Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 2 (1929)
- Issue
- Heft 79 (4.7.1929)
- Date
- 1929-07-04
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 9. DIB STIMME Nr. 79 £re% Jsraet wird das Zentrum des füdisdken Xebens. Verknüpfet luven Jlamen mit diesem Werk durdk föaumstif tunken tm tfhajes~Wald 1 ■ ■ Die antisemitische Welle in Rußland Aus Moskau meldet J. T. A.: In Tomsk wurde eine antteesnatische Zelle entdeckt, die von fünf Mitgliedern der kommunistischen Partei begründet wurde. Innerhalb der Zelle wurde antisemitisches Material gesammelt, ein Spüonage-System zwecks Kompromittier uns aller indischen Angestellten der Kooperativen von Tomsk wurde eingerichtet mit dem Ziele, die jüdischen Angestellten aus ihren Stellen hinauszudrängen. Von den iiinf Kommunisten wurden zrwel aus der Partei ausgeschlossen, drei erhielten eine strenge Verwarnung. Die Moskauer kornmunistische Zeitung «Piscbtschowi'k» berichtet ausführlich über antijüdisohe Verfolgungen in Staiatsfaibrlken der Ukraine. Unter der Arbeiterschaft der Spiritusfabrik in Uman wird offen dafür agitiert, daß «die Juden nach Palästina sQhcn sollen, da in Rußland nur für Russen und Ukrainer Platz da äst». An der Splritusfabriik in Toltschin wurden die jüdischen Arbeiter systematisch hinausgestoßen und nichtjüdische Arbeiter an ihre Stelle gesetzt. In einer Fabrik in Podtawa wurde der jüdische Fabrikssekretär von einer Gruppe antisemitischer Arbeiter, die einen Juden in der Leitung nicht dulden wollen, bedroht, daß man ihn töten werde, wenn er nicht freiwillig seine Stelle verlasse. In einer zweiten Fabrik in Poltawa wurden jüdische Arbeiter schwer mißhandelt In der Spiritusfabrik von Krementsohug wurden Proklamationen verbreitet und an die Wände geklebt, des Inhalts"• «Genossen, wählt keine einzige «jüdische Fratze» und keine sonstigen Kommunisten in den Sowjet!» # In Kiew hat dieser Tage die sechste «Unparteiische Jüdische Arbeiterkonferenz» stattgefunden. Es wurden Resolutionen über Schaffung einer jüdischen Arbeiterfätaultät, über Umwandlung des Kiewer Jiddischen Theaters in ein Staatstheater, Gründung von Rindenbibliotheken unjd Unterstützung des Kalondsattonswerkes von Otzet gefaßt. Die Not der deklassierten russischen Juden Das Hauptorgan der jüdischen Kommunisten, «Emeß», in Mosikau befaßt sich mit einem für fünf JaSire berechneten Plan wirtschaftlicher Umschichtungsarfoeit unter den Juden und stellt dabei fest, daß der yjerte Teil der gesamten jüdischen Bevölkerung der .Ukraine, nämlich 400.000 Juden, ohne Wirtschaftsbasis ist und umgeschichtet werden muß; davon sind 122.000 Juden absolut deklassiert, der Rest setzt sich aus Angestellten, Heimaibeitern, Arbeitslosen und Personen ■$hne bestimmte Berufe zusammen. Bis zum Jahre 1933 werden wohl 10 Prozent der im Staatsapparat tätiger. Juden hinausgestoßen werden. 40'y': 1 “- Der erste jüdische Friedensrichter in Palästina gestorben In Paris starb nach einer Operation der Jaffaer Friedensrichter Fr. Jizchaik Nofach. In Minsk als der Sohn eines der Führer der Chowewe Zion-Bewegung, jehuda S. Nofach, geboren, schloß er sich der Modernen zionistischen Bewegung an und wohnte einigen Kongressen als Delegierter bei. Bei Ausbruch des Krieges weilte er in Palästina und wurde von den Türken Internjert. In der palästinensischen Judenheit herrscht Über «leb frühen Tod des ersten jüdischen Friedensrichters i.nj^alästina tiefe Trauer. einziger Jude im ungarischen Helden- Vjj&pitel ^t/efztens fand, wie schon mitgeteilt, die Iptoahme von 200 ehemaligen Frontkämpfern, düfer ihnen der Pogromführer Ivan Heijas und d&f Antisemit Gömbös, in das ungarische Helqk&ap-itel statt. „Egyenlöseg“ veröffentlicht iSSb ein Schreiben des Abgeordneten Paul Sanin welchem er mittelit, daß er im Finanz- Mpäohuß darauf aufmerksam gemacht hat, daß ip den Heldenorden bisher kein einziger jücH- 'sTshfer Frontkämpfer Aufnahme gefunden hat. / - - - Brandstifter in Amerika -■Aue New York wird geschrieben: Mehrere IHBihche Organisationen von Milwaukee haben Gouverneur