Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 2 (1929)
- Issue
- Heft 72 (16.5.1929)
- Date
- 1929-05-16
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 7«, PIESfrmMg Vom „gelahrten" and vom Anti semitismus des dummen Kerls Zwei Ludendorff-Jünger Ein deutscher Gelehrter, Geheimer Medizinalrat, Univqfsitätsprofessor und Direktor des- Hygienischen Institutes in Leipzig, Dr. Kruse mit Namen, veröffentlicht im Leipziger Vertage von G. Tthienie ein Werk, das den Titel trägt: «Die Deutschen und ihre Nachbarvölker» und eine «neue Grundlegung der Anthropologie, Rassen-, Völker-, Stammeskunde und Konstitut tionslehre neibst Ausführungen zur deutschen Rassenhygiene» sein will. Das Werk Kruses, dessen «Neuheit» allerdings nicht ersichtlich wird, charakterisiert sich selbst durch höchst eigenartige Ausführungen, für die Ludehdörff als- Kronzeuge zitiert wird. Es heißt dort: <Nodh nicht ganz gelöst erscheint die Frage, welche Fäden das internationale jüdische Kapital mit diesen auf den' Umsturz hün-zielendcn Bewegungen verbinden. Man hat in den «Geheimnissen der Weisen von Zion» Dinge vor sich, die fast zu' abenteuerlich erscheinen, als daß sie wahr sein könnten. Wenn man dann hört, daß die Anklagen gegen die Freimaurer, die offenbar immer in engen Beziehungen zum Judentum gestanden haben. ' schon bald zwei Jahrhunderte alt sind, so wundert man sich kaum noch über die Enthüllungen, die jüngst in den Veröffentlichungen Lüdcndorffs ihren Höhepunkt erreicht haben. Mögen Einzelheiten auch nicht stimmen (!) und . manches andere unbeweisbar sein (!), mag auch die große Masse wenigstens unserer deutschen Freimaurer kaum eine Ahnung davon gehabt haben, zu welchen Zwecken sie von den geheimen Drahtziehern der Bewegung mißbraucht worden sind, so liegen doch außerordentlich viele sich untereinander stützende Beweise für eine seit langer Zeit arbeitende, im wesentlichen jüdische Verschwörung . geigen die Grundlagen unseres politischen und völkischen Daseins vor.» Herr Kriise «wundert sich kaum noch . . .» Auch wir wundern uns nicht mehr nach so manchem, was Plan in der letzten Zeit erlebt hat. Aber immerhin ist es doch eine beschämende Tatsache, daß der Ordinarius der Leipziger Universität für Hygiene diesen blühenden Blödsinn mit. ernster Miene in einem großen Werke doziert. . Weniger «gelahrt» und mehr auf die praktischen Erfolge des Pogromantisemitismus bedacht, tr.ift ein zweiter Jünger Ludendonffs auf, der Recke Adolf Hit- Dp Judenghetto in Kairo Von K. S. ' Hinter dem; Ezbekije-Park hört das europäifch yerkitfthte - Kairo mit feinen Luxushotels, mit feiner Jazzmufik und den . Cookreifenden auf, und im - reizvollen Wirrwarr der: Gaffen beginnt das .Märchen von T.. Tcndundeincr Nacht lebendig zu; werden. . ' , Der Muslü-Bazar tut feine fchmalen Gaffen . auf. Es ift gerade,. Donnerstag, ein Haupttag für Märkte und Bazare. Eine , dichte Menge, aus allen Raffen und Völkern gcmifcht, drängt; und fchiebt fich durch .die Straßen.' Vor den offenen Schauläden, vor den Verkaufsbuden locken : die Händler zum Eintritt. Fcllachcnfrauen in, fchwarzen Schlei- , ern bleiben mit fchüchterner Begehrlichkeit vor bunten Glasketten flehen. -• Europäifch aufgemachte Modemagazine wechfeln wieder mit orientalifchen engen Ladengewölben, die man hier Dukkan nennt. Vorn, auf der Mailaba, fitzt der Käufer, und um die. . Stunde des Gebets kniet hier der iflamitifche Ladeninhaber. Rabbiner, gleich den. koptifchep Prieftern den fchwarzen Turban tragend, wandern mit Erzvätergefichtern würdig und v«rfunken vorüber. Jüdifchc Frauen fpazicren durch die Straße