Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 2 (1929)
- Issue
- Heft 80 (11.7.1929)
- Date
- 1929-07-11
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 80 Safte 9 Bevor Sie reisen Infolge kleiner Regien spotfDllllg! kommen Sie zu uns! BadaanzOg«, FroWarmIntel, Pyjamas, Damen*, Herren- und Ktndar-Wlache, Strumpf- und Strlokwaren eto, En groa en detail Wirenhus Bernhard Bergmann RABSNSTEIG 3 (Ecke Seltenstettengasse) von jüdischen Waisenkindern zum Islam systematisch fortgesetzt wird. Aus Aden, wo der frühere Chefsekretär der Palästinaregierung Sir George Symes jetzt britischer Resident ist, trifft die Nachricht ein, daß acht jüdische Waisenkinder, die zum Islam bekehrt werden sollten, nach Aden geflüchtet sind. Die jemenitischen Juden Palästinas ersuchten die zionistische Exekutive um Zertifikate zur Einwanderung nach Palästina für diese Waisenkinder, für die die jemenitischen Juden ei« Heim schaffen wollen. Soeben sind 50 jemenitische Einwanderer in Tel-Aviv eingetroffen. Bin in Jerusalem stationierter arabischer Polizeioffizier wurde zu sieben Tagen Gefängnis und 14tägiger Gehaltseinbuße verurteilt, weil er, ohne Urlaub erhalten zu haben, an den Vorbereitungen zur antijüdischen Kundgebung gegen den Verkauf von Boden durch Araber an Juden, die am 9. Juni in Jaffa stattfinden sollte, aber von den Behörden untersagt worden war, teilgenommen hatte. Aus dem Verhör ging hervor, daß der Poli/eioffizier beabsichtigt hatte, bewaffnet an der Kundgebung teilzunehmen. * Zöglinge der großen Jeschiwah in Hebron, die sich bekanntlich aus Rabbinern und Bachurim der berühmten Jeschiwah zu Siobocka in Litauen zusammensetzt, haben den Versuch einer Gruppe bewaffneter Araber, das Vieh der landwirtschaftlichen Kwußah am Hebron-Weg zu rauben, mit Erfolg abgewehrt. Die Araber flohen vor den Bachurim und ließen das Vieh, das sie bereits aus den Ställen geführt hatten und mit sich nehmen wollten, in der Kwuzah zurück. Auf dem Rosenfelde der Ehre Oder: Die Rache des verschmähten Literaturliebhabers Herr o. r., oder — um die Anonymität auch in geistiger Hinsicht deutlich zu machen, — Herr Doktor Oskar Rosenfeld, hat sich von einem gemütlichen, schöngeistlosen Amateurschmock zu einem militanten Gesinnungsprofessional gewandelt. Er besitzt einige Virtuosität in der Behandlung von Dingen, die er nicht versteht — also strapaziert er in der letzten Nummer der «Neuen Welt» auch die Begriffe Charakter, Gesinnung und Ehre, jenes Fremdwort, das er scheinbar von dem ihm geläufigeren Honorar ableitet, das er gelegentlich für deren Abschneidung bezieht. Ursprünglich war sein Lieblingsgebiet die Peripherie des Theater- und Literaturtratsches, die Gürtellinie der Schöngeistigkeit, in deren Kunsttschecherln er mit den billigen kleinen Musen der sogenannten «Schmucknotiz» schäkerte, von der bei ihm keine genommen wurde. Er ging da auf dem äußerst schmalen Trennungsstrich zwischen der öden und der amüsanten Tatenlosigkeit — ein harm- und charmeloser Kunst- Kommis und letztens auch ein literarischer Einnahmenarrangeur, der sich gerade jetzt um die Werke Scholem Aiechems einen Verdienst macht ... Nun hat seine impotentielle Literatenenergie endlich ein richtiges Betätigungsfeld gefunden und sie lebt sich allwöchentlich in der «Neuen Welt» als Tausend- S aß man« aus und merkwürdigerweise auch als Gesinnungsapostel und Moralprediger. Es ist oft ein geradezu selbstmörderisches Salto m orale, das dieser