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Die Stimme · 1929-07-18 · Heft 81 (18.7.1929) · page 3

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Journal
Die Stimme
Volume
2 (1929)
Issue
Heft 81 (18.7.1929)
Date
1929-07-18
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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: ffr/Sl DIE STIMME CfwHS <9 Entwicklung nehme und ein geistiges hebräisches Zentrum von erster Bedeutung geworden ist, Zu der Frage der öffentlichen Gesundheit übergehend, wies der Oberkommissar auf die von der Mandatarmacht gemachten Anstrengungen hin, die Epidemien und besonders das Sumpffieber m bekämpfen; mehrere Regionen sind bereits von dem Sumpffieber befreit worden. Der Oberkommissar berichtet über die von der Mandatarmacht auf dem Gebiete des öffentlichen Unterrichtes geleitete Arbeit und erklärte, daß verschiedenerlei Einrichtungen des Unterrichtes bestünden und daß es unmöglich sei, einen einheitlichen Typ bestehen zu lassen, da die Juden wie auch die christlichen Missionen gesonderte Schulsysteme haben wollen. Er bemerkte, wie schwierig cs unter diesen Umständen sei, eine 'staatliche Kontrolle zu erhalten und er fügte hinzu, daß (die Maradatanmaclit im Begriffe sei, den Plan einer Verordnung zu erwägen, auf der die bestehenden verschiedenen Ansichten sich einigen könnten. p Der Oberkommissar gab noch einige Details über die Lage in Transjordanien. Er erklärte, daß das Abkommen zwischen der britischen Regierung und dem Emir von Transjordaniem noch nicht ratifiziert sei, weil der ln der neuen Verfassung vorgesehene Legislative Council erst kürzlich in Funktion trat, daß aber diese Ratifizierung nicht lange mehr auf sich warten lassen werde. Er fügte hinzu, daß die Sicherheit an den Grenzen Transjordaniens vielleicht noch ein wenig zu wünschen übrig ließe, daß aber die Sicherheit im Landesinnern eine vollkommene sei. Er beendigt sein Expose mit der Erklärung, daß das in Transjordanien eingejfü'hrte konstitutionelle Regime noch in seinen Anfängen stehe und daß man noch einige Zeit warten müsse, bis man ein Urteil abgeben könne. Die Aussprache. In der Sitzung vom Sonnabend, den 6. Juli, gab Ja Vertreter der britischen Mandatarmacht der Kommission einige ergänzende Auskünfte über die Erweiterung der Jewish Agency und über die Beziehungen dieser Körperschaft zu der palästinensischen Regierung; über die öffentlichen Finanzen und besonders über die Hilfsquellen der Stadtverwaltungen; über die wirtschaftliche Gleichberechtigung; Uber den Handel mit geistigen Getränken. Bezüglich der Hilfsquellen der Munizipalitäten erinnerte der Oberkommissar daran, daß früher die Einnahmen der Muniizipalitäten von städtischen Akzisen gespeist wurden, die aber dann abgelöst wurden durch eine Auflage auf die Einkommensteuer. Da dieses System (nicht als befriedigend angesehen wurde, hat es die Regierung durch ein Subventionierungssystem ersetzt. Aber auch diese neue Methode hat die Munizipalitäten nicht befriedigt. Die Mandatarmacht ist darum auf der Suche nach einem Mittel, -um den Wünschen der Munizipalitäten entgegen kommen zu können. Zu der wirtschaftlichen Lage des Landes bemerkte der beglaubigte Vertreter der Mandatarmacht, daß, wenn auch eine Passivität der Handelsbilanz, d. h. ein Ueberschuß des Importes über den Export (Einfuhr 6,770.818 Pfund; Ausfuhr 1,487.207 Pfund,) festzustellen ist, dieses Manko in hohem Maße dadurch kompensiert wird, daß die jüdischen Gemeinden des Auslandes Geld nach Palästina schicken und daß ein sehr entwickelter Touristenverkehr Gelder in das Land bringt Ueber die Vermehrung der Einkünfte aus