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Die Stimme · 1929-07-04 · Heft 79 (4.7.1929) · page 3

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Journal
Die Stimme
Volume
2 (1929)
Issue
Heft 79 (4.7.1929)
Date
1929-07-04
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Seite 3 Nr. TO _Qg gnitMB pflJchtttng befreit, alles, was in ihren Kräften steht, m tun, um den Keren Hajessod und Keren Kajemeth zu unterstützen und zu stärken. Es ist richtig, daß für gewisse Zwecke ein großes Kapital erforderlich ist, und es wird zu den Hauptaufgaben der Agency gehören, geeignete Quellen für derartiges Kapital ausfindig zu machen, sei es durch Anleihen oder durch geschäftliche Anlagen, ian Einklang mit den Prinzipien gesunder Finanzwirtschaft und mit Wahrung der Interessen des Jüdischen National heims. Aber, so nötig oder wünschenswert es ist, solches Kapital aufzubringen und wie groß auch die Erfolge der Agency auf diesem Gebiet seit? mögen, es wäre ein verhängnisvoller Irrtum, wenn man annehmen wollte, daß wir in unseren Anstrengungen für den Keren Hajessod und Keren Kajemeth auch nur einen Augenblick nachlassen dürfen. Auf diese beiden müssen wir bauen. Sowohl der Bericht der Joint Palestine Survey Commission als auch die Resolutionen der 1926 in London unter dem Vorsitz von Sir Herbert Samuel abgehaltenen Wirtschaftskonferenz für Palästina lassen klar erkennen, daß diese bedeutenden Autoritäten der Aufrechterhaltung und ständigen Vergrößerung der bestehenden zionistischen Fonds die größte Bedeutung beilegen. Diese Fonds, welche in so vielen Jahren harter und opferreicher Arbeit aufgebaut worden sind, sind die Grundpfeiler unseres Aufbauwerkes in Palästina. Durch sie allein können wir die Fundamente legen, auf denen privater Unternehmungsgeist und Kapital weiter bauen kann. Gerade weil die erweiterte Jewish Agency jetzt gebildet wird, dürfen Zionisten sich nicht von ihren Verpflichtungen für Keren Hajessod und Keren Kajemeth befreit wähnen, sie müssen es vielmehr als Ehrensache betrachten, die Fond« mit noch größerer Energie und Hingabe zu unterstützen als in der Vergangenheit. Politisch© Arbeit. Deff Ausgangspunkt unserer politischen Arbeit muß auch in Zukunft wie in der Vergangenheit die Aufneditertaltung .freundlicher Beziehungen mit der Mandatannacht und mit deren Vertretern in Palästina sein. Wir haben es stets als unerschütterlichen Grundsatz betrachtet, daß diese Beziehungen von gegenseitigem Vertrauen und Verständnis erfüllt sein müssen; zugleich haben wir alle gesetzlichen. Mittel angewandt, um die Rechte des Jischuw und der Judenheit überhaupt ln bezug auf das Jüdische Nationalheim wahrzunehmen und die aktive Mitarbeit der Mandatarmachf, auf die wir dem Mandate gemäß ein Anrecht haben, in Anspruch zu nehmen. Diese Politik fand die Billigung der .vorhergehenden Kongresse, und sie wird zweifellos auch von der erweiterten Agency fortgesetzt werden. 