Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 2 (1929)
- Issue
- Heft 79 (4.7.1929)
- Date
- 1929-07-04
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10 DIE STIMME Aus dem „Städtel“ .. . Sindriker Brandstifter Fast jede jüdische Stadt in Polen hat ihren ^Ehrentitel“ und bei Erwähnung des Namens Sndrik fügt man gewöhnlich „Pajuches“ (Brandstifter) oder bei Bynsk „Narunim“ hinzu. Diese Bezeichnungen führen auf historische“ Begebenheiten zurück. In Sindrik war es Sitte, wenn Bürger einen Streit hatten, daß diese Angelegenheit durch ein „Gottesgericht“ entschieden wurde. Man zündete gewöhnlich das Haus des Gegners an und das Feuer verschaffte ihm Genugtuung. Hatte aber der Bürger kein Haus, so half man sich auf andere Weise. Wenn z. B. der ..Bäder“ mit Jäkel, dem Polizeimann, einen Streit hatte, so wurde entweder das Gemeindehaus oder die „Mikweh“ oder beide zusammen angezündet... Sindrik und die Zeitungen Trotzdem wäre dies nicht populär, bekannt geworden, wenn nicht die Presse — nicht gedacht soll sie werden. Ja, diese mischte sich allzu viel in die lokalen Angelegenheiten Sindriks ein. Durch die Zeitung wurde nun die Polizei aufmerksam, durch diese wieder das Gericht und wo das Gericht dabei ist, da ist schon Gefängnis oder Geldstrafe in der Nähe ... Doch die Sindriker sind kluge Leute und wollten auf keinen Fall eine Zeitung lesen. Du schreibe dir, was du willst, und ich zünde an, soviel ich will. Jäkel, der Polizeimann Sindrik war ehemals ein ausgesprochen jüdisches Städtchen. So hatte es einen jüdischen Bürgermeister, Notar, Stadtarzt, Briefträger, Polizeimann, Nachtwächter — alle waren jüdische Kinder. Die größte Persönlichkeit war aber Jäkel, der Polizeimann mit dem Holzsäbel — so genannt, weil er stets, mit Ausnahme von Samstagen und Feiertagen, einen Stock als Amtssymbol bei sich hatte. Er hatte einen langen, schwarzen Bart, kleine Pejes, scharfblickende Augen und besonders seine Polizeiuniform mit dem Holzsäbel trugen viel zur Erhöhung seiner Würde bei. Schließlich war er doch eine „Amtsperson“. Hatte er einen wichtigen Auftrag des Gemeinderates in der Stadt bekanntzugeben, so so nahm er die Trommel und schlug so fest darauf, daß alt und jung zusammenlief, um die Bekanntmachung zu hören. Doch einst hatte er, während die ganze Gemeinde seiner Rede harrte, den bekanntzumaehenden Auftrag vergessen. Was macht ein kluger Sindriker? Er sagt der versammelten Gemeinde, er habe ein schwaches öedächtnis, was ja jedermann beschwören konnte, und habe daher den Auftrag vergessen. Weiter ersucht er sie, daß sie hier warten sollen, bis er nochmals die Bekanntmachung im Magistrat einstudiere. Und alle Leute, jung und alt, warteten stundenlang bei kaltem, frostigem Wmterwetter auf ihn und wenn er nicht gekommen wäre, so hätten sie noch weiter seiner gekirrt. Wenn Du, Leser, nach Sindrik kommst und die Gemeinde auf dem Ringplatz versammelt siehst, dann sollst Du wissen, daß man auf -'■-i. den Polizeimann wartet. Josef Frankel- Kleine Nachrichten Herr Solomon Lamport, der bekannte Philantrop und Förderer des jüdischen Unterrichtswesens, hat dem jüdischen Nationalfonds 45.000 Dollar zur Schaffung eines Botanischen Gartens auf dem Berge Scopus in Jerusalem zur Verfügung gestellt. Dr. J. Goldstein, der Augenspezialist des Mount Sinai-Hospitales in New York, ist im[,Zusammenhang mit der Spende von J. D. Morrison für die Errichtung einer Augenklinik an der Hebräischen Universität in Palästina eingetroffen. Dr. Goldstein studiert