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Die Stimme · 1929-07-18 · Heft 81 (18.7.1929) · page 11

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Journal
Die Stimme
Volume
2 (1929)
Issue
Heft 81 (18.7.1929)
Date
1929-07-18
Page
– (sequence 11)
Language
German
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tfr. S1 OIE STIMME kommen Sie zu uns! Badeaozöge, Frottlefmtntel, Pyjama«, Damen-, Warcnhfine Herrenimd Klndor-Wäsche, Strumpf- und Strickwaren etc. En gros - en detail Bergmann? I#» RftBIKSTTBlfl 3 (Ecke Seltenstettengaoso) Bevor Sie reisen - Infolge Mesner Regien spottbillig t Die jüdische Delegation beim Wiener Jugendtreffen Wien. (J. T. A.) Bei der Eröffnung des Jugendtreffens auf dem Heldenplatz begrüßte ein Jugendlicher aus Palästina die versammelten 50.000 Jugendlichen in Bc»r»ischcr Sprache. Er sprach im Namen der palästinensischen, wie auch der jüdischen Jugend aus der Galuth, die dem Weltverbande roale-Zion angehört. Zur Zeit der hebräischen Ansprache wurde die Fahne der Palästinenser auf dem Burgtor gehißt. Nach der Ansprache erwiderte ein Sprechchor die Begrüßung mit einem kräftigen «Jüdische Jugend, wir begrüßen euch!», worauf die jüdische Gruppe mit einem dreifachen «Hesod» die Jugendinternationale hochleben ließ. Das Orchester spielte die poale-zionistische Hymne. Ein Vorschlag anläßlich desZior i liehen Kongresses Von Otto Lang.*) Es unterliegt wohl keinem Zweifel, daß der AuiBbau einer jüdischen Heimstätte in Palästina ohne Ausnützung der Errungenschaften neuzeitlicher Wissenschaft und Technik unmöglich ist; zugleich soll aber diese Heimstätte im Sinne unserer Ueberiieferunigen auf gebaut werden. Es wird daher vorgeschlagen: sobald als möglich eine wissenschaftliche Aussprache .üfber das grundlegende Verhältnis unserer Überlieferungen zur neuzeitlichen Wissenschaft und Technik zu veranstaltein. Zu dieser Aussprache sollen jedenfalls, Winter anderen, Vertreter der jüdischen Universität in Palästina zugezogen werden, da die Ergebnisse dieser Aussprache für deren Tätigkeit und Ausbau richtunggebend werden könnten. Dieser Vorschlag geht davon aus, daß eine Lebensführung, die dem Wesen der jüdischen Udberlieferungen entspricht, auch den Anforderungen gerecht werden muß, die am neuzeitlichen Sinne an jeden Menschen gestellt werden können. Allerdings zwingen in der Gegenwart sowohl äußere Umstände, z. B. geographische, sowie auch innerliche Eigenschaften, z. B. nationale, zu verschiedenartiger Lebensführung, so, daß die den jüdischen Uefoerliefertmgen entsprechende, gewiß nicht die einzige Lebensführung ist, die jenen Anforderungen entspricht. Diese Beurteilung der jüdischen Ueberlief er un.gen kann sowohl von Zionisten als auch Nächtzionisten gemeinsam übernommen werdem Bei ersteren bildet dies, unseres Erachtens, den Grundgedanken; bei letzteren wäre ihr Festhalten am Judentum — trotz so manchen Nachteilen, die ihnen hieraus erwachsen — sonst kaum verständlich. Der Zionismus beruht auf dem Grundsatz, daß es unbedingt eines jüdisch-völklichen Gemeinwesens bedarf, wie es nur in Palästina geschaffen werden könne, um jenes Verhältnis der jüdischen UeberUefenungen zur menschlichen Lebensführung der Neuzeit zu ermöglichen, die notwendig ist, um die Kontinuität des Judentums zu erhalten. Die Nichtzionisten halten ein solches Betätigungsfeld für die jüdischen Ueiberiiefenungen für unnötig. Beide Teile sollten unseres Erachtens den Versuch unternehmen, dieses Verhältnis zwischen jüdischen Ueberlieferungen und Lebensführung mindestens theoretisch, und zwar vom Standpunkt neuzeitlicher Wissenschaft zu klären. Dadurch dürfte sich zugleich auch zeigen, nicht nur ob, sondern auch wie der praktische Beweis durch Schaffung der