'Es wird ihr zugute kommen, daß die Agency sowohl 'dhrch den Aufschwung unserer Aufbauarbeit in Palästina als auch durch die Tatsache, daß sie nicht nur für die Zionistische Organisation, sondern auch für große und wichtige Gruppen von Juden, die bisher der Arbeit fernstanden, sprechen kann, an Ansehen und Prestige gewinnen wird. Was die Beziehungen zu den Arabern in Palästina betrifft, begnügen wir uns mit der Erklärung, daß wir fest entschlossen sind, alles, was in unserer Macht liegt, zu tun., um freundliche und gutnachbarliche Beziehungen zwischen dem jüdischen Volk in Palästina unid‘ seinen arabischen Mitbürgern auf der Grundlage gegenseitigen Respekts und gegenseitigen Verständnisses zu schaffen. Vorübergehende Schwierigkeiten werden dieses grundlegende Ziel unserer Politik nicht erschüttern. Wenn ein Wort der Mahnung gestattet ist, so sei betont, daß die Zionisten es sich selbst schuldig sind, unüberlegte Abenteuer und unautorisierte Intervention auf politischem Gebiete zu vermeiden. Durch solche Handlungen wird die ohnedies schon schwierige Aufgabe derer, denen der Kongreß die politische Führung Vertragen hat, schwer beeinträchtigt. Selbstverständlich «oll die völlige Freiheit aller Zionisten, ihre Anschauungen aiiszusprechen und zu propagieren, in keiner Weise angefochten werden; doch sollte der Kongreß einen Weg finden, um die Pflicht der Disziplin und Loyalität festzulegen. Es kann nicht erlaubt sein, daß irgendeine Gruppe der Zionistischen Organisation oder eine Einzelperson durch unverantwortliche politische Manöver in Jerusalem, London oder anderv• t?. unsere ganze Sache aufs Spiel setzt. Die Zionistische Organisation Die Erweiterung der Jewish Agency kann mit Recht als ein Triumph der zionistischen Bewegung bezeichnet werden. Denn große Mengen von Juden, we(dhe bisher an unserer Arbeit nicht aktiv teilgenomitteit (haben, sind durch die Tatsachen des neuen Palä- Ittaa — sei es durch selbstgewonnene Eindrücke, sei durch Berichte — so tief ergriffen worden, daß sie fiit uns an dem Aufbauwerk teilnehmen wollen. Die ipnisti&che Organisation will kein Monopol auf Palästina und hat dies nie beansprucht. Im Gegenteil, wir begrüßen aufrichtigen Herzens die Aussicht auf fruchtbare und harmonische Zusammenarbeit mit unseren Partnern in der Agency. Aber wenn wir freudig unsere Rechte und Pflichten in der Agency mit anderen teilen, so bedeutet die« keine Aenderung unsere« Standpunktes uu^jj kein Aufgeben unserer Ideale. Unsere Ideale bleiben die Grundlage unseres zionistischen Bekenntnisses. Es darf auch nicht vergessen werden, daß die Zionistische Organisation* wie bereits erwähnt, notwendig eine besonders wichtige Rolle in der praktischen Arbeit der erweiterten Agency spielen muß. Daraus folgt, daß die Erhaltung und Stärkung der. Zionistischen Organisation keine Frage zweiten Ranges oder akademischen Interesses ist, vielmehr ©ine von größter praktischer Bedeutung und Dringlichkeit. Es hat noch keine Zeit gegeben, wo «ine lebendige und kraftvolle zionistische Bewegung fruchtbarere und bedeutungsvollere Aufgaben im jüdischen Leben zu erfüllen gehabt hätte als heute. Der Kongreß wird den Problemen, die mit dieser Frage in Zusammenhang stehen, die größte Aufmerksamkeit widmen müssen. Die verschiedenen Landesirnd Sondervenbän/de, aus denen die Zionistische Organisation besteht, müssen alle erdenkliche Anstrengung machen* um ihre organisatorischen Formen auszubauen. Ohne daß ihrer weitgehenden Autonomie Abbruch getan wird, müssen sie doch durch die Zionistische Weltexekutive zu einer Einheit zusammengefaßt werden. Die Exekutive muß es als ihre Pflicht ansehen, in ständiger Berührung mit allen Verbänden zu stellen und ihnen jede mögliche Hilfe zu gewähren. Die Exekutive muß aber auch über die nötigen Mittel an Menschen und Geld verfügen, die für die Durchführung ihrer lebenswichtigen Funktionen