des Staates Wiscounsin aufgein der Angelegenheit der Niederbrenhnd tejlweisen Ausplünderung von zehn üjÜ <hidon bewohnten Landhäusern in einer Tt von Milwaukee eine strenge Unterj durchauführen. Der Besitzer dieser tueer Samuel Metzer hat am Morgen nach pande einen anonymen Brief erhalten, in er aufgefordert wurde, nicht wieder an Juden zu vermieten. Die Lage der Juden in Bulgarien In einer Unterredung mit dem Vertreter der Jta, äußerte sich der Ministerpräsident Bulgariens, Herr Ljaptschew, über die Position der Juden in Bulgarien: «Die Juden in Bulgarien sind gute Patrioten, sie teilen mit uns alle Nöte und alle Freuden des Vaterlandes. In den beiden letzten Kriegen haben die Juden große Blutopfer gebracht. Die Juden sind ein aktives und arbeitsames Element. Sie genießen in Bulgarien gleiche Rechte, die Beziehungen zwischen ihnen und den nichtjüdischen Bürgern sind sehr gute. Es gibt bei uns glücklicherweise keine Judenfrage. Wenn sich manchmal kleine Zwischenfälle ereignen, so sind diese entweder unbedeutender Natur oder durch fremde Elemente hervorgerufen. Eine Judenverfolgung kennt man in unserem Lande nicht. Die Juden sorgen für ihr eigenes Schulwesen, in denen in ihrer nationalen Sprache unterichtet wird; die Regierung gewährt diesen Schulen Subventionen. Die von den Verwaltungen der jüdischen Schulen ausgegebenen Zeugnisse werden von den StaatsschuIve r wa 1 langen anerkannt.» Riten und Sekten in Jerusalem Von Dr. Ladislaus Sik. Die Worte des Propheten Jesaias, daß alle Völker nach Jerusalem ziehen werden, sind in Ihrer Art in Erfüllung gegangen. In Jerusalem bestehen heute ständige Gotteshäuser von 48 verschiedenen Religionen. Wenn man aber diese Kultstätten nach Riten, Sekten und Spineben scheidet, dann kann man wohl sagen, daß es hier an der Wiege der drei monotheistischen Religionen etwa ein halbes Tausend Arten gibt, nach denen sich der Mensch seinem Schöpfer naht. Und gerade hier, wo die Anhänger derart vieler Konfessionen neben- und durcheinander leben, muß es wohl auch früher oder später zu einem friedlichen Zusammenwirken aller Bekenntnisse kommen. Jerusalem heißt ja doch «die Stadt des Friedens». Im großen teilen sich die Juden Jerusalems in sephardische und in aschkenasische, letztere wieder in Ost- und Westjuden. Daneben gibt es aber auch Juden aus dem Jemen, deren Ahnen noch vor der Zerstörung des Tempels unter Titus dorthin auiswanderten. Hier findet man arabisch sprechende Juden aus Aleppo, während die persischen Juden sowie jene aus Buchara und die kaukasischen Bergjuden ihre Sprache, ihren eigenen Ritus und Ihre Gesänge hieher mitgebracht haben. Hier gibt es Samaritaner aus dem alten Sichern, dem heutigen Nablus, die sich noch zur Zeit Esras vom offiziellen Judentuime losgelöst haben und nun — nach 2600 Jahren — mit dessen Anhängern wieder Ehen eingehen. Jerusalem hat Karaiten aus der Krim, die tatarisch sprechen, und solche aus Aegypten, die arabisch reden. Unter den au-s Marokko stammenden Mogrebinern bedient sich ein Teil des Spanloli sehen, ein Teil des Arabischen, So sehr auoh die Bekenner der einzelnen Riten das Prinzipielle ihres Standpunktes betonen, so scheint es doch, daß da persönliche Momente eine große Rolle spielen. Es ist sehr schwer zu begreifen, worin eigentlich der große Gegensatz zwischen den Anhängern des aschkenasischen Oberrabbiners von Jerusalem, Kutk, und jenen des Agudisten Chaim Josef Sonnenfeld besteht Entgegen diesen Differenzierungen Im Ritus hat sich — und dies Ist eines der größten Verdienste des Zionismus — das Bewußtsein eines einig einzigen jüdischen Volkes immer mehr und mehr herausgebfldet. Auf diesem Wege muß aber auch fortgesetzt werden, damit Jerusalem wirklich die Stadt des Friedens wird. Eine zionistische Jugendversammlung. Von anonymer Seite war durch Ankündigung in der «Stimme» und «Neuen Welt» für Mittwoch, den 26. Juni, eine Jugendiversammlung mit der Tagesordnung «Öle Fahnenfrage» einborufen worden. Man geht nicht fehl, ah Zweck dieser Versammlung, die, wie sich dort