Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 2 (1929)
- Issue
- Heft 77 (20.6.1929)
- Date
- 1929-06-20
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/3053752-3053805-3053829--1092-3056417- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 77 DIE STIMME Seite? Wahlaufruf der „Liste der Allgemeinen Zionisten“ Der Kongreß der Entscheidung naht.; Der Entscheidung darüber, ab wir Zionisten mit jenen Juden eine Einheitsfront bilden wollen, die von der geschichtlichen Notwendigkeit durchdrungen sind, mit uns zusammen für unser Volk sein nationales Heim in Erez Israel zu errichten. Die zu schaffende Jewish Agency bedeutet einen Triumph für unsere zionistische Sache, da jene Elemente für den Aufbau gewonnen wurden, um deren Gewinnung unser Führer, Theodor Herzl, vergebens sich bemüht hat. Die Schaffung der Jewish Agency bedeutet aber keinesfalls eine Schwächung der Zionistischen Organisation; umgekehrt, sie bedeutet ihre Stärkung. Sie wird jetzt erst recht berufen und befähigt sein, ihre essentiellste Aufgabe, die Erziehung und Organisierung unseres Volkes in der Diaspora der hebräischen Kultur, der Jugend, die Verbreitung und Vertiefung mit vollster Energie in die Hand zu nehmen. Es ist daher die Aufgabe aller ehrlich denkenden Frömmsten, die Schlagkraft unserer Organsatjon zu erhöhen, die Reihen zu schließen und sich in tiefer Dankbarkeit und Treue hinter unseren Führer, Prof. Dr. Chaim Weidmann zu stellen, der es fertig gebracht hat, den Aufbau von Volk und Land zur zentralen Aufgabe der heutigen Judenheit zu machen. Wer die jüdische Einheitsfront für den Aufbau von Erez Israel, die Einheit und die Stärke der Zionistischen Organisation, die Erfüllung unserer Bewegung mit dem Geiste der hebräischen Kultur die großen Führer unserer Bewegung, erhalten wll — der stimme am Wahltage für die Liste der Allgemeinen Zionisten: ' 1. Dr. Desider Friedmann; 2. Ludwig Bato; 3. Karl Schwarz (Graz); 4. Bruno Rabinowicz; 5. ' Isidor Löwensohn; 6. Dr. Gustav Morgenstern (Linz). Der Gang zum Grabe Herzls Aufatellungsplan G r'iu p p e I. Mitglieder des Aktionskomitees, Landeskomitees, auswärtige, Delegierte, Parteiratsmitglieder, Keren Hajessod, Keren Kajemeth, Vorstände, der Fraktionen, Föderationen und Sonderverbände — Hochschule, für Bodenkultur (Rampe, Richtung zur Peter-Jordan-Straße. Gruppe II. Zionistisch-akademische Verbindungen und Vereine, Oesterreichs — anschließend an Gruppe I (Hodbsicihiule für Boden kiulHiur, Rampe). Gruppe III. Frauemorganisationen — Feistmanteflistraße von Hochisclnulstraße an. G r *u p p e IV. Beziirkosekt'ioinen I—IX — Peter- Jordan-Straße von BaChsehiuü'straße an (Hochschule für Bodenkultur). Gruppe V. Bezirksseiktlonen X—XIX — LirimGplate von HoChüchufstraße an. Gruppe VI. Bezirksse'ktionen XX, Zwisdienbriicken, XXI, — Dittesgasse Ecke Felix-Mottl-Straße. Gruppe VII. Fraktionen und Somderverbähde ln alphabetischer Reihenfolge (Verband der demokratischen Zionisten, Hiitachdutlh, Misrachi, Poaie Zion, Verband der Zionisten-Revisionisten, Turn- und Sportverband) — Bfaasstraße, Richtung Felix-Mottl-Straße, Gruppe VIII. Jugenidgnuppem, die am Aufmarsch