unerläßlich sind. Zu diesen Fragen treten noch die nicht weniger wichtigen Probleme der zionistischen Propaganda und Erziehung, der Jugendbewegung und der Ausdehnung der Tätigkeit auf dem Gebiete der hebräischen Kultur, die für die Jugendbewegung und für eine wirksame zionistische Propaganda unentbehrlich ist. Schlußfolgerung Ich habe mich bemüht, hier eine oberflächliche Skizze — mehr ist es nicht — des Programmes zu geben, welches ich als Präsident der Zionistischen Organisation dem Kongreß vor! egen will. Ich habe nicht versucht, unsere Probleme iin einzelnen zu erörtern, und einige habe ich nicht einmal erwähnt. Nichtsdestoweniger glaube ich, daß diese meine Kundgebung dazu dienen kann, am Vorabend eines so bedeutungsvollen Kongresses die Aufmerksamkeit der Gesinnungsgenossen auf einige der wichtigeren Fragen zu lenken, über die die Zionistische Organisation sich nunmehr ein endgültiges Urteil bilden wird. Wir stehen vor der freudigen Tatsache, daß der Kongreß unter außergewöhnlich hoffnungsvollen Begleitumständen Zusammentritt. Die Lage in Palästina hat sich in entscheidender Weise zum Guten gewendet, und überall sieht man der Zukunft mit begründetem Optimismus entgegen; die Zionistische Organisation hat trotz der ernsten Bedrängnis, der sie ausgesetzt war, ihre Lebenskraft bewiesen. Schließlich und vor allem sind wir am Beginn einer neuen, weitreichenden Entwicklung, welche, wenn alles gut geht, zu einem Ergebnis führen wird, das einer vereinigten Anstrengung des gesamten jüdischen Volkes für die Wiederaufrichtung Palästinas und die Schaffung des Jüdischen Nationalheims nahekommt. Ich bin überzeugt, der Kongreß wird die Verpflichtungen, die dieser historische Moment ihm auferlegt, begreifen, und auf der Höhe seiner Verantwortung stehen. Die zehn Gebote — das Motto des Friedensvertrages Der Anteil der Juden an der Friedenskonferenz — Diplomaten, die nur streng koscher essen — Jitro und Clemenceau. Zehn Jahre nach Versailles Am 28. Juni sind es zehn Jahre geworden, seitdem in Versailles nach Beendigung des Weltkrieges der Friegensvertrag unterzeichnet wurde. An den damaligen Verhandlungen der. Friedenskonferenz nah meine ganze Reihe jüdischer ePrsönlichkeiten als diplomatische Vertreter verschiedener Staaten Europas und Arne- Friedenskonferenz nahm'eine ganze Reihe jüdischer Persönlichkeiten als diplomatische Verden damaligen französischen Finanzminister Klotz als ersten jüdischen Friedensunterhändlen begrüßen, der an der Gestaltung des Schicksals Europas entscheidenden Anteil genommen Nur diese Schwedenklinge macht Rasieren zum Vergnügen Die führende schwedische Weltmarke. hatte. Klotz war als französischer Finanzminister einer der maßgebendsten Experten der finanzpolitischen Sektion der Friedenskonferenz. Bald zeigte es sich, daß Klotz nicht der einzige Jude war, der an der Friedenskonferenz in führender Stellung teilnahm. Neben ihm war auch Edwin Samuel Montagu, zu jener Zeit britischer Vizekönig von Indien, an der Friedenskonferenz beteiligt, an der er das Finanzreferat der englischen Delegation führte. Auch in der amerikanischen Delegation waren gleich einige hochangesehene jüdische Politiker festzustellen. Es ist bekannt, daß Richter Brandeis, einer der intimsten Freunde des verstorbenen Präsidenten Wilson, weiters der berühmte jüdische Arbeiterführer Samuel Gompers und einer der größten jüdischen Geschäftsleute