heraussteHte, von den Couleurstudenten und der revisionistischen Gruppe «Triwnpelidor» veranstaltet worden war, einen Angriff gegen die linksorientierten Gruppen zu vermuten, der wahrscheinlich mit einer Resolution gegen das zionistische Landeskomitee gekrönt werden sollte. Die Versammlung nahm nun allerdings einen anderen für die «Veranstalter» unerwarteten Verlauf. Es waren etwa 250 Jugendliche, zum größten Teil sozialistisch gesinnte zionistische Hoch- und Mittelschüler erschienen, die entschlossen waren, die angekümdigte Auseinandersetzung einmal ln aller Schärfe durchzuführen und den angeblichen Wortführern der zionistischen Studentenschaft die wahre Meinung dieser Studentenschaft zu sagen. Da bis V»9 Uhr die Versammlung nicht eröffnet worden war und auch der Referent anscheinend zu kommen vergessen hatte, wurde aus der Versammlung heraus ein Vorsitzender gewählt, der die anwesenden Couleurstudenten aufforderte, das angekündigte Referat zu erstattten. Diese zogen es aber vor, sich hinter einem Schwall von Geschäftsordnungserklärungen zu verschanzen und schließlich jeder Auseinandersetzung aus dem Wege zu gehen. Die Versammlung stellte zunächst fest, daß die Couleurstudenten, die sich bei Dcmonstrationsanlässen stets als die Elite der zionistischen Jugend aufspielen, in zionistischer Hinsicht völlig passiv, für ernsthafte zionistische Tagesarbeit kaum zu haben sind und nur wenn es sich darum handelt, zu repräsentieren, ihre Ansprüche auf Ehrenlogen, Ehrenwachen und Ehrenkomitees geltend machen. Zum Glück ist nur ein verschwindender Teil der zionistischen Studentenschaft so orientiert, die große Mehrheit lehnt jeden Zusammenhang mit diesem Treiben völlig ab. j. m. Die Gehilfen Zum Präsidenten der Budapester Kommerzialbank kam ein Abgesandter der Regierung und sagte: „Der Herr Minister denke ja, durchaus nicht an die Festsetzung eines numerus clausus... allein Exzellenz würden die Eindämmung des jüdischen Elements im Bankwesen nicht ungern sehen.“ „Einen Augenblick!“ bat der Präsident und klingelte zweimal. Ein Sekretär trat ein — Graf Andorffy, Rittmeister a. D. „Herr Präsident —?“ „Bitte, depeschieren Sie an Kola, London: Man möchte bestens 10.000 Phosgenaktien für mich kaufen.“ „Zu Befehl.“ Der Rittmeister klirrte die Hacken zusammen und schwand ab. Der Präsident klingete wiederum — dreimal. Ein anderer Sekretär, Galitzenstein, erschien. — Auftrag wie vorhin. Darauf Galitzenstein — kopfschüttelnd: „Erstens — ist Kola nicht in London. Zweitens — sind Phosgenaktien ein M:st.“ Der Präsident lächelnd zum Abgesandten; „Bitte, berichten Sie, was Sie gehört haben, dem Herrn Minister.“ Die Provision Ein armer Jude, der keinen Pfennig für die herannahenden Feiertage hatte, schrieb folgenden Brief an Gott: „Lieber Gott, habe Mitleid mit Deinem Diener Sehmul ben Awrohom und schicke ihm das nötige Geld für die Feiertage!“ Und er warf den Brief in die Luft. Ein Zufall fügte es, daß der Wind das Papier zu Rothschild trug. Als dieser es gelesen hatte, ließ er Sehmul holen und sagte zu ihm: „Gott hat deine Bitte erhört und schickt dir durch meine Vermittlung 100 Mark.“ Sehmul nahm das Geld und brachte es seiner Frau. Diese seufzte und sprach: „ .. und wer weiß, wieviel Rothschild an Provision zurückbehalten hat.J“ Wochen-Kalender Juli 1029 Gedenktage t a"£nn narr tVD 4 Donnerstag 1842 — der berühmte Philofoph Hermann Cohen in Coswig (Anhalt) geboren. 26- 13 S Freitag 18ja — der berühmte Pianift Alfred Grünfeld in Prag geboren. 27 — O SabbttelnffaDff 8** Uhi e Samstag 1835 — der bekannte Wiener Pfychologe und Nervcnpathologc Prof. Moria Benedikt in Eifenftadt geboren. 1899 — der jüdifche Gelehrte Prof. David Kaufmann in Karlsbad geworben. 28ro W*cben- •bieunitt: »Setelaeh l’oha* Hatimht „Wijlsoblaob J*h«eob»»“ Sabbatataganr: 8« Ufas 1 Sonntag 29 — aa m my 8 Montag 1831 — Seligmann Heller, der Verf aller der „Echten hebr. Melodien", in Raudnitz geboren. 30 — *? m & 9 . Dienstag X90Z — der berühmte Bildhauer Mark Anto-KoUki in Hamburg geftorben. l-N m s 10 Mittwoch 2-3