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Die Stimme · 1929-06-13 · Heft 76 (13.6.1929) · page 5

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Journal
Die Stimme
Volume
2 (1929)
Issue
Heft 76 (13.6.1929)
Date
1929-06-13
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr, 76 DIE STIMME Beratung abgehalten und beschlossen, für Anfang Juli eine Konferenz der jüdischen Parlamentarier, Mitglieder der Stadtverordnetenversammlungen, anderer jüdischer Mandatare und Träger des Volfcsvertrauens aus ganz Polen zu einer Konferenz zusammenzurufen, auf der die zwölf polnischen Mitglieder des nichtzionistischen Teils der Jewish Agency, die im Verfassungsentwurfe der Agency vorgesehen sind, gewählt werden sollen. Die Beteiligung der Schweizer Juden. Am 16. Juni findet in Basel eine Tagung des «Schweizerischen Israelitischen Gemelndebundes» statt, der sich einzig und allein mit der Frage der Teilnahme der Schweizer Juden an der Jewish Agency befassen wird. Die Frage wurde bereits auf der Tagung des Gemeindebundes vom 26. Mai erörtert, es wurde aber beschlossen, ihr im Hinblick auf ihre Wichtigkeit eine spezielle Tagung zu widmen. Die letzte Delegiertenversammlung des Gemeindebundes tagte in Luzern unter dem Vorsitz des Präsidenten Dreyfuß-Brodski, der auf die Wichtigkeit der Jewish, Agency-Fraige hinwies. Das neue ungarische Numerusciausus-Gesetz Budapest. «Egyenlöseg» bringt die erste Bilanz der neuen Numerus-clausus-Verordnung und stellt auf Grund amtlicher Daten fest, daß sich die Lage der jüdischen Hörer gegenüber früher sogar verschlechtert hat. An den vier Universitäten des Landes waren 9Ö9 jüdische Hörer inskribiert, das heißt 9,3 Prozent aller Hörer. An sämtlichen in die Kategorie Hochschule fallenden Unterrichtsanstalten waren 1290 jüdische Hörer (8,3 Prozent) inskriibert. Ungefähr soviel hat die Zahl der Juden während des Krieges an einer einzigen Fakultät betragen. Die Konferenz der radikalen Zionisten Alis Warschau wird gemeldet: Sonntag, den 9. d. M., begann hier die Weltkonferenz der radikalen Zionisten. Die Delegierten versammelten sich im Einstein-Saale des akademischen Hauses, um über die weitere Arbeit des Weltverbandes zu beraten. Nach den Begrüßungen und der Wahl des Präsidiums begannen die Referate. Die Eröffnungsrede hielt Herr PodMschewski. Er meinte, da' das Aktionskomitee das Agency- Projekt bereits ratifizierte, die Radikalen, als loyale Zionismen, •mitzuarbeiten und unsere üichtziofiistischön .Freunde an . deren; guten Willen wir nicht ^wedfelii •—* zm Zionisten zu machen, entschlossen sein müssen. In seinem Referat über die Probleme des XVI. Zionisteukongresses führte Gr ün ba um aus, daß es nunmehr Pflicht der radikalen Zionisten sei, in den Council der Jewish Agency emzutreten, um dort für die Demokratisierung und Nationalisierung dieser Körperschaft. zu kämpfen, Dr. Soloweits chik und Ingenieur Stricker traten Grünbaums Ausführungen kategorisch entgegen und forderten, daß die radikalen Zionisten außerhalb der Jewish Agency verbleiben sollen. Diese Förderung wurde jedoch von Nahum Goldman n m einer glänzenden Rede, unter lebhaftem Beifall der Konferenz, energisch zurückgewiesen. Es zeigte sich da, daß im Lager der Radikalen selbst eine tiefgehende innere Spaltung Platz gegriffen hat und daß die überwiegende Mehrheit der Ko nfsienz für eine Mitarbeit mit. und in der Jewish Agency eintritt. Die neue.AHjah Das zionistische Einwanderungsdepartement in Jerusalem sowie die Hauptbureaus der Arbeiterorganisationen und die Bureaus der jüdischen Gemeinden werden mit Gesuchen palästinensischer . Einwohner, die ihre Verwandten nach Palästina kommen lassen wollen und um Intervention für Erteilung der Einreisezertifikate bitten, überschüttet. Man sieht in diesem neuen Drang nach Palästina einen Ausfluß des neben wirtschaftlichen Aufschwunges im Land. Die luden in der palästinensischen Polizei ln der palästinensischen Presse wird mit Bedauern die Erscheinung konstatiert, daß die Zahl der jüdischen Polizisten in Erez Israel sich immer weitet ' verringere. Gewiß entschließe sich unter den heutigen Umständen niemand so leicht, eine Stellung aufzugeiben, so daß man aus der Tatsache, daß so viele jüdische-Schutzleute aus der Polizei ansschieden, schließen müsse, daß sehr ernste Gründe dafür vorhanden.seien.