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Die Stimme · 1929-06-13 · Heft 76 (13.6.1929) · page 6

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Journal
Die Stimme
Volume
2 (1929)
Issue
Heft 76 (13.6.1929)
Date
1929-06-13
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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9e*te6 DIE STIMME Nf. 76 £re* Jsraet wird das Zentrum des füdistken £ebens. Verknüpfet luven Jlamen mit diesem Werk durdk fäaumstiftungcn im fkajes-Wald! ■ ■ Lord Cecils neuerliches Bekenntnis zum Zionismus Seine erste Begegnung mit Weizmann A<us Berlin wird uns geschrieben: Im Haiuse von Prof. Ludwig Stein fand am 4. Juni ein vom «Deutschen Komitee Pro Palästina» veranstalteter Tee zu Ehren von Lord Robert Cecil statt, an dem zahlreiche prominente jüdische und nichtjüdische Persönlichkeiten teilnahmen. Prof. Ludwig Stein begrüßte die Erschienenen, in erster Linie den Gast Lord CecH, ferner die Vertreter der Zionistischen Weltorganisation Col. Kisch, Mozkin und Blumenfeld. Redner knüpfte an den Vortrag, den Cecil am Tage zuvor in der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit gehalten hat; Lord Cecil habe dort mit einem Bibelwort geschlossen und damit schon äußerlich zum Ausdruck gebracht, daß die Sache des Völkerbundes mit der Bibel verknüpft ist. Dies ist besonders bedeutungsvoll für eine Bewegung, die das Volk der Bibel wieder auferwecken will. Namens der Zionistischen Organisation richtete Kurt Blumenfeld Begrüßungsworte an den Gast. Er führte ungefähr aus: Wir Zionisten stehen in ebnem schweren Kampfe; wir arbeiten für eine Sache, die umstritten ist, und eine solche Sache braucht Freunde. Wir haben überall in der Welt Freunde gefunden gerade unter den Menschen, die für Völkerversöhnung und Frieden eintreten und die verstehen, daß die Produktivierung des jüdischen Volkes in seinem Lande ein Werk des Friedens ist. Col. Kisch betont, er wolle nur einen Aspekt des Zionismus hier kurz berühren, über den auch Lord Cecil kürzlich in London in der Palestine Mandate Society gesprochen hat: die Völker- und mensohenverbindende Kraft des Zionismus. Wir Zionisten glauben, daß das Jüdische Nationalheim berufen ist, eine große Rolle zu spielen in der Völkerverständigung. Wir kommen nach Palästina aus der ganzen Welt, wir kennen die guten und schlechten Seiten der Zivilisation aller Völker, und wir wollen in Palästina etwas Neues aufbauen, aus dem Besten, das wir überall gelernt haben und gemäß den großen traditionellen Ideen des Judentums, die nur in Palästina ihren wahren Ausdruck finden können. So sehr auch die einzelnen Juden in den Staaten, denen anzugehören sie stolz sind, am allgemeinen Kulturleben aktiv teilnehmen, so glauben wir doch, daß wir auch als Volk der Welt noch etwas zu geben haben, das charakteristisch jüdisch ist. Lord Robert Cecil dankt zunächst den Vorrednern für ihre Begrüßungsworte und fährt fort: «Ich freue mich sehr, durch meine Anwesenheit hier zum Ausdruck zu bringen, daß ich etn überzeugter Förderer des Zionismus bin. Mein erstes Zusammentreffen mit dem Zionismus war an einem Nachmittag, als ich während des Krieges im Auswärtigen Amt tätig war. Man ersuchte mich, Dr. Weitzmann zu empfangen, von dem ioh zwar gehört hatte, den ich aber noch nicht