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Die Stimme · 1929-07-18 · Heft 81 (18.7.1929) · page 7

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Journal
Die Stimme
Volume
2 (1929)
Issue
Heft 81 (18.7.1929)
Date
1929-07-18
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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Nr. 81 PtE STIMME manchmal schien, daß die Atmosphäre von den mephistischen Dünsten des Hasses gereinigt sei und daß eine Aera gegenseitigen Verstehens begonnen habe — siehe dal —- löst sich ein unschuldiges Mörtelstückchen vom Dache eines jüdischen Hauses und es folgt dem Gesetze der Schwere, und wie boshaft, es fällt mitten In eine christliche Prozession, die feirlich vorüiberzieht und — Flammen des Hasses, von böswilligen Händen geschürt, zischen auf und so und soviele Kinder Israels müssen daran glauben. Wo Ist ein Land im Osten oder Westen, wo wir uns sicher fühlen könnten? klagt in eine seiner Zionlden unser größter Dichter Jehuda Halevy. In der Juderla von Toledo geboren, hatte er in dem glänzenden Zeitalter gelebt, als au'f spanischem Boden höchste arabische mit hoher christlicher Kultur sich berührten und dennoch hatte er wie alle die 60 jüdischen Geschlechter nach der Zerstörung des Reiches bis zum heutigen Tage das nicderdrtlckende Gefühl der steten Unsicherheit. Pr. J. Tj. Magwes' Bericht über die Arbeit der hebräischen Universität Jerusalem, 12. Juli. (J. T. A.) Dr. J. L. Magnes, der Kanzler der Hebräischen Universität in Jerusalem, hat am 10. Juli bei der Semester-Schlußfeier eine Ansprache gehalten, in der er folgende Mitteilungen machte: Die Universität wurde im Wintersemester von 241, im Sommersemester von 219 Studenten besucht. In zwei Jahren werden die ersten Graduierten-Prüfungen stattfinden. Die Kinder von Herrn und Frau Warburg haben Stipendien für öffentliche Gesundheit, die Boston PalesUne Scholarship Association hat ein Stipendium für Philosophie, die Sigma Alphamu Fraternity eines für Studium der Klassiker errichtet, und, der frühere amerikanische Botschafter in der Türkei, Elkus, hat einen Preis für Rhetorik gestiftet. Vom IS, bis 23, August werden in Zürich Beratungen des Akademischen Rates und des Kuratoriums der Hebräischen Universität stattfinden. Zur Erwägung steht die Errichtung von Kursen für Nichtgraduierte in Biologie und einer Schule für Graduierte in subtropischer Medi-zin, wozu außer dem bisherigen Budget von 51.000 Pfund noch ein Zusatzbudget von 18.000 Pfund notwendig ist. Es wurde beschlossen, den von der jüdischen Gemeinde Berlin bewilligten jährlichen Zuschuß von 15.000 Mark für einen Lehrstuhl für soziale Wissenschaften mit Dank anzunehmen. Der Adolf Weißmann- Gedächtnisfonds für Förderung der Musik in Palästina hat seine Wirksamkeit begonnen. Es wird beabsichtigt, «Inen Wald und einen Botanischen Garten an der Universität aus Anlaß des 70. Geburtstages von Professor Otto Warburg, früherem Präsidenten der Zion. Organisation und jetzigem Leiter der landwirtschaftlichen Versuchsstation in Palästina, anzulegen. Dr. Magnes reist im Herbst nach Amerika, England, Frankreich und die Tote Meer-Konfession London, 9, Juli. (J, T, A.) Reuter verbreitet eine Mitteilung, in der hinsichtlich den Pressemeldungen, daß die französische Regierung der britischen Regierung als der Mamdatarmacht Palästinas zur Kenntnis