gegenwärtig die Bedingungen des Projektes, um bei seiner Rückkehr nach Amerika dem Stifter bestimmte Pläne über dte Errichtung und Ausgestaltung des Institutes vorlegen zu können. * Die Überweisungen an das Hauptbureau des 'i nen Hajessod betrugen im Monat Mai 1929 2 8.3 0 4 ’ i u nd. * Rabbi Louis A. Mischkind vom Tempel Beth- Emeth in Wilmington, Delaware, ist an den schweren Verletzungen, die er sich vor einigen Tagen durch einen Sturz vom Pferde zuzog, gestorben. * Rabbiner Josef Horowitz aus Huntödorf wurde zum Rabbiner der Israelitischen Religionsgfesellschaft von Frankfurt a. M. gewählt.! / ' t ' v. Del- Verband efer kooperativen orthodoxen Banken in Polen, an den 140 Banken ringeschlossen sind, ist voim Finanzministerium legalisiert worden. Aus New York meldet J. T. A.: Eine aus 7 Frauen und 5 Männern bestehende Jury in Cleveland hat die wegen Schändung des jüdischen Friedhofes in Cleveland in der Nacht zum 27. April Angeklagten Joe König und Stanley Sinek freigesprochen, obwohl sie selbst die Tat Zugaben, aber behaupteten, im Zustande der Trunkenheit gehandelt zu haben. Das freisprechende Urteil begegnet in der öffentlichen Meinung Amerikas scharfer Kritik. Buch und Kunst Der Ehrenabend einer jüdischen Tragödin. Freunde der hervorragenden jiddischen Schauspielerin Lea Weintrnub-Graf, die sich um die künstlerische Entwicklung des modernen jiddischen Bühnenstits große Verdienste erworben hat und die zu den erfolgreichsten Mitgliedern des Wiener jiddischen Künstlerensembles gehört, veranstalten zu ihren Ehren Donnerstag, den 4. d. M., in den Jiddischen Künstlerspielen, einen großen Theaterabend, an dem «Chasche, die Jcssoime« von J. Gordin aufgeführt wird. Die Heldenrolle dieses Stückes, die den schauspielerischen Ruhm der Künstlerin begründete, spielt Frau Weintraub-Graf. Schaljapin singt in der Palästina-Oper. Der Direktor der reorganisierten Palestine Opera Company, Golinkin, hat den berühmten Sänger Schaljapin eingeladen, im kommenden Herbst die Titelrolle in der Oper «Boris Godunov» zu singen. Schaljapin hat die Einladung angenommen und hat, damit ihm der Besuch Palästinas ermöglicht wird, gleichzeitig ein Gast- Engagement in Aegypten angenommen. Humoristischer Abend Tunkler. Samstag, den 6. Juli, 8.30 Uhr abends, findet in den Jüdischen Künstlerspielen ein großer humoristische!» Abend unter Mitwirkung des bekannten jüdischen Humoristen Der Tunkler statt. Das Programm des Abends umfaßt eine Reihe von Monologen, Sketch«, Humoresken, Parodien und Satiren des Tunkler. Einleitende Worte: M. Singer. Karten: Buchhandlung Löwit, Rath und an der Kasse der Künstlerspiele. Ein Zoinistischer Bücher-Bund. Der Jüdische Verlag in Berlin versendet soeben den Prospekt und die Statuten einer im Einvernehmen mit der Zionistischen Exekutive in London gegründeten Büchergemeinsohaft, die den Namen «Zionistischer Bücher-Bund» (Z. B. B.) führt. Durch diese Vereinigung soll die Möglichkeit der Publikation zionistischer Werke in deutscher Sprache zu billigen Preisen gegeben werden, so daß allmählich eine klassische zionistische Bibliothek für deutsch lesende Juden entstehen soll. Unter den ersten Bänden, die der «Zionistische Bücher-Bund» seinen Mitgliedern in Aussicht stellt, befindet sich eine Auswahl aus den Schriften A. D. Gordons, das berühmte, bisher nur in russischer Sprache zugängliche Standardwerk des Nationaljudentums von Simon D u b n o w («Briefe über das alte und das neue Judentum»), die Geschichte der jüdischen Legion von Wladimir