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Die Stimme · 1929-06-13 · Heft 76 (13.6.1929) · page 9

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Journal
Die Stimme
Volume
2 (1929)
Issue
Heft 76 (13.6.1929)
Date
1929-06-13
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
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Nr. 7ij DIE STIMME Seite 9 Richard R6ti gestorben Wie ein Ulitz aus heiteicin Himmel traf uns die furch tim re Nachricht. Allerorts viel begehrt, trug auch ein ihm eigentümlicher Wandertrieb dazu bei, daß wir ihn oft monatelang aus den Augen verloren, um ihn dann erst wieder bei irgendeinem großen Turnier zu entdecken. Niemand wußte von seiner Erkrankung; tückisch, wie das unfaßbare Geschehnis selbst, überfiel uns ahnungslos die böse Kunde. Ein Auserwählter in der großen Schar der Schachbeflissencn, ein Schöpfer von seltener Tiefe ist von uns gegangen. Ein stj füllendes Lieht, ist jäh erloschen. Dieser große schaffende Leist wird nicht mehr eine ganze Schachwell befruchten. Jahre hindurch schon hat dieser klare, nimmermüde Geist j.uir seinen Ideen gelebt und seinen Körper in bedenklicher Weise vernachlässigt. Ist an und für sieh das Milieu desSchachmeisters größtenteils der von Tabaksschwaden und künstlichem Licht erfüllte Raum, so hatte Reti überdies so gar kein Verständnis für sportliche oder wenigstens körperliche Hebung. Geradezu tolpatschig lief er in Unglücksfäile hinein, stolperte auf der geraden Straße und brach sich den Oberschenkel, wurde ein ande-resmal wieder niedergestoßen, um sich die Hand zu brechen. Auch seine Todeskrankheit — Scharlach — konnte um so ausgiebiger wüten, als sie trotz seiner Jugend einen wehrlosen, verteidigungsunfähigen Körper vorfand. Reti ist bloß 39 Jahre alt geworden. Im Jahre 1889 in der Nähe von Bratislava geboren, kam er in frühester Jugend nach Wien. Als nach dem großen Krieg das internationale Meisterschach wieder zu neuem Leben erwachte, allerorten immer häufiger Turniere veranstaltet wurden und die moderne Schule auf allen Linien siegreich blieb, da schuf sich einer ihrer glühendsten Vertreter, der Wiener Jungmeister Reti den großen Namen. Zwar hatte er zur damaligen Zeit bereits zwei schöne Erfolge hinter sich, nämlich den ersten Preis im Gambit- Turnier zu Abbazia 1912 und den ersten Preis im Kaschauer Turnier 1918, aber sein erster großer Erfolg datiert erst aus der Nachkriegszeit. Es war dies der erste Preis im internationalen Meisterturnier von Göteborg 1920, dem größten Turnier, welches seit sechsjähriger Pause, seit Petersburg 1914, stattgefunden hat. Von hier ab entwickelte sich Reti immer mehr zu seiner spezifischen Bestimmung, indem er nicht schlechthin ein Großmeister, sondern ein Großmeister der Moderne wurde. Jahrelang marschierte er dann im gleichen Schritt und Tritt mit Aljechin und Bogoljubow und es blieb lange eine offene Frage, wer von diesen dreien schließlich berufen sein werde, nach der Palme der Weltmeisterschaft zu greifen. (Niemzowitsch stand um diese Zeit weit im Hintergrund.) Bei keinem großen internationalen Turnier fehlte sein Name und stets war er unter den Preisträgern zu finden. 