Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 2 (1929)
- Issue
- Heft 69-70 (25.4.1929)
- Date
- 1929-04-25
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Mte 8 DIE STIMME rfr. 69/70 > _ wtodeifiotte der Heüigt den Groß, nahm den AnjEOmmHng bei der Hand und fflttrte Iw MUH TtedL Die tun den Tfedi Sfeeoden fahre« wmnwtem. jBö fürchtete« den getoetomfaroie« Gast der Mitternacht und besorgten auch, <feß er den Feetwein mit Der Hand berühren werde. Der alte Hirt setzte steh wortlos neben den XaddHc, dann griff er pWtzHoh kt <fie Mttte des Tisches, jvo ein großer Si Eberpokal, bis an deo Rand mit per Jeodem Weine gefüllt etand. — EJijabus Pakall EUjahns Pofcalt — rieten dte üknsitzenden wie aus einer Kettle und fahren von ihren Sitzen aut Der alte Hirt teerte schnell den großen Pokal, dann stand er auf, als wollte er sich entfernen. — Sing uns ein Lted! — sagte ihm jetzt der Zaddifc, der das Geschehene ruhig angesehen hatte und seine Getreuen ntr Ruhe mahnte. Der alte Hirt antwortete nicht, er wollte gehen». — Verlasse doch mein Itaus nicht ahne Lied, fiat ton flehend der Zaddftt. — Gut Sei es denn! — »jrf der alte Hirt, tmd as war, als klänge seine Stimme aus dem Jenseits, — ich werde Dir Dein Lied singen, das Du heute dem Hirtenknaben weggenommen und geheiligt hast — Dann legte er seine Rechte a*tf die Schulter des Zaddfle: — Aber auch Du mußt mR mir singen! Und der Zaddflc und der Hirte stimmten eine langgedehnte, traurige Weise an . . . Die Tischgäste wurden von der traurigen Weise gleichsam emgduflt Sie bemerkten gar nicht, daß der sonderbare Hirt plötzlich verschwunden war. Der Zadd$k aber sang noch immer das traurige Ded mit seinen hebräischen Zusätzen vom Wioderairfbaa Zions und vom Jubel der Erlösung: «Es krähet schon der Hahn, Der Morgen bricht schon an, Jibone hanrukdosch, tr Zijon bemalte, Wann wird es sein, wann? Vschom noschir schtr chodoscb wtmooo oaale, Die höchste ZeR wohlan . . > Als die zwei pflgemden Chasskftm nach Lubtin jBörückkehrten und mR großer Enttäuschung über ihre Erfahrungen in Nagy-Kätio berichteten, sagte ihnen der Lobtinex: Zaddüks Tonangebend wte Immer sind Krupniks Sommermodelle Die schönsten, elegantesten Mäntel, Complets, die neuesten Trotteur-Kostiime, 11achmittags- und Gesellschaftstoiletten für den verwöhntesten Geschmack zu unseren bekannt billigen Preisen * Modenpalais JULIUS KRUPNIK Wien, Vtl., Kaiserstraße Nr. 7t5 Wir haben nirgends FiUelenl — Keiner ist je dem Geiste Elijahus so nahe gekommen als der K&Hoer. Seine Seele stammt aus der HaHe der Liede* und eine jede fromme Tat wind zum Liede bei itur Mit Lied und Gesang dient er dem Einigeinzigen, der sich ihm auf den Flügeln des Liedes nähert, auf daß er sich an seinem getreuen heiligen Diener ergötze ... Mazzat- Mizwah Von Dr. Samuel Rappaport Zu den Merkmalen des ffönimen Juden gehört neben dem JGjnin hamizwot, der pflichtgetreuen Erfüllung der religiösen Gebote, gleichzeitig auch das Chibub hamizwot, d. L die Liebe zu den Geboten und die Freudigkeit, mit der er dieselben übt Schwerlich hätte das Judentum in seinem zweitausend- : jährigen Daseinskämpfe sich zu behaupten vermocht, wenn! es sein national-religiöses Leben bloß auf das formale Kijum! hamizwot, ohne das spirituell seelische Chibub hamizwot gebaut hätte. Das Chibub hamizwot war eines der bedeutendsten positiven Faktoren im hoffnungsvollen, lebenbejahenden Sein des jüdischen Volkes. Der Jude segnet Gott und ist ihm dankbar, daß er ihn mit seinen Geboten beschenkt und geheiligt hat Das Pessachfest ist das Sorgenkind der armen ostjüdischen Masse. Zufrieden