Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 2 (1929)
- Issue
- Heft 71 (9.5.1929)
- Date
- 1929-05-09
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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t*. w <1 < r,:7? Erez Israel jubiliert 2b Jahre Chaluzim-Alijah, 20 Jahr© Tel Aviv Bekanntlich fanden vor kurzem In ganz Erez Israel feierliche Veranstaltungen anläßlich des zwanzigsten Geburtstages der ersten jüdischen Stadt .Tel Aviv statt. (Vgl. unseren Aufsattz m der vorliegenden Nummer der «Stimme».) Nun meldet man aus Jerusalem, daß die palästinensische Arbeiterschaft in allen iTeMen des Landes den 25. Jahrestag der Chaluz-Emwanderungbeging, die ailgemin als die «zweite AHjah» bezeichnet wird. Die Hauptfestlichkeit fand in Petach Xifcwah statt, wo sivoh Vertreter der jüdischen Arbeiterschaft aus ganz Palästina versammelten. Hauptredner waren die Arbeiterführer D. Ben-Gurion, Berl Katzenelson und Joseph Sprinza/k. Der Festkundgebung folgte eine Parade der Arbeitersportvereine und ein Fackeleug. Sitzung des Zionistischen Aktionskomitees im Mai Aue Berlin meldet J. T. A.: Seitens der Zionistischen Exekutive in Palästina ist dpr Wunsch zum Ausdruck gekommen, noch in der: zweiten Hälfte des Mai eine Sitzung des! Aktionskomitees der Zionistischen Organisation stattfinden zu lassen. Leo Motzkin, der; Präsident des Aktionskomitees, dem dieser' Wunsch übermittelt wurde, hat in Berlin Beratungen mit den deutschen und mehreren durch-; reisenden auswärtigen Aktionskomiteemitgliedern gepflogen. Es kam einmütig — auch mit den Stimmen der Aktionskomiteeopposition — der Wunsch zum Ausdruck, in der zweiten Hälfte des Mai eine Aktionskomiteesitzung ab- Zöhalten. Herr Motzkin begibt sich am kommenden Sonntag nach London, um gemeinsam mit den Mitgliedern der Exekutive den genauen: Zeitpunkt und den Ort der Aktionskomiteetagung festzusetzen. Todesstrafe für Pogrömisten Aus Moskau meldet J. T. A: Eitle Gruppe Bauern des Distrikts Pokrowsk im Gouvernement Zaporoscbje hatte sich vor Gericht wegen Organisierung eines P og r om s gegen eine jüdische von der J. C. A. betreute Kolonie in diesem Distrikt zu verantworten. Bei dem Ueberfall der Bauern auf die Kolonie waren einige Einwohner an den Folgen der Aufregung gestorben, die übrigen flüchteten und wagten es längere Zeit nicht, in die Kolonie zurückzukehren. — Das Gericht verurteilte fünf Bauern als die Hauptschuldigen zum Tode durch Etschießen. . Aus den ersten Tägen Tel Avivs Zum zwanzigsten Geburtstag der ersten jüdischen Stadt Aus den Erinnerungen eines seiner Gründer. Von D. Smiliansky Die Vereinigung „Achusath Bajith“, die an die Errichtung der neuen Siedlung schritt, erhielt immer mehr Anmeldungen aus verschiedenen Ländern, von jüdischen Gruppen und Einzelpersonen, die sich in der Nähe Jaffas ansiedeln wollten. .Am 26. Nissan 5669 erhielten wir ein Schreiben von Chajim Nachwan B j a 1 i k, in dem er seinen Beitritt zur Vereinigung „Achusath Bajith“ anmeldete., Im Laufe der Zeit sohieden einige Mitglieder aus, an deren Stelle wieder andere, einträten. Die ersten Arbeiten wurden vergeben. Die Unternehmer wurden verpflichtet, bei allen Arbeiten ausschließlich jüdische Arbeiter und Handwerker zu beschäftigen. Als der erste Brunnen gegraben wurde, veranstaltete unsere kleine Gruppe ein Freudenfest, das uns allen noch in Erinnerung geblieben ist. Nach Ablauf einiger Wochen standen bereits in vollem Glanz siebzehn fertige schöne Häuschen, die ersten Gebäude, die die heutige Her^lgasse bildeten. Die Bautätigkeit bekam aber immer neue Impulse. An. verschiedenen Punkten entstanden in kurzer Zeit neue Bauten, u. a. die Wohnhäuser des gegenwärtigen Bürgermeisters Disengoff, des Direktors des Hebräischen Gymnasiums Dr. Mossinsohn usw. . Wir hatten bereits nebst der Herzlgasse eine, Rabbi-Jehuda-Halevi- und Liii^nblumgasse, Rothschildalleen usw., ohne daß wir auch schon einen passenden Namen für die ganze Siedlung gefunden hätten. Die Gründer dachten ursprünglich daran, die Siedlung nach Herzl zu benennen. Dagegen sprachen aber einige der Seife Die Gasmordlage von Memel Das finstere Mittelalter im Zeichen der Technik .., Was man trotz der unerhörten Hetze in den antisemitischen Blättern für unmöglich