Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 2 (1929)
- Issue
- Heft 80 (11.7.1929)
- Date
- 1929-07-11
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3053752-3053805-3053832--1129-3056457- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. 80 DIE STIMME Seite $ nötigt, Aufenthalt in einem Sanatorium 2U nehmen, weshalb er der Kongreßeröffnung nicht beiwohnen könne. Das herzliche Schreiben schließt: «Ich muß wohl nicht erst ausdrücklich hinzufügen, daß ich während der Kongreßtage mit dem Herzen bei Dir sein und Deine Arbeit aus der Ferne mit meinen besten Wünschen begleiten werde. Ich weiß, wieviele Mithe Dein schwerer Weg in sich faßt; möge Dir Gott genug Kraft geben, um in Frieden und Ehren zum Ziele des Ideals zu gelangen. Der Tag der Erweiterung derjewish AgencywirdfürmicheinFesttagsein. Indem Du das Tifthy der Jewish Agency aus uns Zionisten bildest, erweiterst Du zugleich unsere Zahl durch das Tifthy der neuen Zionisten und stärkst dadurch unsere Kräfte. Möge Gott Dir Kiaft geben, unaufhörlich unsere Grenzen bis zu dem Tage zu erweitern, da die Begriffe Zionismus und Judentum identisch sein werden.» Der Palästina-Bericht der britischen Regierung Besserung der Lage gegen Jahresende und Oeffnung der Tore für Neueinwanderung Tffe britische Regierung als die Mandatarmacht Palästinas hat der Mandatskommission einen Bericht über die Lage und die Arbeit in Palästina im Verlauf des Jahres 1928 übergeben, der in seinen HauptzUgen die folgenden Feststellungen macht: Die wirtschaftliche Lage in Palästina war während des Berichtsjahres nicht befriedigend. Trockenheit und Heuschreokeninvasion drückten auf die Landwirtschaft, die Wirkungen der Viehseuche des Jahres 1926 waren noch nicht überwunden. Regenknappheit im Winter 1927/28 und heiße Luftströmungen zu Frühlingsbeginn verschuldeten zu einem großen Teil den Rückschlag in den Winter- und Sommerernten im nöidlichen Distrikt und in der Jerusalemer Region. Die Lage der Farmer war ernst genug, um ein großes Maß von Hilfe seitens der Administration zu rechtfertigen. In Einzelfällen wurde die Leistung des Zehent, der durch eine entsprechende Steuer abgelöst ist, fast ganz erlassen; wo der Rückschlag weniger ernst war, wunde die Zehent- Leistung zum Teil gestundet. Ferner beschloß die Administration, in solchen Fällen auf Zahlung von Raten für landwirtschaftliche Anleihen nicht zu drängen. Von Zinsemberechnung für verzögerte Zahlungen des abgelösten Zehent wurde abgesehen. Diese Maßnahmen wurden ergänzt durch positive Hilfeleistung in der Form der Vergebung von Baranleihen und von W arenvorschüssen an Landwirte im Gesamtbeträge von 20.000 Pfund, die aus der Ernte 1929 zuzüglich 5 Prozent Zinsen rückzahlbar sind. Die jüdischen Bauern erhielten Anleihen im Ausmaße von 2500 Pfund. Nach anderer Richtung hin litt Palästina in den Winter- und Vorfrühlingsmonaten immer noch unter den Nachwirkungen der unökonomischen Einwanderung von 1925. Nachdem zu Beginn des Jahres 1928 5000 jüdische Arbeitslose gezählt wurden, durfte eine neue Zuwanderung ungelernter Arbeiter nicht zugelassen werden. Die Zionistische Exekutive Palästinas steht weiter der Situation mit Zuversicht gegenüber. Sie war mit Hilfe anderer jüdischer Institutionen in der Lage, einen wesentlichen Teil von Arbeitslosen bei Unternehmungen unterzubringen, was eine Ausgabe von 25.000 Pfund erforderlich