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Die Stimme · 1929-04-25 · Heft 69-70 (25.4.1929) · page 5

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Journal
Die Stimme
Volume
2 (1929)
Issue
Heft 69-70 (25.4.1929)
Date
1929-04-25
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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DIE STIMME Sette 5 Nr. 69/7» KUNEROL ist verbärgt rditi Fett ui Kokosafliieii» Dk Brttefng ittfct unter «treng ritueller AufilAt de« Herrn BexlrktrtbUaert S. Ehrenfeld tu Matter «bürg. KUNEROL kann daher vm alten Strenggliublgea xur Zubereitung von Ottcrspeiten verwende* werden. „Wir haben zwar kein Geld, sind aber dafür gute Deutsche.. Das Defizit der Wiener Kultusgemeinde wird auf Kosten der Aermsten verringert werden •. In einer Sitzung, die bis in die späten Nachtstunden dauerte, wurde Montag, den 22. d. M., die Beratung über das Budget der Kultusgemeinde für das laufende Jahr fortge-' setzt und zu Ende geführt. Die Generaldebatte wurde durch ein Schlußwort des Finanzreferenten Regierungsrat Dr. Oppenheim zum Abschluß gebracht, der in seiner Erwiderung auf die ausgezeichneten sachlichen Ausführungen des zionistischen Generalredners Doktor Friedmann mit dem ewigen, schon stereotyp gewordenen „Argument“ aufwartete, das ungefähr lautete: Wir haben zwar kein Geld für die dringendsten sozialen und kulturellen Bedürfnisse der jüdischen Gemeinde, sind aber gleichwohl in der Lage, die „Wiener“ jüdische Bevölkerung durch die Versicherung schadlos zu halten, daß „wir gute Deutsche und Oesterreicher sind, im deutschen Kulturkreis auferzogen und fest in ihm verwurzelt“ — was immerhin tröst-, lieh wirkt und so etwas wie eine „Kompensation“ für nicht erfüllte Aufgaben bedeutet... Das Allheilmittel des Referenten ist wie im Vorjahr: Abstriche an den Subventionen und sozialen Ausgaben, um so auf Kosten der Aermsten das Defizit zu verringern... In der darauffolgenden Spezialdebatte ergriff als erster Kultusvorsteher Bauminger (Misrachi) zu dem Kapitel „Ku l t u s*' das Wert. Redner trat in zündender Rede für die Wiederbelebung der hebräischen Sprache ein, die die erste Voraussetzung für jede gedeihliche Betätigung im Kultus- und im Gemeindeleben überhaupt ist. Dr. Landau (parteilos) forderte eine größere Unterstützung der Bethausvereine und Die neueste hebräische Literatur in Erez Israel Vor Nathan BlstrickL Der Verfasser dieses Aufsatzes, der Ober die neueste hebräische Literatur in Erez Israel informiert, ist selbst einer der erfolgreichsten jüngeren Autoren der modernen hebräischen Literatur. Es ist klar, daß das neue Palästina auf dem Gebiete der schönen Literatur nicht mir die eigenen Bedürfnisse befriedigt, sondern in gewissem Maße auch die Galuthländer mit hebräischer Literatur aHmentiert. In den letzten Jahren wurde das literarische Zentrum des allweltlichen Judentums nach Palästina verlegt. Verschiedene Umstände haben dazu geführt: Zunächst hat das kn Aufbau begriffene Palästina allmählich unsere besten literarischen Vertreter an sich gezogen und wurde zu ständigem Wohnsitz dieser unserer geistigen Repräsentanten; überdies ist in Palästina ein natürlicher Leserkreis entstanden, dem das hebräische Buch ein Lebensbedürfnis ist» Und ln der Tat kann man die eigenartige Beobachtung machen, daß z. B. ln Polen, obgleich dort viele Tausende organisierte Zionisten und Hunderte von Institutionen der hebräischen Kotturonganisation «Taifouth» vorhanden sind, das hebräische Buch dennoch nur sehr geringe Verbreitung findet. Polen hat sich nicht einmal stark genug gezeigt, die Einstellung des eineigen hebräischen Tagblattes zu verhindern. Solche Erscheinungen in den Galuthländern bringen um erst die kulturelle Lebenskraft Palästinas zu vollem Bewußtsein. Auf der einen Seite werden ln Palästina ununterbrochen Bücher auf allen Gebieten der Literaur auf den Markt gebracht, auf der anderen Seite zeigt es sich, daß Palästina auch der Hauptmarkt für die Verbreitung dieser Bücher Ist. Am stärksten in der neuen hebräischen Literatur ln Palästina ist die Lyrik vertreten. Wahrscheinlich ist dies aus denselben Gründen der FaÜ, weshalb die Lyrik in der hebräischen Literatur immer stärker vertreten war als die epische Literatur. (Möglich auch, daß es dem Lyriker leichter fällt, das neue eigenartige Leben, das gegenwärtig ln Palästina im Entstehen begriffen