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Die Stimme · 1929-04-18 · Heft 68 (18.4.1929) · page 8

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Journal
Die Stimme
Volume
2 (1929)
Issue
Heft 68 (18.4.1929)
Date
1929-04-18
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Seite 8 DIE STIMME Nr. 68 S|p am 24. April i uflesfe große reichhaltige Pessach-Nummer! Die Vorbereitungen zum XVI. Zionistenkongreß Weltkongreß zionistischer?\aaen — JSJisches Sportfest am Eröffnungstage des Kongresses Aus Zürich wird gemeldet: In der Zeit des 16. Zio nrs-tenkongresses, der bekanntlich am 28. Juli mit einer feierlichen Sitzung im Züricher Stadttheater eröffnet wird, findet auch ein Kongreß des Wcltverbandes der zionistischen Frauenvereine (W. I. Z. 0) statt. Die Züricher Frauenorganisation «Züricher Kulturverband» wählte ein Damenkomitee, dem der Empfang und die Unterbringung der Fraucndelcgierten zum Zionistenkongreß und zum W. I. Z. O.-Kongreß obliegt. Der W. I. Z. O.-Kongreß wird dem Zionistischen Weltkongreß vorangeh eh. Am Tage der Eröffnung des 16. Zionistenkongresses wird in Zürich ein großes Sportfest der jüdischen Sportverbände stattfinden, an welchem sich Hnkoah (Wien), Hagibor (Prag), Makkabi (Antwerpen), Makkabi (Paris) u. a. beteiligen werden. Zu dem Schauturnen werden mehr als 500 jüdische Turner aufmarschieren. Das Zionistische Exekutiv-Komitee in Mährisch- Ostrau hat bereits die Vorbereitungen zu einer gemeinsamen Reise der tschechoslowakischen Zionisten an den Zionistenkongreß, der am 28. Juli in Zürich tagen wird, begonnen. Kongreßabzeichen Bekanntlich wurde von der Exekutive vor einigen Monaten ein Konkurs zur Erlangung von Entwürfen für ein Abzeichen des 16. Kongresses ausgeschrieben. Auf Grund dieses Ausschreibens sind bei der Exekutive 21 Entwürfe eingelangt. Sie wurden zur Beurteilung einem von der Exekutive eingesetzten Preisgericht vorgelegt, welches aus folgenden Personen bestand: Mrs. M. D. Eder, Dr. B. Feivvel, P. Horov/itz, Dr. L. Lauterbach und F. Rosenblüth. Das Preisgericht hat im Sinne der von der Exekutive festgelegten Bedingungen beschlossen, zwei gleiche Preise von je 60 Mark zu verteilen und zwei weitere Entwürfe zu beloben. Die palästinensische Touristen-Alijali. Nach einer Mitteilung der palästinensischen Eisenbahn betrug die Zahl der während' der Purimtage verkauften Fahrkarten nach Tel Aviv 10.3 15, von denen auf Jerusalem 5977, auf Haifa 24S5 entfallen. Außer den mit der Eisenbahn beförderten Reisenden dürften etwa 15.0 0 0 Personen per Auto und zu Fuß nach Tel Aviv gekommen sein. Auch zu den Osterfeiertagen ist eine Reihe von Touristenschiffen in den palästinensischen Häfen eingetroffen. Aus Deutschland kam am Bord des Dampfers «Oceana» eine große Anzahl von Touristen, unter denen sich Staatssekretär Prof. Po-pitz, der Chefredakteur der Deutschen Telegrapben-Union, Heinrich Gesell, die Großherzogin von Sachsen-Weimar-Eisenach, die Schriftstellerin Vioki Baum befanden. In Jerusalem besichtigte die Gruppe außer historischen Sehenswürdigkeiten der Stadt die Hebräische Universität und begab sich am darauffolgenden Tage nach Tel Aviv, wo die «Habimah» zu Ehren der Gäste eine Festvorstcllung des «Golem» gab. Die Kuratoren des Wohlfahrtsfonds, der von S i r David Saffoon aus Bombay begründet worden ift, haben io.ooo Pfund für die Londoner Holland Park Synagogue zur Verfügung gefleht. Die Synagoge, die im Dezember 1928 eingeweiht wurde, wird nach dem verftorbenen Baronet „Kneffeth Safioon David“ genannt. * Im Alter von 65 Jahren verflarb Herr Jefaja Rofenbaum, der Vizepräfidcnt der Warfcnauer jüdifchcn Gemeinde, die bekanntlich die größte jüdifche Gemeinde Europas ifl. Der Verdorbene betätigte fich fchr flark auf philanthropifchem Gebiete. *'• Der langjährige Präfidcnt der angefehenen jiidifchen Gemeinde von Braiia, Obcrfcabsarzt Max Cohl, ein bekannter Philanthrop, hl nach kurzer Krankheit geflorben. Aus Anlaß der 35jährigen wiüenfchaftlichen und politilchen Tätigkeit des hervorragenden polnifch-jiidifchcn Hiftorikccs Prof. Simon Afchkcnafi wurde in Wilna eine Feier abgehaltcn, an der fich jüdifchc und polnifchc Vertreter von Literatur und Wiflenfdiaft beteiligt haben. Prof. Afchkcnafi war bekanntlich nach Fricdcnsfphluß Vertreter Polens beim Völkerbund. Auf Betreiben der reaktionären antifernitifchcn K reife aber, die es für unerträglich erklärten, daß ein Jude Polen beim Völkerbund repräfenticrcn folle, mußte Afchkcnafi feinen Genfer Poflcn verlaßen. , Kürzlich verfearb Rabbiner Profc-lTor M an Heller aus New Orleans im Alter von dp Jahren. Lr wurde im Jänner |86o in Prag geboren, kam als junger Mann in die Vereinigten Staaten und übte 42 Jahre lang das Rabbineramt am Sinai- Tempel zu New Orleans aus. Herr Dr. Julius Mofes in Mannheim hat einen Betrag von zirka 2500 Mark, den ihm Freunde und Verehrer anläßlich feines 60. Geburtstages zur freien Verfügung gellcllt haben, durdi den Dcutfdien Keren HajclTod dem mikrobiologifchen Inftitut der Hcbräifchcn Univerfität in Jcrufalem zugewandt. * Dicfcr Tage fand in Budapcfl die zweite Landeskonferenz der ungarifchcn Zioniflcn ftatt. Die Mitteilung, daß die Hauptsynagogc von Löllingrad zwecks Umwandlung in einen ArbeiterWirb beschlagnahmt worden war, bat sicli nicht bewahrheitet. * * Die Geidcingänge beim Hauptbüro des Keren Haj'esscd in Jerusalem im Verlauf des März 1929 weisen ein abermaliges beträchtliches Ansteigen gegenüber den früheren Monaten, insbesondere gegenüber dem Durchschnitt des zweiten Halbjahres 1928, auf. Im Verlauf des Monats März sind beim Hauptbüro in Jerusalem 44.700 Pfund eingegangon. Im Februar d. J. gingen 37.358 Pfund ein. Im Januar betrugen die Eingänge 30.990 Pfund. Im Dczrabcr v. J. gingen 34.100, im November 27.682, im Oktober 21-661 Pfund ein. I* Louis Lipaky, Präsident der amerikanischen Zionistischen Organisation und Mitglied der Zionistischen Exeku- Inhaber: IISICM *•» Ädlargasse 5 Richard Herzog WlLll n.