Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 2 (1929)
- Issue
- Heft 71 (9.5.1929)
- Date
- 1929-05-09
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Nr. 71 Sdtc 4 DIE STIMME Imposante Kundgebung des englischen Judentums für Erez Israel Jewish: Ageifcy-Kotifereriz in London — Eine Rede Lord Meichetts — Botschaften Weizmanns, Sokoloros, Lord Readihg ürid Herbert Samuels — Die. Resolutionen Die mit einiger Verspätung aus Loiidon eingetroffenen ausführlichen Berichte, über; die englisch-jüdische Agehcykonferenz am 21. April vermitteln den Eindruck einer großartigen, fast; alle englischen Juden umfassenden Kundgebungfür die Sache des Palästina-Aufbaues. . Die Liste der Delegierten für die Konferenz umfaßt1 Namen aus allen Städten des Vereinigten Königreiches. Von der Agüdas Jisroel über die spanische und portugiesische, Synagoge bis zu jüdischen - HandwerkerVereinigungen — alle jüdischen Organisationen und Institutionen waren vertreten. Sö reihte sich die Kundgebung der englischen Juden für den Eintritt in die Agency würdig an die Konferenz der' amerikanischen Nichtzionisten vom Oktober 1928 in New York. Nachstehend geben wir die-Rode Lord M eiche tts in der großen Versammlung im Londoner Scala-Theater am Abend des 21. April wieder. Lord Melchett schilderte zunächst seine Eindrücke', auf .der Agency-Versammlung der! amerikanischen Juden, . der er beiwohnte, und zog die Schlußfolgerung, daß die im Mandat verankerte Je wish Agency, in Zukunft einen weit größeren Einfluß auf die Gestaltung der Dinge in Palästina wird ausüben müssen als in der Vergangenheit.' Früher könnten die Zionisten nur im Namen eines Teiles der Judenheit sprechen, die erweiterte Jewish Agency wird im Namen der gesamten jüdischen Rasse auftreten können. Die Agency wird nicht nur eine Körperschaft für Geldaufbringung sein, sie wird; vielmehr *eine starke politische Macht darstelrlen,- die. nicht allein Zutritt zur britischen Re- : gierung, sondern auch zu der Mandatskommission des Völkerbundes in Genf haben wird. Seit Verkündigung der Ralfour-Deklaration; ist ein langer Weg zurückgelegt worden. Palästina ist-heute eines der fortschrittlichsten Länder.; in sieben Jahren würden dort mehr als in irgend einem- Lande der Welt- Fortschritte . erzielt. Wo vor sieben Jahren Sandwüsten wären, blühen heute Städte auf. Der Jordan ' liefert billige Energien. Die Malaria wurde ausgerottet. Werdet Ihr diese Erfolge ausnützen? Oder wollet Ihr. es anderen überlassen, zu ern-; ten, wo Ihr gesät habt?.Diese Frage muß schnell und in fairer Art gelöst werden. Als’ ich 1921 mit Dr. Weizmann über Zionismus diskutierte, sagte ich ihm, wenn ich einsehen sollterdaß in Palästina kein Erfolg möglich ist, dann werde ich es frei heraussagen. Dr. Weizmann stimmte dem zu.. Nun wohl: 1921 war Palästina noch ein Märchen, 1928 war es ein Plan und ein Arbeitsfeld. Nirgendwo bringen Kolonisten soviel Hingabe an ihre Arbeit und ihr Ideal auf. Das Problem harre immer noch der Lösung, aber es ist nun ein Problem der Methode, nicht mehr des Prinzips. Die englische Judenheit, die nun den Beschluß für Eintritt in die Jewish Agency gefaßt hat, hat damit ihre Position vor'dem englischen Volke und der Welt erhöht. Die ganze Welt würde Zeuge sein des großen Erfolges der vereinigten Judenheit; denn das Fundament ist gut und mit Wahrhaftigkeit gelegt worden. Lord Melchett verlas dann Botschaften vom Präsidenten der Zionistischen Weltorganisation