hielt, tot nun Ereignis geworden. Bicher tobte eich das Bkftmäfdien in überhitzten Gehirnen u n verantwortlicher antisemitischen Demagogen aus, diesmal hat die Staatsanwaltschaft von Memel die Bkitmordhetze, die diesmal gar eine Gasmordhetze ist, aufgegriffen, und nicht etwa dte rohen Hetzer, sondern deren Opfer, den dort ansässige* jüdischen Kaufmann namens Schocher unter Anklage wegen Ermordung eines ohristMcfhen Dienstmädchens gesteift. Dieser Anklage Hegt folgender Tatbesand zugrunde. Das Dienstmädchen erlitt, offenbar durch Fahrlässigkeit den Tod durch ausströmendes Leuchtgas. Sofort nach Entdeckung des Unfalls wurde ein Arzt fherbeigeritfen, der nach eingehender Uotwersucbung den Gastod einwandfrei feststellte. Die Kriminalpolizei gab die Leiche zur Beerdigung frei. Damit hätte die Angelegenheit als erledigt Nur diese Schwedenklinge macht Rasieren zum Vergnügen Pie führende schwedische Weltmarke gelten können. Die Sache nahm aber einen anderen Verlauf. . Sofort nach Bekanntwcrden des Unfalls begannen antisemitische Kreise eine unerhörte Hetze. Da es kurz vor dem PeS6acbfeste war, wurde in systematischer Bösartigkeit das Gerücht in Umlauf gesetzt, daß das christliche Dienstmädchen einem jüdischen Ritualmord zum Opfer gefallen sei. Was soll man zu dieser unglaublichen Haltung einer staatlichen Behörde sagen? Soll man mehr deren Bosheit oder Dummheit bewundern? So also kommt Memel in den zweifelhaften Ruf, der Ort eines Rifualanordprozesses zu werden. In Memel selbst herrscht eine große Erregung, die zu den schlimmsten Befürchtungen Anlaß gibt -Die verab-! scheuungswürdige Lüge gewissenloser Hetzer hat also /wieder einmal ein entsetzliches Ergebnis gezeitigt. Wir haben es schon mehrfach betont: Es ist die größte f.Kulturschmach unseres Jahriiunderts, daß wir Juden;uns gegen einen derartig blödsinnigen wie schimpflichen Vorwurf wehren müssen und wir wollen nur noch hihzufügen,'daß dne staatliche, Behörde, die auf Grund einer solchen verabscheuungswürdigen Hetze 'eine Anklage gegen unschuldige jüdische Bürger ergebt, sich selbst der Verbreitung von Dummheit und Gemeinheit mitschuldig macht. # Das Gremium der Wiener jüdischen Käffiftttämiscttaüt hat in sdoer fetzten Hauptversammlung eine feierliche Protestkundgebung gegen dieRitualmordWige von Memel veranstaltet und hievon die Memeler Oberstaats anwaitsdtaf t und die dortige jüdische Gemeinte telegraphisch in Kenntnis gesetzt. Machtvolle Kundgebung gegen den Antisemitismus in Deutschland Die in Dortmund stattgefundene Tagung des «Vereins zur Abwehr des Antisemitismus» erreichte ihren Höhepunkt in einer Kundgebung Jm großen Saale des Gewerbeverems, der bis auf den letzten Platz gefüllt war. Pfarrer Tribukait führte aus, der, Antisemitismus sei ungerecht, unchristlioh und kulturfeindlich in der Aechtung, Verunglimpfung und Verleumdung, denen er die Juden aussetzt. Tribukait schloß mit dem Sophokles-Wort: «Nicht nritzuhassen, miteulieben sind wir da.» Der Vorsitzende des Gesamtvereins, Reichsminisler a. D. Gothein, gab eine Geschichte des Antisemitismus und charakterisierte die ersten Gründer des Abwehrvereins, Es sprachen ferner Theologleprofessar Car) Maria Kaufmann und Geheimer Konsistorialrat Dr. Baumgarten, dessen Rede zum Schluß lautete: «Wir wissen, daß der Gründer unserer Religion ein Jude war und auf dem alten Bund aufbaute. Wir wollen lieben, achten, heben und bessern die jüdische wie die deutsche wie die christliche fArt.» Die Düsseldorfer Synagogenschänder Wie erfemrboh, hat die Schändung: der Synagoge M Düsseldorf fan Pehroar dieses Jahres ihre Stöhne vor. dem erweiterten Schöffengericht gefunden. Der Täter, Friede rieh Brassder, Mitglied der Natt onalsazfaKsiisschen Arbeiterpartei, wunde zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Gegen dises Urteil hatte der Angeklagte Berufung efc-i gelegt. Die /große Strafkammer Sn Düsseldorf hat mm am 25. April die Berufung verworfen und das Urteil der Vor-, instanz kn ganzen Umfange bestätigt In der Urteftefce&rünr düng führte der Vorsitzende, Landgrichtsdirektor Rose, aus, daß bei der Strafbemessung die Roheit und Flegelei zu Berücksichtigen sei, mit der Angehörige gewisser Parteien sich in der Oeffentliobkelt und an religiösen