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Die Stimme · 1929-06-13 · Heft 76 (13.6.1929) · page 10

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Journal
Die Stimme
Volume
2 (1929)
Issue
Heft 76 (13.6.1929)
Date
1929-06-13
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
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Sette 10 OIE STIMME Mr. 7« Herbert Samuel und James de Rothschild im neuen britischen Parlament London, 2. Juni (J. T. A.) Im neugewählten englischen Parlament werden 14 Juden sitzen: Von der Liberaten Partei Sir Herbert Samuel, James de Rothschild und Major H. L. Nathan, die neu-gewählt Wurden, sowie die fürheren liberalen Unterhausmitglieder Major Hore- Belisha und Percy H. Harris. Der frühere liberale jüdische Abgeordnete E. A. Strauß ist in der Minderheit geblieben. Ferner wurden alle bisherigen jüdischen Konservativen gewählt, und zwar Sir Philip Sassoon, M. A. Samuel, Major Isidore Safmön, Major J. Brunei-Cohen, Sir Walter de Frece und Samuel Samuel mit Ausnahme von Samuel Finburgh, der nicht wieder kandidiert hat. Zu den beiden bisherigen jüdischen Mitgliedern der Fraktion der Arbeiterpartei, Emanuel Shnwell und Colonel Harry Day, kam jetzt ein drittes jüdisches Mitglied hinzu: Df. 0. E. Sperö. Viscount Plumer Feldmarschall Lord Plumer, der frühere Oberkommissär für Palästina, wurde aus Anlaß des 64. Geburtstags des Königs von England zum Viscount erhoben. »Lord Plumer ist i>m März d. ]. 72 Jahre alt geworden.. (Aus Anlaß des Geburtstages des Königs es hielten mehrere Beamte der Palästina-Regierung Auszeichnungen; unter den Ausgezeichneten ist kein Jude. Einstein an die zionistischenMittelschftler Oesterreichs Soeben erschien die Nummer 3/4 der neuen zionistischen Jugendzeitschrift «Der jüdische Mittelschüler», des Organs des Verbandes zionistischer Mittelschüler in Wien. An der Spitze des Blattes finden wir einen Brief Prof. Einsteins an die Zentralleitung der V. Z. M., in dem es heißt: Liebe Jungens! Ueber Eure Gratulation habe ich mich ganz besonders gefreut. Die leisetreterische jüdische Jugend von vorgestern ist durch eine frohe und stolze von heute ersetzt worden. Herzlichen Dank und gutes Gedeihen für Eure Vereinigung. Euer A. Einstein. Dank an die Stimme Vom Jüd. Akademischen Philosophenverein in Wien erhalten wir die nachstehende Zuschrift: Sehr geehrte Redaktion! Die 41. ordentliche Generalversammlung vom 18. Mai 1Ö29 hat mit Stimmeneinhelligkeit beschlossen, Ihrem sehr geschätzten Blatte den innigsten Dank für die Unterstützung, die Sie unserem Vereine in so reichlichem Maße haben angedeihen lassen, auszusprechen. Wir hoffen, daß Ihr gesch. Blatt auch in Zukunft dem J. A. Ph. V. gewogen bleibt und zeichnen mit dem Ausdrucke vorzüglichster Hochachtung f. d. Jüdisch-Akademischen Phüosophenverein: Kaswiner. Ernst Mandler. Zeitgenossen über Herzl Der in der letzten Nummer der «Stimme» unter dem .Titel «Theodor Herzls Meisterwerk» erschienene Beitrag von Fürst von Wrede, ist dem von Dr. T. Nussenblatt im Buch- und Kunstverlag, Brünn, herausgegebenem Buche «Zeitgenossen über Herzl» entnommen. Geringe Sterblichkeit unter den Juden Palästinas Laut der offiziellen Statistik zählte man im vergangenen Jahre in Palästina auf 1000 Christen 49 Geburten, auf 1000 Moslemiten 75 Geburten, auf 1000 Juden 42 Geburten. In dem gleichen Jahre zählte man auf 1000 Christen 22, auf 1000 Moslemiten 37, auf 1000 Juden 12 Todesfälle. Die Wahlen zum Zionistischen Parteirat Die