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Die Stimme · 1929-05-16 · Heft 72 (16.5.1929) · page 7

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Journal
Die Stimme
Volume
2 (1929)
Issue
Heft 72 (16.5.1929)
Date
1929-05-16
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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Nr. n DIE STIMME Sefte 1 Die englische Regierung wird alles tun, um die Verwirklichung des zionistischen Zieles zu erleichtern Die Rede des Untersteatsaekretirs Ormsby Gore im englischen Unterhaus Aus London wird uns gesohileben: Die Debatte dea englischen Unterhauses, in der das Budget des Kolonialamtes behandelt wurde, gestaltete sich zu einer großen Kundgebung für das jüdische Palästina. Nachdem Commander Kenworthy, der bekanntlich als erster das Wort ergriff, von der britischen Regierung die Herstellung freundlicher Beziehungen zum jüdiaohen Siedlungswerk und zu den jüdischen Siedlern, die in der ganzen jüdischen Welt zehn Millionen Pfund für Erez Israel mobilisiert haben, gefordert und Colonel Wedgwood im Wesentlichen das ungerechte Steuer- und das unzulängliche Kreditsystem der englischen Palästinaadrainistration, die den vitalen Interessen der jüdischen Bevölkerung zu wenig Rechnung trägt, scharf kritisiert hatten, ergriff am Schluß, unter größter Aufmerksamkeit des Hauses, der Unterstaatssekretär für die Kolonien Ormsby Gore das Wort, um auf die Darlegungen vpn Kerworthy und Wedgwood zu antworten. Ebenso wie Colonel Wedgwood heute, begann Ormsby-Gore, war ich, lange bevor ich mein Amt antrat — und auch heute noch — ein Überzeugter und eifriger Zionist, wenn auch aus anderen Gründen wie Colonel Wedgwood. Er sieht die Sache so an, daß das jüdische Volk im Begriffe ist, unsere Ideen, unsere westliche Zivilisation und unsere Freiheitsliebe noch einmal nach dem j Osten zu tragen. Ich sehe sie im Sinne von Dr. Weizmann an. So glauben die Juden, und so glaube auch ich, daß im Laufe der Zeit ein Volk der Denker und Dichter in Palästina entstanden sein wird, und daß ein Menschentyp emporwachsen wird, der die Literatur, die Religion und das Denken der Welt ungeheuer bereichern wird. Nicht die große Zahl wird es tun, sondern die Qualität; die höhere Qualität wird diesem Volke die'wirkliche Freiheit bringen. Und wenn Colonel Wedgwood fragt, warum die Regierung nicht mehr für die englische Erziehung der Juden tut', so erwidere ich, daß es die Quintessenz des zionischen Ideals ist, ihr Volk von hebräischer Tradition und hebräischer Sprache durchdringen zu lassen. Die Kontrolle des jüdischen Unterrichte» muß soweit wie möglich Angelegenheit der Juden bleiben. ' Colonel Wedgwood hat gesagt, die Politik der drei Parteien und ihrer Führer im Parlament sei in dem Mandat eingezirkelt, und daß das Mandat diö wirkliche Basis sei, auf der wir Palästina verwalten sollen. Ich bin sicher, daß jede Regierung alles, was in ihren Kräften steht, tun wird, um die Verwirklichung deszionistichenZielesder Politik und der Ideale des Zionismus zu erleichtern, wie dies in den Bestimmungen des Mandates und der Balfour-Deklaratiop. festgelegt ist. Commander Kenworthy hat die Frage dex Klageinauer noch einmal aufgeworfen. Ich hatte gehofft, daß