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Die Stimme · 1929-04-25 · Heft 69-70 (25.4.1929) · page 6

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Journal
Die Stimme
Volume
2 (1929)
Issue
Heft 69-70 (25.4.1929)
Date
1929-04-25
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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DIE STIMME Nr. 89/70 '■vVfO •SESsr?x-!5C-7;;-jkz | SIEGM. KORNMEHL | OBO»8FLEiaOHHAUEREt 1 Zentrale IX, Berggasae 19, Tel. A17-3-99 n. A 16-9-34 1 Lieferant för itellanstalfen, u Abteilungen für IttÖ-FleUch H KlkJSatJWMWMWBCT———ifcMBB———i | unter Aufsicht des Ehrwürdigen Rabbinats der Israe- I litischen Kultusgemeinde Wien I Autozustelluno kostenlos I IX, Berggasse 15 XVIII, Wfihrlngerstraße 97 Der Freidenker als Kultusvorsteher oder Gesinnung ist Privatsache Brief an die «Stimme». Der Verfasser dieser Zuschrift, ein führendes Mitglied der Partei der «werktätigen Judein», ist mit den internen Verhältnissen seiner Organisation sehr gut bekannt, so daß seine Behauptungen als vollständig verläßlich anzusehen sind. Ist es schon eine Ueberlistung der Wählermassen, wahlprogrammatische Satzungen als Mandatare nicht elnzuhalten, so erscheint es als ein Betrug an den jüdischen Kultuswählern, wenn ein Kandidat in die Kultusgemeinde durch Jahre in der Leitung der «Freidenker»- sitzt, also an der Proselytetimacherei und Ausbreitung der jüdischen Austrittbewegung aktiv mitwirkt. Jeder Jude kann sich wohl seiner Denkungsart gemäß betätigen, als Freidenker oder als religiös Fühlender- Dies ist seine innere Angelegenheit, oder wie man zu sagen pflegt: Privatsache! Privatsache aber ist es nicht mehr, wenn Herr Wilhelm Hirschfeld, gewesener Obmann der Freidenker und derzeitiger Kultusvorsteher, als Obmann der Freidenker vor die jüdischen Massen tritt und um deren Stimmen als Kandidat für die Kultusgemeinde wirbt. Es ändert nichts an dieser merkwürdigen Tatsache, daß der freidenkerische Kultusvorsteher Hirschfeld nach der Wahl aus dem Freidenkerveiband sich streichen Heß. . . Welcher jüdische Kultuswäftler wäre moralisch so defekt gewesen, einen Kandidaten, wenn .ffen erklärt hätte, Obmann der Freidenker zu sein und die Abfallbewegung unter den Juden gutzuheißen, seine Stimme zu geben? Anläßlich einer Vertrauensmänerversammlung lange nach den Wahlen hat der Schreiber dieser Zellen dem Herrn Hirschfeld, da er von seiner Stellung zu den Freidenkern Kenntnis erlangt hatte, zu&erufen: «Sie haben uns, Wähler, bintergangen, legen Sie das Mandat nieder!» Die gleichen Worte wiederhole ich auch jetzt: Herr Hirschfeld, legen Sie das aisf unfaire Art von den jüdischen Wählern erlistete Kultusmandat nieder! Die heldenhaften Friedhofschänder... Aus Berlin wird gemeldet: Eine neue Grabschändung ist auf dem jüdischen Friedhof in Harburg verübt worden. Das Grab einer beerdigten 60 Jahre alten jüdischen Frau ist nachts wieder aufgegraben worden, ln dem Sarg lag die teilweise entblößte Leiche der Frau. Die polizeilichen Feststellungen haben ergeben, daß man es bei dem Täter offenbar mit einem sexuell verirrten Mann zu tun hat. Wochen-Kalender April—Mai 1929 Oedenktage WM trenn 24 Mittwoch 1862 — Rudolf Schildkraut in Konstantinopel geboren 1920 — Bestätigung der Balfour- Deklaration auf der Konferenz von San Remo 14 — «p r©a eni? 25 Donnerstag 1842 — Der Oriontalist und bebrftiseber Dichter Salomon Mandelkern ln Mlynow, Rußland, geboren i5-m nDD 26 Freitag 16 —tß nee ’a 27 Samstag 1846 — Der Historiker Dr. Wolf BrfiH in Kojetein. Mähren, geboren 17 — 28 Sonntag 1838 — Der holländische Rechtsgelehrte und Minister Prof. Tobias Asser, Träger