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Die Stimme · 1929-06-27 · Heft 78 (27.6.1929) · page 9

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Journal
Die Stimme
Volume
2 (1929)
Issue
Heft 78 (27.6.1929)
Date
1929-06-27
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
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Nr. 78 DIE STIMME Seite 9 12 Familien, aus denen 4,000.000 wurden ... Ym Portugal über Brasilien nach Newyork Zwölf sefardische Familien bildeten den Grundstock der jüdischen Einwohnerschaft von Neuyork, als sie, von Brasilien kommend, sich da ansiedelten. Damals stand dieser ganze Landstrich unter niederländischer Herrschaft. Diese wenigen Juden, welche sich 1654 in Neuamsterdam, dem heutigen Neuyork, angesiedelt hatten, besaßen keinerlei bürgerliche Rechte. Der damalige Bürgermeister dieses Ortes, Peter Stuyvesant, war sehr bigott und ein großer Judenhasser, trotz aller Bitten wollte er den Juden die Erlaubnis zur Erbauung eines Gotteshauses nicht geben und es dauerte sehr lange, bis sie sich einen eigenen Friedhof anlegen durften, den einer ihrer Vorsteher, der es inzwischen zur Wohlhabenheit gebracht hatte, Joseph Bueno, auf eigene Kosten errichtet hatte. Als schon später die Engländer den ganzen Landstrich in Besitz genommen hatten, und als be-. reits ein englisches Toleranzedikt erlassen war und^ freie Religionsausübung galt, konnten die Juden davon trotzdem nicht genießen. Erst im Jahre 1686 erhielten die wenigen Juden Neuyorks die besondere Erlaubnis König James II., frei nach ihrer Religion zu leben. — Zugleich wurde ihnen von dem Bürgermeister der Stadt die Erlaubnis erteilt, ein eigenes Gotteshaus zu errichten. Zwar erlaubten es ihnen nicht die Mittel, an den Bau gleich heranzutreten, aber sie traten sofort zu einer besonderen Gemeinschaft «Scheerit Jisrael» zusammen, die noch bis auf den heutigen Tag sich als solche erhalten hat. Natürlich setzen sich ihre Mitglieder nicht speziell aus Spaniolen und Portugiesen zusammen, zu ihr gehören jetzt nun auch deutsche, polnische und russische Juden, aber ihre ursprüngliche Eigentümlichkeit, äußere Zeremonien und Gebetordnung, haben sich in der Ursprünglichkeit erhalten, und ihr Gotteshaus ist eines der schönsten Neuyorks. Am Anfang des achtzehnten Jahrhunderts begann die kleine Gemeinde sich zu vermehren und der Ursprung dessen lag in den ausgebrochenen Wirren in Westeuropa. — Zwei jüdische Kaufleute aus Neuyork, Abraham du Lucena und Louis Gomez, schickten ihre eigenen Handelsschiffe mit schwerer Ladung nach Portugal, und diese brachten nach ihrer Rückkunft viele portugiesische Juden in das neue Land. Kaum hatte sich die Zahl der Gemeinschaft etwas vermehrt, kaum fühlten sie festen Boden unter,-sich, als sie schon uralte Traditionen weiter fortzusetzen anfingen und geistige Führer an ihre Spitze stellten. Es ist selbstverständlich, daß jene ersten Rab- Rot oder blau-weiß — das ist die Frage! Brief an die «Stimme». Ein Leser unseres Blattes schreibt uns: Anläßlich der Koppelung der Liste Dr. Friedmann mit der Liste Hitachduth-Poale-Zion, die bekanntlich zu rein technischen Zwecken vorgenommen wurde, hat der Führer der radikalen — pardon: demokratischen — Zionisten in Wien es für gut befunden, ein Kriegsoreheul ob dieses «unzionistischen» Vorgehens der Eiste Friedmann zu