- Einer, dieser Gründe sei in dem niedrigen Gehalt zu suchen, das dem Juden die Existenz nicht ermöglicht. Aber die schlechte Löhnung, sei nicht, der einzige Grund für die Tendenz der Juden, die Polizei zu. verlassen: Der Hauptgrund sei vielmehr die schlechte Behandlung und offene Zurücksetzung der Juden, die bei Beförderung übergangen werden. So ist es denn kein Wunder, daß von 19 Juden jetzt nur noch 13 in der palästinensischen Polizei verblieben. Seife S Ein Denkmal für Chaim Salomon Das Schicksal eines polnischen Juden, der in der amerikanischen Freiheitsbewegung eine hervorragende Rolle gespielt hat Ein jüdischer Name schwebt über die Geschichte der Vereinigten Staaten von Nordamerika, ein einfacher jüdischer Name, um dessen Geltung und Ehrung seit Jahrzehnten hartnäckig gekämpft wird... Chaim Salomon, ein simpler jüdischer Kaufmann aus Polen, wanderte um die Mitte des 18. Jahrhunderts aus seiner polnischen Heimat nach Amerika aus. Unterwegs hiplfc er sich mehrere Jahre in Deutschland, Frankreich, Holland und Spanien auf, lernte die Sprachen, und die Sitten der Länder, die er durchwanderte, betrieb da mit wachsendem Erfolg ein kleines Wechselgeschäft und war, als er nach Jahren der Wanderung in New York ankam, ein wohlhabender und angesehener Mann mit respektablen internationalen Geschäftsverbindungen, die er in der neuen Welt entsprechend auszuwerten begann. Ef gründete in Philadelphia ijnd New York groß« Bankgeschäfte, die eine glänzende Entwicklung nahmen, und avancierte in überraschend kurzer Zeit, während der amerikanischen Unabhängigkeitskämpfe gegen die Engländer, zum Staatsbarikier. der amerikanischen Unabhängigkeitsregierung. Er finanzierte den kostspieligen Feldzug der aufständischen amerikanischen Kolonisten gegen die englische Militärherrschaft und wurde von George Washington zu seinem Ratgeber und Mitarbeiter* bestimmt. Als die Engländer New York besetzten, nahmen sie sogleich Chaim Salomon gefangen, von dem sie wußten, daß* er der Lebensnerv der amerikanischen^ Unabhängigkeitsbewegung war. Er würde unter dem Verdacht einer zugunsten der Washington-Armee betriebenen Spionage in Festungshaft genommen, nach einiger Zeit aber wieder befreit. Später wurde er neuerlich gefangengenommen und diesmal zum Tode verurteilte Es gelang ihm jedoch zu flüchten Unser Schlager zu Hoffen- Kassapreis S 66*-- oder Anzahlung S IO*— und 12 Raten ä S 5*80 mit eingebautem Plattenbehälter für 8 bis 10 Schallplatten u. einer doppelseitigen Schlagerplatte, —- Große Auswahl in jüdischen und hebräischen Aufnahmen. Musikhaus Exzelsior Inhaber: Richard. Herzog Wien, I., Adlergasse 5. Telephon R 23-4-90 Wien, H., Kl. Pfarrgasse 28. Telephon A 41-6-24 und in Philadelphia, das damals in den Händen der Aufständischen lag, Schutz vor seinen Verfolgern zu finden. In Philadelphia widmete sich Chaim Salomon erst recht der patriotischen Aufgabe der Befreiung Amerikas' von den Engländern und er wurde zum Finanzberater im revolutionären Kabinett George Washington ernannt, in dem er dem Finanzminister Robert Morris zur Seite stand. Die amerikanischen Historiker rühmen die beispiellose Opferfreudigkeit und Hingabe des jüdischen Patrioten, der sein ganzes Vermögen — nahezu eine Million Dollar — für die amerikanische Unabhängigkeitsbewegung hingab. Als die Revolution beendet war, stand Chaim Salomon völlig verarmt da. Er starb im Alter von 45 Jahren an den Folgen einer Herzkrankheit, die er sich in der englischen Festungshaft zuzog. Seither dauert der Kampf um die Ehrung dieses jüdischen Mannes, der für die Unabhängigkeit Amerikas gekämpft und gelitten hat, fast ununterbrochen an. Schon vor etwa 100 Jahren, bald nach dem gegen Ende .des 18. Jahrhunderts erfolgten Tode Chaim Salomons, tauchte zum erstenmal der Plan