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Die Stimme · 1929-07-11 · Heft 80 (11.7.1929) · page 4

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Journal
Die Stimme
Volume
2 (1929)
Issue
Heft 80 (11.7.1929)
Date
1929-07-11
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 DIE STIMME Nr. 80 Palästina vor dem Völkerbund Beginn der Tagung der Mandatskommission — Chancellor in Genf Aus Genf wird berichtet: Seit dem 1. Juli hält in Genf die Ständige Mandatskommission des Völkerbundes unter dem Vorsitz des Marquis Teod^li (Italien) ihre 15. Session ab. Diese Session ist zu einem großen Teil den Fragen Palästinas gewidmet. Zur Beratung stehen ein Bericht der britischen Regierung als der Mandatarmacht Palästinas über die Verwaltung des Landes im Jahre 1928, ferner ein Bericht der Exekutive der Zionistischen Weltorganisation als der Jewish Agency für Palästina über die Fortschritte des Aufbaues des Jüdischen Nationalheims, schließlich eine Reihe Petitionen, so ti. a. eine Petition der Agudas Jisroel vom 4. Januar 1928 und des der Agudah nahestehenden Jerusalemer «Waad Hair Haaschkenasi» vom 29. April 1928 betreffend das Gesetz über Knesseth Jisrael und Bemerkungen der Palästinaregierung zu diesen Petitionen (Berichterstatter der Spanier Palacias); Petitionen der Araber über die Frage des Kotei Maarawi. Der Waad Leum i hat telegraphisch seine Kotei Maarawi-Petition zurückgezogen. Bei der Behandlung der Palästina-Fragen wird die britische Regierung durch den Oberkommissär für Palästina Sir John Chancellor und G. L. M. Clauson vom britischen Kolonialamt vertreten, die auf Fragen der Kommissionsmitglieder Auskunft geben werden. Sie John Chancellor ist bereits in Genf eingetroffen und ward sich zehn Tage in Genf aufhalten. Der Bericht der jewish Agency Das Memorandum der zionistischen Executive, das der Mandatskommission zur Behandlung vorliegt, ist von einem Schreiben Dr. Weizmanns an den Oberkommissar von Palästina begleitet, in welchem Doktor Weizmannim Namen der Executive der zionistischen Organisation, die gemäß Artikel 4 des Mandats als Jewish Agency für Palästina anerkannt ist, das Ersuchen stellt, das beigefügte Memorandum über die Entwicklung des Jüdischen Nationalheims in Palästina im Jahre 1928 im geeigneten Wege an das Generalsekretariat des Völkerbundes zur Informierung der Ständigen Mandatskomission weiterzuleiten. In der «Einführung» wird gesagt, daß es das Ziel des Memorandums ist, einen Ueberblick zu geben über die jüdische Arbeit in Palästina während des Jahres 1928 (5688—des hebräischen Kalenders) und daß die Zahlen möglichst für die mit 31. Dezember 1928 Endenden 12 Monate gegeben wurden, -daß aber die Finanz-Statistiken eich meist auf das mit 30. September endende Finanzjahr beziehen. . Nachstehend die wichtigsten Auszüge, aus dem Memorandum: I. Bevölkerung Wachstum der jüdischen Bevölkerung: Im Juli 1928 wurde die jüdische Bevölkerung Palästinas von der Regierung auf 149.554 Seelen geschätzt; bei der Volkszählung von Oktober 1922 wurden 83.794, im Jahre 1920'wurden etwa 57.000 jüdische Seelen festgestellt. Die zionistische Executive Palästinas hat aber Grund, eine jüdische Bevölkerung von etwa 162.000 Seelen Ende des Jahres 1928 anzunehmen, d. s. 18% der Gesamtbevölkerung. Die natürliche Vermehrung der jüdischen Bevölkerung im Jahre 1928 betrug 23.2 Promille, die der christlichen Bevölkerung 21,5, die der mosleimtischen Bevölkerung 25.9 pro Tausend. II. Einwanderung Im Jahre 1928 wurden amtlich 2178 jüdische Einwanderer, gegen 2713 im Jahre 1927, registriert. 