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Die Stimme · 1929-05-30 · Heft 74 (30.5.1929) · page 6

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Journal
Die Stimme
Volume
2 (1929)
Issue
Heft 74 (30.5.1929)
Date
1929-05-30
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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OBS STIMME Nr. 74 ff |,H.| 1t pende tdtflidl 10 Orosdten in <Hc Das Bindestrich-Judentum und Palästina In der Berliner «Jüdischen Rundschau» finden wir nachstehende Erwiderung auf den antizionistischen Artikel des Hamburger «Israelitischen Familienblatt», die wir auszugsweise wiedergeben: Die englische Finanzpolitik in Palästina ist von uns wiederholt einer Kritik unterzogen worden. Wir Zionisten sind der Ansicht, daß die Ueberschüsse des patätinensisehen Budgets vor allem für produktive Zwecke des Landes verwendet werden sollen und daß z. B. die Bezahlung alter Staatsschulden ln einem so jungen Staate nicht mit überstürzter Eile geschehen muß, sondern sehr wohl auf einen längeren Zeitraum verteilt werden könnte. Auch wurde von zionistischer Seite wiederholt darauf hingewiesen, daß die Kosten des Militäretats in diesem Stadium der Entwicklung von der Mandataumacht und nicht vom Lande Palästina getragen werden sollten. Es wäre für den palästinensischen Fiskus wichtiger, wenn durch Förderung der Produktion und der Einwanderung der allgemeine wirtschaftliche Aufschwung des Landes beschleunigt würde, wodurch auch die Einnahmen der Staatskasse sich vergrößern würden. Wir dürfen aber nicht verkennen, daß die Sache auch eine andere Seite hat. Vor sieben oder acht Jahren wurde in England eine leidenschaftliche Agitation gegen das Palästina-Mandat geführt, deren wirksamstes Argument war, der englische Steuerzahler dürfe nicht für abenteuerliche Unternehmungen im Orient aufkommen. Die Agitation blieb erfolglos, aber sie wirkte auf die öffentliche Meinung Englands nach. Die Bemühung der Palästina-Freunde innerhalb der englischen Politik ging damals dahin, nachzuweisen, daß die Kosten, die Palästina verursacht, sich ständig vermindern. Diese Freunde hatten einen großen Triumph: In der letzten großen Kolomaldebatte im Unterhaus vermochte der Kolonialiminister Amery gegenüber den noch immer vorhandenen Gegnern der Palästina-Politik darauf hinzuweisen, daß Palästina der britischen Staatskasse keine Kosten mehr verursacht, sondern sogar den größten Teil zur Deokung des palästinensischen Militäretats beiträgt. Die Gelder zur Deckung dieses Etats werden aus .den Einnahmen Palästinas genommen, d. h. aus einem '.Budget von insgesamt 2,500.000 Pfund dienen 30.000 '.Pfund, also etwas über 1 Prozent, für militärische Zwecke. Nun könnten wir durchaus verstehen, daß ' grundsätzliche Pazifisten, die immer und jederzeit gegen ‘müitänische Ausgaben Einspruch erheben, gegen die Verwendung dieser 30.000 Pfund protestieren. In unserer heutigen Weltordnung ist es vielleicht bedauer- ‘Hch, aber durchaus normal, daß ein Staatsbudget auch Tosten für militärische Zwecke enthält. Sonderbarer- und unverständlicherweise nimmt nun das Hamburger «Israelitische Farmlienblatt» diese Tatsache zum Ausgangspunkt eines Artikels, in welchem die deutschen Juden gewarnt werden, für jüdische Palästina-Zwecke Geld zu geben. In diesem Artikel wird der Anschein erweckt, als ob das von den Juden für den Aufbau Palästinas beigetragene Geld in erster Linie für Englands militärische Zwecke verwendet würde. Diese Darstellung Ist in hohem Maße — zumindest irreführend. Das von jüdischer Seite gesammelte Geld wird unter ausschließlich jüdischer Kontrolle für kolonisatorische Zwecke verwandt; es wird Boden in jüdischen Besitz gebracht, jüdische Menschen werden angesiedelt, jüdische Schulen und ein jüdisches Sanitätswerk wenden erhalten usw. Die jüdische Kolonisationsarbeit ist freilich nur dadurch überhaupt möglich, daß eine geordnete Verwaltung im Lande ist und öffentliche Sicherheit benscht. Die im Lande lebenden Juden tragen selbstverständlich als Landesbewohner zu den Kosten des Landesbudgets bei, in der Form von