Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 2 (1929)
- Issue
- Heft 76 (13.6.1929)
- Date
- 1929-06-13
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. T6 DIE STUMME - 'Steife 3 Mensches) tun der anderen Seile erhalten werden, lat ein Zuwachs, ttwas, das w*r nie halten und worüber wir auch nicht souverän Verfölgen konnten. Die Opposition sieht es als Hauptgravamen an, daß die Exekutive der Jewish Agency nidht dem Kongreß verantwortlich sein wird. Nach dem Gesagten glaube ich nicht, daß uns daraus Gefahren erwachsen können. Darüber zu streiten, ist heute müßig. Nur die Zukunft kann lehren, ob die Befürchtungen richtig waren. Aber ich glaube, die Verantwortung vor dem Kongreß ward die neue Exekutive der Jewish Agency, wenn auch sicher nicht fonmell, aber doch essentiell tragen. Denn glaubt man wirklich, daß irgend jemand im Judentum und besonders die nicbtzionistischein Mitglieder der Jewish Agency-Exekutive den Zionistenkongreß nicht als die höchste Autorität ln der ganzen Sache ansehen werden? Glaubt man wirklich, daß jene Exekutivmitgiieder die Kontrolle in der jüdischen, namentlich der palästinensischen Oeffentlicbkeiit, im der zionistischen Presse und auf dem durch demokratische Wahlen zustande kommenden Kongreß als völlig belanglos amsehen und in vollkommener Nichtachtung dieser Faktoren ihre etwaigen ruchlosen »ntimationalen Pläne etc. verfolgen werden — deren Durchführung ihnen ja ohnehin nicht möglich wäre, weil ja noch die zionistische Hälfte der Exekutive da ist? Versteht man aber, daß von nun ab der Kongreß durch Sachlichkeit und Höhe der Debatten, konstitutionelle Korrektheit und die Würde, die er als Ganzes bewahren muß, sich jetzt über das zionistische Gebiet hinaus zur Geltung bringen, muß als einziges vom Volke gewähltes jüdisches Weltparlament, so wund man einsehen, daß er gerade von jetzt an ein noch wichtigeres Instrument sein wird als bisher, daß seine Aufgaben nur formell vermindert erscheinen, seine Bedeutung aber gewachsen ist. Wie kann man angesichts dieser Situation vom Ende der Kongresse sprechen! Man kann es nur, wenn man an Stelle einer psychologischen und dynamischen Auffassung darüber, wie eine Bewegung Wird und wächst, eine mechanische setzt. Die Abzlnketumg von Nichtzionisten, die den Palästinaaufbau verantwortlich fördern, und Zionisten besteht nur in den Gehirnen, diese Nichtzionisten selbst haben sich dagegen gewehrt, und wie könnten sie in der gemeinsamen Arbeit fü-r Zion ihre lebendigen Seelen dem Prozeß entziehen, daß die Palästinaliebe, diie «Chlbat Zion», zum «Mericas ha Ruach», dem seelischen Mittelpunkt wird, weichem Prozeß Achad Haam als den einzigen Weg zur Zfonteienung - der entjudeten Juden bezeichnet«! Es ist nicht wahr, daß wir Kampf gegen den Aus Moskau wird gemeldet: Die einst von X. C. A. in Dubrowne, Kreis Orsohe, für Juden begründete Fabrik, an. der gegenwärtig auch 35 Prozent christliche Arbeiter beschäftigt sind, hat den Dienstag statt des Sabb&th als Ruhetag der Woche eingeführt. Den gleichen Beschluß faßte die Produktionsgenossenschaft der Schneider in Dubrowne, die 40 jüdische Arbeiter zählt Diese Beschlüsse sind eine Folge der erneuten antireligiösen Kampagne. Kaukasische jüdische Arbeiter der Fabrik „Trikotaschnik“ in Machatsch-Kala, der Hauptstadt von Daghestan, haben besohloesen, den Freitag statt des Samstags als Wochenruhetag zu feiern. Amerikanische Aktion gegen die Verfolgung des Judentums in der Sowjetunion New York. Das Administrativ-Komltee des ‘American Jewish Congress wählte eimert Ausschuß, der sich mit der Frage zu befassen hat, ob — wenn alle anderen Mittel versagen — eine öffentliche politische Aktion gegen die Verfolgung des jüdischen Glaubens, der hebräischen Sprache und des Zionismus in Rußland durch die «Jewsekzia» und die Sowjetbehörden einzuleiten sei. Religionskrieg in Minsk Die Zeitungen berichten über einen «Religionskrieg», der in Minsk ausgebroehen ist und an dem sich mehr als 350 Juden beteiligten. Ein jüdischer Witwer nämens Simcha Gruschke heiratete eine christliche Frau und wollte mit ihr Und seinen Kindern aus erster Ehe nach Biro-Bidschan fahren. Die Kinder weigerten sich aber, mit ihrer christlichen Stiefmutter die Reise anzutreten. Als der Vater und die Stiefmutter die Kinder zwingen wollten, mit ihnen zu reisen, versammelten sich etwa 350 Juden vor dem Hause Und nahmen für die Kinder Partei, Schließlich vertrieb Polizei die Menge und verhaftete mehrere der Demonstranten. Jüdische Kolonisten kämpfen um ihren Boden Ein ernster Bodenstreit ist zwischen dem Landkommissariat des Kreises Dzankoj auf der Krim und den dortigen jüdischen Kolonisten ausgebrochen. Die jüdischen Kolonisten erhielten seinerzeit 750 Hektar Boden. 