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Die Stimme · 1929-05-23 · Heft 73 (23.5.1929) · page 9

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Journal
Die Stimme
Volume
2 (1929)
Issue
Heft 73 (23.5.1929)
Date
1929-05-23
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
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Nr. 73 DIE STIMMET * Setter* Der heilige Becher des Don Jizchak Abarbanel Eine jüdische Volkslegende aus der spanischen Zeit Kleine Nachrichten Die vor kurzem in Kischkiew stetttgefurrdene Konf ferenz der Rabbiner Bessarabiens stimmte der Wahl des Kisdiinewer Oberrabfbiners und früheren Senators Zirel- 4' sohn zum Landesrabfciner von Bessarabien zu. * In Kattowitz fand am Sonntag die Tagung: der sohlestechen und westpolnischen Kreiskoirferemz des Keren Hajessod statt, an der Vertreter fast aller schlesischen und westealfeisohen Gemeinden teilmhmen. * Das Präsidium und der geschäftsführende Ausschuß der Weltorganisation Agudas Jisroel haben den zweiten Weltkongreß der Agudas Jisroel (Kenessio Gedauio) für die Zeit vom 10. bis 17. September nach Wien einberufen. In einem vom Präsidenten der Agudah, Rabbiner Dr. P i n c h a s Cohn, Rabbiner J. L. L e w i n (Warschau) und Herrn Jakob Rosenhein (Frankfurt a. M.) Unterzeichneten Aufruf werden alle thoratreuen Juden aufgefordert, sich an den Wahlen zur Kenessio Gedauio zu beteiligen. » Der Jewish Board of Deputies hat ein aus 16 Personen bestehendes Komitee gebildet, welches gemeinsam mit dem Präsidenten, dem Vizepräsidenten und den Schatzmeistern des Board of Deputies als Komitee der Palästina-Arbeit fungieren und mit dem Jewish-Agency-Komitee der englischen Juden Zusammenarbeiten soll. * Während der Anlage des Kolonisationswerkes in Tiberias wurde eine neue Springquelle entdeckt, die im Gegensatz zu den bisherigen Springquellen kalt ist, aber heilende Salze enthält. Die wissenschaftliche Untersuchung der neuen Quelle ist noch nicht abgeschlossen. * Nach dem «Commercial Bulletin» ist die Indexziffer der Lebenskosten im Monat März um 3,4 Prozent niedriger als die Indexziffer im Monat Jänner 1929. * In Warschau wurde in diesen Tagen die erste Konferenz der Organisation der Schächter in Polen abgehalten. Das Kultusministerium hatte dem Verbände die Legalisierung versagt, das Oberste Verwaltungsgericht, an das der Verband appellierte, hat jedoch entschieden, daß der Verband zu techt bestehe, Baron Carlo de Malfatti wurde von der italienischen Regierung zum italienischen .Vizekonsul in Haifa ernannt Die Zionistische Exekutive hat auf Grund einer Anleihe des Direktoriums des Keren Hajessod die notwendigen Mittel für die Zahlung der rückständigen Gehälter an die Lehrer und Beamten aus dem Jahre 1927 beschaff. Die Auszahlung der Gehälter ist in diesen Tagen erfolgt * Der Buchdruckerstreik in Jerusalem wurde nach längeren Verhandlungen durch ein Uebereinkomroen zwischen dem Gewerkschaftsausschuß in Jerusalem und den Buchdruckereibesitzern unter Teilnahme von Vertretern der Industriellenvereinigung beendet * Oberkommissar Chancellor bestätigte die Ausweisung von zwei aus.Persien stammenden Juden, Ben Yossef und Babshcof, die noch im Jahre 1925 auf illegalem Wege nach' Palästina gekommen waren. Beide haben dauernde Beschäftigung, einer ist verheiratet und Vater von vier Kindern. Internationale Studentenkongresse Von informierter Seite erfahren wir, daß im Sommer dieses Jahres internationale Studentenlconigresse stattfinden werden, denen die jüdische Studentenschaft großes Interesse entgegenbringt. Die Konferenz des Internationalen