Prof. Chaim Weizmann und dem Präsidenten der Zionistischen Exekutive, dem jetzt in Amerika weilenden Nahum S o k o 1 o w. Das Schreiben Dr. Weizmanns lautet u. a.: „Lieber LorU Meldie«! Es find bereits einge Jahre vergangen, feitdem die Zioniftifche Örganifation die Initiative ergriffen hat, Vorfchläge zu machen für die Erweiterung der Bafis der Jewifh Agency für Paläftina. Sie tat cs in der Ueberzeugung, daß in dem von der britifchcn Regierung angenommenen und international betätigten Mandat eine allgemeine Bafis vorhanden war, auf welcher Juden aller Richtungenlieh in der gemeinfamen Betreibung vereinigen konnten, in Palatina das Jüdifche Nationalheim im Geifte der Balfour-Deklaration zu begründen. Die englifch-jüdifdhe Meinung war vom Anfang an fympathilierend, und nun befinden wir uns am Vorabend der Verwirklichung des Jcwifh- Agency-Projektes. Aus Gründen, welchen den Mitarbeitern ganz felbtvertändlich find, muß die englifche Judenheit naturgemäß eine Pofition befonderer Verantwortlichkeit in einer, wetumfatenden jüdifchen Bewegung einnehmen, und insbefondere in einer. Bewegung die Palatina angeht. Viel erwartet man von der englifch-jüdifchen Gemeinfchaft mit ihren großen Traditionen uneigennütziger und fruchtbarer öffentlicher Arbeit. Ich vertraue, daß fie treu bleiben wird dielen Traditionen in der Arbeit, die vor ihr in,der Jewifh Xgency liegt. Weizmann.'* , . Dar Brief Nahum Sokolows lautet im wesentlichen: „Aus der tiefen Liebe, welche die Juden Großbritanniens tets für Erez Iirael gefühlt'haben. — fo eindrucksvoll repräfentiert. durch, weiland SirMqfes Montefiore, der feincr- . zeit die Wiederertehung des verheißenen Lahdes; prophezeit hat habe ich allen Grund, auf bedeutende, Vorteile für . unfer, Volk, dank Ihrer Mithilfe zu hoffen urid .habe das abfolute Vertrauen,1'daß die Ausübung der. Ihnen durch die . Beteiligung an^der Jewifh Agency, anvertrauten Funktionen fowohl, zur Förderung des jüdifchen Nationalheims wie auch zum Erfolg und zum Ruhm des britifchcn Mandats beitragen wird., Wir,. die. Zioniftifche Örganifation, und vor uns die . Chowewe"Zion,.die'Adminiftration.Baron Edmond de Roth- . fchild und verfchiedene andere Stellen haben ^großc Anftrengungen gemacht, um die Grundlagen zu fchaffen. Aber wir arbeiten nicht für einen Teil der Judenheit. Ich bin ficher, daß Ihr Anfdhluß an die Jewifh Agency eine neue und ruhmreihe Epoche in der Gifchtchte der englifchen Juden- . heit anzeigt.. ‘ Nahum Sokolow.“ Äußer Lord Melchett sprachen in der Vor-: Sammlung noch Reichsrabbiner Dr. Hertz, Sir Mathe w Nathan,; Sir Meyer Spielman,;Uriterhausmitglied Finburgh und Joseph^Prag. ‘ Der/Kund-, gebung wohnte auch Lord James Rothschild-hei. Die Versammlung nahm einmütig* einen Beschluß an, in dem die von der! Konferenz der englischen, Juden angenommene Resolution, eine einheitliche Front der englischen Judenheit beim Aufbau des Jüdischen Nationalheims zu schaffen, begrüßt wird. Weiters wurden nachstehende Resolutionen angenommen: Die Konferenz begrüßt es, daß die englisch-; jüdische'Gemeinschaft durch ihre Vertretung! in. der Jewish Agency an der. Erfüllung der der j Agency durch, das vom Völkerbund der briti- * — -" " . "'. ■- ’ Dora Fisch Jakob KlapHolz Wien II Wien II Verlobte Wien, im Ijaj 5680 sehen Regierung an vertraute Pülästinamancfät zugewiesenen Pflichten teilrilmmt. „Die Konferenz begrüßt es,,daß die englisch- ,tün; um die britische Regierung in ,der Verwirklichung des Mandates zu unterstützen und das jüdische Aufbauwerk in Palästina nach'Kräften zu fördern.