Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 2 (1929)
- Issue
- Heft 81 (18.7.1929)
- Date
- 1929-07-18
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Säte 8 DIE STIMME nt. w Die Stimme der jüdischen Frau Die WIZO-Konferenz in Zürich vom 22.—26.Juli im Vereinshaus zur «Kaufleuten» . London. Am Montag, den 22. Juli, 7 Uhr abends, wind im Vereinshaus zur «Kaufleuten», Zürich, die V. Konferenz der Weltorganisation Zionistischer Frauen (WJZO) feierlich durch die Präsidentin der Organisation, Lady Herbert Samuel, eröffnet Bisher sind 56 Delegierte, darunter Vertreterinnen aus Kanada und Südafrika, angemeldet Palästina wird in diesem Jahre besonders stark vertreten sein. Anschließend an die Konferenz veranstaltet der Züricher Verband Jüd. Frauen für Kulturarbeit in Palästina, gemeinsam mit dem Isr. Frauen-Verein, einen gesellschaftlichen Empfang für die Delegierten im Hause von Frau Armand Dreyfuß. Aus der Tagesordnung der Konferenz: 1. Eröffnungssitzung. Montag, den 22. Juli, 7 Uhr abends. Eröffnung der Konferenz durch die Präsidentin Lady Samuel. Begrüßungen. Anschließend an die Eröffnungen Findet um 9 Uhr ein geselliger Empfang für die Delegierten im Hause von Frau Armand Dreysuß statt. 2. Sitzung. Diensta-g, den 23. Juli, 9 Uhr vorm. Wahl des Konferenzpräsidiums, Rechenschaftsbericht der, Exekutive: Frau R. Goodmann, Frau H. Samuel, Frau M. Maries. Wahl des Resolutionsausschusses. Eröffnung der Debatte über die Referate. Kurze Darstellung über die Lage innerhalb der Förderation durch die Delegierten. 3. Sitzung. Dienstag, den 23. Juli, 3 Uhr nachm. Fortsetzung der Debatte. Referat: «Der Stand der Zionistischen Organisation», Felix Rosentdüth, Mitglied der Exekutive der Zionistischen Weltorganisation. Referat: «Zusammenarbeit mit neutralen Körperschaften und Gruppen», Frau Johanna Steiner. Referat: «Künftige Beziehungen der WJZO zur zionistischen .WeltoFganistation» (ein Mitglied der Londoner WJZO- Exekutive). 4. Sitzung. Dienstag, den 23. Juli, 8 Uhr 30 Min. abends. Debatte Über die Referate. 5. Sitzung. Mittwoch, den 24. Juli, 9 Uhr 30 Minuten -vormittags. Palästina-Fragen (Frl. Hedwig Geltner). Debatte, eröffnet durch Frau Vera Weizmann. 6. Sitzung. Mittwoch, den 24. Juli, 3 Uhr nachmittags. Fragen der Organisation und Propaganda. Debatte. Das neue Budget (Frau Marks). Debatte. 7. Sitzung. Mitt-woch, den 24. Juli, 8 Uhr 30 Minuten abends. WJZO und Kontinentalverband zionistischer Mädchenvereinigungen (Dr. Henny Rapaport). Debatte. Resurne der Exekutive. Wahl der Kommissionen. 8. Sitzung. -Donnerstag, den 25. Juli, 9 Uhr 30 Minuten vormittags. Sitzungen der Kommissionen, keine Plenarsitzung. 9. Sitzung. Freitag, den 27. Juli, 9 Uhr vormittags. Berichte der Kommissionen. Debatte. Wahl der Exekutive. Die Notwendigkeit der Kulturarbeit für die WIZO Von Dr. Martha Hofmann. Die WIZO hat eine doppelte Aufgabe zu erfüllen: Erstens Palästinaarbeit, zweitens nationale Erziehungsarbeit unter den jüdischen Frauen und Mädchen in der Galuth. Durch diese ihre zweite Aufgabe unterscheidet sie sich vornehmlich von den sogenannten «Neutralen Frauenverbänden für Palästinaarbeit»; o h n e diese zweite Aufgabe unterscheidet sie sich wenig von den Gruppen, wie etwa dem «Kulturverband» in Deutschland und der Schweiz, das heißt, sie wäre ohne kulturelle Auswirkung auf die jüdische Frauenwelt lediglich ein Zweckverband zugunsten einiger sicherlich sehr wichtiger Institutionen in Palästina. Ihr zionistischer Akzent wäre nicht ausgeprägt genug, er könnte deshalb leicht gefährdet werden durch bloße «palästinafreundliche Mitarbeit». Nicht dazu aber besteht die zionistische Weltorganisation der Frauen, Die WIZO will und muß mehr sein als ein bloßer Zweckverband. Sie will und muß z i on-f st ischeUeberzeu gang in den Frauen und Mädchen begründen und festigen, sie will und muß sie einbeziehen in den Gesamtkreis der kulturellen und politischen Erneuerung des jüdischen