aus der Theater- und Varieterubrik entsprungene Cliarakterimitator wagt, ln der letzten Nummer der «Neuen Welt» fällt er über Schalom Asch her, den er einen «Arrive» und «Vielschreiber» und «Hans Dampf in allen Gassen» nennt und dem er besonders das eine nicht verzeihen kann, daß er für die «Hungerarbeitsgemeinschaft der Jüdischen Kürrstlerspiele», deren Annenrat i«i Geiste Herr Dr. Rosenfeld ist, keine Zeit übrig halte. Er fällt dann auch über die Wiener «Business- Kollegen» von Schalom Asch her und über die Veranstalter der Feierlichkeiten zu Ehren der jiddischen Pen- Delegation, an denen er keine heile Stelle läßt, zumal ihm jene des Preßinanagers, um die sich Herr Doktor Rosenfeid beim Wiener Empfangskomitee bewarb, nicht zugewiesen wurde. Herr Dr. Rosenfeid hat vom Wiener Empfangskomitee einen bestimmten Preis für die journalistische Anpreisung der Repräsentanten der jiddischen Literatur gefordert und er hat sich erst dann für deren Beschimpfung entschieden, als man auf die Anpreisung nicht den baren Gegenwert legte, den ein Apostel der «zielbewußten Gesinnung» wohl beanspruchen darf. Man wußte damals allerdings noch nicht, wie stark die Schwäche des Herrn Rosenfeld ftir feste Charaktere ist, und verzichtete gern auf seipe Dienste. Und eben da meldete sich prompt die! Rache des verschmähten Literaturliebhabers. Auf Liebe war sein Sinn gerichtet — doch konnte er es wohl nicht aus Liebe tun . . . Flugs entdeckte er daher, daß Asch eine «Vergangenheit» habe, daß er einst nach Erez Israel fuhr und dann nach Moskau, daß er ein «Chamäleon», «Moschko», «Vielschreiber» und Gesinnungslump — kurz all das sei, was man von Herrn Rosenfeld nicht behaupten könne. Da sein Lob keine Abnehmer fand, warf er sich nun auf sittliche Entrüstung und schrieb seine «Zionistischen Kuriosa», die man allerdings noch um eines, um ein ganz sonderbares, vermehren könnte, daß nämlich ausgerechnet Herr Dr. Rosenfeld sich berufen fühlt, die hebräische Literatur gegen die jiddische in Schutz zu nehmen, obwohl doch beide in gleicher Weise die Auszeichnung genießen, daß Herr Oskar Rosenfeid, der von ihrer Besehmusung und — wenn es sein muß — Beschmutzung lebt, von ihnen nichts versteht. Doch, es kann nicht meine Aufgabe sein, Schalom Asch und die jiddische Literatur gegen die Auslassungen des Herrn o. r. zu verteidigen. Eigentlich müßte dies die «Neue Welt» besorgen, die Schalom Asch zu ihren ständigen Mitarbeitern zählt und die in der gleichen Nummer, in der der Dichter von o. r. «vernichtet» wird, einen Beitrag eben dieses verächtlichen «Vielschreibers» veröffentlicht («Die Mutter»). Dies zur Beleuchtung der «Zielbewußtheit», die aus der «zionistischen Chefredaktion» des offiziellen Parteiorganes mit vielsagender Spatiinierung ironisiert wird, welche in der geistigen Enge des Herrn o. r. einer Raumverschwendung gleichkommt. Herr o. r., auch sonst eine lustige Figur, wirkt in der Rolle des Gesinnungsinspizipnvpn überwältigend komisch ... M. Groß. .'jrsn tnmpn nmmTwm I6.Z!0NISTENK0NGRES$ Mitteilungen des Bureäus des XVI. Zionistenkdngresses 1. Bureau-Eröffnung. Das Bureau des XVI. Zionistenkongresses hat seine Arbeiten in Zürich aufgertommen. Die Leitung des Bureaus haben inner Dr. Hugo Herrmann, Dr. Franz Kahn, Dr. Fritz Ullmann. Die Adresse des Bureaus lautet: Ziürick, Postfach Bahnhof; Telegramm: Congrezion Zürich; Bankkonto: Schweizerischer Bankverein. Zürich; Rudolf Mosse-Code. 2. Wohnungsamt und