Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 2 (1929)
- Issue
- Heft 79 (4.7.1929)
- Date
- 1929-07-04
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seide 0 DIE STIMME Nr. 79 Die Wahlen in die Jewish Agency In Deutschland Mittwoch, den 26. Juni, fand in Berlinbei Kroll die Sitzung des Initiativkomitees für die Jewish Agency in Deutschland unter dem Vorsitz von Direktor Oscar Wassermann in Anwesenheit von über 100 Mitgliedern statt. Es wurden folgende Resolutionen angenommen: In dem vom Völkerbund beschlossenen Palästinamandat wird die nachstehende, am 2. November 1917 durch Lord Balfour namens der Britischen Regierung abgegebene Erklärung ausdrücklich bestätigt: «Seiner Majestät Regierung betrachtet die Schaffung einer nationalen Heimstätte in Palästina für das jüdische Volk mit Wohlwollen und wird die größten Anstrengungen machen, um die Erreichung dieses Zieles zu erleichtern, wobei klar verstanden werde, daß nichts getan werden soll, was die bürgerlichen und religiösen Rechte bestehender nichtjüdischer Gemeinschaften in Palästina oder die Rechte und die politische Stellung der Juden in irgendeinem anderen Lande beeinträchtigen könnte.» In Uebereinstimmung mit Artikel 4 des Palästinamandates hat die als offizielle jüdische Vertretung für Palästina (Jewish Agency) anerkannte Zionistische Organisation der Judenheiten der Welt zum Eintritt in die Jewish Agency aufgefordert. Die am 26. Juni 1929 in Berlin tagende Konferenz des «Initiativkomitees für die Erweiterung der Jewish Agency in Deutschland» nimmt die an die deutsche Judenheit ergangene Aufforderung freudig an und beschließt, die Vertretung der deutschen Judenheit innerhalb der Jewish Agency in folgender Form sicherzus teilen: a) eine Palästina-Konferenz aller deutschen Juden, die bereit sind, an den Arbeiten der durch Artikel 4 des ■ Völkerbundsmandates für Palästina eingesetzten Jewis-h Agency teilzunehmen und an der Entwicklung der Jüdischen Nationalen Heimstätte in Palästina mitzuarbeiten, ist so bald wie möglich einzuberufen. Diese Palästinna-Konferenz soll die Vertreter der deutschen Judenheit in den Council der Jewish Agency entsenden. Sollte ein Reichsverband der deutschen Juden gebildet werden, so steht es der Palästina-Konferenz frei, i|ire Rechte dem Reichsverband der deutschen Juden zu übertragen; i: b) um der deutschen Judenheit eine angemessene Y&rtretung aut der bevorstehenden konstituierenden Tagung des Council der Jewish Agency zu sichern, beschließt die Konferenz des «Initiativkomitees für die Erweiterung der Jewish Agency in Deutschland», bis zum Zusammentritt der Palästina-Konferenz der deutschen Juden 6 Vertreter und 12 Stellvertreter in den Council der Jewish Agency zu wählen. Die in der Konferenz des Initiativkomitees gewählten Vertreter der deutschen Judenheit im Council der Jewish Agency erwarten die Mitarbeit der deutschen J^iden an der Schaffung der jüdischen nationalen llebistätte ln Palästina. In der Erkenntnis der historischen Bedeutung dieses Werkes rufen sie die deutschen Juden auf, den öedanken des Aufbauwerkes, mit dessen Gelingen die Ehre des jüdischen Namens verbunden ist, in seiner vollen Bedeutung zu erkennen und die für den Aufbauplan erforderlichen Mittel zur Verfügung zu stellen. Entsprechend dem in der ersten Resolution beschlossenen Vorgang wurde die Wähl der Vertreter des deutschen Judentums für die nichtzionistische Hälfte de» Councils der Jewish Agency vorgenommen. Gewählt wurden als Mitglieder des Councils: Stadtkämmerer Bruno Asch, Frankfurt