Steuern und Abgaben, die sie entrichten und die in Palästina, wo es t keine Einkommensteuer gibt, viel geringer sind, als anderswo. Niemals hat jemand, der sich mit der Palästina-Frage beschäftigte, gemeint oder gewünscht, daß es anders sein könnte. Nun aber konstruiert das »Hamburger Famihenölatt einen angeblichen «Gewissenskonflikt» für den deutschen Juden, der durch seine Beiträge für jüdische Palästina-Zwecke die englische Wehrmacht unterstütze. Es Ist ein bedauerliches ^Argument, das durchscheinen läßt, Beftragsieistung für Palästina bedeute einen Konflikt mit loyalem deutschen Staatebürgertum. Dabei stützt «ich noch das Hamburger «Fatmbenibtett» auf eine Reihe von Zitaten, von denen man feststeilen muß, daß es nicht immer wirkliche Zitate sind. Aber es wäre kleinlich, in eine Polemik um Worte ein« zutoeten. Klar scheint die Gesamttendenz dieses Arti- Iqm seht, der an dem Moment, wo weite Kreise des jffaMtachen Judentums «ich mit anderen jüdischen Kreisen igpdctf emttitatai Jemkb Agency zu gemeinsamer Pai^üa^rMe^atmhmistT^kHkn seilen, diese Aktion zu JKnenJKotmetA^cAse Vertändlet Jferen Xajemetli - üSiiiftsen Selm Xeren Xafemettk, lUten, I. üüemlrft. Xümtnentraße Jtr. 28. (teteptkon X 27-8-80 stören versucht, indem in aufsehenerregender Welse relativ belanglose Tatsachen so «enthüllt» wenden, daß der unorientierte Leser den Eindruck bekommt, es handle sich um schwerwiegende Ddnge. Diese sonderbare Art der Behandlung eines zentralen jüdischen Problems, das in der ganzen jüdischen Welt das lebhafteste Interesse hervorgerufen hat, ist bezeichnend für gewisse Kreise des deutschen Bindestrich-Judentums ... Die Verwirklichung des jüdischen Idealismus in Erez Israel Eine bedeutungsvolle Erklärung des Vorsitzenden der britischen Arbeiterpartei Morrison Bei einem vom politischen Komitee der Poale Zion in London zu Ehren des hervorragenden Volkswirtschaftlers R. H. T a w n e y aus Anlaß seiner Rückkehr aus Palästina gegebenen Empfang hielt Herbert M o r r i s o n, der Vorsitzende der nationalen Exekutive der britischen Arbeiterpartei, eine Ansprache, in der er den Standpunkt der Labour Party zur Frage der jüdischen Heimstätte in Palästina nochmals darlegte. Er führte aus: Wir begleiten mit großer Sympathie die Anstrengungen des jüdischen Volkes, seine Heimat in Palästina wieder aufzubauen, sowie den Versuch, einen jüdischen Staat erstehen zu lassen. Wir haben Inter- Das ganze jüdische Wien trifft sich Sonntag, den 9. Juni in MAUER, Hauptplatz 2, „Weintraube“, beim F amilien-Gartenf est der zion. Sektion IVA/. Tanz, Musik, Belustigungen für Erwachsene und Kinder, - Zum ersten Male in Wien Jüdisches Schallplattenkonzert Beginn 2 Uhr Ende 11 Uhr Eintritt im Vorverkauf S 1*50. Familienkarten S 3‘50. Genaues Programm in den zionistischen Büros und auf Telephon-Aufruf B 25-3-81 esse an der Errichtung einer jüdischen Heimstätte und eines jüdischen Staates in Palästina; wir haben dieses Interesse bereits manifestiert, als noch Schwierigkeiten bezüglich der Anahme des Paläsinamandates durch England bestanden. Wir haben, fuhr Morrison fort, vom Standpunkt der Arbeiterschaft aus die interessante Entwicklung in Palästina verfolgt. Auf der Brüsseler Konferenz der Sozialistischen Internationale begegnete ich vielen Freunden, die sich begeistert über das Paläsinawerk aussprachen. Einer von diesen war Herr Vander velde. In Palästina ist eine jüdische Arbeiterbewegung entstanden, die mit unserer Arbeiterinternationale verbunden ist. Die britische Arbeiterpartei ist froh, zu wissen, daß sie eine Schwesterpartei in Palästina hat. Tawney berichtete dann im einzelnen, was er und Grimshaw, * der Vertreter des Internationalen Arbeitsamtes bei der permanenten Mandatskommission des Völkerbundes, in Palästina gesehen und erlebt hahen. Wir haben, sagte er, ein Dutzend jüdischer landwirtschaftlicher Siedlungen besucht und waren um so mehr von den Leistungen der jüdischen Arbeiter beeindruckt, als sich hier die Schwierigkeiten eines alten und die eines neuen Landes vereinen. Die jüdische Siedlung in Palästina ist das erste