1027 hat das Bodenkommissftriat ihnen 400 Hektar wieder abgenommen, um sie russi- Doms-KtBdertaü 3Karus$ef~&ahrten fikr 1 &otus~&htclkfiahen9 fcftautofSen, Jfux- Basar, Jiiitittir&onxert, Xirftusvovfiettum&em usn>. mit denselben Juden, die mit uns in der Agency sitzen, in den Kahals usw., Machtkämpfe haben werden. Es sind mit wenig Ausnahmen nicht dieselben, denn die «Unionsjuden» usiw. unterschreiben das Mandat nioht und gehen nicht 'in die Agency. Die Aigencyjuden, wenn man so sagen darf, werden in kurzem Zionisten sdn, sie sind schon auf dem besten Wege dazu. Anstatt wie Don Quichotte an einen Popanz anzurennen, der nur in der eigenen Phantasie lebt, sollten wir uns zumindest als das betrachten, was wir bei bescheidenster Auslegung sind, als das Ferment, das die Judenheit in Gärung zu bringen hat, oder wenigstens, wie ich im ersten Teil ausgeführt habe, den Katalysator, dessen bloße Anwesenheit schon den Umbildungsprozeß veruTsacht. Zu solcher Wirkung ist aber nötig, daß dieser umbildende Stoff rein und echt, daß er nicht selbst durch Innere Zersetzung schon zerfallen ist. Die Hauptgefahr, die ich anläßlich des Kampfes um die Erweiterung der Jewfeh Agency sehe, ist eben diese, daß wir an unseren eigenen Untergang -selbst glauben, ist der «Defaitismus». Zionisten, die einen beispiellosen Erfolg in eine Niederlage umdeuten und die Waffen nieder legen wollen, bevor noch ein Schuß gefällten ist, das heißt den Kongreß, ihre oberste Instanz, den höchsten Aus- Nur diese Schwedenklinge macht Rasieren zum Vergnügen Die führende schwedische Weltmarke. druck, der volklichen Selbstbestimmung totsagen, weil sie eine Anzahl gutwilliger Mithelfer für bedrohlich ansehen gegenüber den Trägern einer historischen Idee u nd Repräsentanten einer in wunderbarer Weise vor . sich gehenden volklichen Renaissance. Dieser Schwächeanfall muß überwunden werden, dazu diene die Seihsterkenn tofs der zionistischen Organisation auf dem XVI. Kongreß. Sabbath in Rußland sehen Bauern als Weide zu übergeben. Vor kurzem wurden den jüdischen Kolonisten weitere 260 Hektar abgenommen, so daß sie keinen Weideplatz mehr für ihr Vieh und keine Entwicklungsmöglichkeit für ihre Wirtschaften haben. Die jüdischen Kolonisten wandten sich an KOMZET. um Hilfe. Konferenz der «Jewsekzia» In Moskau wurde dieser Tage eine Plenarsitzung des Zentralbüros der jüdischen Sektionen der kommunistischen Partei abgehalten, in der ein Arbeitsplan betreffend wirtschaftliche Stärkung des jüdischen Elementes im Rahmen der allgemeinen Wirtschaftsentwicklung der Sowjetunion aufgestellt .wurde. Die Hakenkreuzler wollen ihre Ritualmord-Debatte 'Aus München erfahren wir: In einer Sitzung des bayrischen Landtages verlangte die Fraktion der Nationalsozialisten eine' Aussprache über „Ritualmord“. Als Vizepräsident Auer (Sozialist) eine solche Aussprache nicht zuließ, weil hierüber erst beim zweiten Abschnitt des Kultusetats gesprochen werden könne, schlugen die Nationalsozialisten Lärm. Vizepräsident Auer ließ abstianmen, wobei die Forderung der Hitler-Fraktion abgefeimt wurde. Der Hakenkreuzler Dr. Hellmuth erklärte, die Aeußerung des Kultusministers, daß die Juden deutsche Volksgenossen seien und daß ein, moderner Mensch an Rdtualmord nicht glauben könne, zwinge des Redners Fraktion zur Ablehnung des Ministergehalte. Amerikanisches Reformjudentum ehrt Dr. Weizmann Aus Anlaß des Beginnes des neuen Semesters des Hebrew Union College (Rabbinerhochschule des Reformjudentums) in C i n c i n n a t i wurde D r. W e i zmann und Frau Lily Montague, Führerin des Liberalen Judentums in England, das Ehrendoktorat verliehen. Die Ehrung Dr. Weizmanns durch die Hochschule des Reformjudentu-ms wird hier allgemein als