Zöllen befragt, erklärte der Oberkommissar, daß diese Vermehrung einerseits auf die Erhebung von Einfuhrzöllen, andererseits auf die Zunahme der kommerziellen Tätigkeit zurückzuführen ist. Auf Ersuchen der Kommission gab Sir John Chancellor auch einige ^Erklärungen über die Angelegenheit der Tote Meer-Konzession ab und sagte, es hätten sich vor 8 Jahren mehrere Konzessionäre um die Konzession bemüht, diese sei schließlich nach Prüfung den Herren tag. Alle Juden tragen noch ihre Festkleider; sie versammeln sich am Bergabhang, an dem die Straße zur neuen Stadt führt. Sie erwarten gleichfalls den Gouverneur. Die Frauen klatschen in die Hände und tanzen, von den Trommelschlägen einer «schleuh» begleitet. Es ist ein langsamer und monotoner Tanz, ein einfaches Balancieren des durch die vielen Übereinander angezogenen Kleider schwerfälligen Körpers, denn sie tragen ihren ganzen Bestand an Garderobe auf einmal. Ihre Gesichter jedoch sind fein, regelmäßig, weiß und voll Anmut: sie blicken einem gerade ins Gesicht ohne die geringste Scheu und antworten frei auf unsere Fragen. Wir sind im Land der Berber, wo die Frau unter keinem Zwang zu leiden hat. Die Männer sind schön, groß und wohl gebaut, sie haben ein intelligentes Aussehen und begreifen schnell; sie umringen uns und erzählen von ihrem Leben. Die Schulkinder, Knaben und Mädchen sind in zwei Reihen aufgesteltt; manche haben anstatt Fahnen die seidenen Taschentücher ihrer Mütter an Stöoke gebunden. Alle diese Gruppen geben ein buntes, schönes Bild ab, und als der Gouverneur endlich vorbeifährt, wird er mit enthusiastischen Zurufen begrüßt; ihre schrillen Ju-jus erfüllen die Luft, und die Jugend schreit: «Es lebe der Gouverneur!» Dieser WiHkommgruß gilt denen, die die Zivilisation in6 Land brachten, den Pionieren einer Aufwärtsentwicklung. \ . Vor einigen Jahren wurde von dem ueueraaunten AB MONTAG, 16, JULI SONHEItRillirailNOSVERKAllf FÄRBI6E SPANGENSCHUHE UNO PUMPS voascnniing S2.50J550J9.50 direkt in der Schuhfabrik LISSIANSKY WIEN VII. BEI. KAISERSTRASSE 46 im Stock TuUoch und Nowomeyski, die die meisten Garantien boten, gegeben worden. Im vergangenen Jahre hat die Mandatarniacht die Frage der Verwirklichung der Konzession geregelt. Die Kommission befaßte sich auch mit Fragen der Einwanderung nach Transjordanien, des Einwohner- Status, der Steuern, des Unterrichtes dieses Landes. James de Rothschild im Goldenen Buch des jüdischen Nationalfonds Jerusalem- 7. Juli (J. T. A.), Der Verein der Weinzüchter Palästinas hat in seiner in Rischon-le-Zion abgehaltenen Jahresversammlung beschlossen, Herrn James de Rothschild, Sohn des Edmond de Rothschild, den «Vater» der jüdischen Kolonisation in Palästina, in das Goldene Buch des Jüdischen Nationalfonds eintragen zu lassen. James de Rothschild ist seit 1924 Leiter der PICA, die das Werk des Barons Edmond de Rothschild in Palästina verwaltet. Vor der Bildung der Jewish Agency Weizmann als Präsident der Jewish Agency Jerusalem, 11. Juli, (J. T. A.) Die hebräische Tageszeitung «Dawar», Organ der Arbeiterparteien, teilt mit, daß Weizmann nach der Durchführung seiner Wahl zum Präsidenten der Jewish Agency auf Vorschlag «einiger führender Persönlichkeiten, die sich um das Zustandekommen der Agency bemühten», seinen ständigen Wohnsitz in Jerusalem nehmen, und mindestens sechs Monate in jedem Jahr dort verbringen wird. Jewish-Agency-Konferenz der polnischen Juden Warschau, 8. Juli. (J. T. A.) Am Sonntag, den 7. Jiuii, .wurde im großen Sitzungssaal des Warschauer Stadtrates die Konferenz der Vertreter der Judenschaft Kongreßpolens eröffnet, die 7 Delegierte und 14 Stellvertreter