seine wissenschaftlichen Leistungen und seine menschlichen Eigenschaften schreiben, in der auch eine bibliographische Aufzeichnung seiner Arbeiten enthalten ist, die einen Einblick in die Vielfältigkeit der Arbeitsgebiete dieses im Alter von * 42 Jahren dahingegangenen, hochbegabten und fleißi- . gen jüdischen Forschers gibt. — Bisher unbekannte Texte aus der jüdischen Poesie des Mittelalters (ein besonderes Arbeitsgebiet Simchonis ln seinen letzten Lebensjahren) geben in der zweiten Abteilung des Bandes Bialik, Brody, Davidsohn und Elbogen heraus. — Die dritte Abteilung enthält Aufsätze aus dem Gebiete der Bibelwissenschaft, Responsenliteratur und jüdischen Geschichte, an der u. a. Assaf, Cassuto, Epstein, Gutmann, Horodetzky, Kraus, Morkon mitarbeiteten. — Moderne hebräische Dichtungen, Essays und Briefe, sind der Inhalt der vierten Abteilung. Sie könnte ohne Schaden für das Gesamtwerk fehlen, das darm einen eindeutig wissenschaftlichen Charakter -hätte, der auch so den Hauptwert des Sammdbandes darstellt, dem jeder an der Wissenschaft des Judentums Interessierte viel Wertvolles entnehmen wird. Schereschewsky. Neue jüdische Musik. Im Jung-jüdischen Verein in Königsberg hielt Frau Alice Jacob Löwensohn einen Vortrag über «Neue jüdische Musik». Die Rednerin ging von der Jahrhundertwende aus und datierte das Erblühen einer neuen musikalischen Eigenkultur der Juden von der Entstehung der ersten zionistischen Kongresse aus. Die Tendenz, eine eigen-jüdische Musikkultur zu schaffen, knüpft sich erstlich an d-ie Wirksamkeit des verdienstvollen Joel Engel, der, von Rußland kommend, sein Leben als Musikerzieher in Palästina beschloß. (Probe am Klavier: Kinderlieder.) Beispiele von Erich Walter Sternberg, Julius Wolfsohn, der Brüder Gregoire und Alexandre Krein, sowie des jüngeren John Julian Krein, zeigten die Einflüsse der Spätromantik und des Impressionismus. Nach diesen musikalischen Wanderungen durch Oesterreich und Frankreich wies Rednerin an Beispielen von Alexander Weprik, Josef Achron, Jacob Weinberg auf die Rolle der Russen, besonders himsiohtlich der Klaviermusik, hin. Das Aufblühen jüdischer Musik in Palästina wird vorwiegend in Zusammenhang mit dem Namen Mordechai Sandberg hervorgehoben. Eine Reihe weiterer Proben am Klavier und Grammophon gab Einblick in die teils mißglückten, teils durch unbewußt starke assimilatorische Einflüsse beeinträchtigten Versuche, liturgische Musik spezifisch jüdisch auszugestalten. Uriel Akosta in den jüdischen Künstlerspielen Samstag, den 20. und Sonntag, den 21. Juli, um 9 Uhr abends, wird in den Jüdischen Kiinstlerspielen (Reklam, II., Praterstraße 34) Uriel Akosta in neuer Inszenierung aufgeführt. Gastspiel Nathan Eisikowlcz In Wien Im «Neuen Jüdischen Theater» (Praterstraße 60) beginnt ab Samstag, den 20. Juli ein kurzes Gastspiel des berühmten jüdischen Schauspielers Nathan Eisikowicz. Als Erstaufführung gelangt «Die Roite Brück», Melodrama in 4 Akten von Isidor Lesch. Sonntag, Dienstag, Mittwoch und Donnerstag: «Die Roite Brüok». Die Z. M. V. Mirjam, Wien, veranstaltet anläßlich des vierten Bundestages des .Kontwentalbund Zionistischer Mädchenvereinigungen’ einen Abend jüdischer Kunst am Samstag, den 20. Jtrli, pünktlich 20 Uhr 30 Mfca., in den Künstlerapielen Pan, Wien, 1. Bez., Riemergasse 11.» Redaktionsschluß und Schluß der Inseratenannahme Dienstag um 12 Uhr mittags. Später erlangende Einsendungen können keine Aufnahme in die laulende Nummer finden. XVI. ZIONISTEN KONGRESS Zürich, Juli 192a KONGRESSPUBUKATIONEN: 1. Berichte an den XVI. ZionUtonltoagrcß: ») Bericht der Zionistischen Exekutiv« (hebräisch, englUch oder deutsch). . Fra. b) Bericht de* Karen Hayeaod ... , (bebräUch, englisch oder deutsch). . k c) Bericht des Keren Kayemeth Lelsrael (hebräisch, englisch oder deutsch). . B 2. Kongreözeltttng, etasiges offizielle* Organ de* Kongre*««*, erscheint (in deut»cfa«r Spruche) während de* Kongresse* täglich; Abeootmeots ln der Schweiz . . ..... „ In den übrigen Ländern * 3. Stenographisches Protokoll des XVl.Zlontstenkongresse» (In deutscher Sprache), erscheint lm September 1929 . _ 8’70 3-- 8‘- »80 4-- ' MD für alle drei Publikationen .....!8‘20 Die Besteller von General-Abonnements erhalten auf die Preise der Gastkarten zum Kongreß 10% Rabatt. Bestellungen an d. Burenu d. XVI. Zlonlstsnkoflgf esset, Brünn, Lehmstätte 17, Tscliechoslovakcl; Geldsendungen an den Schweizerischen Bankverein, Zürich, für Die Kongreßzeitung und das Kongreßprotokoll sind ein unentbehrliches Hilfsmittel jedes Zionisten, der lückenlose und authentische Information über die gesetzgebende Körperschaft des Zionismus wünscht. i in $.. i iht— ji tun xiii Bwaw

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