Mannheim
Compact Memory

Die Stimme · 1929-05-30 · Heft 74 (30.5.1929) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Stimme
Volume
2 (1929)
Issue
Heft 74 (30.5.1929)
Date
1929-05-30
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3053752-3053805-3053826--1051-3056373
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

5 entity mentions

fe 74 m Seife 3 Zionistische Kundgebungen für die Erweiterung der Jewish Agency Der Zionismus in Südafrika Pftr die Erweiterung der Jewish Agency Hä« Unterredung mit Oberrabbiner Prof. Dr. Landau. Seit einiger Zeit weilt in Wien der Oberrabbiner von Südafrika, Professor Dr. J. L. Landau, Mitglied des zionistischen Aktionskomitees und Führer des Misrachi-Weltverbandes. Herr Professor Doktor Landau, der seit Jahrzehnten in Johannesburg als jüdischer Oelehrter und Führer wirkt und zweifellos der beste Kenner der jüdischen Verhältnisse in Südafeflra ist, empfing unseren Redakteur zu einer Unterredung über die aktueleln zionistischen und aflgeroein jüdischen Fragen seines Landes. \ «Die jüdische Bevölkerung Südafrikas» — jäi&erte sich Prot Dr. Landau — «die im ganzen lefora 70.000 Seelen zählt, besitzt einen recht ansehnlichen politischen Einfluß im ganzen Lande, der Ihmner im Wachsen begrifefn ist, wobei es allenfalls charakteristisch ist, daß gerade das ostjüdische Element im öffentlichen Leben vorherrscht Es gibt in Südafrika eine Anzahl jüdischer Parlamentsmitglieder jmnd Vertreter in anderen gesetzgebenden und Ver-; ijwaltungskörperschaften und fast jede größere Stadt unseres Landes hat einen jüdischen Bürgermeister. iDies hängt wohl mit der führenden Rolle zusammen, die die Juden Südafrikas in Handel, Industrie und {Bankwesen inne haben, aber auch mit ihrem scharf' ausgeprägten Gemeinschaftssinn, mit ihrem tiefen Verständnis für die aktuellen Probleme des öffentlichen Lebens, für die Bedürfnisse der Masse;» «Der reiche Jude Südafrikas — und es gibt in {unserem Lande eigentlich keine jüdische Armut — [erfüllt mit besonderer Opferfreudigkeit die sozialen! Pflichten, die ihm der Reichtum auferlegt. Diese ^Tatsache wird von Juden und Nichtjuden in gleicher Weise anerkannt. Und dies erklärt auch zum Teil die. allgemeine Beliebtheit, deren sich die südafrikafti- ’ sehen Juden auch bei der nichtjüdischen Bevölkerung freuen.» «Was die Juden Südafrikas für das Aufbauwerk; iff Erez Israel leisten, ist ja bekannt. Aber auch! jfüjr andere jüdische Zwecke, für die verschiedensten l.wfrtschaffliehen und kulturellen Hilfsaktionen des {.osteuropäischen Judentums, treten die südafrikani- | Büschen Juden immer mit großer Hingabe ein. — «Wie ist der Stand der zionistischen Beweng in Südafrika?» Israel Baal-Schem als „Behelfer" Eine Lag Baomer-Qesohichte Von E. N. Frenk. *.. . Nicht wie irgendein gewöhnlicher Behelfer Jäe Israel seine kleinen Schüler in den Cheder. Er führte sie und sang mit ihnen, mit seiner lieblichen, prenderbaren Stimme, Melodien so süß und herzgewinnend, wie sie noch niemals vorher gehört wurden das ganze Weltall war in Jauchzen versetzt. ['Man sah es deutlich, wie Himmel und Erde, Bäume id Pflanzen, Vögel und Tiere, sogar che Wände der jauchzten und sangen .. Und die Engel im Himmel freuten sich und »inten fröhliche Loblieder zur Ehre Gottes an, so jotft Israel seine Kleinen singend durch die Gasse [führte; die himmlischen Welten waren voll Freude jttnd Jubel. Allein der Satan und die bösen Geister ruerten, da sie ihren Beruf darin sehen, Unglück die Welt zu bringen und die Menschen in zu versetzen. j?