für den Council der Jewish Agency au wählen hat. Gleichzeitig finden Jewish-Agency-Konferenzeh in Krakau ffiir Westgaliziem und Pölnisch-Schlesien, wo 2 Vertreter und 4 Stellvertreter, ferner in Lemberg für Ostgalizien, wo 4 Vertreter und 8 Stellvertreter zuwählen sind, statt. Der Konferenz In Warschau wohnen viele Hunderte Delegierte und zahlreiche Ehrengäste aus vielen Städten Kongreßpolens bei. Unter den' Anwesenden bemerkt man führende Industrielle, Kaufleute, Fmanzleute, Rechtsanwälte, Aerzte und im sozialen Leiben führende Persönlichkeiten. Auch das orthodoxe Judentum ist stark vertreten, einige bekannte Rabbiner sind unter den Delegierten. Am Präsidüumstisch nahmen Platz die Mitglieder des Initiativkomitees Präsident Kommandeur eine Schule errichtet, deren Schicksal einem marokkanischen Militär anvertraut war. Dieser mußte aber seinen Abschiednehmen, und die Schule sollte geschlossen werden. Die «Alliance Israölite» nahm sie in die Hand. Die Schule hat heute 50 Schüler, 40 Knaben und 10 Mädchen, hundert weitere Kinder warten darauf, in die Schule aufgenommen zu werden, aber es ist unmöglich, ein Gebäude zu finden, um diese Kinder unteraubringen. D ie Juden von Mi de 14 —• ungefähr tausend an der Zahl — wohnen in vier von den einundzwanzig «oasbahs»; ihre -Häuser sehen aus wie die der Berber, neben denen sie gebaut wurden; sie führen Seite an Seite mit den Berbern dasselbe Leben des Elends und der Entbehrung; sie vertragen sich mit ihnen sehr gut, teilen ihre Airbelt und ihr Vergnügen. Während wir -mit den Juden sprechen, umringen uns die berberischen Mämyer und Frauen und -hören au, was wir sagen. Eine »junge Berberin hänselt eine jüdische Frau, diese wendet sich um und gibt ihr eine schallende Ohrfeige mitten ins Gesicht; die andere ist einen Augenblick bestürzt dann entfernt sie sich ohne ein Wort. Ich habe die vier von Juden bewohnten «casbahs» besucht. Ich war in dreißig bis vierzig Wohnungen. Selten hatte ich Gelegenheit, soviel Elend zu sehen. Da gibt es kleine fensterlose Zimmer mit brüchigem Lehmboden. Keine Miöfoel, an einer Stange an der Wand hängen einige Strohsäoke, zwei oder drei Decken; das ist das ganze 'Bettzeug eto mebiköpfigen Familie. Dr. GcffdlBatmn, AdvOkat Warmatf '(Lublin), Advdkat Maimci Eradebnan, Vlaelav Walenberg, der, Vizepräsident des Stadtrates Maurici Meise!, Leon Levite, Abge-: ordnetet Farbstein, Dr. M. Hin des, und die auswärtigen1 Ehrengäste Rabbiner Dr. Leo Baeck (Berlin) und Oberst Kisch, Mitglied der Zionistischen Exekutive (Palästina). Dr. GdcKlamim hielt eine tiefbewegte Eröffnungsansprache, in der er ungefähr sagte: Wir machen eine bedeutende historische Epoche durch, m der sich das jüdische Volk in seiner Gesamtheit zum Wiederaufbau firez Israds vereinigt. Die Hauptprinzipien der Bai f our-Deki a rat ian sind: 1. Die historische und untrennbare Verbundenheit des jüdischen Volkes mit Palästina. 2. Da® jüdische VoÜlk hat das Recht, Erez Israel als seine Heimstätte aufzubaucn. Diese Deklaration wurde durch alle Regierungen, auch durch unsere polnische Regierung, sowie vom Völkerbund, der das Mandat über Palästina verwaltet, bestätigt. Was die Zionistische Organisation bis heute in Palästina geschaffen hat, ruft Enthusiasmus bei allen Freunden des Heiligen Landes hervor. Der Redner gab einen Ueberbliok über das bisherige praktische Aufbauwerk in Palästina, sowie über das von der hebräischen Universität gekrönte Kultur werk und wies auf den Bericht der Joint Survey Commission hin, der Palästina als geeignet für den Aufbau des Nationalheims erklärt. Was in Palästina geschaffen wurde, wirkt auch auf Seele und