1927 wanderten 5071, 1928 aber nur 2168 Juden aus, davon 607 Vorkriegseinwohner und 1563 in ihre Heimat zurückkehrende Wanderer. Das Jahr 1928 weist eine Besserung gegenüber 1927 auf, welches das einzige Jahr ist, in welchem ein Ueberschuß von Auswanderern über Einwanderern festzustellen war. Die Statistiken für 1928 kennzeichnen den Abschluß einer Periode wirtschaftlicher Depression und eine Rückkehr zu normaleren Verhältnissen. Die 2178 jüdischen Einwanderer für 1928 setzen sich aus 849 Männern, 779 Frauen und 550 Kindern zusammen: 349 Familienoberhäupter mit 719 Familienmitglieder und 1110 Alleinstehende. Einwanderer auf Grund von . Arbeiterzertifikaten waren 708. -Personen mit Privatvermögen samt Angehörigen 845, Verwandte von Palästina-Einwohnern 625. Die Ursprungsländer Sind: Polen 394 (18%), Rußland 299 (14%), Irak 207 (12%), Vereinigte Staaten Amerikas 299 (10%), britisches Reich 170 (davon 34 aus Aden) (8%), Persien 157 (8%), Rumänien 108 (5%), Aegypten 96 (4%), Litauen 88 (4%), andere Länder. 370 (17%). « Der Ueberschuß der Einwanderung über die Auswanderung beträgt von 1919 bis 1928 77.751. Von den Auswanderern waren 6026 Vorkriegseinwohner, 19.981 Nachkriegseinwanderer. Die Zahl der Arbeitslosen (nach den Registern der jüdischen Arbeiter-Organisation) fiel von 6361 Ende 1927 auf 1393 Ende 1028. Es wird darin hernerkt,' daß im Jahre 1929 die N a c h f r a g e nach Arbeitskräften infolge des ausgideimien Programms öffentlicher Arbeiten einschließlich des Hafenbaues in Haifa noch erhöht werden wird. Dieses Arbeitsprogramm weist eine viel breitere Skala als jedes bisher von der Regierung durchgeführte Programm auf; die Beschäftigung jüdischer Arbeiter bei öffentlichen Arbeiten, die seit einiger Zeit Gegenstand eines Meinungsaustausches zwischen Regierung und zionistischer Organisation ist, wird so zu einer Frage von außerordentlicher Bedeutung und Dringlichkeit. Sie hängt auch sehr davon ab, ob die Regierung diese Arbeiten direkt oder durch Kontrakt ausführt. Angesichts der Nachfrage nach Arbeitskräften hat sich die Regierung zu erneuerter Ausgabe von Zertifikaten für Arbeitereinwanderef entschlossen und zunächst 600 Zertifikate zugebilligt. Ferner hat die Regierung der Einwanderung von 160 zionistischen Flüchtlingen aus Rußland zugestimmt. Die Einschränkung der Einwanderung von Verwandten der Palästina-Einwohner wurde aufgehoben und andere Erleichterungen gewährt. Für die Einwanderung von bemittelten Personen genügt der Ausweis über einen Vermögensbesitz von 500 Pfund bei Angehörigen freier Berufe und von 250 Pfund bei Handwerkern. Was die Einwanderung von Personen ohne bestimmten Beruf, die sich Handel und Industrie widmen wollen, anbetrifft, so steht die zionistische Organisation auf dem Standpunkt, daß die Vorschrift über eine Vorweisung von 1000 Pfund hinderlich ist, indem sie viele erwünschte Einwanderer ausschließt; es soll vielmehr bei der 1925 festgesetzten Vermögensgrenze von 500 Pfund bleiben. III. Landwirtschaftliche Kolonisation Im Jahre 1928 wurden durch Juden 83.139 Dunain Boden im Werte von 790.125 Pfund erworben. Der Jüdische Nationalfonds erwarb 7443 Dunam in der Ebene Esdraelon und im Tale Jezreel. Im Dezember 1928 erwarb dieser Fonds ein Gebiet von 22.000 Dunam im Gebiet der Haifa-Bucht, wodurch sein Gesamtbodertöesitz auf 240.227 Dunam landwirtschaftlichen Bodens und 1567 Dunam städtischen Bodens erhöht wurde. Monatsschrift für den Aufbau Paläs'inas Redaktion AdcJlf Böhm Nr« 6. soeben erschienen mit Beiträgen von Ben Zwi, Dr. Ephraim. Manoach. Dr. Arthur Ruppin, Dr. Ernst Simon, Dr, Robert Weltsch. ferner Nachrichten und Daten, Bücherbesprechungen etc. Jahresabonnement: in Oesterreich S 12.