1924 besiegte er auf dem New Yorker Turnier als einziger den damaligen Weltmeister Capabianca. Wenn schließlich Aljechin und auch Bogoljubow besonders in den letzten Jahren erfolgreicher blieben, so ist dies in erster Linie, wie gesagt, auf bessere physische Qualitäten zurückzuführen. Im vergangenen Jahre zeigte er im internationalen Meisterturnier der Schachsektion Hakoah — deren Ehrenmitglied er übrigens war — wieder seine alte Kraft und erstritt mit einem Vorsprung von zwei Punkten den ersten Preis. Am Wege, wieder de» gefürchtete Preisstürmer zu werden, der er in den Jahren 1920 bis 1924 gewesen war, mit dem unerfüllten Wunsch im Herzen, wenn auch nur für kurze Zeit nach Palästina zu gehen, hat ihn der Tod hinweggerafft. Einer Kinderkrankheit mußte er erliegen, selbst seinem Wesen nach immer noch ein naives, weltfremdes Kind, mit den großen, träumenden Augen, die nun für immer geschlossen sind. _r Der Präsident des ungarischen Pro-Palästina- Komitecs gestorben Budapest. Hofrat Karl Baracs, der Präsident des ungarischen Pro Palästina-Komitees, ist dieser Tage gestorben. Der Verblichene stammte aus der berühmten Familie des «hohen Rabbi Lön». „Schalom ai kol Jisrael.. Von den neuen Synagogen-Ausgrabungen in Gerasa wird berichtet, daß sich die dort aufgefundenen Ucberreste durch besondere Schönheit der Formen auszeichnen. Auf dem prächtigen Mosaik befindet sich eine große hebräische Inschrift: «Schalom al kol Israel, amen , amen», sowie verschiedene Zeichnungen und hebräische und griechische Namen der ^t&dte, die •mm Bau beisteuerten. Arabische Legenden Von Z’ew Vilnay. EHali und die Steine. Der Prophet Eiiah verließ oft seine Höhle im Cannel und spazierte zwischen den Hügeln, wo er Gott suchte und zu ihm betete. In Gedanken versunken, irrte er umher, Tage und Nächte, mit wilder Miene und zerzaustem Haar. Er war entzweit mit den Propheten des Baal. Er kümmerte sich nicht um Nahrung, hatte Vertrauen zu Gott und glaubte fest daran, daß er genügend Kräuter und Früchte finden werde, um seine Seele zu laben. Eines Abends sah Eiiah auf einem Felde süße, reife Melonen. Ermüdet vom vielen Wandern, die Seele geschwächt durch Hunger und Durst, bat er den Eigentümer des Feldes um eine Melone. Aber der Bauer spottete des wunderlichen Mannes und sprach: «Das sind ja gar keine Melonen, sondern Steine, verstreut im Felde ...» Eiiah schrie auf in seinem Zorn und fluchte: «Nun denn, gebe Gott, deine Worte sollen wahr werden.» Kaum beendete er seine Worte, als die Melonen sich in Steine verwandelten, die das ganze Feld bedeckten ... König Salomo. Ein leidender Mensch kam einst zu König Salomo und sagte: «O König, du mögest ewig leben. Du bist klüger als alle Menschen. Du schmücktest Jerusalem und erbautest den Tempel, aber welchen Wert hat das alles, wenn du kein Mittel finden kannst gegen unsere Krankheiten, unsere schmerzenden Beine, unsere Beulen und den Aussatz, der uns vernichtet. Ich flehe dich an, hilf uns und heile die Armen.» Der König Salomo befahl also seinen Dämonen: Im üalil, neben Tiberias, befindet sich ein Brunnen, der wie alle Brunnen des Landes, kaltes Wasser hat. Steiget in die Tiefe der Erde und erwärmt seine Gewässer. Die Dämonen, die den König fürchteten, eilten zum Brunnen und erwärmten das Wasser. Das heiße KAUFT FISCHE bei PFITZIUER <& HATZI II. VoIk.rtpI.ti, Fischhalle (Tel. R 40-2-38) TI. Pilgram brücke, Fischhalle (Tel. B 24*4-23 X. Bei LicUtensteinstraße 112, FigchhaH« (Tel. A 11-2-59) X. Columbnsplatz, Fischhalle (Tel. U 47-1-30) Den ganzen Tag in feinstem Olivenöl gebackene heiße Fische ooooQooeeooooeoeeooeoeeoaafleoeeeoQooofl Wasser