des Nobel-Friedenspreises, in Amsterdam geboren w -IT 29 Montag 1371 — Der Philosoph WtllhMn Stern in Berlin geboren 19 — 30 Dienstag 1796 — Isaac Adolphe Crimieus, Begründer der Allgemeinen Israelitischen Allianz, in NIrnes geboren 20 — 3 1 Mittwoch 1921 — Der hebräische Schriftsteller J. Cb. Breuner In Jaffa von Arabern ermordet 21-K3 noe Der Antisemitismus ist eines gesitteten Volkes unwürdig Eia deutscher Dompropst gegen Blutlüge und Hakenkreuzelel Int preußischen Landtag präzisierte der Zentrumsatbgeordnete Dr. Linneborn, der als Dompropst eine geachtete Stellung innerhalb der katholischen Bevölkerung Deutschlands einnimmt, das Verhältnis des katholischen Zentrums zum Judentum. Der Redner sagte hiebei u. a.: Wenn neulich ein nationalsozialistischer Abgeordneter versucht hat, das Zentrum als Helfershelfer bei jener eines gesitteten Volkes unwürdigen Judenhetze anzusprechen, die vielfach in völkischen und nationalsozialistischen Kreisen betrieben wird — ich erinnere an die rohen Schändungen israelitischer Friedhöfe —, so muß das Zentrum jede Bundesgenossenschaft mit allem Nachdruck zurückweisen. Der nationalsozialistische Abgeordnete Dr. Ley, der nach Linneborn sprach, versuchte, die Behauptung, die Richtlinien zu den katholischen Dogmen predigten Judenhaß, durch Zitate aus antisemitischen Schriften zu belegen. Dabei wärmte er alle bekannten Ritualmordmärchen auf. Noch heute, sagte er, gäbe es innerhalb des Judentums eine Sekte, die nach chassidischem Gesetz Ritualmord begehe. Im Verlauf der Debatte ergriff noch einmal Doktor Linneborn das Wort. Mit Entrüstung wies er die Behauptung cIps Dr Lev zurück. ffMische Eine GESUNDE u. BILLIGE ln einer Sommerfrische an der Donau, im Semmeringgebiet am Kreuzberg oder in Reichenau, vis ä vis der Wartholzvilla Exkaiserin Zittas, verschafft Ihnen die Bauabteilung der WaguM 1. 6., Wim 1. IM Lillengasse 1, 3 Stock, Telephon R 25-5-10 Serie Aasktlnfta and Beratung kosien'e* Ritualmord im Dogma der katholischen Kirche gelehrt werde. Als er mit den Worten schließt: «Das deutsche Volk denkt zu ruhig, als daß es sich zuni Antisemitismus aufpeitschen ließe», lärmen und toben die Nationalsozialisten, während ihm von der großen Mehrheit der Abgeordneten lebhafter Beifall gezollt wird. Die russischen Juden kämpfen um ähre Synagogen Das in Minsk erscheinende jiddische kommunistische Organ «0 k t i a b r» berichtet, daß in der Stadt Sendin, Distrikt Minsk in Weißrußland, eine zahlreiche Gruppe religiöser Juden in eine Versammlung kommunistischer jüdischer Arbeiter eindrang, in der eine Resolution für die Beschlagnahme der Stadt-Synagogen gefaßt werden sollte, und den Versammelten zurief: «W ir werden unsere Synagoge nicht hergeben, auch wenn Blut in den Straßen f 1 i e ß e n w i r d!» Es entstand ein ungeheurer Tumult, der in eine Schlägerei ausartete, wobei laut dem Bericht der kommunistischen Zeitung die religiösen Juden wie wild um sich schlugen und mehrere Kommunisten verletzten. Einige Personen wurden verhaftet und sollen vor Gericht gestellt werden. * Das Zentralexekutivkomitee der Sowjetunion veröffentlichte soeben ein neues Gesetz, d'as die Rechte und Funktionen religiöser Organisationen in der Sowjetunion umgrenzt. Danach behalten religiöse Körperschaften, die mindestens 20 Mitglieder Im Alter von über 18 Jahren zählen, ihre Rechte wie bisher, diese sind aber jetzt schärfer definiert. In dem Gesetz ist auch genau das Verfahren umschrieben, das bei Schließung von Gotteshäusern angewendet werden soll. Vorgesehen ist auch die Bildung von Gläuibigen-Gruppen mit weniger als 20 Erwachsenen in einem