der Goldfehmiede. Sic gehen wie die fyrifchcn Frauen unverfchleicr.t im wallenden fchwarzen Mantel. In manchen Gaffen herrfcht Halbdunkel, denn die Bazargäffen find tcil^eife überdacht, und die Fülle der Firmenfchilder mit ai-nbifchen, lateinifchcn und hebräifchen Schrift-1 Zeichen ragt über zerfallene Stockwerke oder kollbar ge-' fchnitzte Mcfchrabicn, wie hier die erkerähnlichen vergitterten Harcmsfcnfler heißen ... Ich werde in allen Sprachen Europas eingeladen, mir Tep- . piche, Treibarbeiten, Lampen oder buntfarbige Seidenfchals amzufchen. Ich lefe levantinifche und ägyptifefie Firmenfchildtr, und oft erfcfieint audi ein jüdifcher Name, wie Levi oder Jofeph Cohen. Unter den Bazarangcftellten findet man viele Juden, deren Sprachcntalent für den Umgang mit den Fremden (lehr gefdjätzt wird. . \ Auf die Dauer kann ich nicht allen Verlockungen widerlichen und laffe mich in einen Laden nötigen. Der Verkäufer, ein junger Jude von 16 oder 17 Jahren, hat michi auf franxöfifch* begrüßt, dann beginnt er englifch und fpricht fofort deutfeh weiter als er merkt, daß mir das lieber ift. Bcfliffen fchleppt er bunte Stoffcj feidene Schals herbei, türmt fie aufdäarider, zeigt filberne Käftchcn, morgcnländifchc Gewänder.1 Er erkundigt fich nach meinem Hotel, um mir die Sachen au (ducken, und ich wandere weiter. ' Ich biege nach links ein. Die Läden verfchwinden in Seitengaffen und auf der Straße fpielcn fchwarzgelocktc Kinder von unverkennbar jüdifchem Typ. Nun ragen auch Synagogcnkuppcln auf; kein Zweifel, ich bin im. Judenviertel. Hier die gleichen Gäßdien wie bei den Arabern, die gleichen vergitterten Fcnfterlaubcn. Ich frage einen weißhaarigen Mann mit ftillen Zügen: „Harct el Jahud?“ — Jawohl •— er nickt — dies ift das Judenquartier. ler. Seht Organ «Völkischer Beobachter» imterstütet die antisemitische Bluthetze in Bayern durch diie Schilderung von Judenpogromen in der deutschen Vergangenheit, die den heutigen Antisemiten als ein nachahmenswertes Beispiel hmgesteilt werden. In der Ausgabe von Dienstag, dein 7. Mai, sch Udert G. v. H. den Verlauf der Judenpogrome in den Rheinlamden im Jahre 1349 und verweilt mit besonderem Behagen bei dem Kölner Pogrom (in der Nacht vor St. Bartolomeus, 23. zum 24. August 1349). Er nennt diesen Pogrom ein «Volksgericht» und schreibt, «daß in dieser Nacht das Joch des Fremdlings, unter dem der Kölner seit Jahrhunderten seufzte, abgeschüttelt war». Nachdem erzählt wird, wie fast alle Juden getötet und die meisten jüdischen Häuser niedergelbrannt wurden und wie dann zwischen der Stadt und dem Erzbischof Über die Hinterlassenschaft der Juden ein Streit entstand, schließt der Bericht mit den folgenden bezeichnenden Worten: «Die Kölner Juden haben keine schlimmere Naaht als die von 1349 gekannt, aber ihre gegenwärtige Volksausplünderung ist auf dem besten Wege, eine noch größere Wut in der völkischen Masse herauJzubeschwören.» Wenn man bedenkt, daß es bis jetzt genug Ausschreitungen der Hakenkreuzier gegeben hat, die blindwütig auf jüdisch aussehende Passanten einschlugen, so wird man diese erneute Hetze zu Mord und Totschlag sehr ernst nehmen müssen. Die Mailänder «Corriere de Ha Sera» knüpft an den Münchner Hitler-Prozeß einen Kommentar, in dem es heißt, Italien könne die schmeichelhaften Worte Hitlers erfreut buchen, ohne sich jedoch übermäßiger Begeisterung hinzugeben. Hitlers Gefolge sei klein, vor allem seien seine Pläne romantisch urfd naiv. Aber Hitler habe das Verdienst, . die. Itälieniicih^deutschen Beziehungen einmal in anderem Lichte als «die antifaszistische Judenpresse» dargestellt zu