jüdischen Heimstätte in Palästina erbracht werden kann und soll. Jedenfalls könnte es begrüßt werden, wenn in solcher Weise die neu m schaffende Jewish Agency Gelegenheit erhielte, zu Beginn ihrer Tätigkeit sich der Lösung einer Kulturaufgabe für das Judentum zuzuwendon, deren Förderung beiden, die Agency bildenden Teilen — wenngleich aus einigermaßen verschiedenen Gründen — nur erwünscht sein kann. In einer Zeit, die offensichtlich nach einer Klärung des Verhältnisses zwischen Religion und Wissenschaft drängt, könnte übrigens das allgemeine Ansehen des Judentums auf diesem Wege nicht unerheblich gesteigert werden. Hiebei kämen aber vornehmlich nicht etwa rituelle oder Fragen des Kultus in Betracht, sondern hauptsächlich jene sozialen Ideen, deren Verwirklichung gegenwärtig im Vordergrund stehen. Deshalb ist die Klärung dieses Inhaltes der jüdischen Uöb erlief erungen überaus wichtig und dringlich, jedenfalls aber geeignet, eine zeitgemäße Beurteilung des Judentums zu ermöglichen. Gedenkfeier der Hitachduth für Dr. Leopold Thaler * Mittwoch, den 10. ds. veranstaltete die zionistische Arbeitspartei Hitachduth in ihrem Heime, 2. Bezirk, Aussteliungsstraße 19, eine Andacht zu Ehren des so jäh vom Tode gefällten, 28jährigen Schriftstellers und zionistisch-sozialistischen Politikers Dr. Leopold Thaler, dessen Tod einen tief empfundenen Verlust für alle Freunde des «Arbeitenden Erez-Israel», für den Zionismus überhaupt und für die Hitachduth insbesondere bedeutet. Man erinnert sich noch des ausgezeichneten, Buber und A. D. Gordon gewidmeten Heftes der «Zionistisch-Sozialistischen jugendblätter», das Thaler Im Aufträge der Hitachduth und deren Jugendgruppe «Oondonla» vor einem Jahre he rausgab. Thaler, aus dem «Haschomcr Hazair» hervorgegangen, arbeitete zwei Jahre in Palästina, kehrte wegen seiner schwachen Gesundheit zurück und mußte in einem eZitpunkt sterben, als er oben begann, den rechten Wirkungskreis fllr seine reichen Fähigkeiten zu finden, — Chawer P Silberherz und Chawera Dr. Martha Hof mann würdigten ln tief empfundenen Gedenkreden den zu früh Ver- *) Der Verfasser bereitet ein Werk vor iwnter dom Titel: «Weseij und -Bedeutung des Judentums» und formuliert ln diesem Aufsatz die praktischen Folgerungen. (Anm. d. R.) storbenen. Es wurde sofort mittels Spenden die Summe zur Eintragung Dr. Thalers in das Silberne Buch des Keren Kajemeth aufgebracht, um das Andenken des Toten zu ehren. p. A. Die Führer der deutschen Zionisten begehen den 70. Geburtstag Otto Warbnrgs. Berlin, 12. Juli (J. T. A.). Am Donnerstag, den 11. Juli, abends, versammelten sich in Krolls Festsälen, einer Einladung der Zionistischen Vereinigung und des Keren Kajemeth für Deutschland folgend, die führenden Persönlichkeiten im deutschen Zionismus und mehrere prominente Palästina-Freunde, um Herrn Professor Otto Wartburg, den früheren Präsidenten der Zionistischen Weltorganisation, der am 20. Juli d. J. sein 70. Lebensjahr vollendet, zu feiern. Der Jubilar, der seine wissenschaftliche Arbeit zwischen Palästina, wo er das gesamte landwirtschaftliche Versuchswesen der Zionistischen Executive leitet, und Berlin teilt, hatte sich mit seiner Gattin erngefunden. Herr Kurt Blumenfeld, Präsident der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, der die Veranstaltung leitete, führte aus, die Feier sei nicht so sehr für den verehrten Jubilar, als vielmehr «für uns bestimmt, da ein solcher Abend Gelegenheit gibt, sich eines wertvollen Besitzes zu erinnern.» Otto Warburg kam zum Zionismus nicht ans konstruiertem Denken, sondern aus gegenständlichem Betrachten; trotzdem wurde er ein Hoffender, ein kühner Neuerer erfüllt mit Intuition. Die Rede Blumenfelds klang in dem Wunsch aus, daß Warburg