Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 2 (1929)
- Issue
- Heft 74 (30.5.1929)
- Date
- 1929-05-30
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Sette 4 DIE STIMME Nr. 74 SAMSTAG, den 22. Juni, 8 Uhr abends, im Festsaale des HOTEL CONTINENTAL, 2. Bezirk, Taborstrasse 4 Festrede: Kartenvornierkungen im Zionistischen Büro,«Wien, 1. Bezirk nfil ZB”VI6CI6IIK16i€i F«Hx Salten Kärntnerstraße Nr. 28 Tel.-Nr. R 2748Ö/8& SONNTAG, den 23. Juni, vormittags G8I19 ZU IW Gfdb6 HGFZlS und Hochschulen und gegen die Zurückset- 2 u n g der jüdischen Arbeiter und Angestellten in bestimmtenlndustrien der Vereint gtenStaaten einschreiten soll In einer weiteren Resolution wendet sich der Kongreß entschieden gegen jeden Plan einer Kalenderreform, die die Stabilität des Sabbat in der Kalenderwoche gefährden könnte. In einer vertraulichen Sitzung des Kongresses hat eine lebhafte Aussprache darüber stattgefanden, ob der American Jewish Cong r e s s zu liquidieren sei oder ob er fortbestehen solle. Es wurde mit großer Mehrheit beschlossen, daß der Kongreß als ständige jüdische Institution seine Existenzberechtigung bewiesen und fortzub e-s t e h e n habe. Der Kongreß erließ einen Aufruf zur Unterstützung der Hilfsaktion für die hungernden Juden Bessarabiens. Der als Gast in Amerika weilende berühmte russisch-jüdische Rechtsanwalt Dr. S1 i 0 s b e r g, der seinerzeit Mendel Beilis in dem Kiewer Ritualmordprozeß verteidigte, erstattete Bericht über die Lage der Juden in Osteuropa. Sein Bericht wurde durch den Redakteur der Warschauer jiddischen Tageszeitung «Hajnt», Dr. G 0111 i e b, und durch Rabbi S. Goldman ergänzt. Rabbi Goldman,, der speziell über , die Lage der Juden in der Sowjetunion referierte, wandte sich sehr scharf gegen die jüdischen Sektionen der kommunistischen. Partei (Jewsekzia), die das Judentum, die hebräische Sprache und die zionistische Bewegung mit grausamen Mitteln verfolgen. Dr. Sliosberg appellierte an den Kongreß, für die verfolgten Juden in den verschiedenen Ländern einzutreten und zu ihren Gunsten bei den autoritativen Stellen zu intervenieren und sich nicht davor zu fürchten, daß man den amerikanischen Juden Internationalismus vorwerfen würde, da sie für die Juden in anderen Landern eintreten. Die Antisemiten, sagte er, sind lange vor uns international organisiert Dr. G ott lieb, der speziell über die Lage der Juden in Polen sprach, erklärte, die Juden Polens seien treue Bürger der polnischen Republik, an deren Wachstum und Gedeihen sie mitarbeiten. Die polnische Regierung tritt aber leider nicht aktiv genug und nicht energisch genug gegen die antisemitischen Tendenzen im Lande auf; auch tue sie nichts, um die wirtschaftliche Not der polnischen Judenheit zu beheben und die kulturellen Bedürfnisse der Juden zu befriedigen. Der Kongreß nahm eine Resolution an, in der das Bedauern der amerikanischen Judenheit über das traurige Schicksal der russischen Judenheit ausgedrückt und gegen die Unterdrückung des jüdischrefigipsen Lebens und die Verfolgung der hebräischen Sprache in der zionistischen Bewegung durch die Jewsekzia protestiert wird. . Für die amerikanische jüdische Öffentlichkeit überraschend kam der einmütig gefaßte Beschluß des Kongresses, in welchem die Erweiterung der Jewish Agency begrüßt und ihr eine treue, hingebungsvolle und ausdauernde Unterstützung gelobt wird. Dr. Stephen S. W i s e, der bekanntlich in der Berliner A. C.