Volkes. Eine einseitige Einpferchung der jüdischen Frau in einen eng umgrenzten Zweckverband ohne größeren geistigen und politischen Horizont, wie die WIZO ohne Kulturarbeit es wäre, würde keinen Gewinn — weder für die jüdischen Frauen selbst noch für die zionistische Bewegung als Ganzes bedeuten. Besser wäre dann, die jüdische Frau nähme — phne jede separate Frauenorganisation — ernst und verantwortlich bloß an den allgemeinen Arbeiten der zionistischen Organisation beziehungsweise der Jewish Agency teil und erweiterte damit ihr Verständnis für die jüdische Weltlage und für die Probleme Palästinas. Tatsächlich mangelt unseren Frauen vielfach dieses politische und geistige Verständnis, ja selbst Interesse, was von Außenstehenden — sowohl Männern wie besonders von geistig interessierten, wertvollen Frauen — als unverzeihlicher Mangel unserer Organisation empfunden wird und gerade die besten weiblichen Kräfte oft abhält, sich in unseren Dienst zu stellen, weil sie im Kreise der WIZO für kulturelle Werte keine Resonanz zu finden vermeinen. So stehen tatsächlich nuf vereinzelte, geistig führende jüdische Frauen in unseren Reihen, doch es muß der Rahmen für deren Einbeziehung und Mitarbeitzum Nutzen des Gesaratniveaus unserer Arbeit geschaffen werden. Hier gibt sich nun ein schweres Problem: Wie kann Kulturarbeit organisiert werd e n? Kulturarbeit — das ist doch vor allem das Sichauswirken von Persönlichkeiten, deren Geistigkeit ihren nächsten Kreis beeinflußt, erzieht und hebt; das ist eine Wirkung an Ort und Stelle. Wie kann man dies also innerhalb einer viel verzweigten, länderweise überaus differenzierten Organisation wie der unseren überhaupt leisten? Wir sind uns darüber im klaren, daß alles hier nur Surrogat sein kann, daß keine Wirkung auf die Feme hin der unmittelbaren auf die Umgebung in ihrer erzieherischen Beispielhaftigkeit (sofern sie ein solches Niveau erreicht) je gleichkommen kann. Dennoch glauben wir, daß es möglich sein muß, ein Reservoire zu schaffen, geeignet, die wertvollsten geistigen Aeußerungen jüdischer Frauen aufzunehmen und — zum Nutzen unserer nationalen Erziehungsarbeit — bis in die entferntesten Gruppen weiterzuleiten. Die persönliche Wirkung ist, wie gesagt, nicht restlos vermittelbar'. Sie kann aber einigermaßen durch das Medium einer verständnisvoll und feinsinnig redigierten, mit Kenntnis der nuancierten Psychologie unserer Frauen, mit Ehrfurcht vor dem jüdischen Werte, aufgebauten Zeitschrift ersetzt werden. Eine solche Zeitung kann nur zuwege gebracht werden, wenn jene wertvollen jüdisch und hebraistisch schöpferischen Persönlichkeiten, die es unter denheutig en j ü d ischenFrauengibt und die noch teilweise ganz außerhalb unserer Reihen stehen, zur Mitarbeit gewonnen werden. Eine Symphonie jüdisch-weiblicher Geistigkeit — natürlich nicht ermangelnd auch deis Kontrabasses männlicher Stimmen — soll aus diesem Organ in alle Gruppen dringen und dort als ein Erlebnis wirken. Daß dies nicht unmöglich ist, hat mir der überraschende, beglückende Erfolg der im Februar dieses Jahres erschienenen ersten literarischen Sondernummerder «Pionierebund Helfer» gezeigt, auf die Hunderte von Zuschriften — aus Palästina sowohl wie aus allen Galuthländern — zustimmend, dankbar, ja enthusiastisch tnworteten. Allerdings war es mir auch gelungen, eine Reihe jener bisher noch «ungehobenen» geistigen Schätze, die sonst unserer Frauenbewegung verborgen bleiben, dort in das rechte Licht der Oeffentlichkeit zu setzen. Auch die «Männerpresse» reagierte außerordentlich günstig und anerkennend. Es war ein voller Erfolg, nicht für mich, sondern für die neu entdeckte g ei- $ t i g e R o 11 e der jüdischen'Frau in der Renaissancebewegung unseres Volkes. Zu dem Erfolg der Nummer, die für alle Weiterarbeit lehrreich bleiben wird, trug das Allround ihres praktsichen und geistigen Inhaltes sowie die gelungene künstlerische Ausstattung wesentlich bei; denn das ästhetische