Geist des Judentums. Der Redner schilderte den Verlauf der Verhandlungen zwischen der Zionistischen Organisation und den Führern der NichfizLomisten über die Erweiterung der Jewish Agency und wies darauf hin, daß dei* Agency die besten Söhne des Judentums angehören werden. Aus England kommt d’Aviigdor Goldsmid, ans Deutschland kommen Oskar Wassermann und Doktor Baeck, aus Frankreich Lean Blum, aus Amerika Louis Marshafl und Felix M. Warburg. Nun kommt die Reihe an das polnische Judentum, der größten jüdischen Gemeinschaft, die auch die meisten Söhne für den Aufbau Palästinas stellt. Dr. Goldflamm begrüßte den Vertreter der polnischen Regierung Graf Tarnowsky und den Pressechef des Außentmimisteriuimis Dr. Littauer, ferner Colonel Kisch in englischer und Dr. Baeck in deutsche? Sprache. In das'Präsidium (wurden gewählt: Dr. Goldflamm, Advokat Warm an (Lublin), Jaroczynski (Lodz), Advokat Julian Cohn, Rabbi Salomon David Cahane und Dr. Higer. Im Namen des Außenministers begrüßte Graf Tarnowsky die Versamimtluing und erklärte, die polnische Regierung sei durchdrungen von dem Geiste traditioneller Toleranz gegenüber den Juden und verfolgte mit Sympathie die jüdischen Renaissancebestreburogen in Palästina. Es sprach sodann der Präsident der Warschauer jüdischen Gemeinde, Abg. Farbstein. Begrüßungen wurden verlesen vom Präsidenten des Board of Deputies d’Avigdor Goldsmid, Lord Melchett, Louis Marshall, Felix M. Warburg, Sir Herbert Samuel und Prof. Weizmann. An den St a d tp r äs id ent en Professor Moscicki und an FeldmarschaH P&sudski, sowie die Präsidenten von Sejm und Senat wurden Begrüßungstelegr-amme gesandt. Colonel Kisch hielt ein längeres Referat 'über das Werk in Palästina, hierauf sprachen Rabbiner Dr, Baeck und Advokat Eaidelman. Sir Hertiert Samuel wird eingeladenin den Council der Agency einzatreten Jerusalem, 12. Juli. (J. T. Ä.) Hier verlaufet, daß Sir Herbert Samuel, der frühere Minister und jetzige Führer der Liberalen! Partei Englands, .der erste englische Oberkommissar für Palästina, eingeladen werden wird, in den Council der, Jewish Agency einzutreten. Man erwartet, daß Str Herbert Samuel der Einladung Folge leisten wird In einer Ecke stehen ein Ofen, eine Teekanne und einige Töpfe, ki zwei dieser engen und dunklen Zimmer lagen Wöchnerinnen auf Strohsäoken auf der Erde, das Neugeborene schlief auf ihren Knieen. Die Wohlhabenderen haben zwei bis drei Zirner; das eine dient als Pferdestall, das zweite als Warenlager und das dritte als Wohnzimmer, das sich wenig .von dem der Armen unterscheidet. Diese Bevölkerung ist trotzdem gesund; die Bergluft kräftigt sie. Männer uncl Frauen sind von großer Geschicklichkeit, sie verrichten alle Arbeiten, alle Arten desHandwerks. Ich gehe über die Brücke, die Über einen Fluß führt; die jüdischen Wäscherinnen mit ihren zahlreichen hochgeschürzten Kleidern stehen bis zu den Knieen im Wasser, sie wringen ihre Wäsche und waschen die Wolle, die sie später spinnen werden. Die Männer treiben Handel, viele sind Schuster, Juwelenarbeitcr, Schreiner, S c h 1 o s s e r, S c h m i e d e, G i p s e r u n d Maurer. Die Militärbehörde hat gleich am Anfang der Okkupation der Bevölkerung (schwere Lasten auferlegt; sie mußte im Tagelohn bei dem Bau der Militärbaracken arbeiten; so erlernten die Juden dort das Bauhatidwerk, und die besten Maurer des Dorfes sind die alten Taglöhner. Ein kleiner Teil der Juden besitzt eigene Felder und Gärten, die von den Berbern bearbeitet werden; vier unter ihnen bebauen ihr Land selbst; sic ackern, säen und machen alle Landarbeiten. *

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