stieg aus den Tiefen und so entstanden die berühmten Quellen des Tiberias, die alle Krankheiten Quellen zu wärmen. Salomo ist tot, aber die tauben Dämonen machte Salomon sie taub, da er wußte, daß, wenn sie einst von seinem Tode erfahren und ihn nicht mehr zu fürchten haben, sie aufhören werden, die Qulle zu wärmen. «Salomo ist tot, aber die tauben Dämonen wissen es nicht. Sie glauben, daß er noch immer in seinem Palast zu Jerusalem lebt und weil sie ihn fürchten, erwärmen sie die Quellen bis zum heutigen Tag. (Deutsch von Efla Finkeistein.) Ein ehemaliger Jeschiwah- Bochur führt die Einigung zwischen der Entente und Deutschland herbei Berlin. «B. Z. am Mittag» und andere Berliner Zeitungen heben hervor, daß die Einigung zwischen den Gläubigerstaaten und Deutschland, die heute in Paris unterzeichnet werden wird, im wesentlichen der Initiative eines Mannes zu verdanken ist, der nicht der Sachversländigen-Konferenz angehört, aber trotzdem hinter den Kulissen in Paris die größte Rolle gespielt hat. Es ist dies David Sarnoff, der Vizepräsident der Radio Corporation von Amerika, einer der intimsten Freunde und Mitarbeiter von Owen Young. Sarnoff hält sich seit dem März in Paris auf, wo er an der internationalen Radiokonferenz teilgenomimen hat. Als Owen Young vor einigen Wochen erkrankte und nur noch offiziell an den Sitzungen teilzunehmen im Stande war, war es Saranoff, der mit aller Energie sich in die Verhandlungen stürzte und durch seine außerordentlich guten internationalen Beziehungen die Vertreter der verschiedenen Mächte in ihren Anschauungen einander näherzubringen verstand. Die Laufbahn Sarnoffs hört sich wie ein Märchen an. Geboren am 27. Februar 1891 in Uzlian, Rußland, lernte er zuerst in einer Talmud-Thora-Schule zu Wilna, kam mit seinen Eitern, als er noch ein achtjähriger Knabe war, nach den Vereinigten Staaten. Mit 15 Jahren trat er als Botenjunge in eine der großen Telegraphen-Gesellsch alten ein und kam später als Hilfstelegraphist zur Marconi-Geseüschaft. Er war der Telegraphist, der bei dem Untergang der Titanic, seines Lebens nicht achtend, bis zum Schluß an der drahtlosen tieireii und »asnen-Kielder mcM Muß Hs'.cho?tolfMiSTv»hi '/.ahi«n3 o*eh CeD®te\ni«nnaei». Wien, VI., Maiiahilferstrattc 107, Tel. II 27*2»88 Station nusharrte und seine S. O. S. in die Lüfte sandte. Ihm allein ist es zu verdanken, daß ein Teil der Passagiere gerettet wurde. Nach seiner Rückkehr nach New York ging er wieder zu Marconi zurück und trat nach der Verschmelzung der Marconl-Gesellschaft mit der Radio Corporation in die Leitung dieser Gesellschaft ein. Seit 1922 ist er Generaldirektor der größten Gesellschaft für drahtlose Telegraphie, der American Radio Corporation, und arbeitet in engster Weise mit den großen deutschen Konzernen, wie Telefunken, A. E. G.. Siemens u. Halskc, zusammen. Gründung eines Weltverbandes jüdischer Frauen Aus Hamburg wird uns geschrieben:- ln der allgemeinen Aussprache über die Referate der Konferenz über die die «Stimme» bereits berichtete,'betonten verschiedene Rednerinnen die Forderung nach religiöser Jugenderziehung. Frau Irma Lindheim, die frühere Präsidentin der Hadassah in Amerika, betonte außerdem noch die Notwendigkeit einer nationalen Erziehung deu Jugend, aber auch einer nationalen Erfassung der Elternschaft, damit die Kinder in einer’Sphäre der jüdischen Ethik aufwachsen. Frau Hoffmann