Weltistudentenwetkes (International Student Service), dessen Exekutive ln Genff ihren Sitz hat, wind in diesem Jiahre In Kreons an der Donau in der Zeit vom 30. Juli (bis 7. August tagen. Das «Internationale Institut für studentische Sollbstfiife und Gemeinsabaftsarfoeiit»' wird seine diesjährige zweite SeÜibsthife-Schulungswochc in Dresden in der Zeit vom 2. bis 10. Juli abhalten. In der Zeit vom 10. bis 24. Juli 1. J. findet in Budapest der Kongreß der Confed^ration Internationale des Etuidianös statt, anschließend die Konferenz der akademischen Völkerbundligen in Genf und in der ersten SepteitVberwoche l. J. wird in Berlin der Kongreß des Weltvertoandes der Jüdischen Studentenschaft abgebalten Werden. , Die Voraussetzung für Kongreß-Mandate (Das Organisations-Statut der Zionistischen Organisation enthält die Bestimmung, daß die 'Bestätigung der Kongreß-Mandate von der Erfüllung der Keren Hajessod- Verpßidbtumg albhängig ist. Die Zionistische Exekutive in London hat jeüzt in den Wahl-dnstruköonen, die an die Wahlbetoörden aller Länder gerichtet werden, ausdrücklich auf diese Bestimmung hingewiesen., Auch vom Direktorium des Keren Hajessod wurde in einem 'Rundschreiben an die Keren Haiessod-Komitees auf diese Voraussetzung aufmerksam gemacht und gefordert, daß über die Einhaltung aller 'Bedingungen gewacht wird. oeiwioaoqeaeaeeeeeeQiMmeeeooaaeaeeeoeeoi ftedaktfonsschluß und Schluß der Inseratenannahtno Dienstag um 12 Uhr mittags. Später einlangende Einsendungen können keine3Aufnahme in die laufende Nummer finden. * L In der Zeit, da sich das Glücksrad in Spanien durch Einführung der Inquisition so sehr zu Ungunsten der Juden wendete, lebte in Madrid Don Jizchak Abarbanel. Ein Fürst und eine Lehrer zugleich, war er Stütze seines Volkes in seiner größten Not Er war in Portugal geboren, wanderte dann, als Neid und Haß ihm die Palme des Verdienstes aus der Hand winden wollten und sogar sein Leben gefährdeten, nach Spanien aus. Dort ernannte ihn König Ferdinand zum Finanzminister, und die Juden erkannten ihn als Führer auch in der Lehre an. Blieb ihm doch noch bei all den Staatsgeschäften Zeit und Sinn, all die herrlichen Werke zu verfassen, an denen wir uns heute Hoch, 450 Jahre nach seinem Tode, ergötzen und erbauen. Als es Torquemada, dem OiJoßinqiuisitor, gelungen war, die Sinne von Ferdinand und Isabella so zu umstricken, daß sie das Austreibungsedikt gegen die Juden in Spanien, die beinahe eine halbe Million zählten und zu den reichsten und tüchtigsten Elementen des r>taats gehörten, erließen, da fiel es dem Königspaare nicht leicht, sich von seinem jüdischen Minister, XVI. ZIONISTEN¬ KONGRESS Zürich, Juli 1929. KONGRESSPUBLIKATIONEN: 1. Berichte an den XVI. Zionistenkongreß: S a) Bericht der Zionistischen Exekutive B (hebräisch, englisch oder deutsch). . Frs. 3*70 g b) Bericht des Keren Hayesod g (hebräisch, englisch oder deutsch) ."V _ 3*— 9 c) Bericht des Keren Kayemeth Leisrael R (hebräisch, engliachodei deutsch). . „ 3-— L 2. Kongreßzeitung> : V „ •, einstiges offizielles Organ des Kongresses, erscheint (In deutscher Sprache) während des , Kongresses täglich; i Abonnement Jn der Schweis . . 0 , . „ 3*50 I r ta den übrigen Ländern , „ , 4*— i, 3. Stenographisches Protokoll desXVI.ZionletenkoflgrMses(tarAxtsc!ier v 'H- Sprache), erscheint im September,1929 . ^; ■J'J'50 Generalabonnement für alle drei Publikationen,^*^i6*2o Die Besteller von; General-Abonnements erhalten auf die Preise der Gastkarten znm Kongreß 10.