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Die Stimme · 1929-05-30 · Heft 74 (30.5.1929) · page 9

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Journal
Die Stimme
Volume
2 (1929)
Issue
Heft 74 (30.5.1929)
Date
1929-05-30
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
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Nr. 74 Die STIMME 5me* Herren* und Hamen-Kleider hoch Maß Briefe» SteftonnbU ZiUtaf a«h tMfeMriafew&ara. Johann Biiciim Wien, TL, M*rlBbilferstr*ß« 107, TeL B 27*2^8 11.000 jüdische Familien sollen in der Ukraine angesiedelt werden. 11.000 jüdische Familien in den. kleinen Städten 'ddr Ukraine sollen auf den freien Böden rings um die Städte landwirtschaftlich kolonisiert werden. Es sollen kleinere Intensiv-Wirtschaften errichtet werden, m denen die jüdischen Deklassierten sich im Gartenbau, in der Tabakpflanzung wie in der Geflügelzucht betätigen sollen. In Swenigorodke werden laut Beschluß des Exekutivkomitees 700 jüdische Familien angesiedelt werden, die zusammen ein großes Stedhingiskollektiv bilden sollen. Das Kollektiv wind sich mit Geflügelzucht, Milchwirtschaft und Gärtnerei beschäftigen. Eine Summe von 100.000 Rubel wurde für diesen Zweck zur Verfügung gestellt Eine Synagoge aus dem ersten Jahrhundert In Transjordanien ausgegraben Der von der British School of Arcbeology .und «Her der Yale-Universität enfstandten Expedition, die unter der Leitung von J. W. Crowland steht, Ist es gelungen, in Jerash, Transjondanden, unterhalb einer ao&gegrabenen Kirche, aus dem Jahre 529 bedeutende Reste einer Synagoge zu entdecken, die, wie man glaubt, aus dem ersten christlichen Jahrhundert stammt Man hat Grunde anzunehmen, daß die Kirche über der Synagoge zur Zeit der antijüdischen Verfolgungen in Transjordanien als Folge des von Kaiser Jusiinian gegen die Juden erlassenen Ediktes erbaut worden ist Jerash ist das alte Gerasa, und liegt etwa 50 Meilen nordöstlich von Jerusalem* zwischen den Bergen von Gitead. Der Gaon von Zaleszczyki gestorben In Zaleszczyki verstarb im Alter von 90 Jahren der, als der «Gaon von Zalesczcyki» in GaMen populäre Rabbiner Ar je Leib Bentfeld. Er hat viele tatorudische Bücher verfaßt und verfügte Über eine ‘große allgemeine Bildung. Er betätigte sich führend im Misraohi. 20.000 Dunam für die Beduinen Jerusalem. Die Palästina-Regierung hat soeben im /Gebiet von Jericho eine Fläche von 20.000 Dunam Baden unter Beduinen verteilt -— J Die jüdische Arbeit in Erez Israel Konflikt im Stadtrat von Jerusalem. Die jücßsctoen Vertreter im Stadtrat von Jerusalem haben ihren Rücktritt angedroht, da trotz tler wiederholten Interpellationen von jüdischer Seite in der bisherigen Politik keine Aenderung eingetreten ist. Die jüdischen Beschwerden richten sich. Insbesondere gegen die vollständige Uebergehung jüdischer Arbeiter und Unternehmer bei der Vergebung städtischer Arbeiten, sowie bei Anstellung neuer. Kräfte in der Stadtverwaltung. Die Vereinigung der jüdischen Arbeiterparteien in Erez Israel Nach Meldungen der hebräischen Presse stehen 'die Verhandlungen über die Vereinigung der beiden jüdischen Arbeiterparteien ln Palästina, ' «Ächduth Haawodah» imd «Hapoef Hazair», vor dein Abschluß. Es wurde ein Programm für die künftige gemeinsame .Tätigkeit ausgearbeitet, das von den .©Ihrem beider Parteien genehmigt wurde. Konferenz der radikalen Zionisten in Warschau Am 9. und 10. Juni d. JL findet in Warschau eine Konferenz der Vereinigung radikaler Zionisten statt, der Delegierte aus Polen, Gaffelen, der Tschechoslowakei, Altrumälien, Bukowina, Deutschland, Oesterreich' usw. beiwohnen werden. Die Keren Hajessod-ElngSnge im April Die Nettoeimgänge beim Hauptbureau des Keren Hajessod betrugen im April 1929 laut provisorischer, Aufstellung 34.073 Pfund. Davon stammen aus den Vereinigten Staaten 14.912 Wund, England 4500 Pfund, Südafrika 4000, Aitrusnäniten 2995, Deutschland 1932 und Holland 1335 Pfund. Der Rest ging aus anderen Ländern ein. 1 »v Im Verlauf des Monats März 1929, w$ren beim Hauptbureau in Jerusalem 44.700 Pfund ejngegangen. Im Februar d. J. betrugen