haben. Aus den weiteren Ausführungen des. Blattes ist zu ersehen, daß sich die Faszisten gerne der Hitler-Bewegung bedienen wollen, aber nicht willens sind, Gegenleistungen zu bieten. SIEGM. KORN MEHL I GHOS3FI.EI3CHHAUEREr Zentrale IX, Berggasse 19, Tel. A 17-3-39 u. A 16-9-34 Lieferant fii,r Heilanstalten, Abteilungen für “YEn-Fleisch BaaaKWBiBBBW » vhmmtttHfa&mmaiaasmm unter Aufsicht des Ehrwürdigen Rabbinats der Israelitjschen Kultusgemeinde Wien Autozustellungr Kostenlos IX, Berggasse IS XVIII, W&hringerstraße 97 j Ich frage: „Wieviele Juden wohnen hier?“ . „Es mögen zwifdien 25.000 und. 30.000 fein.“. Er antwortet gern und beginnt fchlicßlich felbft zu fprechen. In Stambul find doppelt fo viele Glaubensgenoffen, meid aus Spanien ausgewandert. In Kairo find die meiden fchon feit unvordenklichen Zeiten. Es macht dem Alten Freude, daß ihm jemand zuhört. Jetzt, da er fpricht, merkt er felbft, daß er manches weiß. In der „Sdiul“, nur ein paar Minuten von hier, hat Maimonides gelehrt... Hält die Judenfchaft untereinander, zufammen? — Im großen und ganzen ja. .Die B’ne Mikra“, die Karaim, find gegen die Rabbaniten immer mehr in die Minderzahl geraten. So redet. er, und manchmal kommen; wir an ' den alten cifenbefchlagenen Toren vorüber, mit denen das ganze Straßenviertel abgefperrt werden kann. Es ift wohl heute nicht mehr nötig, denn Verfolgungen find in Kairo heute nicht mehr zu fürchten. Wir promenieren hier wie durch eine jüdifche Stadt. Iflamitifche Frauen und halsbandgdfchmückte weiße Efelchen trotten durch die jüdifchen Gaffen Alt-Kairos, wo viele Juden ihr Brot als Verkäufer und K ommiffionärc, als Vermittler zwifchen Morgenländern und Europäern ihr Brot verdienen. Ein jüdischer General als der größte Mann Australiens gefeiert Melbourne, 6. Mai (J. T. A.). Der jüdifchc General Monafh Kommandeur der auftralifchen Armee im Kriege, marfchierce im Rahmen einer Krieger-Gedächtnisfeier an der Spitze von 30.000 ehemaligen Soldaten durch die Straßen von Melbourne. Die Zeitungen nennen den populären General den größten Mann Auftraliens. In Sidney wurde die Prozeffion bei einer Teilnahme von 20.000 früheren Soldaten vom jüdifchen General Rofenthal geführt. Förderung der Baukunst ln. Jerusalem Herr David Kauchaner, ein bewährter Zionift aus Buenos Aires, hat dem Waad H?ir von Jerufalem einen Betrag zur Verfügung geftellt, den der Architekt des fchönften Baues, der im Jahre 1929 in Jerufalem errichtet wird, erhalten foll. Für Weekend und Ausflüge nicht vergessen: Sdi^kMad^u^JBot^ons sind der heste Proviant / Am Rande ... Von Mogro. Die „Harken Händ e“. f . Die örterrcichifche Reaktion geftikuliert in letzter Zeit allzu beredt mit ihren „ftarken Händen": Pfrimcr und Steidle: Man verkehrt eben nicht ungeftraft derart intim mit den gewißen Finanz-, Induftrie- und Börfekreifen, die man in den Sonntagsreden teils „derfchlagen“, teils auch hochleben läßt, weil die eine ftarke Hand zuraeift nicht weiß, was die aridere genommen hat. Herr Pfrimcr bekennt fich zum radikalen, konzeffionslofen Raffenantifemitismus, während Herr Steidle die gleiche Gefinnung in einer etwas gemäßigten Ausgabe empfiehlt — wegen der Einnahmen. Von diefer „Ideendifferenz“ im Judenpunkt lebt die öfterreichifchc Reaktion ihr auskömmliches Leben. Herr Pfrimer „ftellt feft“, was. Herr Steidle dann, mit. Rückficht auf die andersgläubige Kundfchaft, etwas lockert — und das. Spiel kann dann immer von neuem beginnen: Antifemitismus mit verteilten Rollen und Geldern. Zu einem tieferen Konflikt dürfte fich .diefc Spannung zwifchen den „Weltanfehauungen" Pfrimcr und Steidle