sonst, wenn Mittel zur Verpflegung JBr den laufenden oder bestenfalls für den nächsten Tag vorhanden sind, muß für das Pessachfest — mitsamt dem Rüsttage — Nahrung für volle neun Tage bereit liegen. Gewohnt, j sonst an allen sechs Wochentagen mit karger, ärmlicher Speise sich zufrieden 2u geben, sollen jetzt für volle neun Tage die feinsten kulinarischen Genüsse — Mazzot, Wein, Eier, Schmalz, Fleisch n. dgL — wie es einem «Könige» nnd seiner Familie ziemt vorgesorgt werden. Schon viele Wochen vor Pessach wird nach Möglichkeit vom Munde gespart um den Pessach würdig empfangen zu I können. Ist auch manch Kleidungsstück schon im Winter abj genutzt und kaum mehr tragbar — etwas Neues wird doch [ «ret am Pessach «beneut» zu dessen Ehren: «lekabod Pesj sach». Viel Mühe, Sorge und Geldopfer kostet der Pessachf empfang, doch wird alles durch das wonnige Gefühl reichlich; auf gewogen, «den Pessach in die Stube gebracht zu haben» — wie man im Volksmunde sagt Ein besonders freudiger Tag für die ostjüdische Familie ist derjenige, an welchem ihre Mazzot für den kommenden Pessach gebacken werden. Am Backen nehmen nebst den für diese Arbeit besonders gedungenen — ausschließlich jüdischen — Personen, auch, ohne Unterschied des Standes, die ganze Familie: Mann und Frau sowie deren Kinder, teil. Haben doch die Ahnen, als sie m Eile aus Aegypten zogen, tro' 1 .sie reich an Gold und Silber und Vieh waren, aus I; . - Miswah, ihren Mazzotteig und ihren Backtrog selber I hu Mantel gehüllt, auf ihren Rücken getragen. Der Chederjünger war am Tage, an dem seine Ehern ihre iJHazzot buken, vom Unterricht frei. Das Einweichen des JAehies, d. i. das Vermischen desselben mit Wasser zur «genannten «Mein», das Kneten des Teiges sowie das Walken desselben m runde Mazzaform besorgten Frauen in einiger Entfernung vom Backofen und Fenster, damit weder Ofennoch Sonnenwärme über den Teig komme. Das Tragen Des gewalzten Mazzot zum Ofen, das Backen sowie das Bm- «unmeln und Ordnen der bereits gebackenen Mamot bworg- [ te» Männer. Das Auf gießen des Wassers auf das MeM zur Herstellung der «Meiri», das «Rädeln», d. i. das Lochen der rohen Mazzot mit Hilfe eines um seine Achse sich drehenden gezahnten Rädchens, damit die Mazzah im Ofen nicht auflaufe, sowie das öftere Reinigen der Backgeräte von den an denselben klebenden Teigresten, verrichteten in der Regel erwachsene Kinder. Mitunter halfen sie auch beim Tragen der Mazzot zum Ofen. Diese letztere Arbeit wurde mit «podawen» (vom polnischen podawac, d. h. reichen) bezeichnet. Von nicht geringer Bedeutung war «der erste Ofen» beim Backen der Mazzot. Obzwar so oft eine Familie das Backen ihrer Mazzot beendet hat, eine kleine Pause gemacht wurde, m der alle Geräte gründlich von den Teigresten gerei* nigt, der Ofen mit neuem Brennmaterial versehen und glühende Kohlen auf den ganzen Backgrand verstreut wurden, damit etwa gebliebene Mazzotstücke verbrannt werden und kein Chomezbedenken aufkomme, legten doch viele Familien ein ganz besonderes Gewicht darauf, den «ersten Ofen» zu bekommen, d. h. als erste am Morgenbeginn ihre Mazzot zu backen. Beim «ersten Ofen» war man mehr als sonst sicher, daß Backraum, Geräte und Ofen von jeder Chomezspur freiseien. Nur Günstlinge konnten den «ersten Ofen» erlangen und zumeist war er schon vor Beginn der Periode des Mazzotbackens — d. i. zwischen Purim und dem Rüsttage des Pessachfestes — von manchen Familien belegt Die jüdischen Bäcker pflegten, um die Konkurrenz zwischen den verschiedenen Reflektanten auf den «ersten Ofen» nicht zu einem Konflikt ausarten zu lassen, täglich unter den