J a b o t i n sky, eine Auswahl aus den Briefen Achad Haams, die bisher nur hebräisch erschienen sind, ferner Bücher von Theodor L e s s i n g, S. W. e i s s e n b e r g u. a. Die Mendelssohn-Feier In Deutschland. In Dessau, wo Moses Mendelssohn am 6. September 1729 geboren wurde, werden Staat und Stadt gemeinsam mit der jüdischen Gemeinde eine Feier veranstalten. Unter anderem wind eine Ausstellung stattfinden, an der sich auch die Nachkommen des Philosophen, darunter der Berliner Handelsikammerpräsident Franz von Mendelssohn, mit Stücken aus ihrem Besitz beteiligen werden. Da die Veranstaltungen der Toleranzbewegung des 18. Jahrhunderts überhaupt gelten sollen, wird eine Abteilung der Ausstellung dem Berlin der Aufklärungsarbeit gewidmet sein, eine andere Erinnerungen an den aufklärerischen Fürsten Leopold Friedrich Franz von Anhalt-Dessau enthalten, unter dem d!as Philantropin und1 der Wörlitzer Park geschaffen wurde. Wiener Jüdisches Theater-Studio. Donnerstag, den 4. d. M., uni 8y2 Uhr abends, findet im Festsaal der Volksbibliothek «Zion» (Kleine Mohrengasse 3) die konstituierende Generalversammlung der Freunde des Wiener Jüdischen Theater-Studios statt. Interessenten willkommen. Neues Jüdisches Theater (Praterstraße 60). Wochenspielplan: Samstag und Sonntag: Gastspiel Klara und S. Zucker. Zur Aufführung gelangt: «Kinder, vergest nischt», Lebensbild in 3 Akten von Z. Libin, Musik von S. Sekunda. Vereinsnachrichten Etaweihuag des Bethcmses mul der Talmud Tora Mterachi. Am 26. v. M. fand in den neuen Räumen des Wiener Misraclii bei Beteiligung zahlreicher jüdischer Persönlichkeiten die Einweihung des Bethauses und der Talmud-Tora statt. Nachdem Herr Bloch die Gäste im Namen des Präsli ümR ,egrüßte, hielt Herr Dr. Kaminka einen Vortrag und tob*6. Leistungen nies Misrachi und seines gewählten Präsidiums. Nach Absingung der «Hattkwah» wurde die Feier geschlossen. Unentgeltliche ArbertoverinittltttigseteUe des HHtochtti Hochschulausschusses. Hofmeister, Hauslehrer mit Kenntnissen fremder Sprachen für Nachhilfeunterricht in alten Mittelschulfüchern, Reisebegleiter während der Ferien, Aushilfskräfte für alle kommerziellen Unternehmungen (-während NfcJ» der Urlaubszeit) vermittelt prompt und unentgeltlich der Jüdische Hochschulausschuß, IX., Zimmemtannpbtz 8, Telephon A 25-2-28. Telephonischer Anruf oder Postkarte genügt. Zionistischer Jugendverband. Donnerstag, den 4. Juli findet im zionistischen Landeskomitee eine Jugendratsitzung statt Beginn 8 Uhr. Tagesordnung Vorschläge der Organisationskommission und Kulturkommission. Z. A. V. «Bar-Kochba». Samstag, den 29. v. M., fand der letzte B. C. dieses Semesters statt. Ferial-Zusaimmenklinfte aller in Wien weilenden A. H. und Bb. finden jeden zweiten und letzten Samstag eines jeden Monates statt. Während dieser Zeit sind Zuschriften zu richten p. A. Cafd «Produktenbörsen II., Taborstraße 10. Kongreßjugendreise. Donnerstag, den 4. Juli 1929, 148 Uhr abends, im Heim des Jugendvereins «Erez Israel», Wien, II., Zirkusgasse33, findet eine Besprechung der Relseteilnehmer zum Kongreß nach Zürich statt. Wir bitten sämtliche Angemeldete, bei dieser Besprechung anwesend zu sein, da an diesem Abend die endgültige Teilnehmerzahl festgesetzt wird und sämtliche Modalitäten der Fahrt besprochen werden. Jüdischer Sport Das II. Jüdische Turn- und Sportfest in Mähr. Ostrau Die Reisenden, welche vor einigen Tagen von Wien, Breslau oder Krakau kommend, durch Mähren fuhren, konnten einen seltenen Anblick