gebracht hat, daß die Frage der Gültigkeit einer von französischen Staatsangehörigen noch vor dem Kriege erhaltenen Konzession zur Ausbeutung der Kalischätze 'des Toten Meeres vor den Haager Internationalen Gerichtshof zu bringen beabsichtige, erklärt wird, daß die britische Regierung niemals die Gültigkeit dieses Vorkriegsanspruches anerkannt hat. Die britische Regierung hat auf den Vorschlag der französischen Regierung, die Angelegenheit vor den Haager Gerichtshof zu bringen,. noch keine Antwort erteilt. Chemie-Lehrstuhl auf den Namen Ludwig Mond in Jerusalem Jerusalem, 9. Juli, (J. T. A.) Hier verlautet, daß Lord Metehett und sein Bruder Robert Mond die Absicht haben, an der hebräischen Universität zu Jerusalem einen Lehrstuhl für Chemie zu errichten, der den Namen ihres verstorbenen Vaters, des einst berühmten Chemikers Ludwig Mond, führen soll. Die Empire Chemical Industries erhalten seit Mai am Laboratorium für angewandte Chemie der Universität eine Assistentin, Irma Jaffe, und leisten der Universität ein Entgelt für die benutzten Materialien. Arabische Nationalisten tagen in Frankfurt Jerusalem, 12. Juli. (J. T. A.) Im Zusammenhang mit dem zweiten Weltkongreß der «Liga zur Bekämpfung des Imperialismus» wind in Frankfurt am Main «Ine Konferenz von Delegierten aus arabischen Ländern stattfinden, die sich auch mit dem Problem Palästinas beschäftigen wird. Das Palästinensisch-Syrische Komitee wählte zwei Delegierte, die Palästina und Transjprdanien auf der Konferenz gegen den Imperialismus vertreten sollen. Die arabische Presse veröffentlicht einen Aufruf, der von der Liga zur Bekämpfung des | Imp*r;nlj‘nnus luderzelchnet ist. 1 Organisationsprobleme Von Dr. Oskar Karbach, (Zur Enquete der Zionistischen Exekutive.) I. Die Enquete-Kominission der Zionistischen Organisation hat die bisherigen Ergebnisse in zwei Publikationen der Oeffentlichkeit zugänglich gemacht, die eine Fülle interessanten Materials bieten. Bei dem empfindlichen Mangel an periodischen Organen, die der sachlichen Behandlung organisatorischer und ideologischer Fragen gewidmet sind, bedeutet diese Enquete eine seltene Gelegenheit zur freien Aussprache. Der äußerst sorgfältig ausgearbeitete Fragebogen hat die Arbeit des einzelnen Einsenders wesentlich erleichtert — vielleicht ein wenig auf Kosten der Uebersiehtlichkeit über die stattliche Gesamtheit der Materie. Deshalb erscheint es angezeigt, schon jetzt vor dem Abschluß der Enquete, die noch fortgesetzt wird und deren dritter Band in Aussicht gestellt wird, eine Zwischenbilanz aufzustellen, die der interessierten zionistischen Oeffentlichkeit eine Orientierung über die wesentlichen Ergebnisse vermitteln soll, gleichsam die Besultierende aus der Fülle der Einsendungen, die im Einzelnen natürlich in manchen Punkten gegenteilige Ansichten zum Ausdruck bringen, Eine stattliche Anzahl von Einsendungen prominente Namen neben einfachen Kämpfern für die zionistische Sache — hat die Gelegenheit gerne ergriffen, ihr zionistisches Credo eindringlich und sachlich zu äußern. Zweifelsohne hat das Material dieser Enquete bleibenden Wert für Theorie und Praxis unserer Bewegung. Unvermeidlich ist es, daß manchen Aeußerunge» die vollkommen scharfe Abschätzung ihrer Verwirklichungsmöglichkeiten fehlt: Wenn auch dieser Mangel besonders auf dem Gebiet der Propaganda von pQQfiOSNQUtN