Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 2 (1929)
- Issue
- Heft 73 (23.5.1929)
- Date
- 1929-05-23
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6 stimme Nr. 78 Jüdischer Unternehmungsgeist wendet sich immer stärker Palästina zu - Sichere, Jude, den nationalen Charakter des Landes durch I Spenden nimmt entgegen und Keren Kajemeth-Büchsen sind erhältlich iveren IV3JOm©in« beim Keren Kajemeth, Wien, I., Kärntndrstraße Nr. 28, Telephon R 27-4-86 Postsparkassenkonto Nr. 100.208 Stärkung des simple Jwdenroefischen ruxusehen. Sie sofiten es «ns aber nicht Obel nehmen, daß wir diesen von den stanken Händen in schwachen Stunden gegebenen «Ehretiwdrtem» mit der gebührenden Skepsis begegnen». Man hat da seine Erfahrungen . Der wirtschaftliche Aufschwung Crez Israels Erstarkung der Industrie. — Kreditfrage. — Kontakt mit der Regierung.— Neue Einwanderung Unter den zahlreichen Veranstaltungen, die während des letzten Monats kn Rahmen der Ausstellung des Nahen Ostens in Tel-tAwiw stattfanden, nimmt die Konferenz des Industriellenverhandes eine besondere Stelhing ein. Wie schon die Ausstellung bewies, hat die junge palästinensische Industrie in den letzten Jahren erh et Wiche Fortschritte gemacht. Sie umfaßt zurzeit ar. die 600 Betriebe und beschäftigt gegen 6000 ständige Arbeiter. Bestimmte Produktionszweige sind in Palästina deshalb verhältnismäßig stark entwickelt, well sachkundige Einwanderer ihre Betriebe, dfie sie im Gahith gehabt hatten, nach Palästina verlegten. Das gilt vor allem für die Textilfabrikatfon, die in den letzten fünf Jahren aus Polen nach Tel-Awiw und der Umgebung verpflanzt wurde. Andere Betriebe sbützen sich in ihrer Produktion auf einheimische Rohstoffe, wie zum Beispiel die Oel- und Seifenfabrik «Schemen» und die Salz- und Zementfabriken, die den Tan und das Safe des Landes austoeuten. Die Industrie in Palästina hat bisher unter recht schwierigen Bedingungen gearbeitet. Sie hatte Neuland zu erforschen, ohne sich auf irgendwelche Erfahrungen stützen zu können und ohne feste Märkte zu besitzen. Die Kreditfrage wurde bei allen Gelegenheiten als eines der schwersten Probleme der Industrie genannt. Die relativ kiekten Mittel der meisten Unternehmer machten ein langsames und vorsichtiges Arbeiten zur Bedingung des Erfolges. Und die Regierung verfolgte eine Politik des Abwartens, ohne der jungen Industrie praktische Hilfe zu leisten. Aus dem Bericht des Verbandes geht hervor, daß die Unternehmer sich trotz allem durchgesetzt haben. Die Betriebe fanden ihren ersten und größten Absatz auf dem inneren, und zwar jüdischen Markte. Das Publikum bemühte sich, wo es irgend ging, palästinensische Produkte ausländischem vorzuziehen. Und es gab bald eine Reihe von Waren, die sich behaupteten. Das waren ausnahmslos Produkte, die sowohl in der Qualität wie im Preis die Konkurrenz mit dem Import aufnebmen konnten. Verschiedene Interessen haben auch mit Erfolg die Grenzen Palästinas überschritten und ln den umliegenden Ländern begonnen, sich Märkte zu erschließen. Syrien nimmt bereits ein bestimmtes Quantum, vor allem an Textilwaren, Zement und Süßigkeiten auf. Auch nach 'Aegypten beginnt dfie palästinensische Industrie, wenn auch recht langsam, einzudringen. Die Kredififrage hat heute viel von ihrer Schärfe