( «£■ Karirg. ss Toi. A-41-6-24 alle jüdischen und hebräischen Schallplatten sowie alle modernsten Tanz- und Gesangsschlager In roichster Aaswahl auf Lager! Auch Teilzahlungen! Provinzversand! Soeben neue orlcinal-amerikanl&che Lieferungen eingelangt tive, wird die Pessachtage in Palästina verbringen und sich mit Dr. Wcizmann, sowie Herrn Felix M, Warburg, Mitglied der Jewish Agency-Kommission über Fragen des zionistischen Kongresses, und der Jewish Agency unterhalten. Die Palästinareise der Wiener radikalen Zionisten Berichte des Oberbaurates Stricker und Doktor I. Waldmanns Die von ihrer Palästinareise zurückgekehrten Führer der Wiener demokratischen Zionisten, die Herren Oberbaurat Stricker und Dr. W a 1 dm a rin, sprächen Samstag, den 18. d. M., in einer im Hotel Continental abgehaltenen Massenversammlung über ihre Reiseeindrücke. Wie groß das Interesse an Palästina ist, konnte man aus der Tatsache ersehen, daß Warnung I Vorzügliche, täglich ofenfrische,?eB»8fet dünnste MJI2K0Y&I und (ISlSis^f bekommen Sie nur aus der I. Wr, orth. Mazzothfabrik Wien, II., Obere Augartenstreße 92 Verlangen Sie überall ausdrücklich Vortrefflich-Mazzoth | der überfüllte Saal vor Beginn gesperrt worden mußte und viele keinen Einlaß mehr finden konnten. Dr. Israel Waldmann berichtete in längerer Rede von seinen persönlichen Eindriikken. Er schilderte vorerst das Land, wie er cs während seiner zwei vorhergehenden Reisen in den Jahren 1914 und 1921 gesehen habe: Tel- Aviv — eine unendliche Sanddüne, kaum einige Häuser; der Karmel — kahl und leer; der Ernelc Jesreel — versumpft, und das ganze Land — trüb und trostlos ... Wenn man heute nach Jerusalem kommt, grüßen vom Skopus die Gebäude der Universität und der National Bibliothek; ragende Symbole dos Volkes des Buches. Die Stadt ist hobräi s c Ii, schon hat das Hebräische die S t r a ß e erobert! Und als ich diesmal nach Tcl-Aviv kam, blickte ich von der Terrasse meines IIo- Edel sei der Mensch , . . . Angestellter: Verzeihen Sic, Herr Ktdvn, ich habe sciA zwei Monaten keinen Gehalt bekommen. Herr Kohn: Ich verzeihe Ihnen, mein Kind. tels bereits auf ein Häusermeer. 47.000 Eifcwoi ner zählt dieso erste jüdische Stadt. Das Interessanteste und Hoffnungsvollste sind wohl die Kinder im Lande Israel. Sie sind alle schöner, größer und gesünder als die Judenkinder der Galuth. In Erez Israel hat man auch Freude am Kindersegen. Bezeichnend dafür sind wohl die Losungsworte, welche man bei der mit dem Purimkarneval verbundenen Säuglingsausstellung lesen konnte: „Wenn auch Haymson die Einwanderung drosselt, diese Zuwander u 11 g, die „Tozereth haarez“, kann er uns nicht nehmen!...“ Nach Dr. Waldmann sprach Oberbaurat Stricker, der sich einleitend gegen die irrige Auffassung wendet, daß man nach Palästina nicht über Aegypten fahren dürfe, weil man sonst — geblendet von der Schönheit Aegyptens — von Palästina leicht enttäuscht werden könnte. Dies aber — meint Stricker — sei gar nicht wahr. In Aegypten sind die Hotels teuer und die Weiber brillantenbehängt, dafür aber atmet man überall Sklaverei! Ja, gehen Sie zuerst nach Aegypten und dann erst nach Palästina und Sie werden von Aegypten enttäuscht sein. Mizrajim bleibt Mizrajiin! Palästina hat von allen Schönheiten der Welt etwas an sich, vielleicht, weil es für alle Welt etwas bedeutet... Dort habe ich zum erstenmal gesehen, daß die Juden wirtschaftlich und kulturell staatsbildend sein können. Tel- Aviv ist eine wirkliche Stadt, nicht nur für Filme und