in der vollen Frische und Kraft, die ihn heute noch auszeichnet, «ein Bürger Palästinas und ein Beispiel für uns bleibt ad mea weesrim schanah». Herr Max Wollsteiner, Ehrenvorsitzender des Deutschen Keren Kajemeth, der in diesem Jahre selbst auf eine 25jährige Tätigkeit im Dienste des Keren Kajemeth zurückblickt, erinnerte daran, daß Warburg im April 1904 den Aufruf zur Schaffung der Oelbaumspende erließ, dem zu verdanken ist, daß heute viele tausende Oelöäume in Palästina blühen. Der Spender des ersten Oelbaumes war der zweite Jubilar dieses Jahres, Professor Heinrich Loewe. «Wir Juden und Zionisten wollen jetzt die Ehrenschuld an Otto Warburg abzahlen, indem wir inlthelfen an der Schaffung des seinen Namen tragenden Botanischen Gartens in Palästina, der die Zeichen seines Wirkens bewahren soll für alle Zeiten.» Dr. Artur Hantke, der Leiter des Keren Hajessod, sagte, Warburg stehe heute nicht am Ende seines Schaffens, sondern am Beginn eines neuen Jahrzehnts. Wir brauchen ihn, daß er uns weiterführt, weiter fllr uns arbeitet und streitet. Dr. Alfred Klee gab einen historischen Rückblick auf die Entwicklung des Zionismus in Deutschland und schilderte, wie ermutigend es auf die zionistische Jugend wirkte, als ein Mann wie Otto Warburg in die Bewegung trat. Seine Persönlichkeit bildete die Synthese der großen Konzeption Theodor Herzis und des praktischen Aufbaues. Dr. Klee richtete eine herzliche Ansprache an Frau Professor Otto Warburg, der Tochter Gustav G. Cohens, des Freundes Theodor Herzis, eine der nobelsten Persönlichkeiten des deutsohen Judentums, der Otto Warburg im Sinne des Zionismus unverkennbar beeinflußt hat Dr. Alexander Goldstein schilderte, wie Wasburgs Persönlichkeit ermutigend auf die russischen Zionisten wirkte, die ihn den «Hillel der zionistischen Bewegung» nannten, wie später die amerikanischen Zionisten anläßlich seines Besuches in Amerika auf Ihn das Wort prägten: «Gentleman of Zionist Organisation», Die Reihe der Redner beschloß S, GTonemann mit einer launigen Ansprache, in der er ein einprägsames Bild der Führerpersönlichkeit Warburgs zeichnete. Zum Schluß ergriff Prof. Otto Warburg selbst das Wort, um den Rednern zu danken und ata hohes Lob bescheiden abzulehnen. Ich werde, sagte er, nie Zeit haben, Memoiren zu schreiben, weil ich immer etwas Neues machen werde, Warburg berichtete, wie er aus der Assimilationssphäre seiner Jugend zu jüdischen Interessen und zum Zionismus kam. Seine propalästinensische Tätigkeit begann er durch Eintritt in die Gesellschaft Esna und später in den Vorstand der Esra. Dann kam Herzis «Judenstaat» heraus. «Obwohl ich vom Beginn der Bewegung Schekelzahler war, kam ich zum Zionismus erst wirklich, als Herzl seinen starren politischen Standpunkt aufgab und an praktische Arbeit in Palästina herangtng. Die Jahre 1905 bis 1910 waren die Gründerzeit im Zionismus. Mit lächerlich geringen Summen wurde angefangen, aber doch machte die Arbeit Fortschritte. Gar vieles habe ich in Angriff genommen, um es dann anderen abzugeben. Es hat mich immer gefreut, etwas an andere abgeben zu können, so auch, als ich die Führerschaft an Weizmann abgegeben hatte.» Warburg erinnerte an die tragische Zeit des Zionismus in den Kriegsjahren, als Menschen und Werke in Palästina an einem Haar hingen, und er und Hantke beim Auswärtigen Amt erwirkten, daß den Juden in Palästina Schutz gegen die Türken gewährt werde. Das Werk überdauerte die schwere Zeit. Warburg widmete sich nun der reinen, praktischen, wissenschaftlichen Arbeit an Versuchsstation und Universität. - Seine Erfahrungen haben in ihm die Ueberzeugimg gefestigt, daß man zweifellos eine jüdische Landwirtschaft in Palästina aufbauen kann. Aber Palästina ist klein, der