wies auf das Beispiel des verstorbenen Wiener Oberrabbiners Professor Chajes hin, der praktische religiös-nationale Erziehungsarbeit geleistet bat. Ueber Frauen kulturar beit in Palästina referierte Frau Anitta Mülle r-C o h e n. Jüdische Kultur, so führte sie aus, ist untrennbar mit Palästina verbunden. Ueberall findet der Jude eine fertige Kultur, der er sich mehr oder minder anpassen muß. Nur in Palästina hat er Gelegenheit, schöpferisch seine eigene Kultur weiter zu entwickeln. Wir wollen das jüdische Leben umgestalten. Der Aufbau Palästinas ist nicht nur ein wirtschaftliches Problem, sondern eine Frage seelischen und moralischen Fortschritts, ln Palästina wandelt sich' auch das Frauenideal. Die Rednerin beleuchtete die Ziele der «Hisfadruth Naschim Iwrioth», die seit Jahren die Frauen Palästinas zur Selbsthilfe und Selbstverantwortung organisiert, berichtete eingehend über das Gesundheitswerk der Hadassah, über das Erziehung« wesen in Palästina und über die Wiederbelebung der hebräischen Sprache und kam zu dein Schlüsse, daß der jüdischen Frau eine große,Rolle bei dem .Wiederaufbau Palästinas, bei der «dritten Heimkehr», zugewiesen ist. Frau Irma Lcndheiim sprach über Organisation und Ziele der jewish Agency und forderte die jüdischen Frauen auf, die Arbeit dieser Institution für den Aufbau des Jüdischen Nationalheims in Palästina zu fördern. Frau Rebekkah Kobut erklärte sich ebenfalls für die Arbeit der jüdischen Frau in der Jewish Agency. Männer wie Felix M. Warburg und Louis Marshäll stehen für die Agency ein, dies muß Vertrauen für eine Institution im gesamten Judentum zugunsten Palästinas wecken. Im weiteren Verlaufe der Sitzung hielt Frau Rebekkah Kohut ein großangelegtes Referat über die Notwendigkeit und die Aufgaben eines internationalen jüdischen Frauenbundes.- Es wurde einhellig beschlossen, einen Weltverband jüdischer Frauen zu gründen, dessen Ziel es sein soll, die Probleme der jüdischen Frauen in allen Ländern zu behandeln und den Zusammenhalt der jüdischen Gemeinschaft zu fördern. Die Konferenz hat unter anderem eine Resolution gefaßt, in der der Weltverband jüdischer Frauen seine Organisationen verpflichtet, in den lokalen Gremien des Weltverbandes der Schorn re Scfrabbos aktiv 7<u arbeiten. Zur Präsidentin des Weitvertoandes jüdischer Frauen wurde die Präsidentin der Weltkonferenz, Frau Rebekkah Kohut, Amerika, gewählt, Vizepräsidentinnen sind Frau Bettina Brenner und Frau Paula Ollendorff, Deutschland, Frau Annita Müller-Cohen, Oesterreich, Frau Klaften, Polen, Frau Caroline Wysenbeck- Fran-ken, Holland, Lady Herbert Samuel, England. Zur Sekretärin wurde Fr. Sternberger, Amerika, zur Schatzmeisterin Frau Abraham, Schweiz, gewählt. Gang zum Herzl-Grabe Sonntag, den 23. Juni, 0 Uhr vormittags, ab Hochschule für Bodenkultur, Wien, 19. Bez. Der Aufstellungsplan für die einzelnen Gruppen wird noch veröffentlicht werden. Die Jugendgruppen und Vereine treffen sich um s/«.8 Uhr früh, Nordbergstraße, Franz Josefs-Bahnhof und marschieren im geschlossenen Zuge zum gemeinsamen Treffpunkt. Die Gruppen werden aufgefordert, ehebaldigst annähernd die Teilfrehmerzahl dem Landeskomitee bekanntzugeben. Wir bitten alle Jugendgruppen in ihrer Tracht oder weiße Ausschlaghemden und kurze Hosen (Mädchen weiße Blusen und blaue Faitenröcke) sich piinktlichst einzufinden.

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