—, De»tschl»nd M 8.40 Tech»cho*l*w»kel eK. 70.—, Abrißes Ausland Dollar 2.—. Verlag C. Barth, Wien i., Hessgasse 7 Der Nationalfonds pflanzte im Jahre 1928 82.000 Waldbäume, davon 5000 im Bälfour-Walde. Insgesamt besitzt der Nationalfonds 3325 Dunam Forste, in denen 524.414 Bäume gepflanzt worden sind. Dieser Fonds führte Trockenlegungs- und Urbarmachungsarbeiten im Kischon-Tale, sowie Wasserleitungen und Anlegung von Reservoirs in acht Siedlungen durch. Mit Hilfe zionistischer Fonds wurde die Kleinpächter-Siedlung «Ramataim» geschaffen, im übrigen aber beschränkte sich im Jahre 1928 die Hauptbemühung der zionistischen Organisation auf die Konsolidierung der bisherigen Siedlungen, um diese auf eine selbsterhaltende Basis zu stellen. Die Internationale Zionistische Frauenorganisation, die ein Einkommen von 20.000 Pfund jährlich hat, hat in Afuleh eine Ausbildunsgfarm für Mädchen gegründet. Die Errichtung einer zweiten Ausbildungsfarm für 120 Mädchen wird in Ness-Ziona vorbereitet. Die von der zionistischen Frauenorganisation in Nahalal unterhaltene landwirtschaftliche Schule erzieht gegenwärtig 65 Mädchen. In T e I - A v i v erhält diese Organisation eine H a u s h a 11 u n g s s c h u 1 e mit Tages- und Abendkursen. Die Palestine Jewish Colonisation Assosiation (PICA) errichtet eine Neu-Siedlung «Pardess-anna» Im Haifa-Distrikt. Von privaten Unternehmen wurden zwei neue Siedlungen «Nathania» und «Gan Chalm» in der Küstenebene gegründet. Die Gründung dieser Siedlungen illustriert das rapide Anwachsen der Produktionder Z i t r u s - F r u c h t, die jetzt das stärkste Charakteristikum der landwirtschaftlichen Entwicklung Palästinas ist. In dem am 30. September 1928 geendeten Jahre wurden vom Keren Hajessod 1 67.000 Pfund für landwirtschaftliche Kolonisation aufgewendet. In dem gleichen Jahre verwendete der ijüdische Nationalfonds 1 56.000 Pfund für Bodenkauf urid Amelioration. Große Summen wurden von der PICA und Gruppen von Privatpersonen in der Landwirtschaft investiert. Die jüdischen Siedlungen haben von verschiedenen Finanzinstitutionen, so u. a. von der Central’ Bank of Co- ( operative Institutions, die mit der Palestine Economic Corporation in New York und dem Londoner Economic Board for Palestine verbunden ist, wertvolle Unterstützung erhalten. Die mit der Palestine Economic Corporation verbundene Palestine Mortgage and Credit Bank hat 1928 75.651 Pfund Kredite für landwirtschaftliche Zwecke gegeben. IV. Städtische Entwicklung Die allgemeine Besserung der wirtschaftlichen Lage spiegelte sich auch in einer Neubelebung der Bautätigkeit wieder. In Tel A vi v wurden 1928 638 Baulizenzen für insgesamt 23.612 Quadratmeter (gegen 482 Lizenzen mit 12.719 Quadratmeter im Jahre 1927) erteilt. Der Stadtrat konnte die erste Rate von 5000 Pfund als Amortisation der Anleihe von 1921 über 75.000 Pfund leisten. V. Industrie In der Berichtsperiode entwickelte sich die Industrie vorwärts. Der Wert der industriellen Produktion T e I A v i v s erhöhte sich von 340.000 Pfund im Jahre 1927 auf 400.000 Pfund im Jahre 1928. Die Neubelebung der Bautätigkeit hatte die Wiedereröffnung der 1926 geschlossenen Ziegelfabrik zur Folge, ln Haifa machte die Shemen Oil Company bemerkenswerte Fortschritte; ihre Produktion betrug 1928 4485 Tonnen Pflanzenöle und Seife im Werte von 133.500 Pfund gegen 1090 Tonnen im Werte von 45.800 Pfund im Jahre 1925. Große Fortschritte machte auch die Nesher Zement- Fabrik, deren Export im Jahre 