nicht auswachfen. .. Denn mit dem Waffer, das fie allfonntägHdi reden und .das an manchen Sonntagen fchon geradezu Weihwaffer ift, wäfcht .eine „ftarke Hand“ die andere... Vertierte [Tierfchützcr . . . In dem Programm des foeben in Wien tagenden Tierfchutz- Kongreffes nimmt bekanntlich die Frage des rituellen Schächtens einen bedeutenden Raum ein. Man weiß, daß es auf diefeir. Kongreffe gewiffc Gruppen gibt, die auSgefprochcne Schächtgegner find, daß aber weit größer die Zahl jener jüdifchen und chriftlichen Gelehrten ift, die der Anficht find, daß die jüdifchc Sdiächtart die relativ humanfte ift. Diefc Anhänger des rituellen Schäditens find allerdings zum Wiener Kongreß nicht zugelaffen worden und werden, wie wir hören, falls der Tierfdiutz-Kongreß gegen das rituelle Schächten Befchluß fallen follte, einen eigenen Kongreß der Schächtanhänger einberufen. Dagegen erfuhr der Wiener Tierfchutz-Kongreß die Auszeichnung, in feiner Mitte auch eine aus zehn Mitgliedern beftehendc p'olnifche Delegation begrüßen zu dürfen, in der Mehrzahl bekannte antifemitifche Hetzer und wütende Judenfreffer, die auf dem Kongreffe den „Kampf gegen das betäubungslofe Schlachten der Tiere“ humanerweifc mitmachen, daheim aber für die Vernichtung und Ausrottung der jüdifchen Bevölkerung auch ohne Betäubung zu haben find... „Heraus mit dem TierfchutZrKongreß I“ fühlen auch fie fich berufen, im Chor zu rufen: „Hinaus mit diefen vertieften Tierfdiützern!“ mußte es ihnen entgegenfchallen. Da s Mirakel vom Gelde. Ein paffionierter Geldverdiener und Theatermacher —• Dollar pour Fast -7-, der auch in Wien bekannte „New Yorker“ jüdifche Theatermanager Morris G e ft, hat jüngft, knapp vor Schluß der New Yorker „season" dem amerikanifchcn Theaterpublikum noch rafch die in chriftlichen Miffionskreifen befonders beliebten „Freiburger Paffionsfpiele" vorgeführt, ein verftaubtes mittelalterliches Hetzmyllerium von der „jüdifchen Kreuzigung Chrifti“, mit dem diefer „jüdifche Kulturträger“ dem mit allerhand Senfationen und raffinierten Effekten überfütterten New Yorker Theaterpublikum, das, wie überall, Zum größten Teil j ü d i f ch ift, der Abwechflung wegen einmal auch etwas heilige Langeweilezu erhöhten Preifen — anzuhängen vcrfuchtc ... Mr. G e ft hat mit dem jüdifchen Schaufpieler Davis B e 1 a s c o eine Art Mirakel-A. G. gegründet, die aus den „dreißig Silberlingen“ des Verräter* Judas einen Batzen Gold herauszufchlagcn hoffte, ohne fich darüber Redienfchaft geben zu wollen, daß diefcs mittelalterliche Hetzmyfterium geeignet ift, die roheften Inftinkte des antifemitifchen Pöbels aufzuftacheln und den von den Ku-Klux-Klan gepredigten Judenhaß neu aufflackern zu laffen. Das New Yorker Judentum profilierte gegen diefen fchamlofen Angriff auf die jüdifche Ehre durch rückfichtslofe jüdifche Gefchäftemadher, di? fich als Kunftapoftel ausgeben — und das mit großem Pomp angekündigte . Mirakel endet« mit einem kläglichen Debakel... Das Erziehungswerk des Misrachi in Erez Israel Jerufalem. Die Herren Felix. M. Warburg, Dr. Cyrus Adler und Dr. Bernhard Kahn haben, bevor fie Paläftina verließen, mit den Führern des Misrachi eine Zufammenkunft gehabt und mit ihnen die Stellung der Jewifh Agency zum Erzichungswerk in Paläftina befprochen. Sie drückten der rcligiöfen erzieherifdien Arbeit des Misrachi ihre Sympathie aus. Die Gencralverfammlung der Misrachi-Bank hat bc- ■ fchloffen, in diefem Jahre eine Dividende von y Prozent za zahlen. Herren, nl Damen-lfielder noch nao EUleä* Zahltag aaeh Ifeharaltkamaaaa. lotaonn Katclnvi W!ts, VI«) MarUMlferstrtf« 107, TeL B 97>2*M