diese unglückselige Episode schnell vergessen sein würde. Die Klagemauer besteht aus einem Untergrund großer 9telne, die zweifellos die Mauer des Herodee- oder Nehemiatempels darstellten. Darüber sind kleinere Steinschichten, die aus der Römerzeit stammen sollen, und darüber wieder eine Reihe im Mittelalter aufgelegter Steine, die von Suliman her* rühren sollen, der die Heilige Stadt Iro 16. Jahrhundert wiedererbaut hat. Ich verstehe e«, daß die Stätte vor der Mauer, die zweifellos Teile des alten jüdischen Tempels enthält, Gegenstand jüdischer Verehrung ist. Die Spitze der Mauer, die raosleraitisch ist, ist und war keine Streitangelegenheit. Alle diese Fragen sind in Palästina äußerst delikat und schwierig. Besonders in der Stadt Jerusalem werden die Leidenschaften leicht entflammt» Mißverständnisse entstehen sehr bald; ich meine, man sollte diese nicht wieder aufs Tapet bringen- Ich wurde über den Plan der Eisenbahn von Haifa Über den Jordan südlich des Toten Meeres und weiter nach Persien gefragt. Das muß eine Frage der Zukunft bleiben. Jetzt bauen wir schon den Haifahafen, Wenn für die Eisenbahn die Finanzierung gefunden »ein wird, wird sie gebaut werden und Haifa wird ihr Mündungshafen sein. Bezüglich der Bodenfrage bestehen Schwierigkeiten darin, daß viel von dem Boden Palästinas,syriechen Effendis gehört, die eine türkische Konzession gerade für dieses Gebiet haben. Bevor diese Schwierigkeit nicht aus dem Wege geräumt ist, kann das, was Wedgwpod verlangt, nicht erfüllt werden. Die Verwaltung steht mehreren einander widerstreitenden Interessen von höchst chaotischer Natur gegenüber. Es scheint aber als sicher festzustehen, daß »ich in diesem Jahre mehr Gelegenheit ergeben wird, da» jüdische Siedlung slandzuvergrößern, In h i b e r: Richard Herzog 1., Adl«raasi« 5 Tal, R-S9U-0O 11., Kt. Pfarra. 98 Tal. A-41-0-B4 All« jüdischen and hebräisehen Schallplatten sowie alle modernsten Tanz- und Gesangsschlager ln reichster AubvüIjI auf La»«»'- Auch Teilzahlungen! Provinzversand! 8p#bon orlglwU»*«n*rUnu»I«ei» U«f«nragan alngclangt Der Märtyrer J. Ch. Brenner Nach der 8. Wiederkehr seines Todestages Erinnerungen von Simon Eroft, Tel-Aviv. .... . I Zum erftenmal begegnete ich Brenner im April 1929» e*a; Jahr vor feinem tragiieben-Ende. AU ich in fein Zimmer eia*, trat, ergriff mich ein feltfames Gefühl. Mitten im Durcheinander der Möbel und Bücher ftand Brenner vor dem Schrcibpult und fchrieb mit unheimlicher Schnelligkeit. IA wagte nicht, ihn im Schaffen zu unterbrechen. Im felben Augenblick trat Jofeph Luidor herein, der Märtyrer-Genofle von fpäter. Sic unterhielten CA naAher über das bekannte BuA von Jari- Policskin „Träumer und Kämpfer“. Wir gingen dann mit , Luidor zufammen, und gierig hörte iA deffen Erzählungen . über den großen Freund: Brenner. Der feltfame Zauber diefer PerfönliAkcit lag in der feelifAen Ausftrahlung, die alle nicht; nur ihm perfönliA Nahcßchenden, fondern auA die zufällig in feine GefellfAaft geratenen Fremden zu ergreifen pflegte, Der in feinem Innerften zerwühlte und in ftändigen Vulkan* ausbrüAen der Auflehnung und der Liebe lebende Brenner wirkte beruhigend auf feine Umgebung. Er wußte andere, zu Hoffnungen zu. beflügeln, während