erheben. Nun erfahren wir zu unserer größten Verwunderung, daß an der am 23. Juni in Warschau eröffneten Konferenz für das arbeitende Palästina, die unter der Patronanz der Poale Zion und Hitachduth, sowie unter Teilnahme des «roten» Vandervelde abgehalten wurde, auch 25 Vertreter der polnischen radikalen Zionisten «Al Hamischmar» als Delegierte teilnahmen. Am selben Sonntag, an dem die Wiener zionistischen «Demokraten» sich nicht schämten, die poalezionistische Jugend beim Herzl-Grabgang mit Pfuirufen zu begrüßen, nahmen Delegierte des «Al Hamischmar» an einer Konferenz teil, bei der der Präsidialtisch mit roten Fahnen geschmückt war. Was sagen nun Herr Stricker und seine Genossen, unter denen es eine Exzellenz mit roter sozialistischer «Gesinnung» geben soll, zu diesem zionistischen Verbrechen seiner engsten radikalen Freunde in Warschau? Hinter den Kulissen erzählt man sich zwar, daß es einen «zwiefachen radikalen Zionismus» gibt. Inwiefern dies richtig ist, dürften wohl manche Wiener «Demokraten», die nach Bedarf auch über «sozialistische» Gesinnung verfügen, am besten wissen. Im Zusammenhang damit ist nicht uninteressant zu erwähnen, daß Dr. Nahum üoldmann in seinem Programmartikel in der letzten Nummer der «Jüdischen Rundschau» den deutschen Zionisten zum Vorwurf macht, daß sie eine Politik treiben, die sie faktisch in offenen Widerspruch und in eine Kampfstellung gegen die Arbeiterschaft in Palästina gebracht hat. Wie reimt sich nun diese Stellungnahme biner keine Kapazitäten auf diesem Gebiete waren, da sie doch in erster Linie Handel trieben. Als erster fungierte als Rabbiner der Großkaufmann Saul Braun, als zweiter der obengenannte Abraham du Lucena, der aber so reich war, daß er auf den Kaufmannsstand verzichten konnte, und sich voll und ganz der geistigen Leitung seiner kleinen Gemeinde widmete. Als er 1720 starb, folgte ihm als Dritter Benjamin Wolf, der als Fachmann seine Vorgänger weit überragte. Schon zu jener Zeit kamen bei reicheren Familien, wenn auch in vereinzelten Fällen, Mischehen vor. Sonst aber lebten die Juden in ihrem Viertel zusammen, trotzdem sie dazu nicht gezwungen waren und verkehrten mit den Christen der Stadt nur geschäftlich, kamen aber gesellschaftlich gar nicht mit ihnen in Berührung. Zu den bekanntesten Rabbinern dieser kleinen Neuyorker jüdischen Gemeinde im 18. Jahrhundert gehören: 1. Joseph Jeschurun Pinto, der im Jahre 1759 zum Rabbiner gewählt worden war. Er war der Abkömmling einer hochgeachteten portugiesischen Familie, war aber schon in Neuyork geboren und erzogen. 2. Gerson Mandez Selxas, welcher fast fünfzig Jahre sein Amt als Rabbiner versah, in der Zeit, als später die Vereinigten Staaten um ihre Unabhängigkeit kämpften. Er war in Ame- KAUFT FISCHE bei PFITZNER <& HATZL II. Yolkertplatz, Fischhajle (Tel. R 40-2-38) VI. Pilgrambrücke, Fischhalle (Tel. B 24-4-23 X. Bei Lichtcnstoinstraße 112, Fischhalle (Tel. A 11-2-59) X. Colnmbusplatz, Fischhalle (Tel. U 47-1-30) Den ganzen Tag in feinstem Olivenöl gebackene heiße Fische eaooopoooooeeoeaaooeooooeoooaoaeooeoee rika 1744 geboren und starb dortselbst 1816. Als der Kampf mit den Engländern ausgebrochen war, zerfiel auch die jüdische Gemeinde in zwei Parteien für und gegen England. Seixas stand auf der Seite der Empörer und veranlaßte deswegen die Schließung des