kannte. Ich werde nie den tiefen Eindruck vergessen, den Dr. Weitzmann damals auf mich machte, durch seine ganze Persönlichkeit und durch seine einfachen und doch so überzeugenden Worte. Ich kann aufrichtig sagen: Niemals im Leben hatte ich ein Gespräch, das so unmittelbar auf mich wirkte. Ich erinnere mich an ein Wort von ihm, das mir stets im Gedächtnis geblieben ist als einer der Aspekte des Zionismus, obwohl ich natürlich weiß, daß dies eben nur ein einzelner Gesichtspunkt ist und nicht die Hauptsache. Dr. Weitzmann sagte mir: Wie die Dinge heute liegen, hat ein Jude immer sich selbst zu erklären, er hat als französischer, englischer,, deutscher usw. Jude immer sein Judentum zu erklären; aber wenn man ein Jüdisches Nationalheim hat, wenn es ein Land gibt, wo Juden als Juden leben, dann würden die Juden der Welt begreiflich sein, ohne daß man etwas erklärt, so wie es bei anderen Völkern ist, die in ihrem natürlichen Leben sich der Welt darbieten, so daß man ihre Existenz auch dan versteht, wenn ihre Angehörigen in anderen Ländern leben und sogar dort Staatsbürger sind. Diese Bemerkung Dr. Weitzmann« hat mir die Situation mit einem Schlage erhellt und einen tiefen Eindruck bei mir hinterlassen. “ Non möchte ich noch auf eine andere Seite der Sache au sprechen kommen, die mir besonders naheliegt. Man hatte während des Krieges die Errichtung der jüdischen Nationalen Heimstätte ins Auge gefaßt, aber man wußte noch nicht, in welcher Welse sie verwirklicht wenden soll. Als nun der Augenblick der praktischen Durchführung nahte, da gab es viele Diskussionen, wie die politische Gestaltung Palästinas sdo soll. Es gab Vorschläge, Palästina amerikanisch zu (machen oder französisch, oder englisch, oder aber es einem mtemationa'len Kondominhum zu unterstellen, aber jeder der Vorschläge stieß auf fast unüberwindliche Schwierigkeiten. Da kam die Idee des Völkerbundes, und man erkannte, daß sich hier eine Lösung darbot, die ganz anderer Art ist als alle die früher erwähnten Vorschläge, und die eine Durchführung des Planes möglich macht ohne den Nachteil der Verbindung der jüdischen Heimstätte mit einer einzelnen Macht. Es entstand die Idee des Mandat Systems. Diese Lösung aller Schwierigkeiten war eine sehr glückliche. Der Zionismus in seiner jetzigen politischen Stellung ist eine der Früchte der Idee dos Völkerbundes, eines der konstruktiven praktischen Resultate des Völkerbundgedankens. Palästina zeigt, daß der Völkerbund nicht eine akademische Idee ist, sondern ein praktisches Instrument der Völkerpolitik von größtem Wert. Ich habe also ein doppeltes Interesse am Zionismus: erstens um seiner selbst willen, zweitens als ein Beweis dafür, daß die Idee des Völkerbundes richtig ist und sich bewährt hat, und daß sie geeignet ist, ein neues Stadihm der Weltgeschichte im Zeidien der Völkerverbindung heraufzttfUhren.» mmnmmmmmmsmmmasmmmmmmmnammmnmmmnam Geprüfte Kindergärtnerin mit Kenntnis der hebräischen Sprache zu zwei Buben, 5 u. 8 Jahre, unter günstigen Bedingungen gesucht. Solche mit Klavferkenntnissen bevorzugt. Anträge unter „Sofort** an die Administration -- Die Raufbolde der Wiener Universität Bericht vom blutigen Samstagbummel der haketikreuzledsclien Studenten. Donnerstag, den 6. d. M,, erhielten die Senioren der