Amerikas, namens Baruch, den Wilson, in die Kommission für Kriegsentschädigungsangelegenheiten entsandt hatte, an der Konferenz in entscheidender Weise mitgewirkt haben. Aber mit diesen Namen ist die Liste der jüdischen Teilnehmer an der Friedenskonferenz von Versailles noch nicht geschlossen. Eine ganze Reihe anderer Staaten delegierte jüdische Vertreter nach Versailles. Bezüglich des Generalbevollmächtigten von Belgien, des Außenministers Hymans, entstanden damals Zweifel. Die Zeitschrift „Jewish Chronicle“ bezedchnete ihn als Juden, dagegen wurde von französisch-jüdischer Seite behauptet, daß Hymans selbst kein Judo, sondern mit einer jüdischen Frau verheiratet war. Das gleiche wurde bezüglich des italienischen Hauptbevollmächtigten, des Außenministers Baron Sonnino, behauptet. Die Italienische Regierung hatte aber auch einen „echten“ Juden an die Friedenskonferenz entsendet, den Führer der Republikaner Barz i 1 a i, der in hervorragender Weise an, den Arbeiten der FvhdenekonferenB te&foahm. 'Auch die deutsche Delegation nahm mehrere jüdische Mitglieder als Berater und Uebersetzer zur Friedenskonferenz mit. Gleich nach Ankunft der deutschen Delegation in Versailles erschien ein gewisser. Hauptmann Henry beim Pariser Oberrabbiner Lewy und meldete ihm, daß die jüdischen Mitglieder, der deutschen Delegation an dem samstägigen Gottesdienst teilnehmen wollen. Hauptmann Henry bat auch um Anweisung jüdischer Restaurationen, in denen die orthodoxen jüdischen Mitglieder d,er deutschen Delegat1'on koschere Speisen bekommen könnten. Auch während des feierlichen Aktes der Unterzeichnung des Friedensvertrages intervenierten zwei Juden: der französ;sche Professor Mantu, der Clemenceaus Schlußrede ins Englische, und dann der Uebersetzer der deutschen Delegation, Prof. Michaelis, der sie ins Deutsche übertrug. Der letzte ist ein streng orthodox gesinnter Jude, der täglich in den Versailler Tempel zum Gotiesd;enst ging und nur dann Fleisch aß, wenn es die Rabbinerin von Versailles zubereitet hatte... Die Friedenskonferenz wurde am 18. Jänner 1919, an einem Samstagnachmittag, eröffnet. In der Wochenschrift der konservativen französischen Juden, an der einige angesehene Mitglieder des Rabbinates mitarbeiteten, erschien damals ein Leitartikel, in dem festgestellt wurde, daß die Friedenskonferenz genau an demselben Tage und zur selben Stunde eröffnet wurde, da in den üdischen Gotteshäusern während des Mincha-Gebetes der erste Absatz des Wochenabschnittes „Jitro“ vorgelesen wurde. Der Verfasser des Leitartikels führte aus, daß1 die zehn Gebote, die in dem Wochenabschniit’ „Jitro“ enthalten sind, wohl das beste und passendste Motto des Friedensvertrages sein würde... IHustre Gäste des Zionistenkongresses Aus Zürich erfahren wir, daß an dam XVI. Zionistenkongreß Lord M e 1 c bi e 11, Prof. Einstein, Chaim Nachman B i a 1 i k und Leon Blum als Gäste teilnehmen werden. Man erwartet, daß Lord Melchett den Kongreß namens der Jewish Agency begrüßen wird. t \ Absetzung des Oberrabbiners von Irak Aus Bagdad meldet J. T. A.: Der religiöse Rat der Juden des Irak teilt mit, daß ei* beschlossen habe* den Öberrabbiner des Irak Sasson Kadurl Yeheridel Bstjai seines Amtes m entheben, für da« er tsäch als ungeeignet erwies, und ihn für nicht befugt zu erklären, tot religiösen Ömgen BÄfeskHwgsiti towtfeiw

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