Gotteshauses, welches auch bis zur glücklichen Beendigung des Krieges nicht wieder geöffnet wurde. Ein Häufchen von nicht ganz dreißig Seelen hatten im Jahre 1653 diese kleine Gemeinde begründet, welche jetzt in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts bereits über 2 Millionen Köpfe zählt. Und es ist nicht übertrieben, wenn man meint, daß jene Wenigen die eigentlichen Chaluzim für das heutige amerikanische Judentum geworden sind. des Führers der deutschen Radikalen mit der Haltung seiner Wiener Freunde, für die schon eine rote, mit hebräischen Inschriften versehene Fahne der Poale Zion ein zionistisches Verbrechen ist?! Staatliche Beihilfe für den jüdischen Kultus In Jugoslawien 1,181.220 Dinar, in Oesterreich — 800 S Belgrad. Das neue Budget des jugoslawischen Königreiches enthält die folgenden Posten für Zwecke der jüdischen Konfession: für das Großrabbinat und 13 Rabbiner 221.100 Dinar, Teuerungszulagen für jüdische Seelsorger, deren Witwen und Waisen 810.120 Dinar, Subvention der jüdischen Theologischen Anstalt 100.000 Dinar. Die Beträge werden dem jüdischen Gemeindebund zur Verfügung gestellt. Der Gesamtbetrag der staatlichen Beihilfe im Zeiträume 1. Mai 1929 bis 30. April 1930 für die jüdische Konfession ist 1,131.220 Dinar. Alleinstehende Frauen sollen nicht nach Montevideo auswandem Laut aus Montevideo und Buenos Aires bei der Pariser Direktion der Hias-Ica-Bmigdirect eingelaufenen Informationen, sind die ArbeitsmÖglichikeiten für alleinstehende, nach Montevideo eingewanderte Frauen äußerst eingeschränkt. Es wird gemeldet, daß viele junge Mädchen, die allein angekommen sind, keine Anstellung finden kannten. Die Hias-Ica-Bmigdirect rät daher alleinreisenden Frauen und Mädchen entschieden ab, gegenwärtig nach Uruguay auszuwandern. Dr. Leopold Thaler Nach schwerem, kurzen Leiden ist in Warschau im 28. Lebensjahre Dr. Leopold Thaler gestorben. Der Verstorbene gehörte von frühester Jugend an zu den zionistischen Kämpfern. Schon ab Mittelschüler war er einer der Führer der Schomer-Bewegung. Nach Erlangung der Reifeprüfung ging er nach Palästina, um dort als Chailuz zu* leben; eine schwere Erkrankung zwang ihn nach zweijährigem Aufenthalte nach Wien zurüokzukehren. Längere Zeit gehörte er der Redaktion der «Wiener Morgen-zeitung» an. Später ging er nach Warschau, wo er die Leitung der hebräischen Schulen bei der Zentrale des jüdischen Nationalfonds übernahm. An dieser Stelle bewährte sich Dr. Leopold Thaler vor- , zügltch. In Ausübung seines Berufes, anläßlich einer Inspektionsreise fiel er als Opfer einer tückischen Krankheit. Um den einzigen Sohn und Bruder trauern seine gramgebeugten Eltern und seine Schwester und mit ihnen die große Zahl seiner zionistischen Freunde in aller Welt. Ussischkin in Deutschland M. M. Ussischkin, der leitende Direktor des Jüdischen Nationalfonds, kt aus Jerusalem in Kissingen zum Kurgebrauch eingetroffen. Die «Jüdische Rundschau» widmet dem zionistischen Führer eine Begrüßung ud schreibt: «Seit dem letzten Besuch Ussischkins in Deutschland ist ein Jahr voll besonders schwerer Arbeit, aber auch besonderer Erfolge des Nationalfonds vergangen, die ihren Ausdruck in der Erwerbung der Böden an der Haifa Bay und in Schomron gefunden haben. Wir freuen uns, den zionistischen Führer wieder in Deutschland zu begrüßen und wünschen