zion. akad. Verbindungen eine Vorladung zum Rektor, wo ihnen mitgeteilt wurde, daß Samstag das Stehenbleiben, beziehungsweise das Bummeln in der Aula für alle Studenten verboten sei. Die jüdischen Studenten waren aus diesem Grunde überhaupt nicht in der Aula, die hakenkreuzlenschen Studenten erschienen dagegen — dem Rektor zum Trotz — in verstärkter Anzahl. Als die jüdischen Studenten in der Kanzlei des Rektors diesbezüglich Beschwerde erhoben, gab man ihnen zur Antwort, daß die Kanzlei keine Zeit gehabt hatte, die Nationalsozialisten vom Beschluß des akademischen Senates zu verständigen. Und nun kommen wir zur Vorgeschichte des antisemitischen Kampfes gegen die jüdischen Studenten: Die jüdisch-nationalen Studenten, die seit 92 Semester in der Aula stehen, wurden jetzt plötzlich als unwürdig befunden, in der Nähe des Meldende n k m a J s in der AüU Aufstellung zu nehme n. Dieses Heldendenkmal wurde dem unbekannten im Weltkrieg gefallenen Studenten gewidmet. Nun weiß man, daß jede zionistische Korporation viele Mitglieder im Kriege verlor, daß alle Mitglieder der zionistischen Verbindungen und Vereine Soldaten waren und daß der jüdische Student in den Jahren 1914—1918 nicht an der Universität, sondern im Feld zu fi-nden war. Und 10 Jahre nach dem Weltkrieg erinnern sich plötzlich die Hakenkreuzler, daß die jüdisohen Studenten, welche im Kriege zahllose Opfer gebracht haben, unwürdig sind, am Heldendenkmal zu stehen. Freilich, die Tapferkeit dieser hakenkreuzlerischen «Helden» wächst, wenn sie sich in 10- oder löfacher Ueberzahl befinden! Sehr treffend würde das freche und zugleich fetde Benehmen der Hakenkreuzler von einem der F e s t g ä s t e b e u r t e i 11, der zufällig vorüberging und den Haken kreuzlern zu rief: «Pfui! Ich bin ein Arier und schäme mich eure r!» Samstag um 11 Uhr erschien der Rektor Pr. I r, n i t z e r in der Aula und gab den Pedellen Weisungen, um die Ruhe aufrecht zu erhalten. Aber gleichzeitig konnte mau unter den Völkischen den berüchtigten Diplomkaufmann Körber beobachten, wie er mit napoleonlscher Miene den bakenkreuzlerischen Gruppen «Befehle» erteilte. . . . Vor 141 Uhr sammelten sich nach dem Bummeln gegen 500—600 hakenkreuzler i sch e Studenten vor der Aula und begannen durch geschmacklose Bemerkungen die Juden zu provozieren. Ein Student den man Irrtümlich fü r e 1 n en Juden hielt, wurde von den Stiegen herabgestoßen und vergeblich Intervenierte er beider Polizei, die diesem Treiben auf der Rampe ruhig zu«ah. Die Pedelle, die den Auftrag vom Rektor erhalten hatten, bei derartigen Zwischenfällen sofort einzuschreiten oder die Legitimationen von den Radaustudenten abzuverlangen, taten nichts, um die 0rdn u n g a u f r e c h t z u e r h a 11 e n. Nach 141 Uhr hörte man die üblichen Hauptpnrolen: «D e u t s e h 1 a n cl erwache, Juda ve rrecke. Juden hinaus, Sturm!» und über 500 «h e 1 d e n h af t e» Studenten stürzten sich mit geschwungenen Stöcken, Gumniiknüttcln, Eisenstangen, Schlagringen auf die 5 0 z i o n i s t i s c Ji e n Studenten, die «ich erbittert zur Wehr setzten. Viele jüdische Studenten wurden zu Boden geworfen, mit Füßen getreten und mit Stöcken und Gummiknlitteln erheblich verletzt, so der Student Georg Edmund K-lausz, Theodor Mack (Ivria), Tennenbaum und Fabri (Zephira), welche ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen mußten. Nach 1 Uhr verließen die Hakenkreuzler die Rampe und versuchten am Ring neue Plänkeleien und Ausschreitungen zu provozieren. Ais aber die Polizei einschritt, zerstreuten sich die tapferen Kämpen fluchtartig und verschwanden. — Der Rektor gab am selben Tage in einer Kundmachung den Studenten bekannt, daß er, im Falle einer Wiederholung der Ausschreitungen, entweder das Farbenrecht den Hakenkreuzlern entziehen oder die Universität schließen wird. Dr. Daniel B u k s p a n n, Präsident des jüdischen Hochschulausschusses «Judäa», und die Vertreter der zionistischen Verbindungen sprachen nochmals beim Rektor vor. — Wie wir hören, wird in den nächsten Tagen eine P rote stversa mm lung über die Vorfälle an der Universität Lemberg und Wien stattfinden. Knapp vor Schluß der Redaktion wird uns mitgeteilt, daß der Rektor der Universität die hakenkreuzlerischen Exzedenten in der Weise gemaßregelt hat, daß er ihnen das Farbentragen untersagt und die Anschlagkästen entzogen hat. Eine deutsche Eisengeburt. . . Im «Tag», dem böhmischen Organ der Hakenkreuzler, vom 11. «Ostermond» befindet sich auf der letzten Seite folgende Anzeige: «Die Geburt eines strammen I zeigen hocherfreut an Stadtrat Alois Rauvvolf und Frau Erna. Marienbad, am 11. April 1929.» Diese gynäkologische Schlosserarbeit, zu der man wohl dem Herrn Rauwolf, einem deutschen Geburtenschmied, gratulieren muß, dürfte der armen Frau Erna nicht leicht gefallen sein. Doch der Gott, der Eisen gebären ließ, wollte es scheinbar so haben, daß sich das, was ein Hakenkreuzler werden will, beizeiten krümmt — und zwar schon im Mutterleib ... 6M8OMQOe9aaoe8Q60O8<)OOj9OäOOeOd96O96Ö Redaktionsschluß und Schluß der Inseratenannabme Dienstag um 12 Uhr mittags. Später einlangende Einsendungen können keine Aufnahme in die laufende Nummer finden. Wochen-Kalender I Juni I 1929 Gedenktage n>o a"D”iri 13 Donnerstag Man — Kunsthistoriker Aby Warborg, Rositccr einer der größten kulturwisBousctiafUichea Bibliotheken, geboren. s-n myap 14 Freitag 18W — Tsak Eucbel, Mitbegründer rlor Berliner hebräischen Zeitschrift „Hamenßef'* und Bio* grapb Moses Mendelssohns, in Berlin gestorben. 'K romw Baltarah r Wojbl biaoh'oschim sebanab Sabbatstnfapr 8 üb» 13 Samstag U05 — Manuel Tesajra, der bekannte Flnaiuherator dar Königin Chrlsüno von Sobwerten, ui Amsterdam gostorben. 1881 — Der Midrasohforselier Melr Friadmaim, der bis au seinem Ableben (1Q08) in Wien wirkt, in Kraazna (Ungarn) guboren. 'D n iinw Haitarah: Teilt)»h ld- C’babakak ßabbat&usgang: 8« Uh* 18 Sonntag 1881 — Der bekannte StuaiarYubt- 1er Georg Jclllnek, ein Hohn de» berühmten Predigers Adolf Jeillock, Profossor in Heidelberg, geboren. 1888 —• Charles Netter ■ Begründer der Ackerhausphulo Mlkwoh- Isrnni. gestorben. 8-n 1? Montag 1780 — der bekannte Medailleur ' akob Abraham in Berlin geetorl/on. 1864 — Cola Klrsohncr, die unter dem Pseudonym Ossiy iSoJiubiu bekannte UomanselirU'titollorl», in Prag geboren. 9 — B9 1« Dienstag ■r* 1 0 19 Mittwoch 1874 — Der lionmnsciirii’lMoUer und Fouilletoilst Jaks Janln, Verfasser der t'Oknniiiou seebsbiimligen „Oese’iielile der drninatlsc.Ijen I.ikuatnr in I.Miis gestorben. »-K*

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