Gebäuden vergreifen. Lehrer des Gymnasiums, die darauf hin wiesen, daß das hebräische Gymnasium bereits den;Namen „Herzliah“ bekam und außerdem die Hauptgasse des Ortes „Herzigasse“ genannt -wurde. So einigte man sich denn auf den Namen Tel Aviv, der zumindest ah Herzls Werk erinnert. („Altneuland“ heißt in Sokolows hebräischer Uebersetzung „Tel Aviv“.) Die Namensvorschiäge „Avivaih“, „N‘weh Jaffa“, „Iwr'iah“ usw, fanden keine Zustimmung. Ueber den endgültigen Namen fanden zwei Abstimmungen statt. Am 12..Adar 5670 stimmten 20 Chawerim für Tel-Aviv und 15 für „Jaffa Chadaschah“. Die zweite Abstimmung fand daher am 12. Ijar des gleichen Jahres statt, bei der der Name Tel Aviv mit überwiegender Mehrheit beschlossen wurde. . Im Herbst 5670 zählte die ganze Siedlung 550 Seelen und sechs Gassen. Es war zu jener Zeit etwas gefährlich, den Weg von Jaffa in unsere Siedlung allein zurückzulegen. Wir pflegten daher immer nur in Gruppen in die Stadt und zurück zu gehen und trachteten jedenfalls immer, schon vor Sonnenuntergang zu Hause zu sein, um vor den auf lauernden Arabern geschützt zu sein. Die Orientmesse in Tel Aviv Ausstellungen der Industrie- und Handefegesellschaf- . ten, der Zionistischen Organisation und der Palästfaa- Regienmg Die Aussteller der Messe des Nahen Ostens rekrutieren sich in der Hauptsache aus den jüdischen großen und kleinen Produzenten Palästinas. Der Haupt-Pavillon enthält ln großer Mannigfaltigkeit die Produkte der kleinen. Industrien und des kleinen Handwerks, von Lebensmitteln und verschiedenen , Gebrauchsgegenständen bis zu Möbeln und Textilwaren. Die Abteilung der Industrie und des Handweikes zeigt augenfällig den Aufschwung, den diese in den letzten Jahren genommen haben. In erfreulich1 vielen Fällen ist deutlich eine Verbesserung des Produktes gegen früher zu er- 1 kennen, Eine ganze Reihe der ausgestellten Waren tot in Preis und .Qualitäten auständtochen Erzeugnissen ebenbürtig. , Die Zionistische Organisation zeigt in einem besonderen Pavillon an einer Füße von Bildern und Diagrammen ihre umfangreichen Arbeiten auf den verschiedenen Gebieten der Kolonisafion. Die Arbeit der Fonds, ebenso wie die Anlage der Gelder im- Lande wird dargestellt Die Allgemeine Arbeiterorganisation (Histadfuth) hat einen eigenen Pavillon errichtet, der Bilder und graphische Darstellungen aller ihrer rArbeiiszweige enthält Die Abteilung für landwirtschaftliche Produkte des «Maschbir» (Tnuvah) gibt hier Proben der Produkte der landwirtschaftlichen Arbeitersiedlungen. Eine völlige Neuerung auf der Ausstellung bildert die Abteilungen der Regierung. Das Landwirtschaftsdepartement hat seine Absicht, sich zu beteiligen, aufgegeben, weil es alle seine Kräfte auf den Kampf gegen die Heuschrecken in Xransjondanlen konzentrieren muß. Dagegen haben das Gesundheitsdepartement umi die Post-Abteilung Pavillons eingerichtet. Das Gesundheitsamt gibt in Tabellen und Bildern Aufschluß üben den sanitären Zustand des Landes, verband1«! mit Bild- und Schriiftpropaganda für hygienische Einrichtungen*. Die Postabteilung hat ein Amt i« der Ausstellung selbst eingerichtet. Die verschiedenen Apparate weiden dem Publikum von den Beamten erläutert Der Fallschirm des Zeppelin, der die Post in Palästina herunterbrachte, ist Wer zu sehen. Ein besonderer Saal dient als Ausstellung palästinensischer Kunst und gibt zusammen mit der Produktion der verschiedenen Verlagsgeselischaften ein BHd vom geistigen Leben 'des jüdischen Palästina Unter den ausländischen Ausstellern nimmt der von Lord Melchett geführte englische Chemie-Trust die erste SteHe ein. Auch eine Anzahl deutscher Firmen sind zu bemerken. Für Tel-Aviv, das jetzt das Jubiläum seines 20jährigen Bestehens feiert, 'bedeutet die Aussteifung die zweite große Fremdenwelle dieses 'Jahres, nachdem gerade die erste von Purim vorüber ist. Inwieweit die Messe als Handelsplatz die Hoffnungen erfüllen kann, die man an sie knüpft, wird man erst später beurteilen können. Es .wenden jedoch bereits einige größere 'Abschlüsse getätigt Wenn es noch gelingt, das arabische Palästina und die umliegenden Länder zur Beschickung stärker heranzuzieheit, so kann dte Messe ein wichtiger F.aktor im palästinensischen Wirtschaftsleben wsfidsb.