a. M., Rabbiner tk. Leo Baeck, Berlin, Justizrat Dr. Blau, Frankfurt M#in, Dr. Bernhard Kahn, Berlin, Kommerzienrat Gereon Simon, Berlin, Rabbiner Dr. Isak Unna, Mannheim, Direktor Oscar Wassermann, Berlin; als ErsatzrilHgüeder: Prof. Georg Bernhard, Berlin; Dr. Friedrich Brodhitz, Berlin; Willy Dreyfuß, Frankfurt a. M.; Rabbiner Dr. Hahn, Essen; Jakob Hteckscher, Hamburg; Ministerialrat Dr. Otto Hirsch, Stuttgart; Rabbiner Dr. Jakob Horovitz, Frankfurt a. M.; Berthold Kfael, Berlin; Oberlandesgerichtsrat Dr. Neumeyer, Mönchen; Leo Simon, Berlin; Prof. Dr. M. Sobernhe&m, Berlin; Dr. Albert Sondheimer, Frankfurt a. M.; Dr. Ludwig Tietz, Berlin; Frau Margarete Tietz, Köln. ki der Tschecho-Slowakei La der am 22. Juni in Prag 'stattgefundenen PalätaÄjR&otifcrenz der Zentralkommission des Keren $a»jes30d, über deren Ausgang die «Stimme» bereits rz berichten konnte, wurden nachstehende Resoiumit allen abgegebenen Stimmen beschlossen: ” ijjj Anbetracht dessen, daß f. das vom Rate des Völkerbundes am 24. Juli 1£2% ratifizierte Palästinamandat die Bildung einer feiati Agency (Jüdischen Vertretung) als einer Kör- Ötfen-tUciien Rechtes vorsieht, welche die Indes Judentums in bezug auf die Schaffung itiorraien Heimstätte für das jüdische Volk rn wa-hnwmehwen hat, daß ferner Bfontotteclie Organisation als diese Jewish and zugleich aufgefordert wird, im der britischen Regierung Schritte zu % um <fte MttaibeR aller Juden zu sichern, die am Aufbau des jüdischen nationalen Heimes in Palästina mitzuarbeiten bereit sind, daß ferner 3. durch Vereinbarung zwischen der Zionistischen Organisation und den amerikanischen Niohtzionisten eine Plattform gefunden wurde zw Erweiterung der Jewish Agency durch Hinzuziehung solcher Juden, die der Zionistischen Organisation nicht angeschlossen sind, und daß 4. eine Palästinakonferenz der cechoslovakischen Juden durch die ZentraUcoanmision des Keren Hajessod für die Cechoslovakische Republik einberufen und von den die Judenheit dieses Landes repräsentierenden Körperschaften und Organisationen beschickt wurde — beschließt die am 23. Juni 1929 in Prag versammelte Palästinakonferenz der cechoskxvaktechen Juden: 1. Die Judenheit der Cechoslovakischen Republik beteiligt sich gemäß den zwischen der Zionistischen Organisation und den amerikanischen Nichtzionisten vereinbarten Grundsätzen und Richtlinien an der Schaffung des Council der Jewish Agency. 2. Die cechoslovakisohe Judenheit entlendet gemäß ihrer Zahl in den Council der Jewish Agency zwei Delegierte und vier Ersatzdelegierte. 3. Die Konferenz bittet die Vertreter der cechoslovakischen Judenheit im Council der Jewish Agency, der Schaffung des nationalen Heimes in Palästina ihre besten Kräfte zu widmen und erwartet, daß ihr Wirken in der Jewish Agency -den Juden dieses Landes einen ehrenvollen Platz unter den Förderern dieses gesamtjüdischen Werkes sichern wird. 4. In der Erkenntnis der historischen Bedeutung des Aufbauwerkes in Palästina appelliert die Konferenz an die cechoslovakischen Juden, alle Unterschiede der politischen, religiösen und sozialen Einstellung hintanzusetzen und diesem Werke jede moralische und materielle Förderung zu gewähren, das eine Quelle berechtigten Stolzes für die gesamte Judenheit ist. PßOF. Senqu/m Verlagsexpedition: Af. Fritz Sußmann, Wien, I„ Ttl U 24-4-43 Salztorgasse 7 Ttl U 24-4-43 Weizmann, Einstein, Marshall und Warburg an das deutsche Agency-Komitee Berlin. Der Präsident der Zionistischen Weltorganisation, Dr. Chaim Weizmann, richtete-aus Anlaß der ersten Tagung