er fclbft feclifA hoffnungslos der Welt und fiA gegenüberftand. Er vcrmoAtfc in vielen anderen den Willen zum Glauben waAzurufcn, während er niAt eintMl den Sinn diefes Wortes recht zu verliehen wußte, Obwohl er der größte Leugner in ReligionsfaAcn, ja das Sinnbild von „Apikoress“ war, war der Eindruck, den er auf den Führer der Agudath Jisroel, Jacob Malkow, maAte, derart gewinnend, daß dicicr feinem Andenken eine hcbräifche BrofAüre widmete „NaA dem Ableben der Heiligen Er fArieb darin, daß Brenner zwar der grimmige Feind der jüdHAcn Orthodoxie in feinen thcoretifAen AnfAauungen war, aber ein Heiliger und „lebender SAmerz“, dem alfo alles/zu verzeihen fei. Im Auslande iß Brenner nur al* Erzähler bekannt. Nur hier im Lande iß feine PerfönliAkcit crzieherifA w*A und wirkfam. Dort war er der Erzähler, hier erzählt man vieUeiAt noA mehr von ihm. ■ AU Zweiflergei(V ging er durA die jüdifAe Welt. DoA aU Sirkin ihm den VorfAläg maAte, in die jüdifAe Treffe emzutreten, um endgültig vom Exiftenzksmpf befreit zu werden — war Brenner« Antwort die eine« inbrünßigen Gläubigen! nur galt fein Kultus der hebrlifAch SprcAe, dem Werkzeuge der nationalen Wiedergeburt.- Und der Kritiker aller zioniftÜAen Taten mußte — fymbolifA, ewig bedeutfam — die fehlende Vorautikht, die GA fo uncndliA tragifA am i. Mai 1921 räAte, mit feinem Blute büßen. Der religiöse Faktor Im jüdischen Kulturschaffen Aus Berlin wird uns .geschrieben: kt der Beittnef Fwuenaibeitsg^metoschaft für Palästina sprach Dr. Sadj Masö (Moskau) Über «Die Voweltlkhwng des Judentums», Nach einer historischen Betrachtung <Jpr Entwicklung des jüdischen Volkes untersuchte Dr. M&&, inwieweit das Judentum im Schaffen seiner Kultur von religiösen Faktoren abhängig war und welchen Platz überhaupt die Religion darin ebniimnt. Während das westeuropäische Judentum fns Kirchentum ehtging, da die Kirche (Synagoge) ihr einziger, gemeinsamer ftaK war, es ateh im übrigen mk de» Bewohnern des jeweiligen Landes assimiliertet bewahrte sich die Masse der Ostjuden einen nationalen Charakter, und ege Synagoge war für sie immer mehr als ehre Kultstätte, wer düs eZntrum des Vblkawesens, in dem sich alles abspielte, was Me gemeinsam! betraf. Nach sehr eingehenden phdo- SOphifChen Aufführumg-en Uber den Talmud und seine Auslegung befaßte sich der Redner mit dessen gesetzgebenden, rein juristischen Formulierungen. Er kam zu dem Resultat, daß im heutigen Paläitina, dem neuen jüdischen Reich, es darauf »nkommt, das geistige Laben der Juden auf neue, gesetzmäßige Grundlagen zu Italien. Das Volk kann «ich nicht religiös entwickeln, es weiden neue Formen des Gemeinschaftslebens gesucht, auf rechtlicher Basis. Es ist Ae Epoche einer neuen Gesetzgebung, einer neuen Auslegung des Talmud- Ein Sabbath bei den Samaritern Von Dawid Jellln (Jerusalem). Mein erster Besuch in Sichern (Nablus) datierte 10 Tage, Die Stadt ist zur Gänze arabisch. Die Samariter wohnen ln der schmalen Samaritergasse eingepfercht, wo loh sie eines Tages besuchte, Ihr Hohepriester, Jakob ben Abron, bat mich, in seinem Hause den Sabbath zu verbringen. Schon am Freitag früh merkt man bei den Samaritern das Heran- Gummi n h Wien l I,JldlcpdasjeS ecKaKäcHXnr nahen des