auf, dem großen jüdischen Freiheitskämpfer ein Denkmal zu setzen. Später, im Jahre 1850, wurde dem amerikanischen Kongreß, ein Vorschlag unterbreitet, den Erben Chaim Salomons die Summe zurückzuerstatten, die der polnische Jude für die Unabhängigkeit Amerikas geopfert hat. Diesen Vorschlag aber haben die Erben entschieden abgelehnt. Jahre vergingen* Amerika wurde immer größer und mächtiger, aber der jüdische Kämpfer, der sich um die Freiheit und Größe Amerikas so sehr verdient gemacht hat, geriet immer mehr in Vergessenheit. Nun wurde m Jahre 1924 vom „Verband der polnischen Juden in den Vereinigten Staaten von Amerika“ die Initiative ergriffen, Chaim Salomon im Namen des amerikanischen Judentums auf einem öffentlichen Platze New Yorks ein würdigem Denkmal zu setzen. Es war gerade um die Zeit, da in den Vereinigten Staaten die Haßwellen gegen die jüdischen Immigranten besonders hoch gingen und der Arbeitsminister Davis in einer Reihe aufsehenerregender Summi-Stpürnpfe „tSjföWuiA s£;3 Artikel gegen die Invasion östlicher Immigranten in scharfer Form loszog. Es wurde auf Initiative des Verbandes der polnischen Juden ein Chadm-Salomon-Denkmalkomitee ins Leben gerufen, dem führende jüdische und nicht jüdische Persönlichkeiten angehörten. Und nun begann die Suche nach einem geeigneten öffentlichen Platz, den die New Yorker Stadtverwaltung „grundsätzlich“ zur Verfügung zu stellen beschloß, der aber bis heute noch nicht bezeichnet wurde. Inzwischen wurde von antisemitischer Seite die prinzipielle Frage aufgeworfen, ob dieser polnischer Jude, dessen Ahnen „Händler und Melamdim“ waren, überhaupt eines Denkmals würdig ist. Es fanden sich gewisse Kreise, die natürlich prompt bereit waren, das Andenken des großen jüdischen Patrioten zu beschmutzen und ihn als „Wucherer und Nutznießer der amerikanischen Revolution“ hinzustellen. So kommt es denn, daß das Denkmal für Chaim Salomon, der eine hervorragende Rolle in der Geschichte der, Vereinigten Staaten gespielt und den Coo- 1 i d g e als eine „leuchtende jüdische Persönlichkeit“ bezeichnet hat, bis heute nicht erricht tet wurde und vermutlich niemals errichtet werden wird... Antisemitische Professoren, die ihren Jüngern nacheifern ... Die Exzesse in Posen In den letzten Tagen fanden in Posen, der Hochburg des polnischen Antisemitismus, Exzesse gegen Juden statt, die ebenso wie in Lemberg von der akademischen Jugend inszeniert wurden. Die Polizei hat ungefähr 20 Personen,, welche an diesen Ausschreitungen teilnahmen, verhaftet. Der Pöbel griff jedoch den Polizeiwagen, in denen die Festgenommenen saßen, an und versuchte, sie gewaltsam zu befreien. Erst als die Wache vom Leder zog, konnte sie die Straße säubern und riegelte auch dann die Straßen, in denen die Juden wohnen, durch einen dreifachen Kordon ab. Das Gerücht, daß die jüdischen Kioske auf der Landesausstellung demoliert wurden, wird von der polnischen Presse abgeleugnet. Der «Robotnik» teilt mit, daß an den Unruhen auch Professoren der Universität teilgenommen haben. Die demonstrierenden Studenten überfielen vorübergehende Juden. Unter anderem wurde auch der Bruder des bekannten Posener Geistlichen Prondzinski, den man wegen seines langen Bartes für einen Juden hielt, von der Masse blutig geschlagen. Man zählt bereits hundert Verletzte. Lipsky in die Schweiz abgereist Louis Lipsky, Mitglied! der Exekutive und Präsident der amerikanischen Zionistischen Organisation, der —• wie seinerzeit berichtet — während seines Palästina- Aufenthaltes erkrankte und operiert werden mußte, ist nunmehr völlig wiederhergesteMt. Er hat sich auf Anraten des Arztes am 1. Juni zur Erholung nach der Schweiz begeben und wird danach am zionistischen Kongreß teiilnehmen. (Die Operation an Lipsky, der sich bekanntlich eine lebensgefährliche Luftröhfeainfektion zugezogen hatte, wurde, wie man uns aus Palästina mitteilt, von dem bekannten Spezialisten Doktor Markus S a 1 z b e t g e r, der an der Wiener Universität studiert hat, ausgeführt.)

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