verloren. eine Berechnung des gesamten industriellen Kapitalbedarfes, <Me vor kurzem angesteflt wurde, hat gezeigt, daß die bestehenden Fabriken mit verhältnismäßig bescheidenen Summen befriedigt werden können. Der Zinsfuß -kn Lande Ist gefallen und der Geldmarkt hat seine Spannung verloren. Der Indußtrlellenverband führt seit seiner Gründung einen Kampf um Erleichterungen uind günstige Arbdtsmdgüchkeiten mH der Regierung. Der größte Teil der Resolutionen der letzten Zusammenkunft bestand in Forderungen an die Behörden. Sie betrafen Zollbefreiungen von eingeführten Rohstoffen, Schutzzölle auf eingeführte Fertigwaren, die mit Landesprodukten konkurrieren, Verbilligung der Eisenbalhntarrfe für Maschinen und Waren, Steuerbefreiung für junge Betriebe und ähnliches mehr. In manchen dieser Punkte haben die Industriellen der Regierung gegenüber schon einiges erreicht. Der größte Teil der anderen Forderungen tot bisher unerfüllt geblieben. Der IndustrieWenveiband verlangt das Recht, die Regierung bei den Fragen, die .die Industrie betreffen, ai beraten. Es sott ein besonderes Industriedepartement der palästinensischen Regierung geschaffen wenden, das kn Konta/kt mät dem Industrlel 1 enve rba nd arbeiten soll. « Aua Tet-Aviv wird uns geschrieben: Eine der wichtigsten Fragen, die heute Palästina beschäftigen, ist das P r o b 1 e m der Einwanderung. Sie drängt sich überall auf, sowohl in de Kolonien wie in den Städten, wo die Erstarkung und Entwicklung der Wirtschaftseinheiten deutlich wird. Bei einem Besuch der Fabriken, die in den letzten Jahren im Lande Boden gefaßt haben, bei einer Fahrt durch die neugepflanzten, beziehungsweise neugekauften Orangengebiete, bei dem Besuch der Ausstellung, die anmutet wie ein farbiger und vfelgestatteter Rechenschaftsbericht, überall steht man t *of daf -Fragei Wie-wM es Jetzt .weitergehen? Welche Steigerung der Produktion brauchen wir, um neue und sichere Existenzen zu schaffen? Und das Finale jeder Unterhaltung mit einem der zahlreichen Touristen, die Herkommen, tim sich ein Bild über das Land zu machen, Ist die Frage der Immigration. Die nationalen Institutionen bemühen sich zurzeit, eine Antwort für das Problem zu finden und 2u untersuchen, wieviel unbemittelte Einwanderer das Land im Laufe der nächsten zwei Semester wird aufnehmen können. Die allgemeine Arbeiterorganisation hat an Hand ihres Zahlenmaterials einen Plan ausgearbeitet, aus dem sich ergibt, daß sofort 4000 neue Zertifikate angefordert werden sollen. Die Exekutive hat vor einigen Tagen in einer Sitzung mit Vertretern der Arbeiter diesen Plan besprochen und ist entschlossen, in nächster Zeit sich wegen neuer Einwanderungserlaubnisse an die Regierung zu wenden. Wie groß die Zahl der Zertifikate sein wird, steht noch nicht fest, es scheint jedoch, als ob die Exekutive nur einen Teil des Planes der Arbeiter fürs erste übernehmen wird. Die Arbeitsquellen liegen in den Plantagen, zum Teil auch in der Stadt und in öffentlichen Arbeiten. Der Hafenbau wird nach den Erklärungen der Regierung erst im September beginnen und kommt wahrscheinlich als sofortige Arbeitsquelle, das heißt für das nächste Halbjahr, kaum in Betracht. Das Fazit der Situation ist, daß die Periode der fünften Alijah bereits begonnen hat. Die Einwanderungsziffern werden in den nächsten Monaten langsam steigen. Die Berechnung der «wirtschaftlichen Möglichkeiten des Landes» ist heute gewissermaßen die Resultante zwischen dem ungestümen Drängen der Arbeiterorganirrran novin mso^ sowie sonst ln der Wirtschaft verwendet aouehlieBUeh FRIEDMANN* TS&?