-Sitzung vom Dezember 1928 gegen die Erweiterung der Agency auftrat, stimmte ebenfalls für, die Resolution, behielt sich aber das Recht vor, auf dem Züricher XVL Zionistenkongreß dafür einzutreten, daß die Agency gemäß den Resolutionen der früheren Kongresse auf einer gefestigten demokratischen Basis ' aufgebaut werde und daß die fundamentalen Prinzipien des Zionismus unverletzt fortbestehen sollen. Als Doktor Wise seinen Entschluß kundgab, für die Agency- Resolution zu stimmen, wurde ihm eine große Ovatkm bereitet. An Stelle von Dr. Stephen Wise, der eine Wiederwahl zum Präsidenten des Kongresses ablehnte, wurde Herr Bernhard Deutsch, ein hervorragender amerikanischer Rechtsanwalt, zum Präsidenten des.-Ah»erican Jewish Congress gewählt. Vereinigte Synagogen Amerikas für die Jewish Agency;■ 'Die in New York abgehaitene Jahreskcmyentioqi der Veseittigten Synagogen Amerikas, der Über 700 konservative Kongregationen in den Vereinigten Staaten angetoöjen, hat eine Resolution gefaßt, in der die Befriedigung über die Erweiterung der Jewish Agency und die Vereinigung der Judenheit für die Arbeit an dem Aufbau Palästinas zum'Ausdruck gebracht wird. Die Konvention beschloß ferner, sich in Gemeinschaft ntft anderen Körperschaften dafür einzusetzen, daß in den Universitäten und Hochsohulen Amerikas das Studttttm der hebräischen Sprache fakultativ eingeführt weide. Die gegenwärtig in Bemar, New Jersey, tagende Konvention der Union orthodoxer Rabhiner der Vereinigten Staaten und Kanadas befaßte sich eingehend mit dem Problem der Jewish Agency. Es wurde wgeschlagen, eine Föderation von Synagogenführern und Rabbinern zu schaffen und eine internationale Konferenz orthodoxer Führer vorzubereiten, die noch im Sommer dieses Jahres in Europa stattfinden und in der die Rolle der orthodoxen Judenheit in der Jewish Agency erörtert werden aolL Ein Beschluß ist noch nicht gefaßt worden. Die neue Einwanderung nach Erez Israel Budapest und Theodor Herzl Die Verehrung für den «schönsten Männerkopf» . . Hin und wieder führt mich der Weg in die ungarische Hauptstadt. Letztens benützte ich den Donauweg, der besonders reizvoll ist. Er führt vorbei am alten Carnuntum, an der schönen, heißumstrittenen Donaustadt Preßimrg, später Poszony und jetzt Bratislava genannt, an der historischen Festung Visegrad. Die Einfahrt in den «Budapester Hafen» bet Sonnenuntergang bietet ein wundervolles Bild. Rechts Ofen mit der hochgelegenen Königsburg, dem Gellertberg und im Hintergrund dem Schwabenberg und links die neue Stadt Pest, die durch prunkvolle Gebäude am Don.aukai, vor allem durch das h ochs tapl er ischnprunikvolle' Gebäude des Parlaments einen besonders effektvollen Schwere Bedingungen für die Verteilung der neuen Zertifikate. Die Regierung hat für die Verteilung der von1 ihr bestätigten Zertifikate eine Reihe von Bedingungen gestellt So sollen von den 2400 Zertifikaten 1500 für männliche Arbeiter, 600 für Frauen und 300 für qualifizierte Arbeiter verwendet werden. Von den 1500 Zertifikaten für Männer werden jedoch zur sofortigen Verteilung nur 1000 zur Verfügung gestellt. Die verbleibenden 500 will die Regierung als Reserve für politische Flüchtlinge und für Einwanderer, die als Touristen ins Land gekommen und dann hier geblieben sind, verwenden. Von den für Frauen bestimmten Zertifikaten will die Regierung nur 400 zur Verfügung steifen, und . auch diese nur auf Grund namentlicher' Vorschläge der Zionistischen Exekutive und unter der.' Bedingung, daß die Betreffenden Angehörige-,. im Lahde haben. 