des Initiativkomitees für die Jewish Agency in Deutschland an Herrn Oscar Wassermann ein Schreiben, in welchem er die illustre Versammlung begrüßt und erklärt, die Führer des deutschen Zionismus haben verstanden, daß eine ehrliche und aufrichtige Kooperation zwischen Zionisten und Nichtzionisten im Interesse des Aufbaues der nationalen jüdischen Heimstätte in Palästina möglich ist, ohne daß ein Teil ein Opfer der Gesinnung oder Weltanschauung bringt. Louis Marshall hebt in seinem Telegramm an Oscar Wassermann die Wichtigkeit des Anschlusses der deutschen Niohtzionisten hervor und wünscht der Beratung besten Verlauf. Felix M. Warburg telegraphiert an Oscar Wassermann: «Ich hoffe, daß die besten Ihrer Mitbürger bereit seinwerden, die deutsche Gruppe in der Agency zu vertreten, und freue mich, die deutschen Vertreter in Zürich zu sehen.» Professor Albert Einstein schreibt: «. . . Die Judenheit hat dem Zionismus viel zu verdanken,. in erster Linie aber ein neues Aufblühen des Gefühles für Würde und Gemeinschaft bei dem ganzen jüdischen Volke. Langsam ist in diesem das Bewußtsein von der Dankesschuld gewachsen, die es Herzl und seiner ergebenen Schar abzutragen hat, die das Erste und Schwerste an dem Werke getan hat. Heute ist es so weit, daß sich alle Juden zu der gemeinsamen Aufgabe bekennen. . . . Wenn Ihr ernsthaft wollet, so wird es sein.» Leon Blum Mitglied der Agency Die am 26. Juni in Paris unter dem Vorsitz von Professor Victor Basch statfcgefundiene französische Konferenz für das arbeitende Palästinaln Frankreich wählte den Führer der französischen Sozialdemokratie, Deputierten Leon Blum, in den Council der Jewish Agency. Es wurden Begrüßungskundigebungen von der Zionistischen Executive, Leon Blum, Renaudel und Charles Gide verlesen und Absprachen von Professor Basch, dem italienischen Sozialistenführer Turati, Deputierten Mosch gehalten. S. Kaplanaki berichtete über die Leistungen der jüdischen Arbeiterschaft in Palästina. Knesseth Israel und Jewish Agency Aus Jerusalem wird gemeldet: Der Waad Leumi hat den Beschluß gefaßt, eine außerordentliche Sitzung der Assefath Haniwcharim (Nationalversammlung der palästinensischen Juden) einzuberufen, die sechs Mitglieder und 12 Stellvertreter in den Council der Jewish Agency zu wählen haben wird. Der Waad Leumi beschloß ferner, die Forderung der Regierung, daß nur palästinensische Bürger Mitglieder der Assefath Haniwcharim sein dürfen, zurückzuweisen. Diese Zurückweisung hat zur Folge, daß das Inkrafttreten der Verordnung über die Organisation der jüdischen Gemeinden bis zur Rückkehr des Oberkommiesar3 Sir John Chancellor aufgeschoben ist. Wie der JTA-Vertreter erfährt, besteht in den Kreisen des Waad Leumi die Absicht, der palästinensischen Agudah eines der sechs Agency-Mandate, die für Palästina reserviert sind, anzubieten. In der gleichen Sitzung wurden auch Fragen des künftigen Budgets des Waad Leumi behandelt. Die Verwendung der Eingänge soll so vorgenommen werden, daß 1200 Pfund für das ordentliche Budget des Waad Leumi und vom Rest 40 Prozent für den Rabbinischen Rat und 60 Prozent für besondere Ausgaben der Knesseth Israel verwendet werden. Jewish Agency-Konferenz der polnischen Juden Sonntag abends wurde in Warschau die Gründungsversammlung des Initiativkomitees für die Jewish Agency in Polen abgehalten. Der Präsident der Agency- Koromission, Herr Lewite, hielt die Begrüßungsansprache, worauf Dr. Goldflamm, zum Vorsitzenden gewählt, ausführte, es sei ein erhebender Moment, da alle Schichten der jüdischen