SP VtrlagsiMpeditian: M- Fritz Sußrnann, Wim, I» ß^ Tel. U 34,4-43 SaUtQrga&Q 7 Ttt, U 344-43 Bedeutung erscheint, so äußerst er sich immerhin in manchen Antworten auch bei organisatorischen Vorschlägen. In den bedeutsamen Fragen der Unifizierung der Landesverbände,; der zionistischen Außenpolitik, der Parteidisziplin, der Beamtenfrage — um nur einige hervorzuheben — finden sich zahlreiche, an sieh wertvolle Anregungen, die aber auf der Fiktion einer Befehlsgewalt beruhen, deren Existenz eine realpoiitiische Betrachtungsweise bezweifeln?wnß, Es ist menschlich vollkommen, begreiflich,, daß gerade der am Gedeihen der zionistischen Renaissance-Idee ehrlich Interessierte das für gut erkannte rasch und vollkommen verwirklicht zu sehen wünscht unter möglichster Ausschaltung aller Hemmungen im Inneren der Organisation: das erklärt die durchaus wenig günstige Haltung, die den Minoritäten innerhalb des Zionismus entgegengehracht wird; Diese Einstellung findet ihren Ausdruck insbesondere in den mehr oder minder scharfen Ratschlägen zur Unifizierung der Bewegung durch Einschränkung der Bedeutgung und der gegenwärtigen Machtbefugnisse der Sonderverbände, in einer auffällig einhelligen Stellungnahme gegen das Listenwahlrecht innerhalb der Organisation, ln manchen Bemerkungen zur Reform des Kongresses, überhaupt in der nahezu überall durohbliokenden Billigung der amerikanischen Auffassung des Wesen s der Demokratie, als der unbedingten Vorherreehaft des Willens der Mehrheit. Hier ist auch ganz deutlich eine Sonderung der eingeengten Antworten nach dem Wohnort ihrer Einsender f©Staustellen: im Westen Europas herrschen über diese wuchtigen prinzipiellen Fragen eben andere Ansichten als in den Ländern des Nationaljtätenproblems mit seinem System rechtlicher Sicherungen. Im Gegensatz Jviezu führt eine Stimme aus Ungarn sogar in vorsichtiger Weise faschistische Organisationsmaßregeln in die Diskussion ein. Da die Zionistische Organisation von einigen Teilnehmern an der Enquete als Fdauzierungs- Instrument der Aufbauarbeit gewertet wird, ist es verständlich, daß die finanzielle Beit r n g s l e i <8 tun g als das entscheidende Momont der Berechtigung zur Teilnahme an unserer Bewegung und zur Ausübung der Mitgliedsrechte innerhalb der Organisation betrachtet wind. So kommt es, daß eher dde Frage zur Erörterung gelangt, ob an Beitragsleästende zu den zionistischen Fonds das Wahlrecht konzediert werden soll, auch wenn sie sich persönlieh auf das Baseler Programm nicht festlegen wollen, als umgekehrt an Gesinnungszionisten ohne Beitragsleistung. Dabei ist auch der Schekel in seiner heutigen Form als Kennzeichen der Mitgliedschaft stark umstritten: die Art der Aufbringung von Schekolim wird mitunter sehr abfällig kritisiert, besonders im Hinblick auf die verhängnisvolle Rolle, die anläßlich der Wahlen von den „Fraktionsmäzenen“ in vielen Fällen gespielt wird. Wir finden deshalb zahlreiche Anregungen zur Modifikation, selbst zur Einstellung des bisherigen Systems. Als große Ausnahme ist der Vorschlag des Dr. D a i c h e s (Edinburg) zu betrachten, der den schönen Mut findet, dör Verleihung des Kongreßwahlrechtes an alle Juden und Jüdinnen, die dasselbe auszuüben wünschen, das Wort zu reden. Dieser Vorschlag ist ein Novum, Uber das nicht oberflächlich zur Tagesordnung tibergegangon werden sollte. Vielleicht