%,-Rabatt. . . -' Bestellungen en d. Bnresn d. XVI.Zionlstenkongresses, Brünn, Lehmatfttte 17, Tschechoslowakei; Geldsendungen an den Schweizerischen Bankverein, Zürich, für Rechnung des Bureaas des XVI. JZlonlstenkongresses. r———c Die Köngreßzeitung und das Kongreß- I Protokoll sind ein unentbehrliches.Hilfsmittel i jedes Zionisten, der Iückenlcseqnd authen- 1 tische Information über die gesetzgebende,] Körperschaft des Zionismus wünscht Freund und Ratgeber zu trennen. Ferdinand ließ daher Abarbanel rufen, erö-ffnete ihm sein Vorhaben gegen die Juden und fügte hinzu: «Dich, Abarbanel, betrifft der Befehl nicht. Du kannst im Lande bleiben und wirst nach wie vor meine Huld und mein Vertrauen genießen.» Ohne nur eine Minute zu überlegen — er hatte vielleicht 'bereits von dem Verhängnis Wind bekommen und darüber nachgedacht — erwiderte Abarbanel: «Die Auszeichnung des großen Königs macht mich stolz. Aber ein noch größerer König, der König aller Könige, hat mir meinen Platz bei meinen Brüdern angewiesen und befiehlt mir, da zu sein, wo sie sind und da hinzugehen, wo sie hingehen.» Der König machte in den kommenden Tagen einige Bemühungen, Abarbanel festzuhalten. Doch der Beschluß des jüdischen Fürsten stand so felsenfest, daß ihn keine Lockungen, noch Drohungen davon abbringen konnten. Am Tage der Austreibung zog Abarbanel mit Frau und Kind mit seinem Volke ln die Verbannung. All seine reichen Güter ließ er in Spanien zurück. Unter den wenigen Schätzen, die er neben einem Geldbeutel mit hinausnebmen konnte, befand sich ein wunderbar schöner Kelch aus getriebenem Golde und mit Edelsteinen besetzt. Es war ein altes Familienerbstück. Man sagte, es wäre der «Kelch des Heiles», den König David in die Höhe hob, um, wie es in den Psalmein heißt, «den Namen Gottes anzurufen». Denn bis auf König David ging der Stammbaum der Abarbanels zurück. Elijahu, der Prophet, hatte ihn nach Zerstörung des Tempels ln Verwahrung (genommen und dann einem Ahn der Abarbanels wieder in die Hand gegeben. Diesen Becher ehrte Rabbi Jizchak wie ein Heiligtum, er gebrauchte Ihn nur 'bei Beschneidungen und an den Sederabenden. An diesen beiden Festabenden stand er vollgefüllt mit perlendem Weine «im Mittelpunkte der Sedertafel als «Becher des Propheten Elijahu». Nach langer Wanderschaft und ungeheuren Strapazen ging Abarbanel über die italienische Grenze und gelangt zunächst nach Neapel. Dort nahm König Ferdinand I. den jüdischen Fürsten freundschaftlich auf und zog ihn in seine Dienste. Bald aber mußte der König von Neapel, 'bedrängt von den französischen Heeresmächten, selber aus sqinem eigenen Lande flüchten, und Abarbanel begleitete den kranken König nach Sizilien. Später kam er über Korfu nach Venedig, wo er dem Landesfürsten mit klugem Rate beistand, bis er 1508, im Alter von 71 Jahren, sein taten- und leidreiches Leben beendete. Seine Angehörigen ließ er in großer Armut zurück, da er die letzten Reste seines Vermögens bei der Flucht aus Neapel einbüßte. Nur der goldene Becher blieb ihm, und er ging in den Besitz seines ältesten und bedeutendsten Sohnes, Rabbi Juda, über. II. Im Hause Rabbi Judas, der wie sein Vater in höchstem Ansehen bei den Juden stand, verkehrten die .Granden des Landes. Eines Tages erblickte dort einer der Fürsten den seltenen Becher, der ihn entzückte. Er bot Rabbi Juda eine große Geldsumme für das Prunkstück an. Aber Rabbi Juda sprach: «So reich ist «kein König auf Erden, daß er mich mit seinem Gelde bewegen könnte, mich von diesem heiligen Becher zu trennen.» Das ärgerte den Höfling und er ging zum König und redete auf ihn ein: «Derne Schatzkammer, großer König, Ist so reich, wie