und größte Stück sozialistischer Kolonisation in der Welt, ln Palästina selbst sind die wirtschaftlichen Aussichten für Kolonisation bedeutend. Die jüdischen Einwanderer halten einen hohen individuellen Lebenstypus aufrecht und entwickeln eine neue Form des sozialen Lebens. Es wird wirkliche Aufbauarbeit geleistet. Prof. Selig Brodetzky, Mitglied der Zionistischen Exekutive, sagte, er sei ebenfalls Mitglied der Arbeiterpartei, er spreche aber hier nicht als Arbeiterparteiler, sondern als Jude. Die Verwirklichung von Arbeiterideen in Palästina, sagte er u. a., sej nichts anderes als die Verwürküchung jüdischen Idealismus. eaaaeaeeaaeoaaeeaootteaowweaoeaeeeooaqt Redokllonsschlufi und Schluß der Inoorataianoalstne Dienstag um 12 Uhr mittags. Später eifdaagende Einsendungen können keine Aetoabmo In die laufende Nummer finden. Die Bekämpfung der christlichen Mission in Kohstantinopel In Konstanttnopel hat sich eine Gesellschaft zur Bekämpfung der christlichen Missionstätigkeit gebildet. Die gesamte türkische Presse bespricht wohlwollend die Ziele der Gesellschaft und verurteilt scharf die Methoden der christlichen Missionäre in der Türke!. Es wird die Erwartung ausgesprochen, daß auch Juden der Gesellschaft beitreten werden, da allein in Konstantinopel gegenwärtig 1400 jüdische Kinder in den Missionsschulen unterrichtet und im Sinne der Mission beeinflußt werden. Die Zahl der deutschen Juden Das Statistische Reichsamt hat den Band «Statistik des Deutsohen Reiches» herausgegeben, in dem die Ergebnisse der Volkszählung des Jahres 1925 ausgewertet sind. Danach beträgt die Zahl der Juden im Deutschen Reiche insgesamt 564.379. Auf die einzelnen Länder verteilt sich diese Zahl wie folgt; Preußen: 403.369; Bayern: 49.145; Sachsen: 23.252; Württemberg: 10.827; Baden 24.064; Thüringen: 3603; Hessen: 20.401; Hamburg: 19.904; Mecklenburg-Schwerin: 1225; Oldenburg: 1513; Braunschweig: 1753; Anhalt: 1140; Lippe: 607; Lübeck: 629; Mecklenburg-Strelitz: 182; Waldeck: 477; Schaumburg-Lippe 180. Eine jüdische Universität in New York Ein Christ gibt die Anregung dazu. In New York fand dieser Tage eine Zusammenkunft statt, in der über die Errichtung einer jüdischen Universität in New York diskutiert wurde. Der Eimberufer der Versammlung, Herr Murry Boxer, teilte mit, daß ein anonymer Spender, ein Katholik, 200.000 Dollar für die Errichtung einer jüdischen Universität in New York gestiftet habe. Er habe die jüdischen Führer in New York in den Plan nicht eingeweiht, weif er wisse, daß sie sich bestimmt der Verwirklichung des Planes widersetzen würden. Es wird angegeben, daß eine jüdische Universität infolge des herrschenden Antisemitismus an verschiedenen Universitäten Amerikas notwendig geworden sei. Die jüdischen Organisationen von New York, die erst nach dem Zustandekommen der Versammlung von dem Plan erfuhren, erklärten, daß sie der Angelegenheit femstehen. _ <c Dr. Edmund Kohn-Garten. Mitglieder der B. B.-Logen «Wien» haben zur Erinnerung ’ an den verstorbenen Großpräsidenten der Wiener B. B.-Logen, Dr. Edmund Kohn, einen Garten im Ctoajes-Walde gestiftet. Als erste Rate gingen 17 Bäume ein. Die Sammlung wird fortgesetzt. Wochen-Kalender Mai-Jual 1929 Gedenktage Bann 30 Donnerstag 1754 — Der Komponift und Klaviervirtuofe Ignaz Mofdiel« in Prag geboren. n 1 n 31 Freitag 21 - Stbbatelsgraf 7« üb» 1 Samstag 1790 •— Der bekannte Prager Oberrabbiner Salomo Löb Rapaport, bekannter Forfcher über die_ jüdifche Gefchidite des Mittelalters, geboren. W«duB»b«chBitfet B«chok«uj Bsftuah: Atonal U»l Bsbbafauuganf: 8*» üb» 2 Sonntag 1907 — Der Philofophiehiftoriker Prof. Jacob Freudenthal (UniverßtSt Breslau) geftorben. 88-33 3 Montag p 1 W 4 Dlonitag 1834 — Der bekannte Botaniker Paul Friedrich Anherfon geboren. 1858 — Der berühmte Augenarzt Prof. Hermann Cohn in Breslau geboren. 86—na 3 Mittwoch 1848.— Der Literaturhiftoriker Ludwig Geiger in Breslau geboren. 1 $67 — Der Kunfthiftoriker Man I. Fricdländer, Direktor des Berliner Kupferftichkabinetts, in Berlin geboren. a*-« m

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