200 Zertifikate für Frauen sollen 'äls' Reserve zunächst noch rn den Händen, der Regierung zur Außerstande/ jedem besonders für die mir erwiesene Anteilnahme und Beileidsbezeugungen' zü danken, spreche ich auf diesem Wöge der Direktion der Lebensvers,-Ges. Phönix,.derResfdenz-Filiale, dem Zion.Ländes - koniitee, desöfteren* Hajessod-Kommission, den Vertretern der jüdischen Wohlfahrtsvereine und allen‘ Freunden und Bekannten meinen tiefempfundenen Dank aus. Aumncm Boksenbaum. späteren Verteilung an politische Flüchtlinge und Touristinnen bleiben, die 'nachträglich das Aufenthaltsrecht erhalten. Die 300 Zertifikate für qualifizierte' Arbeiter wird die Regierung ebenfalls zur Verfügung stellen. Die Zionistische Exekutive,' die sich in einer Sitzung eingehend mit diesen Bedingungen der Regierung-beschäftigt hat, verfangt von der Regierung,' daß ihr sämtliche Zertifikate zur ' Verfügung gestellt werden. Seitens des Waad Alijaih wurde die Meinung zum Ausdruck gebracht, daß die von der Regierung gestellten harten Bedingungen unannehmbar seien und daß die zionistische Organisation auch die 1000 Zertifikate, die die Regierung der zionistischen Exekutive sofort zur Verfügung stellt, ablehnen müßte. Der Waad Alijah nahm die Bemühungen der Exekutive um eine Erleichterung der Einwamtemngsbedingungeri mit Befriedigung zur Kenntnis und beauftragte sie, in' dieser Richtung weitere Anstrengungen zu machen. Deportierung wegen Unterhaltung einer Geheim- Jeschiwah. Aus Moskau meldet J. T. A.: Das Sowjetgerioht in Zytomir (hat den aus Weißrußland stammenden Rabbiner Aron Bruk unter der Beschuldigung, daß . er in der Stadt Nowograd-Wolynsk eine illegale Jeschiwah geleitet hat, zu 9 Monaten Gefängnis und Deportierung nach dem Pskow-Gouvernement nach Verbüßung der Strafe verurteilt. Die Jeschiwah war von 20 Jugendlichen Im Alter von 10 bis 17 Jahren besucht worden und befand sich im Gebäude des.Befh Midrasch der jüdischen Gemeinde. Ein jüdisches Mädchen Mitglied der Ukrainischen Regierung Aus Moskau wird gemeldet: Fräulein Golde Lys, ein jüdisches Mädchen au« Polen, wurde von dem allukrainischen Sowjetkongreß zum Mitglied des Zentral- Exekuitiv-komitees der ukrainischen Sowjetregierung gewählt. Golde Lys stammt aus Lodz und ist 30 Jahre alt. Ihr Vater war Weber, sie selbst hat von frühester Jugend an sich als Strumpfwfokerin fortgebracht. Unter der jüdischen Arbeiterschaft in der Ukraine ist sie als Fühferin populär. Eindruck macht. Man nimmt manche Budapester .