Bahnhofsdienst Ab 21. Juli ist ein Bahnhofsdienst am Züricher Hauptbahnhof eingerichtet, bei dem alle Informationen erteilt wenden. Wir machen darauf aufmerksam, daß infolge der vorgeschrittenen Schweizer Fremdensaison nur jene Kongreßbesucher mit Sicherheit auf die Zuweisung eines Logis durch uns rechnen können, die rechtzeitig ihre Anmeldung beim Wohnungsamt des Kongreßbureaus mit Angabe des Ankunftsdatums und gleichzeitiger Anzahlung vorgenommen haben. Das Kongreßbureau ist in der Lage, Zimmer zu folfenden Preisen pro Bett nachzuweisen: Frs. 12.— bis 18.—, .— bis 12.—, 6.— bis 9.—, 4.— bis 6.—. Wir bitten, für die Anmeldung (auch jener, die sich bereits angemeldet haben) folgendes Muster zu verwenden: «Betrifft Wohnungsamt. Ich komme als Delegierter (Gast, Pressevertreter) zum Kongreß nach Zürich. Ich trefe am.ein. Ich eruche, mir eine Wohnung in einem Hotel (Pension. Privatwohnung) mit 1 (2, 3) Betten (mit Bad) zum Tagespreise von zirka Frs.zu beschaffen. Ich überweise gleichzeitig als Anzahlung den dop- pelten Tagespreis und Frs. 1.— Vermittlungsgebühr, zusammen Frs.. mittels Postscheck (Scheck, Internationale Post Postanweisung) an den Schweizerischen Bankverein Zürich, für Rechnung des Bureaus des XVI. Zionistenkongresses.» Jeder Besteller erhält seine Wohnungsanweisimg »m Empfangsraum des Kongreßbureaus, Hauptbahnhof Zürich (ab 21. August). 3. Eintrittskarten. Weitere Bestellungen auf Permanenz-, Journalisten- und Beamten karten können nicht mehr entgegengenommen werden. Kartenbestellungen zur Eröffnumgssitzuung werden (außer von Kongreßteilnehmern aus Zürich) auch schriftlich entgegengenommen. Die Preise der Karten für die Eröffnungssitzung sind: Kategorie I.Frs. 40.— „ II.25.- „ IH.. 15.— „ IV.» 8.- Stehplatz.. 5.— Die Ausgabe der bestellten und bezahlten Karten erfolgt im Em.pfangsraum im Hauptbahnhof. Tageskarten für die Tage nach der Eröffnungssitzung können nur an der Tageskasse im Kongreßgebäude «Verein zur Kaufleuten», Eingang A (Pelikanstraße) gekauft werden. 4. Jugendliche Kongreßteilnehmer. Weitere Anmeldungen jugendlicher Kongreßteilnehmer können nicht mehr entgegengenommen werden. Die bereits Angemeldeten erhalten eine direkte Mitteilung des Kongreßbureaus. 5. Privatkorrespondenz. Die Kongreßteilnehmer können ihre Post wie folgt adressieren lassen: N. N., per XVI. Zionistenkongreß, Zürich. Im Kongreßgebäude wird sich ein Schalter der Post befinden, bei welchem die Kongreßteilnehmer ihre Post gegen Vorweisung eines Personalausweises beheben können. Das Land ohne Antisemitismus Außenminister Voja Marinkovic über Herr Voja Marinkovic, Minister für auswärtige Angelegenheiten des Königreiches der Serben, Kroaten und Slovenen, gab ln einer Unterredung mit einem Vertreter der Jüdischen Telegraphen-Agentur, seiner Genugtuung darüber Ausdruck, daß es i n Jugoslawien’ keine Judenfrage gibt und der Antisemitismus hier eine unbekannte Erscheinung ist. «Unser Land», erklärte der Minister, «ist von dem Gifte.des Antisemitismus völlig frei. Wir Serben achten und lieben die Juden. Die historische Entwicklung des serbischen Volkes ging vielfach parallel mit der des jüdischen Volkes. Wir Serben hatten so viel Leid und Not zu ertragen, mußten in so vielen blutigen Kämpfen größte Opfer bringen, um unsere Freiheit zu erlangen, daß wir volles Verständnis für den Juden haben und immer gehabt haben, dessen Geschichte so viel Leid und Martyrium kennt, weil auch der Jude treu