landwirtschaftliche Boden kann nur eine begrenzte Zahl Menschen absorbieren. Eine industrielle Entwicklung kann schon Menschen in größerer Zahl ins Land bringen. Warburg zeichnete ein Bild zukünftiger Entwicklung und kam zu dem Schlüsse, daß die jüdische Arbeit sich nicht auf Palästina beschränken werde. Palästina wird das Arbeitszentrum bleiben, von wo aus das Werk auf die Nachbarländer ausstrahlen wird. Ein Land wie Irak z. B. hat heute zwei Millionen Einwohner, wo es einmal vierzig Millionen besaß. Wenn einmal — und das kann in naher Zukunft sein — die Probleme der Wassertechnik und der Klima Verbesserung gelöst sein werden, werden -sich hier ungeahnte Möglichkeiten eröffnen. Wie die Universität sidi schon heute zu dem Geistes- und Kulturzentrum des Orients entwickelt, so wird auch der landwirtschaftliche Aufbau Palästinas das Zentrum der Landwirtschaft für den ganzen Orient werden. Vorgesorgt Im Kaffeehaus Levysofcn wird «durchgearbeitet» von 8 bis 7 Uhr mit einer Stunde Mittagspause. Der neu engagierte Verkäufer Moritz Pinner hat seine Stellung pünktlich um 8 Uhr angetreten. Um 10 Uhr verspürt er. Hunger, hott sein Butterbrot aus der Tasche und beginnt es zu verzehren. Schon hat dies der Chef bemerkt, winkt Pinner beiseite und sagt: «Hören Sie mal, Herr Pinner, hier bei uns giibf es kein Frühstück!» «Das hab1 ich mir gleich gedacht,» sagt Pinner, ruhig weiterkauend, «deshalb hab’ ich mir mein Butterbrot selbst mitgebrachtt» Welche? Der Schauspieler Alexander Granach sitzt betrübt im einer Kaiffeehausecke. «Warum so traurig?» setzt sich zu Htm ein Kollege. «Denk dir,» klagte Granach, «ücfc bin in etner mißlichen Situation. Ich erhielt heute einen Brief von einem Manne, in dem er mich auff orderte, seine Frau in Ruhe zu lassen, sonst werde er mich erschießen.» «Kannst du denn von der Frau nicht fragte der Kollege voller Teilnahme. «Doch, ich könnte es sch on,» gibt Gran ach zsajrüdc, «wenn ich mir wüßte, um welche Frau es siicK handelst; der Mann hat nämlich seinen Namen nicht unter den Brief geschrieben.» Die neue Zeit... in einem süd-rassischen Städtchen läßt die Regierung aus Irgendeinem sanitären Grund die Synagoge schließen. Darob große Erregung unter der dortigen Judensdiaft Es kommt zu einem Auflauf vor dem Gotteshaus* Der Ortssowjet requiriert Truppen. Ihr Führer Ist ein früherer Feldwebel aus der Zarenzelt. Er fordert also die Menge zum Aaseinandergehen auf; «Genossen Juden, ehemals: verdammtes Judenpadc! Macht, daß Ihr wegkomratl» Jüdischer Sport Große jüdische Erfolge bei den österreichischen Leichtathletik- Meisterschaften Bei den diesjährigen Leichtathletikmeisterschäften von Oesterreich, die am Samstag und Sonntag in Htitteldorf auf dem W. A. F.- Platz ausgetragen wurden, feierte der jüdische Sport Triumphe. Der Hakoahner B1 ödy wurde über 800 Meter in der guten Zeit von 1:59,8 Meister und placierte sich im Laufen über 1500 Meter nur ganz knapp hinter dem vielfachen österreichischen Meister F r i eb e (4:12,12) als Zweiter mit 4:13,4. Ueber lO.OOOMeter holte sich der Jetzt in Prag lebende frühere Hakoahner Frankl in 34.03 Minuten den Sieg. Sehr gut schnitt auch Deutscher (Hakoah) ab, der über 4 00 Meter unter Geißler (51,8) Brust an Brust kämpfend mit 52,4 Zweiter wurde. Schwache Bilanz der Hakoah in Polen Folgen der Toumeejagd. Das Abschneiden der Wiener Hakoah auf dei diesjährigen Polentournee entspricht nicht den gehegten Erwartungen. Auf nur knappe Siege folgen Niederlagen und der Hinweis auf das Handikap durch Schiedsrichter kann kein genügender Entschuldigungsgrund für die schwachen Ergebnisse sein. Wohl r.’v.Y ''res Moment als Ursache des mäßigen Absclineidens bezeichnet werden*

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