von der Frauz-Josefs-Bahn nicht teiimebmen Weimarerstraße von Felix-Mottl-Straße. Der Aufmarsch erfolgt m der angegebenen Reihentioflge. Die Jugendigruppen formieren sich um %S OJir Mb bei der Franz-Josefs-Bahn (Niondbergstraße). und mar schierem über Alsenbachstraße, Naußdorferstraße, BIMrothistraße, Felix-Mottl-Straße, zum gemeinsamen Treffpunkt. Die Jiugen.dignupp,e'n formieren sich in folgender Reihenfolge: a) die dem Zionistischen Landesiloomitee und der MisraChi angfehtörigen Gruppen; b) die dem «Lin'losfkartdll» amigehiörenden Gruppen; c) andere jüdische Gruppen. Der Aufmarsch beginnt um %\0 Uhr. Die Auflösung erfolgt erst bei der RückitouniBt bei der Hochschufle für Bodenkultur und ist der Rückmarsch* unbedingt dlurdhizuiSUhireni. Dlie Ordner des Zuges sind durch* blau-weiße Armbin dien gekennzeichnet und wird ersucht, ihren Amordmunigen unbedingt Folge ziu leisten. Fliegende Sanitätsambulanz im Linh^-Park. Arzt: Dr, Samuel Liebsthardt. Ungarische Zionisten wallfahren zum Grabe Herzls B uda p e *s t. Der Exekutiv ausschuß der ungar-» ländischen Zionisten hat beschlossen, zur Feier des 25. Todestages Theodor Herzls, des in Budapest gebotenen Schöpfers der modernen zionistischen Bewegung am 28. Juli im ganzen Lande Gedenkfeiern zu veranstalten und Ende Juli zum Grabe Theodor Herzls nach Wien zu wallfahren. Es wurden Vorkehrungen zur Durchführung einer Massenwallfahrt getroffen, (JTA.) Grand-Hotel Bellevue Vöslau mmwmiifimnmnmHiRiiamHinBmmftuaHtmmiiHiniiimmiiituirwiiiiiiinmtwiiuiiiuwmmnmHniiiiiiiiiiiiiiiiiHttHnnHniiimiummnHiHiimuHmiimi Angenehmster Sommftraufenthalt ln dnr nüchsten nahe Wiens Irstkiasslfles Etablissement I Bürgerlich« Preise I Auskunft i Caf« PrUck«l, R 23 5-50, 93-5-51 Das „Bataillon des Todes“ wütet in Posen «Glückwünsche» für Lemberg — Zertrümmerte Synagogenfenster — Plünderung jüdischer Geschäfte — Die Heldentaten der künftigen polnischen «Führerschaft» Zu unserem in der letzten Nummer der «Stimme» veröffentlichten Bericht über die antisemitischen Exzesse in Posen werden uns noch die nachstehenden Einzelheiten mitgeteilt: Nach den antisemitischen Studentenexzessen in Lemberg hat Posen an die dortigen judenfeindlichen Vereinigungen «Glückwünsche» geschickt. Vorige Woche war nun auch in Posen eine große Massenkundgebung gegen die Juden, die sich gewissermaßen amtlicher Unterstützung erfreute, denn der Senat der Universität hatte zu diesem Zweck das Collegium Medicum freigegeben. Die Stadt war den ganzen Nachmittag sehr unruhig und die Polizei war in höchster Alarmbereitschaft. Nachmittags um 5 Uhr strömten große Massen Jugendlicher nach dem Saale des Collegium Medicum, wo hetzerische Ansprachen gehalten wurden. Dann bildete sich ein Kundgeberzug, der sich zunächst nach dem Alten Markt bewegte, um im Momotord - Ifectro ^cftallplaHen und Jlppoiafe Generalvertretung bei Wiener PlttinlX-VCPlOg U 26-4-66 Wien, I., Strauchgasse 1 U 26*4-66 Neueste fcAlagevsepie .