ist, wiederzugeben, als dem Novellisten und Romancier. Aus diesem Grunde zeigt es sich, daß dieses neue Palästinaleben sich mehr ln unseren lyrischen Schöpfungen wklerspJegelt als ht der Erzählung und dem Drama» Auch in der letzten Zeit Ist in Palästina eine größere Zahl bedeutsamer lyrischer Werke erschienen» Erst vor kurzem kamen zwei Bände des jungen und fruchtbaren Dichters Abram ScWomsfd, des Autors verlangte, daß man die Post von 10.000 S, die aus Ersparungsrticksichten aus diesem Budgetkapitel gestrichen wurden, wieder einsetze. Prof. Rath hielt sodann ein ausführliches Referat über das jüdische Schulwesen und unterzog die jetzige Schulpolitik der Kultusgemeinde einer eingehenden, mit genauen Daten belegten sachlichen Kritik. Vergleichsweise Die unabhängige Loge des Bnai Brith in London besprach jüngst die weitverbreitete Bekehrungstätigkeit der christlichen Mlssionsgesellscbaften in Zentraleuropa, Palästina, Türkei und in den englisch sprechenden Ländern und beschloß, als Gegenaktion gegen diese Tätigkeit die London Board cf Jewish Deputies, die Anglo Jewish Association, die Alliance Israclite Universelle, die Zionist Executive und andere wichtige jüdische Organisationen zu dem Zweck einer gemeinsamen Aktion einander näher zu bringen. Aus dem Referat des Rafbbiners Dr. SaMs Dalches geht hervor, daß nach AnsScht/der ^Palästina-Groüloge die Hauptursachen der Bökehjrufjg dgr Jüden^u Palästina ln den Erleichterungdn^iiKSteh^Äi' w^l^öVon^deh Missionarschulen zur Erziehung armer' Kirider gegeben werden, den sorgfältigen englischen Unterricht in diesen Schulen und der Aussicht, Anstellung durch den Einfluß der Missionare zu erhalten. Gegenwärtig erhalten annähernd 600 jüdische Kinder ihre Erziehung in christlichen Missionarschulen und von «Savoj», heraus: «Lecuba ule imma» (An Vater und Mutter), und ein größeres Werk «Bagalgal*. Sehr produktiv Ist auch Uri Zwi Grtirtberg, der nebst seinen bisherigen wertvollen Werken jetzt eine neue Liedersammlung heransgebracht bat. Hervorgehoben zu. weiden verdienen noch die jüngsten Schöpfungen des Josef Llchtenbaum und M. S- Wolfowski. Die Arbeiten des letztgenannten Lyrikers zeichnen sich überdies durch eine spezifische Stimmung in der Beschreibung der Natur und des Anbeitslebens von Palästina aus. Außerdem hat der Verlag «Dwir» die Palästina-Idyllen von David Simonovits herausgegeben, der als der erste der jungen Diohtergeneration bezeichnet werden kann, welcher die Vorwürfe für seine Lieder aus dem Leben des Arbeiterchahiz in Palästina geschöpft bat. Was die Prosa 'betrifft, so ist in der letzten Zeit eine größere Zahl von Werken erschienen, ln denen sich das - neue Palästinaleben bis zu einem gewissen Maße widerspiegelt. Besondere Erwähnung verdient das Buch des jungen sephardtschen Schriftstellers Scham! «Nüomath Aboth», eine wuchtige, farbenreiche Erzählung aus dem Leben der Araber. Das sephardische Judentum in Palästina hat uns außer Scham! noch einen wertvollen SchrfftsteÄer gegeben. Jlzchak Burlo, dessen Roman «fschto Hassenuah* ln Palästina sehr bekannt geworden Ist. Von dem Schriftsteller Dow Kimchf erschien jüngst unter dem Titel «Emmescfe» ein neuer Roman aus dem Leben des jungen Jiscänrw in Palästina» Außer den angeführten Büchern, welche Ihrem Inhalt und Wesen nach als palästinensische Werke bezeichnet werden können, erschienen ln der letzten Zeit ln Palästina auch noch andere beachtenswerte Arbeiten einiger talentvoller Schriftsteller. So erschien vor kurzem ein Band Erzählungen von Awlgdor Hameiri, einem Künstler mit stark ausgeprägter Individualität. Von demselben Autor erscheinen demnächst weitere Bände Erzählungen und Gedichte. Die VeröiffentMchung der gesammelten Werke von A. Reubeni bat bereits begonnen und letztens ist auch ein neuer Band Enzähtongen von A. Baraeeh ewebfeneu. (Betrachtet man genauer die Tendenz, die In der neuen Paläatlnalttcratur zum Ausdruck gelangt, so hat man die Empfindung, daß unsere Prosattteratur noch nicht die Kruft und die Möglichkeit aufgebracht hat, dem Thema «das heue Palästinaleben» ganz nahe zu kommen. Vielleicht ist es diesem Umstande zitzuschreiben, daß eine ganze Anzahl unserer Schriftsteller und Dichter sich jetet historischen Themen zuwendet. In der Geschichte unserer Literatur Ist, (Suse Erscheinung nicht neu: So oft sie sich ms toveadführt© der Redner die Leistungen