&» wich,ii Proiercfr.M. Td.R40Qir Ihr helft damit beim Wiederaufbau uns. heiligen Landes ..Rrea Israel1' Man verlange Ifenorah-Keraen mit Keren - Kajemeth Harken, welche die Fabrik ans Eigenem bestreitet and die Kersen im Preise dennoch nicht erhöhen. Wir bringen euch Menoratt-laXurmeltltclilmr mit garantierter 34 ständiger, tadelloser Brenndauer in Verkehr nnd bitten, Jahrseitlichter mit ges. gesch. Menorah -Marke *u verlangen. sation und dem vorsichtigen Ab wägen der Zionistischen Exekutive, die sich eifrig bemüht — viele meinen zu eifrig — aus den Fehlem in der Zeit der vierten Alijah zu lernen. * Die Regierung Palästinas hat dem Ersuchen der Zionistischen Exekutive wegen Gewährung von 24 00 E i nwandererzertifikatenfür Chaluzim für die Zeit vom April bis Oktober 1929 stattgegeben. Der Exkönig von Hedschas — bankrott Man schreibt «ns aus Jerusalem: Wie syrische Blätter melden, ist der Exllcalif Hussein, frühe* Koni« des Hodschas, von dem Gericht in Nicosia (Zypern) für bankerott erklärt worden. Der alte Mann, der heute die Achtzig erreicht halben muß, war immer wegen seinen großen Reichtums bekannt — sein Vermögen wurde auf einige Millionen Pfund geschätzt —, aber ebenso wegen seines ungewöhnlichen Geizes. Der Bankerott kam über ihn, well em Bankier aus dem Irak zusammen mit zwei Zeugen kt Nicosia auftauchte, um eine Zlnstfonderung von 22 Pfund Sterling eiazu/kassieren. Wie die Zeugen behaupten, wurde der Bankier von dem früheren Beherrscher der Gläubigen sehr schlecht empfangen und wandte sich daher an das Gericht. Gleich nach Ihm. meldeten sich noch ein Abessinier, der für ehemalige Spionagedienste 2000 Pfund haben wollte, und ein Schuster, der seit 1925 auf den Lohn für drei Paar Schuhe wartet. Der Exkalif wollte dem Schuster nicht zahlen, wett er die Schuhe als Souverän des Hodscha« und nicht als Privatmann bestellt habe. Deswegen halbe der Schuster höchstens Ansprüche an seinen Nachfolger auf dem Thron von Hedschas, Das Gericht schloß sich dieser Auffassung nicht an, und als es sab, daß von dem alten Mann kein Piaster berausguholen war, erklärte es Ihn für bankerott. Der Bankerott soll auf schlechte Exportgeschäfte zurückzuführen sein, die Busseln nach seiner Ankunft auf Zypern begann. Anlage des palästinensischen Grundbuches Jerusalem, Die Regierung beschäftigt sich bekanntlich seit längerer Zeit mit den Vorarbeiten für die Anlage eine« Grundbuches für das ganze Land, Als Böden, deren Rechtsverhältnisse zunächst endgültig geklärt und in da« Grundbuch eingetragen wenden sotten, sind jetzt von der Regierung die Böden von Cbederah bestimmt worden, um auf diese Welse die Lösung des Infiat- Konfllükte<s m beschleunigen, tan Zusammenhang damit sind.auch die verschiedenen Prozesse über die Eigentumsverhältnisse bei den tatot-BOiden bts auf weiteres vertagt worden. Zionismus, Sozialismus und die jüdische Lehre Aus Berlin wird uns geschrieben: Die Berliner Ortsgruppe der Liga für das arbeitende Palästina veranstaltete in der