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Die Stimme · 1929-06-20 · Heft 77 (20.6.1929) · page 6

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Journal
Die Stimme
Volume
2 (1929)
Issue
Heft 77 (20.6.1929)
Date
1929-06-20
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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V OIE STIMME Kr. 77 XYi. dä*HinS™»e,,'“0< mit Keren Kafemerfli-Teleiircimanen? Telegramme erhaitfllcli ium Preise von S fl.- Im Büro des Keren Kajemeih, Wien, l« Hwnlnewirafle H® Tel. R JW-4 86 Am Rande ... Von Mogro Die arme «Dötz» Die «Dötz», Initialen einer publizistischen Namenlosigkeit, die als «Deutsch-Oesterreichische Tageszeitung», abgekürzt und total verschnitten, die üeffentlichkeit behelligt, in deren Dunkel sie ihr Dasein fristet, dieses krüppelhafte, hakenkreuzlerische Presseunwesen, das es seit Jahren treibt, und in dessen vom Judenhaß verkrampften Adern die Blut- Jüge fließt, die ihm den ewigen Vorwand gibt, mit christlich-germanischer Treue und Talentlosigkeit den Kampf gegen den Verräter Judas zu führen — sie hat sich nunmehr entschlossen, nach seinen Silberlingen zu greifen, um mit ihnen diesen heiligen Krieg zu finanzieren. Daß es da nicht ohne Gewissenskonflikt abging, versteht sich von selbst. Es wohnen wohl, ach, zwei Seelen in ihrer Brust — und während also diese Duo-«Dötz» mit der einen das Geld der Juden suchte, um sie zu bekämpfen, hoffte sie in der anderen, daß man ihr nicht draufkommen wird. Aber man kam ihr leider drauf. Aus den Enthüllungen der «Arbeiter-Zeitung» erfährt man, daß die «Dötz» den jüdischen Bankiers und Großindustriellen eine Transaktion vorschlug, nach der diese das Judengeld für die Propagierung des Judenpogroms durch die Hakenkreuzpresse hergeben durften. Diese Transaktion wäre beinahe schon zustande gekommen, wenn nicht der Herr «Baron» Bachofen- Echt, ein Heimwehrgeneral, Einspruch dagegen erhoben hätte. Er vertrat nämlich den nicht ganz unbegründeten Standpunkt, daß man es erstens den «Herren Juden» nicht zumuten kann, sich für ihr Geld mit den journalistischen Stinkbomben der «Dötz» zufrieden zu geben, während sie doch um dieselbe Summe gleich echte Bomben, Granaten und Giftgase haben konnten, mit denen der «innere Feind» wohl gründlicher behandelt werden kann — und daß man zweitens auch auf die «Reinheit» der «Dötz» bedacht sein muß, die vor einer Berührung mit dem schmutzigen Judengeld unter allen Umständen behütet werden muß. So blieb denn die arme «Dötz» bei ihrer lästigen «Reinheit», zu der sie die sittenstrengen Heimwehrgenerale verurteilt haben. Dank vom Hause Steidle ... «Was soll mit den zehn Geboten geschehen?» Das journalistische Interviewdentum, das sich in der Presse der ganzen Welt breit macht — in der arischen ebenso wie in der sogenannten Judenpresse, nur noch etwas blöder — hatte wohl noch nie eine so glänzende Ausfragekonjunktur wie in der jüngsten Zeit, da es bekanntlich keine Geheimnisse mehr in der Welt gibt, da man alles «eh schon weiß» und daher alles fragen kann. «Wann hatten Sie Ihr erstes Liebeserlebnis?» «Gibt es ein Leben nach dem Tode?» «Wohin fahren Sie im Sommer?» und nicht zuletzt: «Was hält Ihre Tante von Einstein?» — das sind Fragen, über die im Zeitalter der Bildungsdemokratie der Dozent und die Operettenfrau bereitwillig Auskünfte geben müssen, die dann — analphabetisch geordnet — dem lieben Leser zur Belehrung dienen. Vor kurzem hat nun die Berliner «Literarische Welt», in der man sich sonst langweilt, zur Unterhaltung ihrer Leser die Frage aufgeworfen: «Was soll mit den zehn Geboten geschehen?» — und prompt fanden sich mehrere Klugschwätzer, philosophische Weisheitsbärte und Graphomänner der Literatur, die da mit allerhand «Meinungen» aufwarteten, Reflexionen zum besten gaben, Stimmungen aus sich herauspreßten, um nur ja keine Antwort schuldig zu bleiben auf die «Fragen der Zeit» und der Zeitung, deren Ehrfurchtslosigkeit auch vor den Werten der Ewigkeit nicht Halt macht. «Was soll mit den zehn Geboten geschehen?» Nun, man soll sie möglichst vor einer Berührung mit dem Berliner