ihm, daß er von seinem Urlaub gekräftigt und erfrisoht an die neuen Arbeiten herangeht, die seiner warten.» Prof. Dubnow, der „Weißgardist“ Die «Jüdische Historisch-Ethnographische Gesellschaft» in Leningrad, deren Mitbegründer der gegenwärtig in Berlin lebende hervorragende jüdische Historiker Professor Simon Dubnow ist, hat mit der Herausgabe des wissenschaftlichen Gesamtwerkes von Professor Dubnow begonnen. Das Moskauer Journal «Tribuna» bringt aus diesem Anlaß einen Aufsatz des kommunistischen jüdischen Historikers S. Nepoanjaschtschl, der über Dubnows System den Stab bricht und meint, die jungen Sowjet-Historiker sollten Dubnow lasen, um zu lernen, wie man Geschichte nicht schreiben soll. Zum Schluß versteigt er sich dazu, Dubnoiw einen* «Weißgardisten» zu nennen. Die Juden im südafrikanischen Parlament Kapstadt. Bei den jüngst durchgeführten Wahlen für das südafrikanische Parlament wurden von den bisherigen sieben jüdischen Parlamentsmitgliedern fünf wiedergewählt, nämlich Sir Ernest Oppenheimer, Eli Buirski, Emile Nathan und Charles P. Robinson, die auf der Liste der Südafrikanischen Partei kandidierten, sowie M. Kentridgo, der Mitglied der Arbeiterpartei ist. Morris Alexander, der seit 21 Jahren dem Parlament als unabhängiger konstitutioneller Demokrat angehörte, wurde nicht wiedergewählt. Der über 70 Jahre alte Sir David Harris, der durch, mehrere Perioden dem Parlament angehört hatte, hat diesmal auf eine Wiederwahl verzichtet. Die Frage der gesetzgebenden Körperschaft in Palästina Aus Jerusalem wird gemeldet: Die in Jaffa erscheinende, sonst .gut informierte Zeitung «El Akdam» teilt mit, die Regierung habe beschlossen, in Palästina eine gesetzgebende Körperschaft, ähnlich den in Irak und Tranjordanien zu schaffen. Diese soll aus 40 Deputierten bestehen*, von* denen zehn durch die Regierung ernannt und dreißig duroh Wahlmänner, die aus Urwahlen hervorgehen, gewählt werden sollen. Die Zeitung behauptet weiter, daß die Regierung sich auch schon mit der Vorbereitung eines Wahlgesetzes für den Legislative Council befaßt. Wie der Jüdischen Telegraphen-Agentur von autoritativer Seite mitgeteilt wird, wurde bisher weder in London noch in Jerusalem Irgendein Beschluß hinsichtlich der Errichtung eines Legislative Council gefaßt. Prämie für einen jüdischen Erfinder in Erez Israel Der jüdische Eisenbahningenicur Muschli, der vor längerer Zeit eine bedeutsame technische Erfindung zur Erzielung von Kohlenersparung im Eisenbahnverkehr gemacht hat, hat vom Colonial Office eine Prämie von 350 Pfund als Anerkennung erhalten. Vom Chajes-Realgymnasium 1. Die am 21. Juni 1. J. unter dem Vorsitz des Herrn Direktor Dr. Alfred Koppitz stattgehabte Reifeprüfung hatte folgendes Ergebnis: Von 22 Kandidaten erhielten die nachstehenden zehn ein Zeugnis der Reife mit Auszeichnung: Beller Johanna, Bioch Mania, Gerstler Julia, Marguiies Heinrich, Modlinger Alexander, Ohrenstein Sara, Petyan Theodor, Schärf Menasche, Schallinger Alfred, Seitmann* Gedalje. Die übrigen zwölf erhielten ein Zeugnis der Reife. , 2. Der Bundesminister für Unterricht hat mit dein Erlasse vom 8. Juni* 1929, Zahl 19.817—11/7, der i ’ien bis vierten Klasse der Anstalt für die D:'"; >' huijahres 1928/29 bis einschließlich iiC 1 '32 .. iichkeitsrecht verliehen.

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