«Judenblätter» in die Hand, deren Leser hauptsächlich die ungarischen Juden sind. Die Politik dieser Blätter i-st «konfessionell» und magyarisch eingestellt. Der Zionismus wind, noch immer wie vor zwanzig Jahren, in den liberalen Judenblättern Oesterreichs, verschwiegen oder verleugnet, häufg auch verleumdet. Ein solches «Montagsblatt» beschäftigte sich jüngst mit Theodor Herzl, der bekanntlich in Budapest das Licht der Welt erblickt hat. Herzl ist ' zwar nicht aus «prophetischem Holz» geschnitzt gewesen, meint der Schreiber, der mit vollem Namen zeichnet, auch, seine Politik war nur die vereinzelter Phantasten, aber er war doch ein großer. Feuilleton ist, er ist dooh in jedem entlegensten jiidi- 1 sehen Haus bekannt und sein Bild hängt in der Wohnung,mancher reicher und vieler armer Juden, die den «schönsten Männerkopf» — das wird besonders hervorgehoben — im Bilde verehren. Nun kommt der 25. Todestag dieses Mannes, fast die gesamte Judenheit rüstet zur Ehrung, zum Gedenktag,' und da sollte denn d o c h die Vaterstadt Budapest nicht fehlen. Wir könnten noch manche Stilblüte dieses Artikels erwähnen und kritisieren, aber es hieße dem Geist des Verfassers- und der Zeitung zu viel Ehre angetan. Wir glauben, es wäre den Manen Herzls- .ein - größerer Dienst erwiesen, wenn das Budapest von heute ihren Sohn nicht mitehrt mit der Menschhheit, die den Geist Herzls erkannt hat. Der 25. Todestag ohne eine Ehrung des heutigen Budapest wird kein Manko bedeuten, denn die Menschheit, vor allem das Weltjudentum, wird, vorerst den großen Juden, Denker, Politiker, den Schöpfer des ipodernen, selbstbewußten Judentums, dann auch^n großen Feuilletonisten, und keinesfalls den «schöben,,ijitann aus Budapest» feiern. Herzl ist heute vollkommen losgelöst von der Verbundenheit mit . seiner «Y^J^tadt», die leider neue .Wege geht . . . B. R. OiÜ.*' J. ’■ " -- Die Tote Meer-Konzession unterzeichnet L'ondon, 23. Mai. Die an den palästinensischen Ingenieur Novomeysky und den englischen Major Tulloch verliehene Konzession zur Ausbeutung der Salze des Toten Meeres ist nun "definitiv in Kraft getreten. Heute nachmittags würde der Konzessionsvertrag im Bureau der britischen Kronagenten unterzeichnet. Im Namen der palästinensischen und der transjördanischen Regierung setzte der Chefkronagent seinen Namen unter das Dokument; im Namen des Konsortiums' der Konzessionäre Unterzeichnete Novomeysky und Tulloch. Mit dieser Unterzeichnung haben die seit Anfang 1921 zwischen Novomeysky und der britischen Regierung fast ununterbrochen geführten Verhandlungen ihren positiven Abschluß gefunden. Wie «Die Stimme» bereits mitteilen konnte, wird der Earl of 'Lytton Präsident der zu bildenden Gesellschaft für Ausbeute der Salze des Toten Meeres sein. Dem Direktorenausschuß werden — wie die J. T. A. erfährt — noch angehören: Ernest Tennant von der Firma C; Tennant Sons & Co, Ltd., Bernard Flexiier ’ als der Vorsitzende und Felix M. Warburg als der Vizevorsitzende der Palestine Economic Corporation of America; ein Vertreter der Russo-Asiatic Consolidated Company Ltd., deren Präsident Leslie Urquhart auf der Liste der Financiers des. Tote-Meer- Unternehmens figuriert; die Heren Israel B. Brodie und Edward Friedman aus New York als Vertreter einer amerikanischen Gruppe. Auch die Jewish Colonial Trust und andere Finanzgrupepn werden Vertreter für das Direktorium ernennen. Iwaeltttechei1 Jugendgottesdtenst. Am Samstag, den 1. Juni 1929, um 3 Uhr nachmittags, findet der Jugendgottesdienst für dDe israelitische Schuljugend in den Gemeinde- und Bezirks-Synagogen statt.