* 4—3089 chiquita Giad Rag Doll (Jazz) 4-3045 Fräulein Pardon Wenn du einmal dein Herz verschenkst (l. Bernauer) 4- 3097 Jerusalem (Tango) Kaddisch, (Slow-Fox) (a. Pascin) 4-8090 Wings What a wonderful Wedding that will be (Jazz) 4—2774 Du mußt alles vergessen Parfüm d’amour (H. H. Bollmann) U—-66 Wahre Liebe1 glbt*s nur in KrotOschin Berufswahl (Berta Türk) Kammersänger H. H. Nissen, (H. H. Bollmann) exclusiv für Homocord Electro Judenviertel zu demonstrieren. Dann zogen die Kundgeber in die Schloßstraße und beschädigten dort die Englische Bar, da angeblich ein Jude ihr Besitzer sei. In der Poststraße vor dem Kaffeehaus Hirschlik vollbrachten die Burschen ähnliche Heldentaten. Inzwischen war jedoch Polizei erschienen, die die Straßen säuberte. Der Zug bewegte sich dann weiter in die Juden- und Schuhmacherstraße, um auch dort Scheiben einzusclilagen. An der Synagoge der Brüdergemeinde wurden die großen und besonders kostbaren Glasfenster vollkommen zertrümmert. Auch an der sogenannten Großen Synagoge wurden einige Fenster eingeworfen. An dem Gemeindehaus wurden über 200 Scheiben eingeschlagen. Die Menge plünderte dann mehrere jüdische Geschäfte aus und begab sich darauf abermals zur Englischen Bar und schlug alles, was nach dem ersten Ueberfall noch ganz geblieben war, in Trümmer. Am Sonntag fuhr ein mit uniformierten «Aufständischen» besetzter Militärlastwagen, der groß die Aufschrift «Baon smierci» (Bataillon de§ Todes) trug, dauernd an den Trümmerstätten vorbei und seine Insassen machten sich das «Vergnügen», leergetrunkene Schnapsflaschen und Steine durch die bereits zertümmerten Fenster in die Stätten der Schandtaten zu werfen. Zwei polnische Bürger, die den Studenten entgegenzutreten versuchten, wurden zu Boden geschlagen, ein etwa zwölf Jahre alter jüdischer Junge aus dem Waisenhaus wurde schwer mißhandelt. In der Landesausstellung, wo in der Gruppe Textilindustrie hauptsächlich Deutsche und Juden ausstellen, kam es zu kleineren Zusammenrottungen. Die maßgebenden Kreise der Stadt sind von diesen üblen Zwischenfällen sehr peinlich berührt, die polnische Presse aber, die an den Ausschreitungen die Hauptschuld trägt, hetzt weiter und stellt die schweren Ausschreitungen der künftigen polnischen «Führerschaft», wie sich die Herren Studenten zu nennen lieben, als harmlos hin. Beleidigung eines Leichenzuges in Oswiecim In unserer Redaktion erschien ein jüdischer Kaufmann, welcher soeben von eiffier Geschäftsreise aus Polen zurüelkikeihrte und teilte ums nachstehendes mit: Montag, den 17. d. M„ 9 Uhr vormittags, ging ein katfhofli'S'cher Lelchemziuig am dem jüdischem Hause «Hotel Herz» im Oswiecilm vorüber. Im ersten Stock dieses Hauses fand gerade die Assentierung der neuen Rekruten statt. Vom Fenster des Auskileideraumes, in welchem die Rekruten versammelt waren, wurden die Geistlichen, die den Leidbenziug führten, angespuckt und verhöhnt. Einer der Geistlichen eilte im den ersten Stock hinauf und suchte nach den Uebeltäterm. Inzwischen werde der Leicherazu'g aufgehalten und ln den Gassen der Stadt verbreitete sich das Gerücht, daß Juden die katholischen Geistlichen Verhöhnt hätten. Erst nach langer Untersuchung gelang es, die Täter, zwei christliche Rekruten, festizusteitlem*. Sie wurden von der Polizei verhaftet. Ein russischer Gelehrter kommt zum Studium nach Palästina