\; $on den bösen Geistern gedrängt» begab sich "Satan in die Stadt, wo Israel Behelfer war, und nahm Besitz von dem Körper eines daselbst lebenden Zauberers. Der Behelfer aber führte wie gewöhnlich die pfatder aus den Elternhäusern in den Cheder und sie langen so schön, daß das Weltall sich mit Freude Vnd jubel füllte. % Der Zauberer verwandelte sich nun in einen!w3f und kam in die Gasse, in der die Kinder gingen und saugen. Als die Kinder das böse Tier sahen, pfeifen sie eilig auseinander; viele wurden krank vor wtfaeefc. Die Ehern, um ihre Kinder besorgt, weigergeu aichermmaehr, sie dem Behelfer Israel ammver- I; T)er*Öe»aftg verstummte m deulGaseau, das Mg&jMl war wieder voll Trauer, »Wlsmel aber erinnerte sich rer ICUfceÄ Worte*sefr~ «ln Südafrika» — erklärt Prof. L'andau — «sind alle Juden Zionisten. Die wenigen, die sich der «Originalität» wegen einbilden, es nicht zu sein, sind verschwindend an Zahl und Bedeutung. Auf die heranwachsende Jugend, die zweite Einwanderergeneration, die bereits in englischen Schulen und in englischem Milieu erzogen wird, wird immer mehr vom schöpferischen Geist des Judentums durchdrungen.» — «Welche Stellung nimmt die südafrikanische zionistische Organisation zur Frage der Erweiterung der Jewish Agency ein?» — «Wir hatten ursprünglich» — erwidert Prof. Dr. Landau — «allerhand Bedenken gegen den Erweiterungspian. Wir sind aber jetzt, im Zuge der Verhandlungen .Weizmanns mit den Repräsen- Nur diese Schwedenklinge macht Rasieren zum Vergnügen. Die führende schwedische Weltmarke. tanten der Nichtzionisten, zur Ueberzeügung gekommen, daß wir im gegenwärtigen, entscheidenden Moment keine höhere zionistische Pflicht zu erfüllen haben, als die der Disziplin und der treuen Gefolgschaft. Keiner von uns darf in diesem Stadium der Entwicklung den Versuch unternehmen, die Kraft und die Autorität der zionistischen Exekutive zu schwächen. Die Zionisten Südafrikas hoffen zuversichtlich, daß es gelingen wird, die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Fortsetzung der jüdischen Aufbauarbeit in Erez Israel zu schaffen. Diese Hoffnung und die Erkenntnis von der absoluten ■Notwendigkeit der inneren Parteidisziplin bestimmen unser positives Verhältnis zum Plan der Erweiterung der Jewish Agency.» * Am 23. Mai findet in Bloemfouotain eine große Konferenz der Südafri/kanlsdheri Zionisten statt. Die Konferenz ist die erste, die unabhängig von dem Beginn einer Keren Hajessod-Casmpagne statt findet. Schekelverrechnimg Die Landesschekelikommission hat den endgültigen Abredtmingstermin der Schekairm für Mittwoch, den 5. Juni angesetzt. Wir bitten idle Bezäricssektionen, Verehre und Gruppen, sich strikte an diesen Termin zu halten, da später einlangende Schekelabreohnungen nicht mehr für die [Wahlen zu*m Kongreß berücksichtigt werden können. Stephen Wise für die Erweiterung der Jewish Agency Die Tagung des Amerikanisch-Jüdischen Kongresses — Marshall und Wise — Gegen die Verfolgung des Judentums in Rußland — Gegen den erwachenden Antisemitismus in Amerika Aus New York wird uns geschrieben: Der gegenwärtig in Atlantic City unter dem Vorsitz von Stephen S. W i s e tagende Amerikanist h»JÜdische Kongreß hat einen Beschluß von großer Tragweite gefaßt, der darauf hinzielt, die seit zehn Jahren zwischen dem von Louis M a r s h a 11 geführten Americanjewish Committee und dem von Stephen Wise geführten American Jewish Congress bestehenden tiefen Differenzen prinzipieller und sachlicher Natur auszugleichen und eine Arbeitsgemeinschaft herbeizuführen. Die genannten beiden Vertreterschaften des amerikanischen Judentums waren zur Zeit der Friedensschlüsse in Versailles, St. Germain usw. gemeinsam für die Sicherung der jüdischen Bürgerrechte und der jüdischen Minderheitsrechte in den verschiedenen Ländern Europas eingetreten. Sie arbeiteten mit dem von Leo Motzkin geführten Komitee der jüdischen Delegationen zusammen und erzielten Erfolge von weittragender Bedeutung. Seither aber gingen die Meinungen der Führer auseinander und eine Zusammenarbeit zwischen Kongreß und Komitee ließ sich nicht mehr herbeiführen. In der nunmehr vom Kongreß angenommenen Resolution wird der Präsident des American Jewish Committee, Herr Louis M a r s h a 11, ersucht, eine Konferenz der beiden Körperschaften zu arrangieren, um die im Interesse des amerikanischen und des auswärtigen Judentums so dringend notwendige Arbeitsgemeinschaft zwischen Kongreß und Komitee zu erreichen. Durch diese Arbeitsgemeinschaft, so heißt es in der Resolution, soll eine gründlichere Klärung und Lösung der