wäre die Einräumung des Wahlrechtes als Anfang, nicht wie bisher als Schlußpunkt des Gewinnungsprozesses eines neuen Zionisten innerhalb des Judentums von revolutionierender Wirkung — zweifelsohne aber hat dieser Gedanke die Kraft ln sich, nach außen hin tiefen Eindruck zu erwecken. Dr. Deiches' Plan, von R e v. P e r Izwedg unterstützt,, sollte jedenfalls aus der öffentlichen Diskussion nicht mehr verschwinden. Die historisch entstandenen Organe unserer, Bewegung, Exekutive und Aktionsk o m i t e e, kommen im allgemeinen ohne einschneidende Aenderungen vor. Für den Kongreß wird auf Grund der Erfahrungen auf den zahlreichen sonstigen Versammlungen der Nachkriegszeit mit Recht die Verlegung der praktischen Arbeit jn die Kommission gefordert. , Dem Plenum soll im wesentlichen eine repräsentative und demonstrative Rolle Vorbehalten bleiben, wie sie heute etwa der feierlichen Eröffnungssitzung zukommt. Die Schaffung permanenter Kommissionen, ebenfalls nach’ dem Muster analog organisierter Vereinigungen, erscheint nützlich, Der Wunsch nach V e r j ü n g u n g und Anpassung an die stürmische Gegenwart wird in der Uebereinstimmung mehrerer wichtiger Einsendungen laut, die sich bemühen, einem. delikaten Problem gerecht zu werden, das wir zugammenfassend etwa als die Trennung der Erfordernisse eines zielbewußten Führertums von denen pietätvoller Dankbarkeit gegen die Pioniere unserer Bewegung bezeichnen können. Der Wunsch, der verdienten früheren Genera-1 tion unserer Führer nach Möglichkeit eine Aus-* Schaltung aus der Mitarbeit an leitender Stelle zu ersparen, ohne ihr die ganze Bürde der Vejv antwortung weiterhin aufzulasten, führt gleich' zu mehreren Vorschlägen für ein zionistisches Oberhaus mit beratender Stimme, respektive zu der Anregung, einen bestimmten Prozentsatz der Kongreßsitze unseren verdienten Pionieren als Virilisten lebenslänglich oder doch für eine Reihe von Jahren zur Verfügung zu stellen. Den aufreibenden Wahlkämpfen entrückt, könnte so die in Kämpfen ergraute Zionistengeneration in ihren prominentesten Vertretern den Jungen, die ihren Platz auch bei der Uebernahme der Verantwortung fordern, mit ihrem gereiften Rat zur Seite stehen, Im Allgemeinen soll der Kongreß ein Spiegelbild der wirklichen Strömungen im Zionismus sein, auf demokratischer Basis zuetandegekommen, selbst auf die in jeder Demokratie mögliche Gefahr Mn, daß die Prominenten hei der, Verteilung der Sitze leer ausgehen sollten: ein Expertensystem, mit dem überall gute Erfahrungen gemacht werden, müßte den Vertretungskörper beraten, Die sogenannten Landsmannschaften werden mit Recht als überlebt ange- SQI16)1 (Ein zweiter Artikel folgt) Weltkonferenz der Poale Zion Die 8. Wettkonterenz des Jüdischen Sozialistischen Weltvenbamtes (vereinigt mit dem Zionlstisch-Suzi-ali* Büschen Verband), an der Delegierte aus Palästina, Amerika, Argentinien, Belgien, Brasilien, Bulgarien, England, Frankreich, Lettland, Litauen, Oestürreich, Polen, Rumänien, Tschechoslowakei u. a. teilnehmen werden, wird in der Zeit vom 18. bis zum 24. Juli ln Berlin stattfimeten, Die Eröffnung der Konferenz f:. : : n 18. Juli abends 8 Uhr in den Räumen des Ha:!:?sehen Hofes; am Hackeschen Markt, statt. Zulassungskarten erhält* lieh im Sekretariat, Auguststr, 17, Tel, Norden 39-85,

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