Wahlen zum Zionistischen Parteirat sind auf den 20. Juni verschoben worden. Die Einreichung der Wahlvorschläge in jenen Wahlkreisen, die mehr als einen Delegierten haben, wurde auf den 16. Juni verlegt. Jeder Wahlkreis wählt auf 100 Wähler einen Delegierten. Für verbleibende Reststimmen von mindestens 50 Mitgliedern kann noch ein Delegierter gewählt v/erden. Ortsgruppen, Bezirkssektionen mit weniger als 100 Mitgliedern können zwecks Wahl zum Parteirat zusammengelegt werden. Die zusammengelegten Ortsgruppen (der Provinz) können auf je 50 Mitglieder ein Mitglied des Parteirates wählen. In Wahlkreisen, in welchen nur ein Delegierter zu wählen ist, unterbleibt die Einreichung von Wahlvorschlägen, ln Wahlkreisen, auf welche zwei oder mehrere Delegierte entfallen, sind die Wahlvorschläge bis spätestens 16. Juni, 12 Uhr mittags, beim Zionistischen Landeskomitee einzureichen. Die Wahlvorschläge haben zu enthalten: 1. Die unterscheidende Parteibezeichnung (z. B. «Liste des Klubs Aufbau», «Liste der Organisation zionistischer Frauen Oesterreichs»). Die Bezeichnung «offizielle Liste» darf nicht verwendet werden. 2. Die Parteiliste, d. I. ein Verzeichnis von so vielen Bewerbern, als in dem betreffenden Wahlkreis Delegierte zu wählen sind. 3. Die Bezeichnung des zustellungsbevollmächtigten Vertreter». Jeder Wahlvorschlag muß von mindestens zehn Wählern des Wahlkreises unterschrieben sein. Ein Einstein-Baum in einer New Yorker Hochschule New York. 800 Mitglieder der Organisation Young Judea pflanzten auf dem Grundstück des New York City College einen Ahornbaum aus Anlaß des 50. Geburtstages Professor Albert Einsteins. Der Feierlichkeit wohnte der Bürgermeister von New York James Walker bei, der eine Ansprache hielt. Weder — Noch. Ein bekannter jüdischer Chirurg Professor G. hatte einst mit Erfolg einen Erzherzog operiert. Bald darauf erschien dessen Adjutant und frug G., was ihm lieber sei: Fünftausend Gulden oder taxfrei den Franz-Josef-Orden? Der Professor dachte einen Augenblick nach und sagte zu dem Adjutanten: «Bitte, Seiner Hoheit zu sagen, daß Ich weder den Franz-Josef-Orden noch fünftausend Gulden, sondern zehntausend Gufden verlange.» Umbau des Einstein-Turmes in Potsdam Berlin. Da die wissenschaftlichen Einrichtungen und die zur Verfügung stehenden Räume des Einstein- Turmes in Potsdam nicht mehr der Entwicklung in der Instrumententechnik genügen, hat sich die Notwendigkeit einer Erweiterung ergeben. Man plant einen völligen Neubau des Einstein-Turmes. Kleine Nachrichten Mussolini empfing in Turin eine Abordnung der jüdischen Bevölkerung der Stadt, bestehend aus Doktor Ovazza, Dr. Lattes und Dr. Servi, die ihm ein Album mit den Namen der im Weltkriege gefallenen italienischen Juden, sowie 50.000 Lires für Wohlfahrtsinstitutionen überreichten. ♦ Im April wanderten in Palästina laut offizieller Statistik 417 Personen, unter ihnen 322 Juden, ein. In dem gleichen Monat wanderten 172 Personen, unter ihnen 70 Juden, aus. Der Ueberschuß der jüdischen Einwanderung über die Auswanderung steigert sich in den letzten Monaten progressiv. * Das vereinigte Hadassah-Komitee und die jüdische Aerzte-Vereinigung in Amerika haben in Jerusalem zwei Häuser in der Nähe des «Rothschild-Hospitals» der Hadässah erworben, um dort ein Universitätskrankenhaus zu errichten. * Die litauische Regierung hat den jüdischen Industriellen und Bankdirektor Leon Sölöweitschik, einen Bruder des früheren Ministers für jüdische Angelegenheiten Dr. Max