die Eingänge 37.358 Pfund, im Jänner d. J. 30,990 Pfund'. r\ i t% i j r\ I# LI Der heilige Becher des Don Jtzchak Abarbanel Eine jüdische Volkslegende aus der spanischen Zeit (Schluß.) IV. In der Nacht wurde der König von Spanien in seinem Bette aus Elfenbein von einem Traume gestört. Der alte Fürst, Don Jizchak Abarbanel, stand vor ihm und sprach: «Viele Güter besaß ich im Leben, die ich alle in deinem Lande beließ, als ich in die Verbannung ging. Mein ältester Sohn Juda lebt in Venedig in größter Armut und wird dort mit all seinen Brüdern in wenigen .Tagen in die Verbannung gehen müssen, Mein Sohn Juda ist so arm, daß er noch nichts hat, um das Pessachfest vorzubereüen und sich Zehrung für die weite Reise zu verschaffen. Darum sage ich Dirs Verkaufe meine Güter, die ich bei Dir zurückgelassen habe und bringe den Erlös meinem Sohne Juda nach Venedig.» In den kommenden Nächten wiederholte sich der Traum mit gleicher Lebendigkeit und Beharrlichkeit Als der König erwachte, spürte er Schrammen an verschiedenen Körperstellen und erinnerte sich der warnenden Worte des Geistes, daß er ihn SIEGM. KORNMEHL OBO88FZ1EX8OBBAUEBBX Zentrale IX, Berggaw 19, Tel. A17-3-99 n. A16-9-34 Lieferant für Heilanstalten, AbteilunoenfQi^gvvFIelsch unter Aufsicht des Ehrwürdigen Rabbinats der Israelitischen Kultusgemeinde Wien Autmrastellwna kostenlos IX, Berggassa 15 XVIII, Währingerstraße 97 bis zum Tode quälen würde, Nacht für Nacht, wenn er den Auftrag nicht ausführen sollte. Da gab der König nach. Er Heß durch seine Verwalter all die von Don Jizchak Abarbanel hinteriassenen Guter feststeleln und verkaufen. Er selbst nahm den Geldbeutel In die Hand und ging aufs Schiff, das am ersten Adar den Kurs nach Venedig nahm. V. Mit tiefem Kummer im Herzen saß Juda in seinem Gemach in Venedig. Geber ihn und all seine Brüder war das Verhängnis der Austreibung gekommen, und er wußte nicht, ob er recht gehandelt hatte, wegen eines Bechers, und sei dieser auch kostbarer QQQMOW9QOWOOQ89QCQQg(W9WWW9WCOO KAUFT FISCHE bei PFITZNER «fc HATZI II. Toltertplati, Fischhalle (Tel- R 40-2-38) YL Pilgrambrttcke» Fischhalle (Tel. B 24-4-23 X. Bel Lichteusteiustrafie 112, FischhaUe (Tel. A 11-2-59) X. Cohunbusplftts, Fischhalle (Tel. U 47-1-30) Den ganzen Tag in feinstem Olivenöl gebackene heiße Fische woaooewwesseeeoeoQoeoeeaoeeeeoaoMfl und heiliger Familienschmuck, so viel Leid auf sich zu nehmen und über andere zu bringen. Wollte er selber leiden, hatte er aber dann das Recht, auch die ganze Jüdische Gemeinschaft von Venedig in solche Gefahr zu bringen? Die Festtage des Pessach nahten heran, und gleich nach den Feiertagen hatten sie sich auf den Weg begeben. Der Frühling blühte, in voller Pracht. Rabbi Juda ging aus dem Hause, wandelte ziellos durch die Straßen, um den Schmerz zu betäuben und gelangte so bis an den Hafen. Da erblickte er, wie sich ein Schiff dem Ufer näherte, das die spanische Königsflägge trug. Wie im Zwange ließ er das Schiff nicht mehr aus den Augen und beobachtete, wie es anlegte. Er sah dann eine Gruppe von Männern in fürstlicher Gewandung an Land gehen. Einer trat auf ihn zu und fragte: «Bist Du ein Sohn dieser Stadt?» «Ich wohne in dieser Stadt seit meiner Kindheit, und kenne sie wie kaum ein anderer.» «Kannst Du uns sagen, wo ein Mann mit Namen Juda, Sohn Jlzchaks aus dem Geschlechte der Abarbanels sein Haus hat?» Juda erschrak im ersten Augenblick, da er seihen Namen nennen hörte, so sehr, daß er kaum einer Antwort fähig war. D^nn aber faßte er Mut und sprach: «Ich bin es selber, den Ihr suchet.» Aus der Mitte der Gruppe tratsder Mann hervor, in dem Juda sofort den König von Spanien erkannte. Dieser meinte vorsichtig, man könne einem Fremden nicht ohne weiteres trauen, man müsse erst prüfen, ob seine Angaben auch wahr seien. So gingen sie in die Stadt, wo sich bald bestätigte, daß sie in dem Führer den Gesuchten vor sich hatten. Darauf händigte ihm der König den vollen Geldbeutel aus. Ein Trost war in das Düster der Juden von Venedig eingetreten. Rabbi Juda sah im ganzen ein Wunder, das nicht ihm allein galt. Er verteilte mit