zu seiner Religion und Gemeinschaft hält. Uns beide verbindet hierin die gleiche Ausdauer und Zähigkeit, die gleiche Unbeirrbarkeit. Es ist darum nur natürlich, daß der Serbe und Jude einander verstehen. Als die Türkei nach langen und schweren Kämpfen unserem Lande eine gewisse Autonomie gab und zwei sich selbst verwaltende Gruppen, Serben und Türken gebildet wurden, schlossen sich die Juden, die hierin freie Wahl hatten, nicht den Türken, die ja die herrschende Nation waren, 'sondern uns an, obwohl auch die Türken keine antisemitische Politik verfolgten, sondern den Juden gegenüber eher tolerant waren. Dies beweist, daß die innige und freundschaftliche Haltung zwischen Serben und Juden eine historisch gegebene Tatsache ist und sich aus dem ganzen Entwicklungsgänge unseres Staatslebens erklärt. Wir schätzen den Patriotismus der jüdischen Bevölkerung sehr hoch ein. Sie hat mit un$ im Kriege alle Not und alles Leid geteilt, und die Jüdischen Soldaten haben ihre Pflicht nicht minder treu und wacker erfüllt als die anderen. Die jüdische Religionsgemeinschaft in Jugoslawien ist autonom und in jeder Hinsicht den anderen Religionen gleichgestellt. Die Regierung subventioniert die jüdische Religionsgemeinschaft in dem gleichen Maße wie die anderen Gemeinschaften. Oberrabbiner Dr. A 1 k a 1 a y die Lage der Juden in Jugoslawien wird hier von allen hoch geschätzt. Er hat Jugoslawien bei mehr als einer Gelegenheit wertvolle Dienste geleistet. Er ist Träger des höchsten Ordens des Landes. Wir arbeiten jetzt ein G e s e t z aus, das den Status der verschiedenen Religionsgemeinschaften festlegen wird. Dieses Gesetz wird für die Juden dieselben Formen festsetzen, wie für die Protestanten und Katholiken. Die jüdische Bevölkerung zählt in unserem Lande ungefähr 6 0.0 0 0 Seelen; sie ist meist im Handel und freien Berufen tätig. Die Juden sind ein äußerst arbeitsames und wertvolles Element. Die Mehrzahl der Juden ist aus Spanien eingewandert. Wir haben hier in Belgrad viele Familien, die, wie die Alkalay’s, schon seit dem 16. Jahrhundert in unserem Lande wohnen.» Auf eine Frage des Interviewers bezüglich eines jüngst ergangenen Erlasses, der den Flugoffizieren verbietet, Jüdinnen zu heiraten, erklärte der Minister, daß er zum ersten Male von einem solchen Erlaß höre. Er gab der Ueberzeugung Ausdruck, daß dieser Erlaß annulliert werden würde. Vereinsnachrichten Zionistische Bezirkssektion VI./VII. und die zionistische Frauengruppe Mariahüf-Neubau teilen mit, daß während der Sommermonate keine Sitzungen stattfinden. Brith «Trumpeldor». Dienstag den 16. d. M., 8 Uhr abends, im Cafe Metropol, IX., Berggasse 9, eine Vorbesprechung zur Trumpeldor-Tagung in Zürich. Einleitendes Referat Chawer Sternberg. Vorher ausgeabeitete Anträge erwünscht. Zutritt nur für Dargah beth, D '-gah gimel und für organisierte Revisionisten. Kongreßjugendlreise. Die Zusammenkunft r Teilnehmer an der O.Kongreßjugendreise des Jugend Vereines «Erez Israel», Wien, 11., Zirkusgasse 33, findet am Mittwoch, den 17. Juli, um V28 Uhr abends, im Vereinslokal des veranstaltenden Vereines statt. Bei dieser Gelegenheit werden die letzten Weisungen und Informationen für die Reise erteilt, daher werden die Teilnehmer ersucht, an dieser Besprechung bestimmt teilzunehmen. Redaktionsschluß und Schluß der Inseraten« annabme Dienstag um 12 Uhr mittags. Späte* einlangende Einsendungen können keine Aufnahme iu die laufende Nummer finden.