Sölöweitschik, zu ihrem Vertreter apf der Internationalen Arbeitskonferenz ernannt. Die Versorguiigsversichertfng für jüdische Kinder Die Organisation Zionistischer Frauen Oesterreichs W. I. Z. O. hat mit der Lebensversicherungsgesellschaft «Phönix» im Rahmen der Versicherungsaktion des Keren Kajemeth ein Abkommen getroffen, welches eine neue Art der Kinderversorgungsversicherung vorsiebt. Einem in dieser Angelegenheit seitens der W. I. 2. Ö. an die jüdischen Frauen gerichteten Aufrufe ist folgendes zu entnehmen: «Die Vorsorge für die Zukunft der Kinder war seit je her die vornehmste Aufgabe der jüdischen Familie und Pflicht der jüdischen Mutter.» Dank dem zwischen unserer Organisation und der erwähnten Versicherungsgesellschaft getroffenen Uebereinkommen, können die Versicherungen außer in den sonst üblichen Formen auch nach dem neu eingeführten und begünstigten Kinderversorgungstarifc abgeschlossen wenden. Zu dem ist, ohne daß die gewährte Begünstigung irgendwie beeinträchtigt wäre, eine Förderung des sozialen und kulturellen Hilfswenkes der zionistischen Frauenorganisation In Aussicht genommen. Es ist daher im Interesse einer jeden jüdischen Frau, sich beim Abschluß von allen lebenswichtigen Versicherungen auf den von unserer Organisation mit dem «Phönix» geschlossenen Begünstigungsvertrag zu berufen. Nähere Auskünfte erteilt die Versicherungsabteilung (Frauensektion), I., Kärntnerstraße 28, Telephon Nr. R 27-4-85/86. Frau Ida Benedikt 80 Jahre alt Vor wenigen Tagen feierte Frau Ida Benedikt, die Mutter unseres Gesinnungsgenossen und Mitgliedes des zionistischen Landeskomitees des Herrn Oberfinanzraf Dr. B e n e di k t, im Kreise ihrer Angehörigen ihren 80. Geburtstag. Frau Ida Benedikt gehört seit dem ersten Tage des politischen Zionismus unserer Bewegung an und nimmt iii voller geistiger und körperlicher Frische noch immer an den Arbeiten der zionistischen Organisation lebhaftesten Anteil. Der greisen Jubilarin sind zahlreiche Glückwünsche zugekommen, denen sich das Zionistische Landeskomitee für Oesterreich aus vollem Herzen anschließt. Karriere. Ein Pfarrer und ein Rabbiner debattieren über die beiden Religionen, wobei das Gespräch aut die beiderseitige Karriere kommt. «Ich kann Bischof werden», sagt der Pfarrer. «Ich kann Oberrabbiner werden», entgegnet der Rabbiner. «Ich kann Kardinal werden», übertrumpft ihn der Pfarrer. «Werd* ich Wuuderrabbi!» «Ich kann sogar Papst werden», schrolt der Pfarrer. «Wissen Sie, wag das Ist, Papst? DoDr Papst ist der Stellvertreter Gottes auf Erden. Kannst du Gott werden? «Auer von unsere Leut ist es geworden», gibt der Rabbiner seelenruhig zurück. Buch und Kunst Die Kunst Marc Chagalls als Ausdruck jüdischen Wesens Ueber dieses Thema sprach am 3. Juni im Rahmen der Vorträge des «jüdischen Museums» der in Fachkreisen geschätzte junge KunsthistorikerDr. ÖttoSc'hneid. Der Vortragende zeigte an Hand von Lichtbildern das Wesen des jüdischen Künstlers Chagall, der in der modernen Malerei eine hervorragende Stellung einnimmt. Marc Chagall gehört zu jenen großen jüdischen Künstlern, die jüdisch sind nicht durch die Thematik ihres Schaffens, sondern durch dessen eigenartige Form, durch den spezifisch jüdischen Rhythmus ihrer Gestaltung. In seltener Reinheit hat Marc Chagall mitten im modernsten europäischen Leben die c h a s s i d i s c h e G e i s t e r w e 11, in der er aufgewachsen ist, in sich und in seiner Kunst bewahrt. Träumerisch., wundergläubig, mystisch wie der Chassidismus