vollen Händen, un,d die Juden konnten ein schönes Pessachfest begehen. VI. Es kam der Sederabend. Das ganze Haus prangte in Licht und Glanz und hallte von all den alten Liedern wider. Nur Rabbi Juda saß betrübten Herzens auf seinem Bette. Seine tapfere Frau tröstete ihn: «Warum die Trauer im Herzen und im Blick? Du siehst, wie rasch Gott seine wundervolle Hand walten läßt Wir hatten nichts im Hause am Rüstetage zum Feste, und sitzen jetzt an reich gedeckter Tafel und sind auch im Besitz von Geld und Gut, das uns auch die Ausreise erleichtert.» «Und dennoch,» sprach Juda, «werde ich den Gedanken nicht los, daß meinetwegen das Verhängnis über die ganze Gemeinde kam. Und dann: Zwei Dinge fehlen zum vollen Glücke unseres Sederabends: der Gast am Tische und der heilige Becher, der sonst der Tafel höchster Schmuck an diesem Abend war.», Die wackere Frau suchte ihren Gatten zu beruhigen. Das mit der Austreibung sei göttliches Verhängnis und er dürfe nicht die Schuld auf sich nehmen. Auch das mit dem Becher. Was aber den Gast anbelange, so könnte man vielelicht noch versuchen, einen aufzutreiben. Er möge doch auf die Straße hinausgehen, vielleicht fände sich noch jemand, der an ihrem Feste teilnehmen wollte. Rabbi Juda hörte auf den Rat seines klugen Weibes und begab sich ins Lehrhaus, in der Hoffnung, noch einen armen Gelehrten aufzufinden. Wirklich stand dort an der verschlossenen Türe ein jüdischer Mann. Er nahm ihn an der Hand und bat ihn, doch’ mit ihm zu gehen und das Fest in seinem Hause zu feiern. Der Fremde willigte scheinbar beglückt ein, und er ging schweigend mit Rabbi Juda. Zu Hause angekommen, blieb der Gast im Vorzimmer, indes Rabbi Juda in das innere Gemach eilte, seiner Frau die frohe Kunde zu bringen. Beide begaben sich ins Vorzimmer, um den Mann willkommen zu heißen und ihn ms Haus zu geleiten. Wer schilderte aber ihren Schrecken, als sie draußen den Mann nicht mehr fanden. Er war verschwunden. Sie suchten ihn überall im Hause und um das Haus herum, riefen nach ihm, aber er war nicht mehr zu sehen. Da erblickten sie auf dem Tische einen blinkenden Gegenstand, Es war der kostbare Becher.. Der Gast aber blieb unauffindbar. Hier waltete eine: geheime Hand Gottes, und sie waren, da sie nun Sen Seder ohne Gast, aber mit dem «heiligen Becher» hielten, von dem Wunder ganz überwältigt. VI. Sie feierten rden Abend nach Gesetz und Brauch. Als sie zu Beginn des zweiten Teiles die Tür öffneten, da trat plötzlich der Fremde ins Haus und setzte sich an den .Tisch, an der Stelle, wo der «heilige Becher» stand. Wie sie weiter in der Hagada fortfahren wollten, da gebot der Gast Halt und erzählte eine eigene kleine Hagada. Er erzählte all das, was dem König von Spanien in seinen Träumen widerfahren war* Dann sprach der Fremde: «Du hast den Becher in die Hut des Propheten Elijahu gegeben. Er aber, Elijahu, befiehlt dir; .Gleich nach dem Feste nimmst Du diesen Becher und bringst ihn dem König.» Darauf verschwand wieder der Fremde plötzlich, wie er gekommen war und man sah ihn nicht wieder* Nach dem Feste ließ sich Juda beim König melden. «Was willst Du bei mir?» fragte der König. «Herr und König,» sprach' Juda, «ich konnte Dir bis jetzt deri Becher nicht bringen, da er nicht in meinem Besitze war. Nun habe Ich ihn, und so bin ich gekommen, um Deinen .Wunsch zu erfüllen. Der, in dessen Besitz er sich befand, hat ihn freigegeben. Und nun laß Günade walten und nehme das .Verhängnis, das Du über das Haus Israels beschlossen hast, zurück.» «Das Edikt ist bereits aufgehoben,» sprach 'der König. «Den Becher kannst du aber wieder mit nach Hause nehmen. Betet für mich, daß Gottes strafende Hand von mir ablasse und ich wieder genese.» An diesem Tage füllten sich die Synagogen zu Venedig mit §ftMn.d§ie dankten Gott für die Wunder, die er seine, Rieben ließ, und beteten auch für die Gesundjieit des Königs. Ihre Gebete fanden FrhKn.nrr at>ef 5a|d dafau{ j,, .»(Sfand indessen Diensten und rsprecner uiid Beschützer, seiner Erhörung. Jtfda .Al Brüder bis zu seinem Lebensende«

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