machte. Auf diese Weise war es der Exekutive möglich geworden, Ende März die Verteilung von. Arbeitslosenunterstützung einzustellen. Die Administration ihrerseits griff dem normalen Programm der öffentlichen Arbeiten vor und führte gewisse Hilfsarbeiten durch, außerdem wurde eine Anzahl von Arbeitslosen von privaten Unternehmungen’ absorbiert. Dies alles hatte zur Folge, daß eine Krisis vermieden wurde und es zum Jahresende nur noch etwa 1700 Arbeitslose gab. Hand in Hand mit diesen Maßnahmen war eine Äuswanderungsbewegung solcher Elemente festzustellen, für die keine Aussicht bestand, sich in befriedigender Weise in Palästina zu verwurzeln. Unökonomische Unternehmungen wurden entweder geschlossen oder auf gesünderen Grundlagen wiedererrichtet. Gleichzeitig war eine positive Entwicklung in mehreren Richtungen m verzeichnen. Die Zahl der Orangen-Plantagen und der Umfang des aufgefprsteten Gebiete? erhöhten sich. Fabriken erweiterten ihre Betriebsanlagen und erhöhten ihren Absatz. Die Bautätigkeit wurde erneuert, der Touristenverkehr ausgedehnt. Gegen Ende des Jahres war ein Stadium stetiger Besserung erreicht, so daß man sich dafür entschied, die Einwanderung von Arbeitskräften zu begünstigen. Was die politische Atmosphäre betrifft, ging das Jahr in Ruhe vorüber, wie das gleiche auch In dem Bericht für 1927 vermerkt wurde. Die wachsende gegenseitige Toleranz unter Juden und Arabern wurde nur durch den unseligen Zwischenfall am Vereöhnungstag an der Klagemauer in einem gewissen Maße verzögert. Keinerlei Schritte wurden ergriffen, um eine repräsentative gesetzgebende Körperschaft zu errichten. 2178 jüdische Einwanderer kamen Im Berichtsjahre nach Palästina. Auf Ersuchen der Jewish Agency gewährte die Administration 600 Einwanderer- Zertifikate auf Grund der Arbeitsliste für das am 1. Oktober begonnene Halbjahr, 4500 Bürgerschaftszertifikate wurden jüdischen Einwanderern gewährt. Im Dezember wurden weitere Vergünstigungen an jüdische Industrien in Form eines neuen Tarifes von Importschutzzöüen und einer neuen Liste von zollfreien Rohmaterialien gewährt. Die Jewish Agency legte der Administration nahe, 600 neue Arbeiter für das Halbjahr Oktober 1928-—März 1929 einwandern zu lassen; dies wurde gewährt. Die Jewish Agency gab im ersten Vierteljahr 1928 29.300 Pfund für Arbeitslosenunterstützung aus. Kein einziger arbeitsloser Jude fiel den Regierungsfonds direkt zur Last. Die Jewish' Agency führte in direkter und indirekter Zusammenarbeit mit anderen jüdischen Institutionen öffentliche Arbeiten zur Beschäftigung von Arbeitslosen, die eine Ausgabe von etwa einer Viertelmillion Pfund erforderlich machten, durch. Im April stellte man die Arbeitslosenunterstützung ein. Für wirtschaftliche und soziale Dienste gab die Jewish Agency von Oktober 1927 bi« September 1928 715.000 Pfund aus. Insgesamt hat die Jewish Agency seit November 1917 rund sieben Millionen Pfund in Palästina verausgabt. Ein wesentlicher Fortschritt ist in der Jewish Agency-Ko Ionisation zu verzeichnen: drei neue Siedlungen im Jordantale und in der Ebene Jezreel wurden bei einem Kostenaufwand von 31.000 Pfund vollendet; Gebäude wurden mit einem Kostenaufwand von 34.000 Pfund errichtet. Die Institution für Bodenerwerb derjewish Agency erwarb rund 30.000 D u na m Boden und brachte ihren Bodenbesitz auf insgesamt 250.000 Dunam. Sie be- Pqof. JSsnq4//a/ flaL/lntilhl, Reaaple. u, VerlagsexpeditUm: M. Fritz Sußmahn, Wien, I„ Tel. U 24-4-43 Sblztorgassi 7 ' Tel U 24-443 JS^P A * sitzt ferner 3300 Dunäm Wald. Jewish Agency führte in der oberen Region des Jordan Entwässerungs- und Urbarmachungsarbeiten mit einem Kostenaufwand von 16.000 Pfund durch. Die. PICA machte 6000 Dunam der Kabbara-Sümpfe kulturfähig. . Die Agudah tritt nicht In die Jewish Agency ein Beschluß der agudistischen Exekutive. In der in Wien zur Vorbereitung der Kehessio Gedaulo stattgefundenen Sitzung der Weltexecutive der Agudas Jisroel, an der auch Vertreter des Hohen Rabbinischen Rates teilnahmen, wurde nach einer ausführlichen Debatte folgende Resolution angenommen: «Solange die Jewish Agency die Forderungen der Agudas Jisroel, betreffend religiöse und kulturelle Fragen nicht anerkennt, — was natürlicherweise den Eintritt der- Agudas Jisroel in die Jewish Agency unmöglich m a c h t, — «o lange kann die Jewish Agency .. nicht als Vertreterin des jüdischen Volkes betrachtet werden, weil die gesamte organisierte, . nichtzionistische Orthodoxie aus ihr ausgeschaltet bleibt.» In der Sitzung wurde auch die Frage besprochen, ob orthodoxe Mitglieder anderer Organisationen auch in die Agudas Jisroel angenommen werden sollen. Die Executive beschloß, dem Hohen Rabbinischen Rat ihren Wunsöh vorzutragen, demgemäß die künftigen Satzungen der Agudas Jisroel folgende Bestimmung enthalten sollen: Der landesrabbinische Rat, bezw. der allweltliche rabbinische Rat, hat das Recht, entsprechende Beschränkungen für einzelne Länder, bezw. für die ganze Welt, nach den Verhältnissen, die sich aus der Zeit ergeben, einzuführen. Für eine stärkere Vertretung der Sephardim in der Jewish Agency- Dr. S, Y. A1 k a 1 a y, der Präsident der sephardischen Gemeinde Belgrads, unterstrich in einer Unterredung mit einem Vertreter der Jüdischen Telegraphen- Agentur die Forderung nach einer stärkeren Berücksichtigung des sephardischen Elements in der Jewish Agency. «Wir Sephardim», erklärte Dr. Alkalay u. a„ «zählen lVi Millionen Seelen und stellen somit einen beträchtlichen Teil des jüdischen Volke« dar. Die wphardische Judenheit nimmt mehr und mehr Interesse an der Aufbauarbeit ln Palästina. Trotzdem wird sie von der Zionistischen Organisation ignoriert. Dies ist umso merkwürdiger, als die Sephardim sich für die Kolonisation ln Palästina am besten eignen. Sie sind an harte Arbeit gewöhnt, bedürfnislos und bescheiden, und, da sie £us arabischen Zentren nach Palästina kommen, auf ein Zusammenleben mit den Arabern gut eingestellt. Will man Palästina schnell kolonisieren und dort eine jüdische Mehrheit erzielen, dann gibt es kein wirksameres Mittel als die Ansiedlung von Sephardim. Der Bericht der Experten hat bewiesen, daß sie für eine vernünftige und gesunde Entwicklung der Aufbauarbeit Sinn und Verständnis haben. Darum liegt uns sehr daran, in derjewish Agency entsprechend vertreten zu sein, damit wir die Interessen der Sephardim, die mit den besten Interessen Palästinas identisch sind, mit gebührendem Nachdruck vertreten können.» Die Jewish Agency und die palästinensische Judenheit. Aus Tel Aviv berichtet J. T. A.: Am 3. Juli trat in Tel Aviv, vom Waad Leumi einberufen, die Assefath Haniwcharim (Nationalversammlung der Juden Palästinas) zu einer außerordentlichen Tagung zusammen, um sechs Mitglieder und 12 Stellvertreter als die Vertreterschaft