Gesellschaft Polens sich im Zeichen des Aufbaues Palästinas zusammenschließen. Stadtrat Hindes schilderte die Entstehungsgeschichte der Jewish Agency, der Präsident des Rabbinerverbandes, Rabbi Jescheskiel Liftszytz, erklärte, 'nU f’urc'i S:’ Palästinas zahlreiche auch nicht religiöse Elemente fester an das Judentum gekettet werden, indem sich ein neues Feld der Vereinigung aller Kräfte des jüdischen Volkes für den Aufbau des historischen Vaterlandes eröffnet. Es sprachen noch Abg. Dr. Reich, Abgeordneter Farbstein, Adv. Endelmann, Stadtrat Trusker, Dr. Raphael Landau. Nach einer eingehenden Diskussion wurde eine Resolution angenommen, in der die Entstehung der Jewish Agency warm begrüßt und beschlossen wird, 12 Vertreter der polnischen Judenheit in den Council der Jewish Agency zu entsenden. Rayonkonferenzen in Warschau, Krakau und Lemberg werden die Wahl der polnischen Agency-Vertreter vollziehen. Die jüdischen Gemeinden Alt-Rumäniens in der Jewish Agency Aus Bukarest meldet J. T. A.: Unter dem Vorsitz des Präsidenten des Verbandes jüdischer Gemeinden Altrumäniens, Eli Berkovici, fand in Bukarest der Kongreß der Kultusgemeinden Altrumäniens unter Beteiligung von 31 Gemeinden statt. Nach einem Referat des Präsidenten der Zionistischen Organisation, Adolf Bernhardt, über die Geschichte, die Entwicklung und die Aufgaben der Jewish Agency schritt der Kongreß zur Wahl der Vertreter der Judenheit Altrumäniens in der Agency. Es wurden einmütig als die Repräsentanten der Niohtzionisten Altrumäniens die Herren Eli Berkovici und Dr. FHdermann gewählt. In seiner Dankanaprache erklärte Eli Berkovici, es gäbe für einen Juden nichts Heiligeres als die Arbeit für Zion. Dr. Fiidermann dankt den amerikanischen Juden dafür, daß sie in der Frage der Erweiterung der Jewish Agency als Pioniere vorginigen. Den Gewählten wurde seitens der Versammlung eine begeisterte Ovation bereitet. Der Vertreter der griechischen Juden Die in Saloniki stattgefundene Konferenz aller jüdischen Gemeinden Griechenlands hat den Präsidenten des Unabhängigen Ordens Bnei Brith in Saloniki, Herrn Leon Recanatti, in den Council der Jewish Agency als Vertreter der griechischen Juden entsandt. — Die Konferenz beschloß, einen Verband der jüdischen Gemeindien ganz Griechenlands zu begründen. Polizeiinspektor Duff versetzt Aus Jerusalem wird gemeldet: Polizeiinspektor Duff, der von der jüdischen Bevölkerung für das brutale Verhalten der Polizei ani letzten Jom Kippur-Tage vor der Klagemauer sowie für die brutale Behandlung der wählend der Lag B‘Omer-Feier dieses Jahres an einem Festzuge teilnehmenden Kinder verantwortlich gemacht wird, ist aus Jerusalem nach Megiddo versetzt worden. Er wird das in der Nähe von Megiddo befindliche Strafarbeiterlager zu beaufsichtigen ha/ben. Präsident Hoover Uber die Bnei Brith New York, Der Präsident der Vereinigten Staaten, Herbert Hoover, hat an Alfred M. Cohen, den internationalen Präsidenten ctes Unabhängigen Ordens Bnei Brith, ein Schreiben gerichtet, in welchem er den hohen Wealen und der öffentlichen Tätigkeit des Ordens höchste Anerkennung zollt. Der Orden, schreibt der Präsident, entfaltet nicht allein in den Vereinigten Staaten, sondern auch in Europa und im Nahen Osten eine überaus nützliche Tätigkeit, die ihm die Dankbarkeit der Menschen einbringt, ln den Vereinigten Staaten ist die Arbeit der Bnei Brith beispielgebend für jedes Werk der Qroßherzigkeit und der gegenseitigen Hilfe, des Verständnisse* und der Zusammenarbeit zwischen den Angehörigen aller Raeeen und Religionen.