anderer Gemeinden, vornehmlich Berlins, Frankfurts und Budapests auf dem Gebiete des Schulwesens heran und ermahnte die maßgebenden Faktoren, auch in Wien endlich daran zu gehen, statt des veralteten und gänzlich wertlosen Religionsunterrichtes einen tauglichen Judentumsunterricht einzurichten, der die jüdische Jugend mit der Geschichte, Religion und Sprache des jüdischen Volkes vertraut macht. Prof. Rath förderte die Errichtung von fakultativen jüdischen Schulen für Kinder solcher Eltern, die Wert darauf legen, daß ihre Kinder jüdisch und nicht im katholisch-germanischen Ideenkreis erzogen werden. Redner verlangte auch die Ausgestaltung des hebräischen Ergänzungsunterrichtesi die Errichtung von jüdischen Lehrlingsheimen und Kindergärten. stehen vollständig unter deren Einfluß. Dies ZaM umfaß! noch flicht einmal die jüdischen Waisen und Findlinge. Die sofort bei der Aufnahme In diese Schulen getauft und nicht mehr als jüdische Kinder gerechnet werden. Um der Bei, kehrutigstätigkeit in Palästina Einhalt zu ton, müßten Kinderhorte in den Armeiwäertelu von Jerusalem und IV berias gegründet werden, wo die jüdischen Kinder entweder, kostenlos oder gegen ganz geringes Entgelt auigenommea würden. In Mittel- und Osteuropa ist das Problem gleich ernst und wind täglich dringender. Die durch Taufe entstandene® Verluste kt Ungarn seien z. B. größer als Irgendwo anders. In Deutschland, Oesterreich und der Tschechoslowakei sind die Umstände verschieden, doch sind auch hier häufige Glaubensabfälle zu verzeichnen. Es mag den Bekehrern vidieicht nicht immer gelingen, ihnen einen neuem Glauben zu geben, aber es gelingt ihnen, den alten Glauben zu ze*a stören. einem Grund nicht stark genug gefühlt hat, das neue, ha Entstehen begriffene, noch nicht völlig kristallisierte Leben ausizudrüdken, wendet sie sich der Vergangenheit, der G&r schichte zu, um mit Hilfe historischer Symbole das Leben der Gegenwart auszudrücken. Auch wenn man diese Fest-i Stellung nicht verallgemeinern will, verdient es jedenfalls, als Kuriosum angemerict zu herden, daß bei uns jetzt die historischen Romane stark in Schwang gekommen sind» So erscheint jetzt im «Haolam» fortlaufend der, große bk storlsche Roman von A. Kabak «Scbelomob Modcho»; der junge Jerusalemer Romanschriftsteller Ibn Sahaw schreibt gleichfalls einen großen historischen Roman über das Leben Davids. S. J. Agnon, einer der anerkanntesten Erzähler unserer Zeit, dessen neuen Werken man bei uns stets mit besonderer Spannung entgegensieht, hat gleichfalls eine historische Erzählung fertiggestellt. Auch dem historischen- Drama wird jetzt größere Aufmerksamkeit zugewendetder Kritiker and Novellist S. Zemach schrieb ein historisch*« Drama au«, der Zelt des zweiten Tempels, Kabak ein Drama aus dem Leben König Davids und ich selbst habe jetzt mein Drama «Juda Iskarioth» beendet. Das Ist ungefähr alles, was bei uns ht der letzten Zeit auf dem Gebiete der .schönen Literatur geschaffen wurde. Da verdient unterstrichen zu werden, daß BiaÜk sich gegenwärtig sehr viel mit dem Schreiben von Sagen, Legenden und Gedichten für Kinder befaßt Zum Schluß sofl noch die Frage berührt werden, Inwiefern« die neue hebräische Literatur Ln Palästina als palästinensisch angesprochen zu werden verdient; nicht out deshalb, wei sie in Palästina. geschrieben wird, sondern hauptsächlich deshalb, weil sie aus der Quelle palästinensischen Lebens schöpft Hierauf wäre zu erwidern, daß wir «igentfloh kehr Recht halben, zu. verlangen, daß die Literatur, die doch organisches Schaffen ist, ln der kurzen Zeit einer einzigen Generation bereits den Prozeß vollführt habe, den dl« Revolution, welche da« neue Palästfua hi da« Leben jede« einzelnen und der Gesamtheit gebracht hat bedingt. Es genügt, daß wir di« Bemühungen unserer Literatur, palästinensisch auch ihrem Wesen nach za werden, verzeichnen dürfen. Die nene palästinensische Literatur hflft uns auch in größerem Maße als alle anderen uns zu Gebote stehenden Mittel, den sehr schweren Anpessungsprozeß au unser Vaterfand als einen Ort des tagtäglich«« schweren und grauen Lebens, der aber gleich* zettfc voH ist von erhabenem, nationalem und meueefv Bekam Jahaft, mtt Erfolg wtftenzulühreu, Sie zerstören den alten Glauben, ohne einen neuen zu geben.. * Kampf gegen das Seelenfängergewerbe

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