Zeitungsartikel gebaut. Dort ist sich jeder bewußt, Bürger einer jüdischen Stadt zu'sein. Tel-Aviv ist eine positive Leistung. Es ist ohne Sammlungen, ohne Resolutionen entstanden... Aber die Juden sind nicht nur Städtebauer, sie sind auch Bauern. In „Petach-Tikwah“ fühlte ich die langersehnte Atmosphäre von Schönheri>sehen Bauerngestalten: urwüchsig, naiv, eckig. Bauern mit ihren Vorzügen und Nachteilen. Und in den Arbeitersiedlungen sah ich stolze, freie Menschen, Juden, die ihren inneren Lebenssinn in der Arbeit sehen. Die sind die Auserwählten des Zionismus. Was ihre Wirtschaftsform betrifft, bin ich der Meinung, daß man die Entscheidung über sie ihnen selbst überlassen soll. Man sollte die Palästinareisen zum Bedürfnis, zur Pflicht und zum zionistischen Prinzip machen. Aber nicht Touristenreisen, sondern Wallfahrten! Zu bedauern sei, daß nach der Meinung des Redners die zionistische Organisation im Lande Israel ihre Bedeutung verloren habe. Die palästinensischen Juden sind auf sich selbst gestellt. In Jerusalem haben wohl die Juden die überwiegende Majorität, sie sind aber politisch entrechtet. Die Regierung schont jedes Gefühl der Mohammedaner und Christen, während die Juden an der Klagemauer nicht einmal ungestört ihr Gebet verrichten können. Palästina ist kein Phantom mehr — es ist Realität. Die zionistische Organisation hat die Grundlagen für den Aufbau des jüdischen Staates geschaffen; ihre Funktion erlischt erst, wenn das Ziel orreicht ist. Nur der fertige Judenstaat darf die zionistische Organisation ablösen. Daher politische Arbeit voran! Die Ausführungen der beiden Redner wurden mit lebhaftem Beifall aufgenommen. A. S. Delikatessen sehet Pessach! Seit Jahren erfreuen sich die «S t r um - M a z z 0 t h» einer immer steigenden Beliebtheit und gelten als das beste österreichische Erzeugnis. Viele Tausende verlangen ausschließlich «Strum-Mazzoth». Den Grund dieser Bevorzugung kann man leicht begreifen, wenn man die.bekannte Mazzoth-Bäckerei H. Strum in der Rotensterngasse aufsucht. In den sechs großen Räumen des Hauses Nr. 11, die der Mazzoth-Erzeugung dienen, sicht man eine ganze Anzahl großer Maschinen, die den ganzen Erzeugungsprozeß —. vom Mehl bis zur ofenwarmen Mazze — in der erstaunlich kurzen Zeit von nur drei Minuten erledigen. Aufs angenehmste berührt den Beschauer die peinliche Sauberkeit. Die Mazzoth- Maschincn, von Herrn Strum jun. nach eigenen Patenten konstruiert, arbeiten abwechselnd. Genau nach 15 Minuten Arbeitszeit bleibt eine Maschine stehen und wird auf das penlbeV« ste gereinigt. Der Betrieb steht unter ritueller Aufsich* des Rabbinats der Kultusgemeiiide Wien und ein sogenannter Maschgiach sowie drei Maschgichitn sorgen dafür, daß die rituellen Vorschriften strengstens eingehalten werden. «Strum-Mazzoth» zeichnen sich aber nicht nur durch die bei der Erzeugung beobachtete Sauberkeit, sondern vornehmlich auch durch den guten Geschmack aus, der sie zu einer beliebten De 1 i k a t c s s c macht. Erfreulich ist die Tatsache, daß die Mazzoth-Bäckerei H. Strum hauptsächlich j ii di sch e Arbeiter beschäftigt.

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