Der intematioina'le Kongreß der Bodeufo racher, der in Danzig zusamumentrat, beschloß auif seiner Tagung, das Mitglied der russischen Akademie im Leningrad, Prof. Dr. Prossalow, nach Palästina zu entsenden, um die Bedingungen der dortigem Landwirtschaft zu erforschen. Wahlen in den zionistischen Parteirat •Mit Rücksicht auf dei Vorbereitung der Komgreßwahilem wurden die Wahlen in den Zionistischen Parteirat für alle Gruppen, im denen Wahlen stattaufinden haben, für Donnerstag, den 27. Jidni, verschoben. Eine weitere Einreichung von Wahl Vorschlägen ist nicht mehr zulässig und behalten die eingere'cMcn Wnh&vorschläige ihre Gültigkeit. Spende der tschechoslowakischen Regierung an die jüdischen Siedlungen Das tschechosOowakisehe Außenministerium hat der Keren Hajesöod-Siedkung Ghefcibah im Emek Jesreel (Befch Alpha) eine Kollektion von 30 Musikplatten klassischer tschechoslawakischer Musik gespendet unter der Bedingung, daß die Platten auch* an andere Siedlungen ausgeliehen werden. Die tsdiechosjiawakisethe Regierung hat ferner eine große Sendung beiletristischer tschechoslowakischer Literatur (iiin Uebersetzungen) der hebräiseihen Universitätsbibliothek in Jerusalem übersandt. Die Kongreßwahlen in Amerika 75 % U«Sr Stämmen für die offizielle Adminstrafclon Aus.New York wird geschrieben: Im diesen Tagen wurden in allen Teilen der Vereinigten Staaten die Wahlen van Delegierten zuim 16. Zionistenkon.greß vcfeogeni Das charakteristische an diesen Wahlen Ist, daß zum erstenmal die amerikanischen Kongreßdelegiierten nicht von der Administration ernannt werden, sondern aus direkten Wahlen der Schekelzahler hervorgehen. Sowohl seitens der offiziellen Administration, als ainch seitens des Misrachi, der Poaie Zion, der Revisionisten unid der oppositionellen Mack-Gruppe wurde vor den Urnen eine sehr rührige Propaganda entfaltet. Die Zahl der abgegebenen Stimmen läßt sich noch nicht feststelSen, es waren jedenfalls mehrere tausend Stimmen in New York und etwa 20.000 bis 30.000 Stimmen in den gesamten Vereinigten Staaten. Das endgültige Ergebnis wird erst in einigen Tagen bekan*n<tgegeben werden können. Nach den teilweisen Resultaten, dlie auis einzelnen Wahllokalen vorliegen, schätzt man«, daß et/wa 75 Prozent aller Stimmen, der Liste der offiziellen Administration zufieilen, während die Misradhi-Liste 15 Prozent der Stimmen auf sich vereini’gte. Eime größere Zahl von Stimmern kannten auch die Poaie Zion für ihre Liste sichern, di gegen sollen die Listen der Revisionisten Und der Opp 'Uion keine irgendwie beträchtliche Stiimimenizahil m sich vereinigt haben. Auffindung eines Friedhofes Aut dem sogenannten Burg wall in Znaim wurden vor einiger Zeit beim Bau eines Hauses einige altjüdische Grabsteine entdeckt, die es wahrscheinlich erscheinen lassen, daß man es mit der mittelalterlichen Begräbnisstätte der jüdischen Einwohner zu tun hat. Der Znalmer Oberrabbiner Dr. Kahan entzil:'::;e den hebräischen Text der Grabsteine. Die Inschriften stammen aus dem 14. Jahrhundert. Ein Grabstein soll ins Museum kommen, einer an der Fundstelle aufgestellt, der Rest der Kultusgemeinde überlassen jyeidenJ