Sabbath. Die Frauen kochen die rituellen Speisen und stellen sie kalt für den Sabbath, Am Nachmittag setzen sich die Männer an einen runden, niederen Tisch zum Essen. Nach dem Mahle waschen sie sich, ziehen die weißen. Sabbathgewänder an und begeben sich in die Synagoge. Ihre Ueberkleitier gleichen unseren Mänteln und dienen Ihnen als «Talessim»; nur der Hohepriester trägt einen Seidentaiis. .Alle Samariter tragen am Kopfe eine «Streimel». Die Synagoge besteht aus einem großen Zimmer im Erdgeschoß. Die Gläubigen sitzen in Reiben auf Strohmatten, die auf dem Boden liegen; es gibt weder Tische noch Bänke. In einem an der Wand befestigten Schrank befinden sich die Gesetzesrollen. Eine eiserne Kiste verbirgt die besonders heilige Rolle, die, wie es heißt, vom Enkel des Hohepriesters Aaron geschrieben wurde. Vor dem Eintreten ln die Synagoge müssen die Schuhe ausgezogen werden. Jeder Ankömmling bedeckt sein Gesicht mit den Händen und fällt in die Knie. Dann setzt er sich mit verschränkten Beinen ln der Richtung Garlslm ... Die samaritisohen. Gebete sind zum Teil arabisch, zum Teil hebräisch, ln der Komposition der- Pijutian erkennt man den arabischen Einfluß. Das Lesen der Tihora bildet einen wesentlichen. .Teil des Gottesdienstes. Das Gebet am Freitagabend wird in der Dunkelheit verrichtet und dauert eine halbe Stunde. -Nach dem «heiligen Dienste» kommt eine kleine Pause,. nach welcher wieder mit dem Gebet begonnen wird. Welcher‘Kontrast zwischen unseren hellen Freitagabenden und den düsteren Festen der Samariter! Als ich ln die dunkle Synagoge eintrat und die weißen Gewänder erblickte, schien es mir, als säihe idi Seelen in Leichentüchern ... Der Hohepriester entnahm dem Schrank die TthorarpUe und erhob sie vor die Augen aller. Die versammelten Männer küßten sie und der Priester begann das Lesen des Abschnittes vom Priestersegen (Bamidbar 6, 22—27). Das ist die einzige Thoralektüre am Sabbath und Jomtow. Nach dom Gebete folgt das Mahl:.kalte Speisep und selbstgebrauter Schnaps. Am Sabbath tag verlassen die Samariter nie ihre Wohnungen und beobachten streng die Vorschriften der Bibel. Gegen Mittag gehen sie wieder in die Synagoge und beten dort Mussaph, wobei der Wodhenabschnitt gelesen wird. Nach beendetem Mussaph werden Besuche bei Freund®« und Bekannten abgestattet, wobei das Gespräch nie von religiösen Themen ab weicht. Ein Trumpf. Ein New Yorker war gestorben und ging in den Himmel ein. Dort machte er sich sofort allgemein bekannt und erzählte von Amerika, wo bekanntermaßen altes am besten, am schönsten und am größten Ist Efeiqjaä erwischte er auch einen kleinen unscheinbaren Mai», dem er von Amerika vorrenommierte: «Ich sage Ihnen,» ctef der New Yorper begeistert aus, «Sie müßten dea Niagara-* fall bei uns hi Amerika gesehen hähe^. Der führt In einer Sekunde mehr Wasser, als Sie In Ihrem ganzen Lehen je zu sehen bekommen haben!» «Das ist wähl möglich,» erwiderte der kleine *n« scheinbare Mann höflich. «Möglich?» erwiderte der Amerikaner gekränkt, «wenn ich Ihnen das sage, dann können Sie es mir glauben! Uebrigeros, mit wem habe Ich das Vergnügen?» «Ich bin Noah», sagte der kleine unscheinbare Mmmw

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