“ Der Vorsitzende d‘Avigdor Goldsmid verlas hierauf unter größter Aufmerksamkeit der Konferenz die folgenden Schreiben von Lord Reading, früheren Vizekönig von Indien, und Sir Herbert Samuel, dem ersten britischen Oberkommissär für Palästina, die beide am Erscheinen verhindert waren: „Lieber Mr. Goldfmid! Ich bedauere, daß es mir nicht möglich fein wird, der am 21. April ftattfindenden Tagung . beizuwohnen. Ich bringe indes den Befchiüften, von denen Sic mir mit Ihrem Brief vom 22. d. M. eine Kopie beigefügt haben, meine volle Sympathie entgegen und würde diefelben unterftützt haben, wenn ich anwefend gewefen wäre. Es; ift, meiner Meinung nach, eine klare Pflicht -der englifch-jüdilchen Gemeinfchaft, der Agency in. der Erfüllung der ihr durch das Mandat auferlegten Pflichten jede in ihren Kräften liegende Unterftützung zu’ gewähren. . Es fteht‘Ihnen frei, von diefem Brief, falls Sie glauben, daß er Ihnen helfen kann, Gebrauch zu machen; Ergebcnft Reading.“ „Lieber Mr. d’Avigdor Goldfmid! Es tut mir leid, daß eine Reihe öffentlicher Verpflichtungen, ' die feit langem beftehen, fich fo legen, daß ich nicht in der Lage fein werde, der Konferenz zur Begründung der Kooperation, der britifchcn Judenheit in der Agency für Paläftina beizuwohnen. Ich bin in völliger Uebereinftimmung mit dem Gcgcnftand der Konferenz. Ich habe es immer als eine Sache von allererfter Bedeutung erachtet, ' daß 'die Bemühungen /der Ganzheit des jüdifchen Volkes, und nicht nur eine) Teiles desfelbcn, auf die Errichtung des Jüdifchen Nationalhcims eingeftcilt werden folltcn. Laßt uns eingedenk fein, daß das Mandat für Paläftina, auf deffen Begründung die ganze Bewegung ruht, indem es ( die Zioniftifche Örganifation als die Jewifh Agency anerkennt, es erforderlich macht, daß Schritte unternommen werden, um eine breite jüdifche Kooperation zu fichcrn. Die Zioniftifche Örganifation, welche während einer langen Reihe vpn Jahren die Hauptlaft getragen, und unter der klugen und wcitfichtigen Führerfchaft Dr. Weizmanns große Refultate erzielt hat, ift von einem großzügigen, und aufopfernden Geift getragen. Sie fchlägt vor, daß die Hälfte der Sitze in der erweiterten Körpcrfchaft von den Organifationen, die jetzt zum erften Male . endgültig daran tcilnehnien, eingenommen werden foll. Ich hoffe ernfthäfc, daß die jetzige Gelegenheit ergriffen werden wird, um eine voll repräfentative Körper fchaft zu fchaffen, mächtig in ihren Pcrfönlichkeiten und" m ihren Mitteln, die die fichtbare Verkörperung und das tatfädilidie Inftrument für alles fein foll, was in Beziehung zum Judentum und zu Paläftina fteht. - - Herbert Samuel.“ ♦ Wie die rJ. T. A. erfährt, ist die Alliance Israelite Universelle in Paris von seiten der zionistischen Organisation bevollmächtigten Personen eingeladen worden, sich über die Möglichkeit ihrer Teilnahme an der erweiterten Jewish Agency' zu äußern. Das Präsidium der Alliance hat darauf geantwortet, daß die Frage der Teilnahme der Alliance Israelite Universelle an der Jewish Agency in kurzer Zeit von den maßgebenden Persönlichkeiten der Alliance erörtert und entschieden werden wird. Auf Ersuchen französischer jüdischer Kreise hat, wie wir erfahren, die zionistische Exekutive beschlossen, den Vertretern des französischen Judentums drei Sitze im großen Rat der Jewish Agency zu gewähren. Weizmann bei Chancellor Für