ein Umschwung in der Gesinnung des Reformjudentums gegenüber dem Zionismus betrachtet. Die Schlußsitzung des Aktionskomitees Einberufung der Agency — Depesche der amerikanischen Aktionskomitee-Mitglieder — Die Deklaration der Radikalen. In der Schlußsitzung des Aktionskomitees wurde eingehend über die noch nicht erledigten Paragraphen des Verfassungsentwurfes der Jewish Agency beraten. Im Laufe der Sitzung verlas der Vorsitzende Leo Motzkin nachstehende Depeschen: «Die amerikanischen Aktionskomitee-Mitglieder bringen ihren dringenden Wunsch zum Ausdruck, daß der Council unmitelbar nach dem XVI. Kongreß einberufen werde. Coralnik, Fishman, Goldberg, Rothenberg, Samuel, Silver, Wise.» «Die in einer Sitzung versamelte Exekutive der Zionistischen Organisation Amerikas schließt sich dem Verlangen der amerikanischen Aktionskomitee-Mitglieder betreffend die Einberufung des Councils der Jewish Agency unmittelbar nach dem Kongresse an. Stone, Vorsitzender, Weisgal, Sekretär.» Nach einem Referate Felix Rosenblüths gelangten zunächst die Fragen der Vorbereitung und Tagesordnung des 16. Zionistenköngresses zur Verhandlung. Es wurden Anregungen betreffend die zu erstattenden Referate gegeben. U. a. erklärte sich die Exekutive mit einer Anregung einverstanden, bei der Vorbereitung des Budgetentwürfs für den Zionistenkongreß sich mit einer aus den Herren Meier Berlin, Dizengoff, Harzfeld, Kaplan, Ruppin und Suprasky bestehenden, aus den Reihen der in Palästina wohnenden Aktionskomitee-Mitgrteder entnommenen, Kommission zu berate#. Kurt Blumenfeld erstattete namens der Häclischarah-Kommission Bericht und schlug im Einvei^ ständnis mit der Exekutive die Annahme nachstehender Resolution vor: «Das Akitonskomitee bringt der zionistischen Bewegung im gegenwärtigen Augenblick aufs neue die Bedeutung der Hachscharah zurrt Bewußtsten und empfiehlt der zionistischen Organisation dringend, im nächsten Budget den Posten Hachscharah entsprechend seiner Wichtigkeit in erhöhtem Ausmaße zu berücksichtigen.» Der Antrag wird einstimmig angenommen. Hierauf wurden in der bis 4 Uhr morgens dauernden Sitzung die restlichen Punkte des Verfassungsentwurfes beraten und angenommen. Am Schlüße gelangte nachstehende von Bileskl, Ärlosroff, Hindes, Rosenblüth, Hugo Herrmann, Blumenfeld eingebrachte Resolution zur Annahme: «Das Aktionskomitee stellt nach Prüfung des von der Exekutive vorgelegten Entwurfes einer Verfassung für die erweiterte Jewish Agency fest, daß sie den wesentlichen Forderungen genügt, die vom Kongreß und vom Aktionskomitee als hauptsächliche Grundlagen für die Agency beschlossen worden sind. Das Aktionskomitee bestätigt die auf der letzten Sitzung gefaßten Beschlüsse und beauftragt die Exekutive, dafür Sorge zu tragen, daß der Council der erweiterten Jewish Agency unmittelbar nach dem 16. Kongreß zu seiner konstituierenden Sitzung zusammentreten kann. Das Aktionskomitee ersucht die Exekutive, dahin zu wirken, daß der gültige Text der Verfassung den Forderungen Rechnung trägt, die das Aktionskomitee in dieser Sitzung zum Beschluß erhoben hat.» Dagegen stimmten nur Grünbaum und Soloweitschik. Nach der Resolution gab Grünbaum namens der Radikalen nachstehende Deklaration ab* «Nachdem die von uns vorgelegten Anträge und Resolutionen, durch die wesentliche nationale und zionistische Forderungen sowie Kongreßbeschlüsse zur Verwirklichung gebracht werden sollten, abgelehnt worden sind, konstatieren wir, daß die Bevollmächtigung der Exekutive zur Einberufung des Councils der erweiterten Jewish Agency sofort nach dem Kongreß formen eine Verletzung der Beschlüsse der früheren Kongresse sowie eine Vorwegnahme der Stellung des 16. Kongresses bedeutet und sachlich die Existenz der zionistischen Organisation und den nationalen Charakter des Aufbauwerkes in Palästina gefährdet. Aus diesem Grunde erklärt die Radikale Fraktion, daß sie alle diesbezüglichen Beschlüsse des Aktionskomitees als illegal betrachtet. Sie wird ihre Vertreter aus den Kommissionen der verschiedenen Länder, die zur Vorbereitung der Wahlen zur erweiterten Jewish Agency eingesetzt worden sind, zuruckziehen und an die zionistische Oeffentlichkeit appellieren, damit der kommende Kongreß der PojJWÜtfp*