für diesen Tag zum Mazzotbacken Erscheinenden den «ersten Ofen» durch das Los bestimmen zu lassen. Glücklich und beneidet war derjenige, der bei einer solchen Verlosung die Nummer 1 gezogen hat. Er war von allen als «Bar Masal» (Glückskind) betrachtet. Wie bei einem freudigen Ereignisse wünschte man sich gegenseitig, nach Beendigung des Mazzotbackens, oder wenn man einer ihre Mazzot nachhause bringenden Familie begegnete, sie möge wieder im nächsten Jahre in Freuden und Glück ihre Mazzot zu backen erleben. In einem neuen Korbe, mit weißem Linnen bedeckt, bewahrte man in freudiger Stimmung das duftende Pessachsymbol, die frisch gebackenen Mazzot, in einem besonderen für Pessach geordnetem Raum, behütet wie ein kostbares Gut, daß ja kein Chomez das Sinnbild des Bösen und Schlechten mit ihm in Berührung komme. Für die ganze Dauer des Pessachfestes gilt zwar das unbedingte Verbot des Chomezgenusses. Die Pflicht jedoch, Mazzot zu essen, besteht bloß für die ersten zwei Pessachabende, die sogenannnten Sedernächte. Die an diesen zwei Abenden genossenen Mazzot werden deswegen als «Mazzat mizwah», d. h. gebotene Mazzah, bezeichnet. Je drei solcher Mazzot miswah, die — an jedem der zw« Sederabende — für das Sederritual bestimmt sind, werden nach Ordnung der attjfa^eclieti Stände, mit sichtbarea Zwischenräumen, als Koben, Levi tmd Israel übereinander gelegt Diese sechs, für die zwei Sederabende obligaten «Mazzot mizwah», unterscheiden sich im frommen Osten in der Regel von den übrigen Mazzot durch besondere Qualität nnd eigene Art der Herstellung. Zur Erzeugung der «Mazzot mizwah» wird im Osten stets das sogenannte «Schmirah-Mehb verwendet. Während bei gewöhnlichem Mazzot das Mehl, aus dem dieselben hergestellt werden, erst vom Moment der Vermahlung — mischaat tchinah — vor Feuchtwerden und Chomez behütet wird, wird bei Schmirah-Mehi, aus dem Mazzot Mizwah erzeugt werden sollen, schon vom Moment des Schnittes —* mischaat kzirah — der Weizen von frommen und vertrauenswürdigen Juden behütet, daß weder Regen noch Feuchtigkeit noch irgendwelcher Chome? über Garben, KörneJ und Mehl komme. Wird bei sonstigem Mazzot der Weizen in jeder Mühle, auch in einer Dampfmühle, vermahlen und gebeutelt, d. h. von der Kleie gereinigt, so wird der Schmirah-Weizen nie in einer Dampfmühle, wegen der dort herrschenden Wärme und sonstiger Chomezbedenken, sondern in einer kleinen Wassermühle, die leicht von Mehlresten gereinigt werden kann oder gar in einer kleinen, aus zwei runden Steinen — von etwa 30 bis 40 Zentimeter Durchschnitt — durch einen Menschen, betriebenen primitiven Handmühle — wie ich sie auch bei den Arabern in Palästina gesehen habe — vermahlen und zusammen mit der Kleie, unter Beobachtung besonderer ritueller Genauigkeit als «Mazzah Schmirah» (mazzah schmirah gehütete mazzah) gebacken. Bei der Herstellung der Mazzah Schmirah sind nie Frauen, sondern stets mit allen diesbezüglichen Vorschriften betraute fromme Männer beschäftigt. Zu allermeist besorgt sich der Bürger außer der gewöhnlichen Mazzot auch sechs Schmirah Mazzot als Mazzat mizwah für die beiden Sederabende. Rabbiner kleinerer Städte sowie besonders fromme und verläßliche, unbemittelte Juden, die sich speziell mit der Herstellung von Mazzah schmirah befassen, liefern solche, natürlich zu entsprechend f höherem Preise als die gewöhnlichen Mazzot. Zaddikim beschenken oft ihre nächsten Getreuen mit sechs Mazzot mizwah für die zwei Sederabende. Viele Fromme, besonders Chassidim, scheuen sich in den ersten sieben Pessachtagen Speisen zu sich zu nehmen, bei denen Mazzot verwendet