Moment darf in keinem Falle dort außeracht gelassen werden, wo eine persönliche Wirkung — und gar auf Frauen! — erreicht werden soll. Kein Rundschreiben, kein sachliches Bulletin aus Palästina, kein langer vervielfältigter Vortrag — überhaupt kein anderes Propagandamaterial kann meiner Ueberzeugung und Erfahrung nach auch nur annähernd den unmittelbaren Eindruck und Einfluß solch einer gutgeführten, ästhetisch einwandfreien Zeitschrift ersetzen. Ihr kann sogar die suggestive Wirkung einer Persönlichkeit zugebilligt werden. Aber eines müßte hinzutreten: Der verstärkte Kontakt zwischen Leserinnen und Redaktion. Ich sprach schon vorhin von den zahlreichen Zuschriften, die den Erfolg der ersten Sondernummer bewiesen. Da diese Nummer bisher die einzige dieser Art blieb, konnte noch nicht der richtige Kontakt geschlossen werden. Denn der entsteht erst durch Frage und Antwort. Erfahrungsgemäß haben alle unsere Gruppen Wünsche und Fragen, für die sie sich selbst nicht immer die richtige Antwort beschaffen können. Ein offener Briefkasten in einer periodisch (etwa sechsmal jährlich) erscheinenden Zeitschrift für Anfragen praktischer und kulturell-erzieherischer WIZO-Arbeit, würde in den meisten Fällen — sei es durch die Redaktion selbst, sei es durch erfahrene Führerinnen anderer Gruppen — die gewünschte Auskunft erteilen können. Solch publizistische Fragebeantwortung hätten den großen Vorteil, daß nicht — wie dies jetzt vielfach durch private Briefe und Anfragen einzelner Frauen oder Frauengruppen an mich geschieht — nach Beantwortung der einen Seite sofort von anderer Seite dieselbe oder eine ähnliche Frage gestellt würde. Es wäre Verein«* fachung — das heißt Organisation. Die gut geleitete Zeitschrift der WIZO würde die wahre Kulturzentrale, nach der so oft ein nicht immer ganz klar durchdachtes, aber lebhaft empfundenes BedürfnJs geäußert wurde. * In Würdigung des Umstandes, daß die bisherigen, zwischen Palästina, London und Wien unorganisch geteilten und ungenügend verbreiteten Publikationen der WIZO diesem dringenden Bedürfnis nach Information über Palästina, über die Probleme unserer Arbeit, die Lage des Zionismus, wie auch nach sonstiger jüdisch-geistiger Anregung und Belehrung bisher nicht genügen, hat die Organisation zionistischer Frauen Oesterreichs anläßlich ihrer außerordentlichen Generalversammlung im Juni dieses Jahres beschlossen, pro Mitglied und Jahr außerhalb des regulären Mitgliedsbeitrages 3 S verbindlich festzujsetzen und zu bezahlen, damit, die Zeitschrift der WIZO in entsprechender Form geschaffen werden könne. Mit Subvention seitens der Londoner Zentrale in der Höhe von einem Schilling pro Person und Jahr kann jedem Mitglied nach genauen fachmännischen Berechnungen sechsmal jährlich die Zeitschrift im Umfange von 16 Seiten bei Mindestauflage 3000 zugestellt werden. Da die Mitgliedszahl der WIZO in den deutschsprachigen Ländern eine noch beträchtlich größere ist, würde sich das Einzelexemplar wesentlich verbilligen. Sollten in Zürich anläßlich der fünften Konferenz der WIZO auch die übrigen Föderationen sich zu diesem keineswegs beträchtlichen materiellen Opfer entschließen, so könnte eine wirklich wertvolle, die Seitenzahl von 1 Druckbogen pro Nummer wesentlich überragende, inhaltsreiche und ansehnliche Zeitschrift geschaffen werden, eben jenes Reservoir der besten Geisteskräfte der jüdischen Frau, das seine Strömungen bis in die kleinsten und entferntesten Gruppen weiterzuleiten vermag. Die Konferenz der WIZO Die Konferenz der WIZO wird am 22. d. M. 8 Uhr abends in Zürich, Vereinshaus zur «Keufleuten» von der Präsidentin Lady Herbert Samuel feierlich eröffnet. Unter den mehr als 60 Degierten befinden sich sieben aus Oesterreich, darunter Frau Sophie Löwenher, Dr. Martha Hofmann, sowie Ersatzdelegierte. fr ex Jsraef wird das Zentrum des füdisdken Sekens. Verknüpfet füren Jlamen mit diesem Werk durefs fiaumstiftungen im tkajes-Wald f ■ ■