Orte. DieBudapesterStadtverwaltung subventioniert jüdische Institutionen Was tut das sozialdemokratische Wien? Der Etat der Budapester Stadtverwaltung für das Jahr 1929 weist eine halbe Million P e n g ö für Subventionierung Jüdischer Institutionen auf, so u. a. 165.000 Pengö für Bedürfnisse der neologen und der orthodoxen G em e i n d e, 66.000 Pengö für soziale jüdische Institutionen, 20.000 Pengö für die Errichtung einer orthodoxen Synagoge, ferner einen Betrag zur Beschaffung von M a z z o t h für die arme jüdieohe Bevölkerung. * Pessach-Sensation •rhelen Sla Ihre« Hirt gebügelt und gepulst Gratis ba,m EinKauf *,nM ntuan ™rtM ~ ,m bekannten _ _ _ Hirthau« 8OBEL, ll* fileekengasse 10 Billig* Praia«?■*•*•* Das antisemitische Budapest tut, wae das sozialdemokratische Wien zu tun verabsäumt und wozu es nach Gesetz und Sitte verpflichtet wäre. Der Umfang der jüdischen Steuerleistungen sowie die Zahl und wirtschaftliche Bedeutung der Juden Wiens lassen diese Forderung als hinreichend begründet erscheinen. Jüdische Opfer der „Menschenfresser von Moldawa“ Der soeben fertiggestellten Anklageschrift in dem Prozeß gegen die Zigeunerbande, die als «Die Menschenfresser von Moldawa» bekannt geworden ist, ist zu entnehmen, daß sich unter den Opfern der 19gliedrigen Zigeunerbande auch eine Reihe jüdischer Personen befinden. Am 19. Jänner 1927 wurde der jüdische Kaufmann Rusniak in Moldawa in seinem Laden von den Zigeunern ermordet und beraubt. Auf dem Wege zwischen Stoz und Nidzmi Medzwo (Ostslowakei) ermordeten sie den jüdischen Geschäftsführer des Konsumvereins in Stoz, Imling, und raubten dabei 3000 Kronen. Im Juli 1925 beraubten sie unter Führung ihres Oberhauptes Filke den jüdischen Kaufmann David Roth in Zarnova und verletzten ihn; der Kaufmann blieb aber am Leben. Der Prozeß verspricht, einen sensationellen Verlauf zu nehmen. (Jta.) Zum Andenken an die Pinsker Märtyrer Tel Aviv, 20. April. Die aus der Stadt Pinsk nach Palästina eingewanderten Juden haben beschlossen, einen Wald zu pflanzen zur Erinnerung an die beim Einzug des polnischen Militärs in Pinsk im Jahre 1919 standrechtlich erschossenen 35 angesehenen zionistischen Persönlichkeiten. Die Erschießung der 35 Zionisten, die unter der Beschuldigung kommunistischer Betätigung ohne vorangegangenes Verfahren und nur auf Grund irgendeiner aufgefundenen Liste vor sich ging, hat damals auf die gesamte polnische Judenheit einen niederschmetternden Eindruck gemacht. (Jta.) Weltkongreß jüdischer Aerzte in Jerusalem Tel Aviv. Die Konferenz des Verbandes der jüdischen Aerzte Palästinas, die soeben in Tel Aviv abgehalten wurde, beschloß, für das Jahr 1930 einen Weltkongreß jüdischer Aerzte nach Jerusalem eimzuiberutfen. Der Kongreß soll sich hauptsächlich mit Fragen dier jüdischen Rasscnhygiene beschäftigen.. Israelitischer Jugendgottesdienst. Am Samstag, den 27. April d, J., um 3 Uhr nachmittags, findet der Jugendgottesdienst für die israelitische Schuljugend in den Gemeinde- und Bezirkssynagogen statt. Wochen-Kalender 1 Mal 1929 1 Gedenktage nw ßysnn 2 Donnerstag 1860 — Theodor Herzl In Budapest geboren 1864 — Qlacomo Meyerbeer in Paris gestorben 22 — M »rm noB 5» 3 Freitag 1898 — Prof. H. Sohaplra, Mathematiker an der Universität Heidelberg, Initiator des Jüdischen Nationalfonds, gestorben *8- JD 4 Samstag 24-1:3 5 Sonntag 25-m Montag 1886 — Prof. Sigmund Preud, Begründer der Psychoanalyse, In Pretberg, Mähren, geboren 26-13 7 Dienstag 27-»3 8 Mittwoch 1843 — Rudolf Mosse, Begründer des bekannten Berliner Zeitungsverlages, In Qrätz, Posen, gestorben 28-13

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