Literaturbetrieb behüten. Dies vor allem! Man beschwätze sie nicht und versuche nicht, sie «mit der Zeit in Einklang» zu bringen. Denn sie sind von der Zeitlosigkeit und ihr Reich ist wohl nicht von dieser «Literarischen Welt» . . . Die Königin-Mutter.,. In einer Unterredung, die die Weltschönheitskönigin, Miß Goldarbeiter, — «kein Puder, keine Schminke, sondern nur echte Reize» — einem New Yorker jiddischen Reporter gewährte, kam naturgemäß auch der Judenpunkt zur Sprache. Fräulein W, jugendlich-unpraktisch und noch unkundig der Weit, deren Königin sie geworden, glaubte ohne- Geheimnis ihrer jüdischen Abkunft preisgeben zu können, zumal sie den Preis bereits genommen hat und nichts mehr zu befürchten war. Diesen jugendlichen Unbekümmertheiten beeilte sich nun die Königin-Mutter, die Vorsicht der Managerin entgegenzusetzen, indem sie auf den Umstand hinwies, daß sie selbst Christin und Lisi daher bloß väterlicherseits jüdisch sei... Und was ist es nun mit der Schönheit? Rührt sie vom Vater oder von der Mutter her? Ist sie christlich, ist sie jüdisch? — man weiß es nicht. Man weiß nur das eine, daß die überraschende Geschäftstüchtigkeit der Königin- Mutter zumindest einen Zweifel an ihre «Judenreinheit» zuläßt. Doch wir wollen Heber nicht weiter forschen und werden ihr gewiß nicht die Galanterie vorenthalten, an die sie sich in dem Geschäft des jüdischen Prinzgemahls durch all die Jahre gewöhnt hat... Die Beschlüsse der „Eth Liwnoth“-Konferenz in Warschau Aus Warschau wird uns geschrieben: Die Kaniferenz der Mehrheitspartei iim Polnischen Zionismus «Eth Liwnoth» hat u. a. die folgenden Beschlüsse gefaßt: 1. In Anbetracht dessen, daß der XVI. Zionistemkongreß düe Epoche der Verhandlungen um die erweiterte Jewish Agency abschließt und eine Epoche der Zur* «MfänAeUk - x£8cl&oi%+ v*,„ Pqof. Semqu/m tfahtimMd, Rezept u. U/eü»unjen 0* ~ TcWveUiitvowfiA. u. ’ eP°Qi1^ Verlagsexpedition: M. Fritz Sußmann, Wien, J„ G™ T*J. U2+4fl Salztorgasse 7 Tel U 24 4-43 s-amunenarbeit aller Schichten des jüdischen Vollkes im Auilibau Palästinas einleitet, muß der XVI. Zionistenkongreß voll und garaz der Ausdruck des aufrichtigen Willens der zionistischen Bewegung werden, alle produktiven jüdischen Kräfte um das Aufbauwerk in Palästina zu sammeln; der Kongreß muß sich darum aus aufrichtigen und erprobten Ägency-Anhängem zusammensetzen. «Eth Liwinofch» wird alle seine Kräfte darauf richten, eine möglichst große Zahl von Delegierten zum Kongreß zu entsenden. Die Wahl von Vertretern des polnischen Judentums im Council der Agency wird noch vor dem Kongreß stattfinden. 2. Die Konferenz «teilt mit Zufriedenheit fest, daß die vom vorigen Am Sonntag, den 23. Juni 1929 um halb 4 Uhr nachmittag, findet die. Trauung des Fräulein BELLA RAPPAPORT, Toohter unseres Gesinnungsgenossen, Herrn Bezirksrat NORBERT RAPPAPORT, mit Herrn WILLY STRASSMANN Im Tempel Wien I. Bez., Seltenstettengasse, statt. Kongreß gewählte Exekutive, die zionistische Wirtschaft saniert und ein Beispiel gesunder planmäßiger Verwaltung gegeben ihat, 3. Die Konferenz gibt ihrer tiefsten Ueberzeugung Ausdruck, daß die verbesserte Lage in Palästina eine neue Alijah auf breiter Basis ermöglichen wird; die «E4h Liwn'oth»-DeIegierten werden auf dem Kongreß für die Gleichberechtigung städtischer und ländlicher r Kolonisationsarbeit eimtreten. 4, Die Konferenz fordert die Unifizierung aller zionMischen Organisationen Polens. Pie «Eth Liwnotih»-<Delegierten -werden auf dem Kongreß eine Zusammenarbeit der allgemeinen Zionfeiten , afler Landsmannschaften herbei Hihren helfen. Die Zahl der Juden in Palästina Laut einer Mitteilung der «Times» setzte sich am 31. März d. J. die Bevölkerung Palästinas aus 557.649 Moslemiten, 149,554 Juden, 78.463 Christen und 8850 Personen anderer religiöser Gemeinschaften zusammen. Am 1. Juli 1927 gab das Gesundheitsdepartement der Palästina-Regierung die Zahl der jüdischen Landesbevölkerung mit 147.687 an. Zur Zeit der palästinensischen Volkszählung von 1922 lebten 83.800 Juden in Palästina. Ramsay Mac Donald: Die Gefahren des Minderheitenproblems Wir veröffentlichen