ist seine große originelle Kunst, die unmittelbar aus den Tiefen einer ekstatischen Seele kommt. Ueber die gewohnte Wirklichkeit hinweg läßt Chagall uns seltsame Bilder erleben, in denen die Elemente der banalen Erfahrungswelt aufgelöst erscheinen, wo aus der empirischen Wirklichkeit eine rein psychische geworden ist. Alles wirbelt durcheinander, innere Gesichter werden dem einfühlungsfähigen Betrachter der Chagallscben Bilder offenbar. Alber nicht nur diese mystisch-ekstatische Auflösung der äußeren Weit liegt in der Kunst Chagalls. Als liebevoller Beobachter des ostjüdischen Lebens, seiner Absonderlichkeiten, seiner wunderlichen Begebenheiten und Gestalten, in Anhänglichkeit an seine Familie und an das Heimatstädtchen Liosno wind er zum erschütternd schlichten Realisten. Chagalls Kunst Ist der Ausdruck jüdischen Lebens und jüdischen Wesens, ein Ausdruck von größter Reinheit und Unmittelbarkeit Das Wiener Jiddische Theater-Studio. Das unter Leitung des Schauspielers Dr. N. Brind stehende Wiener Jiddische Theater- Studio hat mit den Proben an der Nachlaß-Komödie von Scholent- Alejehem «Die Goldgräber» begonnen. Zum internen Arbeitsprogramm des Studio, dessen Ziel die Errichtung eines Jiddischen Kunsttheaters in Wien und die Heranbildung von jiddischen Künstlern ist, gehört außer den eigentlichen Bühnenproben auch studiomäßiger Unterricht in Gesang, Tanz, Masken- und Kostümkunde, sowie in Theater- und Kulturgeschichte. * Die palästinensische Lehrerorganisation veröffentlichte anläßlich des 25jährigen Gedenktages ihrer Gründung ein Jubiläumsbuch. Das Buch beschreibt die Geschichte der Lehrerorganisation und der Erziehungsarbeit in Palästina im Laufe der 25 Jahre ihres Bestehens. Eine Reihe von Bildern und statistischen Tabellen vervollständigt den Inhalt des interessanten Bandes. Der Jiddische Schriftsteller Ab. Kaspe gestorben. Am Alter von 69 Jahren starb in New York der bekannte jiddische Schriftsteller und Führer der jüdischsozialistischen Partei Dr, Ab. Kaspe. Uebersiedlung der Jüdischen National-Bibliothek. In den letzen Taigen hat die Uebersiedlung der Biicherschätze der jüdischen National- und Universitäts-Bibliothek auf den Scopus-Berg begonnen. Die Uebersiedlung wind m der Weise durchgeführt, daß die am meisten benutzten Abteilungen der Bibliothek (Judaica und Hebraica, Orientalin, Palästina-Literatur) so lange ln der Stadt bleiben, bis die übrigen Abteilungen eingerichtet sind, damit für die Leser keine Unterbrechung der Benützung in den wichtigsten Fächern einfcritt. Gleichzeitig mit der Uebersiedlung eröffnet die, Bibliothek ein L e s e t i m m e r f Ü r A e r z t e in den Stadt, das in dem neu erbauten Nathan Strauß-Gesundheitszentrum untergebracht sein wird. 'V-.mW «Neues jti dis clies T h ea t e r» (PräHrStraße Nr. 60). Wochenspielplan: Samstag und Sonntag: «Die beide Kune-Lemel», Volk&stüok in 4 Akten von A. Goldfaden. — Dienstag, den 18.: «Dus brillantene Jüdel.» — Mittwoch, den 19.: «Zu spät.« Die Sprgt der so viel geplagten Großstadtmenschen ist derzeit Weekend und Wetter. Viele Dinge sind zu besorgen, tim den Sonnabend angenehm verbringen zu können, Unerläßlich ist eine gute Sprechmaschine, welche mau nur in einem guten Spezialgeschäft beziehen soll. Auf vielseitig* Anfragen unserer Leser, betreffend Jüdischer und hebrEteohef Aufnahmen, verweisen wir auf das Inserat des Musikhause» «E x c e 1 s i o r». I., Adlergasse 5, auf Seite 5.y

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