wurden, womit auch die üblichen Mazza-Knödel am ersten SeUerabend, wegen entfernter Bedenken, daß selbst die gebackene Mazzah noch im Wasser sauer werden konnte. Sie brocken deswegen nicht, wie es sonst am Pessach beliebt ist, Mazzot in den Barszt (Rote- Rüben-Suppe). Diese genießen deswegen auch am Pessach keine anderen als Schmire-Mazzot. Man nennt solche kurzweg «Schmiremkes» oder man bezeichnet sie mit den Worten; «Sie essen nicht gebrockt». Viele Rabbiner, Zaddikim und sonst manche Fromme und Gelehrte, vermeiden es, von anderen ihre Mazzat mizwah zu beziehen und sich der Freudigkeit der unmittelbaren Erfüllung eines Gebotes entgehen zu lassen. Bildet doch, seit der Tempel zerstört ist und der jüdische Hausvater kein Pessachlamm mehr schlachten kann, das Backen und der Genuß der Mazzat-mizwah am Sederabend gewissermaßen das Symbol des Schlachtens und Genusses des Pessachlammes. Für diese ist das Selbstbacken der Mazzat mizwah eine ganz besonders weihe-* und liebevolle Handlung. Nur wer an einem solchen Backen der ^Mazzat mhwah» miterlebt und mitempfunden hat, kann die reine, helle Freudigkeit, von der die Teilnehmer in solcher Stunde erfüllt sind, verstehen und begreifen, welche Mengen von Glückseligkeit und positiven Lebenswerte das «Chibub hamizwot» dem im Geiste derTradition seiner Ahnen lebenden Juden gewährt. Verschwunden und vergessen ist Galut und Leiden. Unvermittelt wird der gegenwärtige Moment an die Zeit geknüpft, in der der Jude frei und glücklich auf eigener Scholle unter Jubel und Gesang nach Jerusalem zog, um im Kreise der Brüder sein Pessachlamm zu schlachten. Wie es bei einem solchen Selbstbacken der «Mazzat mizwah» zuging, will ich nun, wie ich es in meiner Jugend miterlebt habe, in kurzen Zügen erzählen: Am Nachmittag des dem Rüsttage des Pessach vorangegangenen Tages versammelten sich im Hause meines Großvaters — eines durch seine Vornehmheit, Gelehrsamkeit und Frömmigkeit ausgezeichneten Mannes — etwa 12 Männer seines nächsten Freundeskreises. Alle vornehm, fromm and gelehrt. Man debattierte über gelehrte Fragen aus der Materie der Pessachvorschriften. Nachdem Minchah gebetet wurde, begab man sich, etwa bei Sonnenuntergang, jeder mit einem neuen Tonkruge oder Kanne bewaffnet, in gehobener Stimmung, unter Gesang von Psalmen, zum Brunne/ um «majim schelanu», d. h. übernächtigtes Wasser, für die am folgenden Tage zu backenden «Mazzat mizwah» zu schöpfen. Für das Backen der Mazzot Überhaupt darf traditionsgemäß nur Wie Herschi Ostropoler Pessach machte Herfehl Oftropolcr, der jüdifche Till Eulenfpiegel, hatte — wie immer — kein Geld, um die Anfchaffvagen für das Peflachfcfl; zu madien. Da ging er in die Chewra Kadifcha und bat mit tränenerfticktcr Stimme um eine Gabe, damit er die Totcnklcidcr für feine Frau anfdtaffen kann. Als die Männer des heiligen Vereines dann in Herfchels Haus kamen, um die Leiche abzuholen, fanden fie ihn, feine Frau und Kinder um einen feftlich gedeckten Tifch vcrfammelt, an koftbaren Speifcn und Wein fich gütlich tun... Die Männer waren ganz entfetzt und fragten entrüftet den bekannten Schelm, wk er es denn wagen konnte, die ehrwürdige Chewra Kadifcha fo fchamlos zu belügen und die empfangene Gabe in der Weif« zu verpraflcn... Herfehl aber ließ fich in feiner Schlemmerei nicht ftören und beruhigte die faffungslofcn Männer mit der Zufidicrung, daß er keineswegs die Abfidit hätte, ihnen die Leiche feiner Frau vorzuenthalten und daß er fic zeitgerecht abliefern werde. Wann die« jedoch gefchehen wird, erklärte Herfehl zum Schluß, das kann doch dem heiligen Verein wohl gleich fein.