1928 11.459 Tonnen (1927 : 9015 Tonnen) betrug. Die jüdische Industrie konnte im Jahre 1928 weitere 800 Arbeiter aufnehmen und erreichte mit Bezug auf Arbeiterzahl den Höchststand gegenüber allen bisherigen Perioden. Die Palestine Electric Corporation führte die Arbeit im Jordan-Tale fort. Der. Damm über den Yarmuk- Fluß wurde fast vollendet, das Bett des oberen Kanals ausgegraben, wobei 700 Arbeiter beschäftigt wurden. Die Neubelebung des Handels war von Erleichterungen in der Krediterlangung begleitet. Die Anglo-Palestine Company hat den Zinssatz von 9% a u f 7% herabgesetzt. VI. Unterricht Das Unterrichtsdepartement der zionistischen Organisation wurde von der Regierung Palästinas offiziell als die leitende Behörde für das öffentliche hebräische Schulsyslem anerkannt. Der zionistischen Organisation ist es gelungen, die Mehrzahl der jüdischen Schulen unter eine vereinigte Kontrolle zu bringen. Sie übt indirekt beträchtlichen Einfluß auf andere außerhalb ihres Rahmens stehende Schulgruppen aus. Von annähernd 27.000 jüdischen Kindern besuchen 19.000 die vom zionistischen Unterrichtsdepartement kontrollierten Schulen. Die Unterhaltungskosten für das zionistische Schulsystem betrugen 1927—28 1 60.000 Pfund, davon wurden 115.605 Pfund für die rein zionistischen Schulen ausgegeben. Das zionistische Schulsystem wird durch die von der Regierung geplante Reorganisation des gesamten Unterrichtssystems gemäß der veröffentlichten Unterrichtsverordnung stark betroffen. Die zionistische Organisation, die die Vorteile vieler der geplanten Reformen voll würdigt, hat der Regierung ihre Ansichten vorgetragen und die Hoffnung ausgedrückt, daß nichts getan werden wird, was den anerkannten Status der Jewish Agency als der für das hebräische öffentliche Unterrichtssystem verantwortlichen Körperschaft Abbruch tun oder die Einheit und die Autonomie des hebräischen Schulsystems schmälern könnte. VII. Organisierung der jüdischen Gemeinde Die Verordnung von 1926 betreffs Organisierung der religiösen Gemeinden trat am 1. Januar 1928 in Kraft. Waad Leumi führte die Registrierung der Mitglieder der jüdischen Gemeinde in allen Orten durch. Bis Ende 1928 wurden 7 8.0 0 0 Per so ne n über 18 Jahre registriert. Seitdem wurden weit größere Eintragungen vorgenommen. Von der jüdischen Gesamtbevölkerung aller Altersklassen in der Gesamtzahl von 162.000 wurden 89.985 registriert, die sich wie folgt verteilen: Jerusalem 23.945, Tel Aviv und Jaffa 29.336, Haifa 9864, Tiberias 2823, Petach-Tikwah 3900, andere Kolonien Südpalästinas 8305, Kolonien Nordpalästinas 8824, andere Städte und Dörfer 2988. Die Zahl der Juden, die der GesamtgemeLnde nicht angehören wollen, ist noch nicht endgültig bekannt; sie scheint aber unbedeutend zu sein. VIII. Finanzen Das Gesamtbudget der zionistischen Organisation wird aus freiwilligen Beiträgen von Juden aus allen Teilen der Welt gedeckt. In dem am 20. September 1928 geschlossenen Finanzjahr wurden von der zionistischen Organisation und ihren Tochtergesellschaften in Palästina71 5.0 00 Pfund ausgegeben, davon vom Keren Hajessod 420.880, Jüdischer Nationalfonds 156.000, Haddasah 118.500, WIZO 20.000 Pfund. Bialik an Weizmann Der große hebräische Dichter Chaiin Nachmann B i a 1 i k wurde, wie bereits berichtet, von dem Präsidenten Weizmann eingeladen, dein 16. Zionistenkongreß beizuwohnen und in der Eröffnungssitzung über den Aufbau Palästinas zu sprechen. In seinem Antwortbrief an Prof. Weizmann teilt nun Bialik mit, daß sein Gesundheitszustand ihn dazu

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