Heranziehung jüdischer Arbeiter zu Regierungszwecken. —- Für erhöhte Einwanderung. Der Präsident der Zionistischen Weltorganisation Prof. Weizmann besuchte am 23. April den ■ Oberkommissär von Palästina Sir John Robert Chancellor und besprach mit ihm eine Anzahl den Aufbau Palästinas betreffende Fragen. Dr. Weizmann richtete bei dieser Gelegenheit an' den Oberkommissär das Ersuchen, die Einwanderungsquote für jüdische Arbeiter in Palästina zu erhöhen sowie bei den Arbeiten der Regierung jüdische Arbeiter in einer, höheren Zahl als bisher zu beschäftigen. Das amerikanische Judentum darf nicht auf seinen Lorbeeren ausruhen . .. Eine neue Aktion des Joint. . ‘ . Am. j l. und 12 .Mai findet in New. York die vierte Nationalkonferenz jener Institution statt, die die Aufgabe hat, die. Finanzmittel .für das .Hilfs- und Aufbauwerk des Joint Distribution Commitee auf Zubringern l .in der Einladung heißt ei, noch sei für das ameriikai .nische. .Judentum die Zeit nicht gekommen, auf den I Lorbeeren seiner großen 'Leistungen ’für das Äufbaliweflk der Juden in der alten Welt: äüszüruhen. Die . 'überwältigende: positive * Antwort der in den Vereinigten' Staaten und‘Kanadas über die Weiterführung des Aufbauwerkes befragten hunderttausend jüdisohen 'Bürger hat' in unmißverständlicher Weise gezeigt, daß die Juden des Neuen Kontinents’bereit sind,’den Brüdern in den auswärtigen Ländern weiterhin in ihrer Aufbauarbeit ihre Unterstütz ng zu leihen. Die neue Chaluzim-Alijah 2000 Zertifikate von Mai bis Dezember. * ' ‘ >' . . - Aus Jerufalem wird gemeldet: Louis Lipfky, der Prälident der Zioniftifchen Örganifation Amerikas und Mitglied der Zioniftifchen Weltexckutive, erklärte in einem Gefprädv mit dem „Ita"-Vertreter, die BcJTcrung der wirtfchaftlicken VerhältnilTe in Paläftina rechtfertige in vollem Maße die Forderung^, der Zioniftifchen Exekutive nach Gewährung einer größeren vZahl Einwanderungszertifikatc für Chaluzim. Die Zioniftifche Exekutive' fordert 2000 Eirireifezertifikate für jüdifche Arbeiter für die Zeit von April bis September diefe# Jahres. Ritualmordmärchen in Polen Am letzten Pessachtage würden in Novy Targ bei Krakau Gerüchte verbreitet, daß im Keller, des -jüdischen Kaufmannes Singer ein Ritualmord an seinem christlichen Dienstmädchen verübt wurde. Das verschwundene Mädchen wurde nach einigen Stunden in einem Nachbardorfe aüfgefunden. Aehnliche Gerüchte wurden im Dorfe Muszana Nizna und ‘ im Städtchen Wizno (Gouvernement Lomza) verbreitet. In all diesen Orten schritt die Behörde energisch ein und verhinderte eine bösartige Auswirkung der antisemitischen Hetzereien. Das Natlian-Straus-Gcsundheitszentrum in Jerusalem Der Oberkommissär von Palästina Sir John Robert ChanceWor nahm am 29, April die Einweihung des Nathan and Lina Straus Gesundheitszentnuns in Jerusalem, dessen Grundstein am 2. März 1927 durch den früheren Oöerkotmnlssär Lord Planier gelegt wordeu war, vor. Sir. Jobi' Chanoeho,r' sagte, er sei glücklich darüber, daß gemäß dem Beschluß von Nathan Straus, das G es und fae i tsz e ntrum aller Menschen ohne Untersohied des Glaubens offen stehen soll. Unter groß^ Zeremonie wurde im Regicrungs-Hofpitäl zu Jerufälem das R‘önt g e n -1 n ft i tut' eröffnet. Die Fcftanfprachc - hielt* der OberkommilTar Sir John C h a ti c e 11 o r. •* - ‘\ \ ’; Chajesrealgymnasium, Wien, II., Castellezg. 35 Anmeldungen in dSc erste bis aohte Klasse täglich zwischen 12 und 1 Uhr in der Direktionskanzlej.