schwebenden jüdischen Probleme erreicht werden, indem die potentiellen Ursachen der Uneinigkeit im amerikanischen Judentum aus der Welt geschafft werden. Der Kongreß beschloß, eine ständige Kommission einzusetzen, die gegen die unterschiedliche Behandlung der jüdischen Studenten an amerikanischen Universitäten nes Vaters: «Gedenke stets, daß Gott mit dir ist, und fürchte dich vor nichts Bösem.» Und Israel vertraute auf Gott und ging von Haus zg Haus, er flehte die Eltern an, ihm wieder ihre Kinder anzuvertrauen und versprach, mit Gottes Hilfe das böse Tier zu erschlagen, wenn es die Kinder anfallen sollte. Die Leute dachten ehrfurchtsvoll an seinen frommen, wundertätigen Vater, sie dachten ferner an die Freude und den Jubel, die in der Stadt herrschten, so oft Israel die Kleinen führte, und sie vertrauten ihm wieder ihre Kinder an. Wieder führte Israel die Kinder singend an, wieder füllte sich das Weltall mit Freude und Lust, Gesang und Jubel und wieder kam der Zauberer in Gestalt eines bösen Tieres und bedrohte die Kinder, die, von ihrem Behelfer geführt, durch die Gasse gingen. Bevor ihn die Kleinen sahen, erblickte ihn der Behelfer. Mit einem Stockhieb auf den Kopf erschlug er das Tier. Singend ging nun der Behelfer an der Spitze seiner Kinderschar in der Richtung zum Cheder. Den Zauberer aber fand man tot auf der Straße. Es war «Lag baomer». Das Feindesschwert wütete än den jüdischen Gemeinden. Die Kosaken überfluteten die Städte, plünderten jüdische Häuser, töteten Männer, Frauen und Kinder. Wer am Leben blieb, flüchtete in Berghöhlen, in Wälder. Es gab keinen Cheder mehr; der Gesang Israels, des Behelfers, und seiner Kleinen war verstummt. Was mochte mit dem Behelfer geschehen sein? Niemand wußte es, ob er unter den Ermordeten oder unter den Flüchtigen sich befinde. Niemand dachte überhaupt an ihn; wie sollte man auch in jenen Stunden der Todesangst gerade an den Behelfer denken?, Plötzlich tauchte ec auf. kt die Beighöhlen, Gräben und Waldhecken kam er und mahnte die Kleinen: — «Lag ba'omerf» Alle sahen ihn «erwandert an. —Was^pftderLag^fcmer^WiÄ^ Kinder wie alljährlich atn Lag ba’omer spazieren führen?. Er sagte kein Wort, nahm kleine Bogen und kleine Pfeile und verteilte sie unter die Kinder. — «Werdet Soldaten!» — sagte er ihnen —- «wir .wollen hinaus und dem Morden und PKindern Einhalt tun.» Die Eltern glaubten, er .wolle die Kinder unterhalten und gebe ihnen Spielzeug. Er aber ergriff die Kinder an den Händen und schickte; sich an, sie aus den Verstecken zu führen. Sie glaubten, er sei verrückt, und .wollten ihn hindern. Sie wollten und konnten es nicht, denn sie begannen plötzlich selbst hinauszugehen. j Lichtstrahlen drangen in die .Verstecke ein und verdichteten sich zu festen Seilen, die, von starker Hand geleitet, alles zu lenken vermögen. Und diese Seile zogen alle, die Männer und die Frauen, mit sich und sie gingen alle hinaus. Der Behelfer ging voran, die Kinder folgten mit ihren Bogen und Pfeilen, Es folgten auch die Erwachsenen, ohne Furcht, ohne Angst. Sie traten hinaus — und es gab keinen Boden unten, kein Himmelsgewölbe oben. Der ganze .Weltenraum war Himmel, Blau oben, blau unten, blaue Täler, blaue Berge, blaue Bäume, die ganze Welt himmelblau. Der Behelfer fing zu singen an und 'die ganze .Welt sang mit. Es ertönte Gesang aus der Höhe und der Tiefe, aus allen Weltrichtungen; von Berg und Hügel, Tal und Ebene kam der Gesang. Es sangen die Vögel zwischen den Baumästen, im Gebüsch und im Grase, es sang der Himmel oben und die Erde unten, es sangen die Kinder und mit ihnen die Väter und Müter. Alles umfing sich in hingebender Liebe. Himmel und Erde küßten sich, die Bäume neigfen die Aeste und küßten einander; die Vögel reichten sich singend ihre Schnäbel und küßten einander. Es umarmte der Behelfer die Kinder und küßte sie, die Kinder küßten einander, auch die. Großen i taten ein gleiches. Singen und Küssen erfüllten den .Weltenraum, Es hörte das Morden auf; es gab kein Rauben meät .«.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.