nachstehend einen Auszug aus Mac Donalds viel umstrittenen Artikel über das europäische Minoritätenproblem. Gerade die Tatsache, daß das Regierungssystem der Diktatur neuerdings in Europa so häufig anzutreffen ist, sollte eine Warnung für Europa sein, die Angelegenheiten der Minderheiten im Geiste gegenseitiger Achtung zu behandeln. Nur dann können ernste Schwierigkeiten vermieden werden. Als der Wortlaut der Friedens Verträge in Paris veröffentlicht wurde, konnte man bei einiger Kenntnis der Geschichte Europas und einigem Verständnis für das Gefahrenmoment eines übersteigerten Nationalismus nur den Kopf schütteln über die Brutalität der Sieger und die von fhnen geübte leichtsinnige Behandlung des Minderheitenproblems. Wie man in den Verträgen mit den Minderheiten umgesprungen ist, geht klar aus den folgenden Ziffern hervor, bei denen die Juden nicht als Rassenfremde bezeichnet werden. Die 27-Millionen-BevöIkerung Polens schloß zur Zeit der Ratifikation der Verträge sechs Mililonen fremder Rasse in sich; die Tschechoslowakei hatte bei einer Bevölkerung von 13 Millionen 3,250.000 deutsche und 745.000 ungarische Bewohner; unter den sieben Millionen ungarischen Staatsbürgern waren über 500.000 Deutsche und nahezu eine Viertelmillion Angehörige anderer Völker; Rumänien war noch schlechter daran, denn halb Transsylvanien war fremdrassig, die Bukowina war deutsch, Bessarabien russisch und ruthenisch, in der Dobrudscha lebte ein Völkergemisch von Bulgaren, Russen, Deutschen und Türken. Kein noch so genialer Politiker könnte den europäischen Staaten Grenzen geben, die genau den Unterschieden in Stamm und Rasse folgen. Die Völker haben sich zu sehr vermischt, es sind einzelne Rasseninseln entstanden, die als selbständige Staaten nicht bestehen können und auch nicht ihrem Muttervolk angeschlossen werden können. Im Interesse des Friedens haben wir uns also ernsthaft zu überlegen, welche Rechte den Minderheiten gegenüber dem Staat und umgekehrt dem Staat gegenüber den Minderheiten gewährt werden müssen. Zumindest müssen wir zu erreichen suchen, daß sich die Minderheitenbevölkerung in dem Staat, dem sie politisch angehört, einheimisch fühlt und deshalb am Staatsleben mitarbeiten kann. Es ist ein großes Unglück, daß die Kontrolle des Völkerbundes über das Verhalten der Staaten zu ihren Minderheiten praktisch so unwirksam ist. Dem müßte sofort durch die Einsetzung einer Völkerbundsaufsicht abgeholfen werden. Die technischen Schwierigkeiten für das Einbringen einer Petition müssen weggeräumt werden; ferner müßten die Verteidigungsgründe der angeklagten Staaten veröffentlicht werden. Endlich könnte ein permanenter Minderheitenausschuß — ähnlich der Mandatskommission — schnell geschaffen werden und müßte unter Ausschluß jeder Geheimdiplomatie arbeiten. Doktor Stresemann kündigte nach seinem von anderer Seite provozierten Protestausbruch im Dezember in Lugano an, daß er die ganze Frage des Schutzes der Minderheiten bei der nächsten Vollversammlung des Völkerbundes aufrollen würde. Jeder, der sich für die Sicherung des Friedens in Europa einsetzt, wird ihm von Herzen guten Erfolg wünschen. Jüdischer Boykott des Jerusalemer Elektrizitätswerkes Jerusalem. Alle jüdischen Kaufleute in der Jaffastraße, der Hauptgeschäftsstraße von Jerusalem, haben einer Vereinbarung unterzeichnet, in welcher sie sich verpflichten, elektrisches Licht und Kraft von der Jerusalemer Electric Corporation, einer Filiale der Londoner Firma Messrs. Balfour, Beatty and Company so lange nicht zu beziehen, als nicht die Firma Juden in entsprechender Zahl beschäftigt. Begünstigungen für Teilnehmer am Zlonlstenkongreß. Für alle Teilnehmer am diesjährigen Zionistenkongreß wird die «Sittmar» (Societä Italiana di servici marittimi) sowohl für einfache Fahrten wie auch für Tour-Retour-Reisen eine 25prozentige Ermäßigung der Ueberfahrtspreise (bei Berechnung der vollen Verpflegsgeblihren) gewähren. Nähere Auskünfte erteilt die ueneralagentur der «Sittmar», Wien, l, Kärntnerring 18. Ecke Schwarzenbergplatz.

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