genießen. Die meisten Bahnhöfe waren festlich mit Blumen geschmückt und mit blaruweißen Fahnen drapiert. Es war dies ein seltene« Entgegenkommen und Freundschaftszeichen der tschechoslowakischen Republik zur Begrüßung der jüdischen Turner und Sportler, welche aus allen Ländern Europas und aus Palästina kamen, um mit ihren Brüdern von der Tschechoslowakei das II. Fest und das Fest des zehnjährigen Bestandes des «Makkabi» zu feiern. Bereits am Donnerstag, den 27. v. M., war Mährisch- Ostrau, das in feierlichem Fahnenschmuck prangte, übetfülit und noch am selben Abend konnte bereits die Begrüßung der 250 Delegierten aus aller Welt im Festsaal des Hotel National stattfinden. Hiebei sprachen die Vertreter aller Kreise und es hat mit besonderer Genugtuung erfüllt, daß das erstemal ein Vertreter Frankreichs und Belgiens das Wort ergreifen konnte. Mit großem Jubel wurden die Vertreter Palästinas und Litauens begrüßt und zur Kenntnis genommen, daß sich auch Südafrika, wo die Makkabi-Bewegung festen Fuß gefaßt hat, bereits angeschlossen hat. M!t großer Freude wurde auch festgesteüt, daß die Verhandlungen mit der Hebr-ew sporting Organisation m Amerika bereits weit gediehen sind und der Anschluß der amerikanischen Sportvereine an den Weltverband Makkabi demnächst zu erwarten ist. Die wichtigsten Ergebnisse des Kongresses sind zunächst der Beschluß der vollkommenen Identifizierung des Makkabi-Weltverbandes mit dem Programm der Zionistischen Organisation, ferner die Resolution, daß die Makkabi-Bewegung auch jüdisch-nationale Gegenwartsarbeit außerhalb Palästinas zu leisten habe. Dann der vom Kongreß stehend zum Beschluß erhobene Vorschlag, im Jahre 1932 in Erez Israel die Makkabiade zu veranstalten. Am Freitag war bereits auf den festlich geschmückten Sportplätzen in Witkowitz voller Sportbetrieb. Tennis imd Leichtathletik absolvierten ihre Vonkämpfe. Am Abend gaben die Wiener Mak-kabi-Hazzair Proben ihrer trefflichen Sangeskunst zur Mandoline. Der Samstag war sportlicher Ruhetag und war ernsten Beratungen des Permanenzausschusses über, sportücbe und taktische DetaiMragen gewidmet. Was nun am Samstag Abend folgte, war eine der größten Sensationen, die selbst die ältesten Zionisten mit Begeisterung erfüllte. Eß war d«r Begrüßungsabend im Deutschen Hause. Bereits eine Stunde XVI. ZIONISTEN- I KONGRESS Zürich, Juli 1929. KONGRESSPUBU KATIONEN: 1. Bf richte an de« XVI, Zionietenkongreß: | a) Bericht dar ZloaJ*tUcbth Exikntire v, ff*8“!•Fr«.,8-70 b) Bericht de« Karen Hayeaoa .* (hebr&lacb, cnxttadh oder dantssb) ,:V _ ' 8*— o Bariehtd« Keren Kayemaffi Leuen«! (hebr&Uch, engUethaderdettteeb). . . 8*~ 2, Kongreßzeitung, »Inniges ofiiaJellee Or«nde* erscheint (In deutscher Spr * t(la deutscher Sprache) Kongress«« tÄflkh; Abonnement« In dar Schweiz . , . . „ In den übiige-.! Lindfen 3. Stenographisches FTr. okott deeXVI.ZlOfllstasbonBrrcr.c (in de« Sprache), erachelnt tm Scjm-mber Generalabonnement Jj . für alle drei P«b!lkatlonen]*csS^ri'^?if8o Dia Besteller von Gari&al-Araiiemeata erhalten auf die Probe der Oarf> karten zum Kongrel 10?/« Rabatt. 'H.< / Beettil unaen an d. Bureau d. XVL'^eaitfeakMgreMM, Bruno, Uhmetatt« 17, Techecft«sJcK*k«k ÖeldSndwj- Sen an de* SdhwaUertsehanJton&wrata, Strich, »r ectmung de« BuuraaM daa jCi^awüstahhootmaa«. Die KöftgreBzettttng dhä Kongreß Protokoll sindein tuwntoeitrlfcJMe Hilfsmittel jede« Zionisten, der lückenlose und authentische Information über die gesetzgebende Körperschaft des Zionismus wünschen **u«w