Stadthalle, Klosterstraße, eine große öffentliche Kundgebung unter dem Titel: Ein sozialistische* Pafiästfna! Bätna 500 Personen waren dem Ruf gefoflgt, darunter ein erheblicher Teil Jugend. Dr. Oskar Cohn eröffnete die Veranstaltung und sprach über die Verknüpfung des Aufbauwerkes der jüdischen Arbeiterschall mit den Aufgaben der internationalen sozialistischen Arbeiterschaft. Er forderte einen friedlichen Aufbau Palästinas in Verbindung mit diem arbeitenden arabischen Volk. Ueber die enge Verbindung der zionistisch-sozialistischen Jugend mft dem Werke der palästinensischen Arbeiterschaft' sprach Dr. Georg Lubinski. Dr. Walter Preuss, TefinAvlv, der Vertreter der allgemeinen jüdischen Arbeiterorganisation Palästinas, richtete an die Zuhörerschaft einen dringenden Appell zur Mitarbeit an dem Paläsfcin a-A rb e i t e r w c rk. Abschließend sprach im ersten Teffl der Veranstaltung Fritz Naphtali. Er berichtete über die Tätigkeit der Liga in Deutschland und die geplante Weltföderation für das arbeitende Erez-Israel. Das Hauptreferat des Abends hielt Ministerialdirektor Dr. Hermann Badt Er stellte dar, wie stark die sozial!« stlsohe Richtung des Zionismus bereits in der jüdischen Lehre und Weltanschauung verankert ist und führte aus, daß die beiden wichtigsten Probleme des Palästina- Werkes, soziale Form des Aufbaues und die Gestaltung und Beziehung zur arabischen Bevölkerung nur gelöst werden können, wenn die sozialistische Gesinnung sich in Palästina weiter Raum schafft. Dr. Edmund Chon Die feierliche Beisetzung des verstorbenen Großpräsidenten der Oesterreich-Loge Bnei Brith Dr. Edmund Cohn in einem von der Wiener Israelitischen Kultusgenteinde gestifteten Ehrengrab fand unter großer Beteiligung statt. Giedenfcreden am offenen Grabe hielten der Präsident der Wiener Israelitischen Kultusgemeinde Genieraloiberstabsanzt Professor Pick, Dr. Moritz Schnabl im Namen der österreichischen Bnei Brith-Logen, Hofrat Dr, Fuchs im Namen der Großloge «Wien», Dr. Josef Popper im Namen der Bmef Brith-Loge der Tschechoslowakei Dr. Benno Waithen- Berlin im Namen der Deutsohland-Großtoge, Professor Hofrat Dr. Frankfurter im Namen der polnischen Logen und Rabbiner Dr. Feuchtwarvg. Chajes-Realgymnasium, Wien, II., Castellezgasse 35. Anmeldungen in die erste bis achte Klasse täglich zwischen 12 und 1 Uhr in der Direktionskanzlei. Israelitischer Jugendgottesdienst. Am Samstag, den 25. Mal 1929, um 3 Uhr nachmittags, findet der Jugendgottesdienst für die israelitische Schuljugend in den Gemeinde- und Bezifkssynagogen statt. Wochen-Kalender Mal 1909 Gedenktage mir\ 23 Donnerstag 1841 — Der franeösische Dichter Catulle Mend6s geboren. M -3» 24 Freitag 1810 — Der Vork&mpfer der „Deform“, Abraham folget, geboren. 14 — Ssbbstelafug 7« Uh* , j Samstag 1861 — J. L. Peres in Zamoso geboren. 1884 — Der JQdieohe Gelehrt« Alexander Biohut in Nev York ««»torbeu. iS-la Wecheaebsdraltt’ Bebel E«ft%reh i Wejeaur “s** 23 Sonntag 16 — tjö 27 Montag 1700 — Komponist Jacob Promentqi Halevy („Die Jüdin'*) in Parle geboren. 17 28 Dienstag 1846 — Klaviervirtuoie Prof. Leop. Auer la Vessprlm (Uhgern) geboren. 1801 - Gründung de« Hilf»- ▼ereloM der deutschen Juden. 18 -IT 29 Mittwoch 1888 — Komponist und Musiktheoretiker Ktnenuel Pres teuer geboren. ••mr- --•* 19 *— 8 V — # * i ■