keine Schatzkammer in der Weit. Wie kann sie aber vollständig sein, so lange sich das köstlichste aller Stücke im Besitze eines anderen, eines Juden, befindet. Darf es der König dulden, daß dieser kostbare Becher Im Hause des spanischen Emigranten bleibt?» «Wie heißt dieser Jude?» fragte der König. «Rabbi Juda Abarbanel,» antwortete der Hpfling. Da begab sich der König unverhofft und unangemeldet in das Haus Judas und verlangte, daß man ihm den Becher zeige. Rabbi Juda tat, wie ihm geheißen. Wie berauscht betrachtete der König den herrlichen Pokal und die glitzernden Steine in der Einfassung. «Wieviel verlangst du für diesen Becher?» fragte der König. «Nenne die Summe so hoch du willst, du sollst sie haben.» In Angst und Erregung antwortete Rabbi Juda: «Detf König ist voller Gnade, aber in seiner Weisheit weiß er, daß es Dinge im Leben gibt, die teurer sind, denn Geld und Gut. Dieser Becher, es ist ein heiliges Stück, das einzige und heiligste, das uns im Wandel der Zeiten geblieben ist. Es ist mir für alles Geld der Welt nicht feil.» Blaß vor Zorn stand der König da. Aber Rabbi Juda suchte ihm den Sachverhalt näher zu erklären: «Dieser Becher geht seit undenklichen Zeiten .von Hand zu Hand, von Generation zu Generation in unserer Familie. Er ist gleichsam unser Wappen, unsere Familienkrone. Er war der «Kelch des Heiles» in der Hand des Königs David, und der Prophet Elijahu, der Ihn nach Zerstörung des Tempels in Verwahrung genommen hatte, gab ihn einem unserer Ahnen, daß er ihn weitergebe an seinen Sohn. Wie sollte ich mich von diesem Stück, das sich durch die Jahrhunderte auf mich vererbt hat trennen?» Damit ließ sich aber der König nicht besänftigen. Im Gegenteil, er bezeichnete es als Verrat gegen Staat und Königshaus, irgend eine Tradition höher zu stellen, als den Willen des Königs. In der Weigerung, den Becher herzugeben, sah er eine Verletzung der königlichen Autorität, ein Zeichen der Untreue gegen die Krone: «Du hast sieben Tage Bedenkzeit. Ist die Zeit verstrichen und ich bin nicht im Besitze des Bechers, dann weiß ich, was geschehen soll.» •Mit diesen Worten verließ der König voll glühenden Zornes das Haus Rabbi Judas. III. Rabbi Juda hätte Grund, um sein Leben zu bangen. «Und dennoch,» sprach er sich Mut zu, «werde ich den Becher nicht hergeben.» Und damit nichts in der Welt mehr imstande sei, ihn in seinem Beschlüsse irre zu machen, nahm er den Becher in die Hand, glättete ihn zärtlich und legte ihn in den eisernen Kasten, wo er die letzten Familienschätze aufzubewahren pflegte. Dann nahm er den schweren Schlüssel und schloß das Kästchen ab. Er verschloß dann die eiserne Türe zu der Kammer und warf beide Schlüssel zum Fenster hinaus in den Fluß hinein. «Elijahu Hanabi,» bete er dabei. «Der Becher gehört dir, ich lege ihn somit wieder in deine Hand. Verfahre mit ihm nach deinem Belieben.» Die sieben Tage waren abgelaufen. Kurz vor Nachtanbruch des letzten Tages ließ der König noch einmal Rabbi Juda rufen. «Nun hast du noch wenige Minuten Zeit. Bist du entschlossen, den Willen deines Königs zu erfüllen und mir den Becher zu bringen?» Rabbi Juda antwortete: «Herr und König, ich kann darauf nichts sagen, denn der Schlüssel zum Becher befindet sich längst nicht mehr in meiner Hand.» Da befahl der König seinen Dienern, in das Haus Judas zu 'gehen und dort nach dem Schlüssel zu suchen. Nach einiger Zeit kamen die Diener zurüok und berichteten: «Wir haben;<jas Haus Judas von oben bis unten in allen Löchern und Ritzen durchsucht, keine Ecke und

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