der Juden Palästinas im Council der Jewish Agency zu wählen. Gleich nach der Eröffnung kam es zu schweren Zusammenstößen zwischen Zioniste n-R evisionisten und Mitgliedern der Vereinigten Arbeiterpartei, die eine solche Dimension annahmen, daß Polizei eingreifen und die Sitzung unterbrochen werden mußte. Abermals Störung jüdischer Andacht an der Klagemauer Aus Jerusalem meldet J. T. A.: Ungeachtet der jüngst gegebenen Versicherungen, daß die Andacht der Juden an der Klagemauer nicht mehr gestört werden wird, haben der Klagemauer benachbart wohnende Araber am 28. Juni den Freitagabend-Gottesdienst an der Klagemauer g e s t ö r t, indem sie auf T rotnmeln schlugen und die F löte n bliesen. Deputierter Dr. Leon Reich 50 Jahre alt Am 7. Juli vollendete der Deputierte des polnischen Sejm, Dr. Leon Reich, Präsident der zionistischen Organisation Ostgaliziens, sein 50. Lebensjahr. Seit frühester Jugend zionistisch tätig, kam Dr. Reich durch seine propagandistische Begabung, seine politischen Fähigkeiten und seine rednerische Kraft bald in die vorderste Reihe. Seine hauptsächliche Arbeit galt der inneren Politik des Landes und ihm gelang die politische Willensstärkung der galizischen Judenheit. In den schweren Tagen nach dem Kriege, als das politische Schicksal Ostgaliziens sich entschied, entfaltete Dr. Reich eine intensive Tätigkeit im jüdischen Nationalrat; ihm ist es vielfach zu danken, daß die Judenschaft Ostgaliziens über die schweren Fährlichkeiten hinwegkam. Die ersten Parlamentswahlen in Polen brachten Doktor Reich als Deputierten in den Sejm, dem er bis heute angehört. Er hat in seiner parlamentarischen Tätigkeit rasch verstanden, sich Ansehen und Geltung zu verschaffen. Bei den letzten Sejmwahlen wurde der populäre Politiker mit imposanter Stimmenzahl gewählt. Die Leitung der zionistischen Organisation Ostgaliziens führt er mit Umsicht und Beharrlichkeit und hat dem zionistischen Gedanken stetige und weite Verbreitung geschaffen. Dr. Reich gehört auch dem Aktionskomitee der Zionistischen Gesamtorganisation an. Heute steht der populäre jüdische Führer in der Vollkraft des Lebens und der Arbeit. Möge! es ihm vergönnt sein, sie noch lange Jahre zum Wohle seines Volkes, das ihm mit Verehrung anhängt, zu führen! Ein neuer autonomer jüdischer Rayon in der Krim Die ukrainische Regierung hat beschlossen, einen »weiten autonomen jüdischen Rayon zu begründen. Er wird im Gouvernement Z a p r o r o s c h j e liegen und die alten Kolonien der JCA, sowie eine Anzahl neu gegründeter Siedlungen umfassen. Der Rayon besteht aus 5 8 Siedlungen mit 3650 Gehöften. Die Gesamtzahl der Bevölkerung beträgt 20.234 Seelen, wovon 1 4.0 2 1. Juden sind. Drei Prozent sund Deutsche, der Rest Ukrainer. Die Ukrainer wurden befragt, ob sie in diesen jüdischen Rayons eingeglledert werden wollten und haben zugesti-mmt. Die Hauptstadt heißt Neu-Zlato p o L Dr. Boris Bogen gestorben Dr. Boris Bogen, der frühere europäische Direktor de® American Joint Distribution Commitee, spä«. tere Sekretär der Weltlage des Unabhängigen Ordens Bnei Brith, ist in A r c ad i a (Kalifornien), wo er sich vorübergehend auftiiett, plötzlich verstorben, Dr, Bogen, der ein Alter von 60 Jahren erreichte, wurde in Rußland geboren, kam in früher Jugend nach den Vereinigten Staaten und studierte an der Pädagogen-Sehule defc Universität m New York. Mehrere Jahre lang