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Die Stimme · 1929-04-18 · Heft 68 (18.4.1929) · page 7

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Journal
Die Stimme
Volume
2 (1929)
Issue
Heft 68 (18.4.1929)
Date
1929-04-18
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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*r. 88 OIE STIMME Sefte T Der jüdische Cherem gegen Spanien urui Hae VAr^fPlhiftuirfiAHilrf vnti FpfHitiatid und ffiflhpllfi III . 0 und das Vertreibungsedikt von Ferdinand und Isabelia Bemöhungnn um eine spanisch-jüdische Versöhnung Von Dr. Saul Mezan Die Frage einer Annäherung Spaniens an die Jnden spanischer Zunge, die Abkömmlinge derjenigen, die im Jahre 1492 die Verbannung der Taufe vorzogen, diese Frage nimmt jetzt Americo Castro, Professor an der Universität zu Madrid, wieder auf. Schon vor etwa 30 Jahren unternahm Senator Dr. Angel Pulido einen methodischen und sehr energischen Feldzug zugunsten einer spanisch-jüdischen Annäherung. Dieser Feldzug wurde sowohl von der jüdischen wie von der spanischen Oeffentlichkeit sehr verschieden aufgenommen und fand sowohl glühende Anhänger als auch überzeugte Gegner. Sicher ist, daß trotz aller Erklärungen verschiedener spanischer Regierungen das Vertreibungsedikt von 1492 noch immer in Kraft ist, da es bisher nicht aufgehoben worden ist. Andererseits ist auch der „Cherem“, den die Juden Spaniens aussprachon, als sie dies Land verließen, nicht aufgehoben und könnte wohl auch nicht aufgehoben werden, bis das Edikt von 1492 nicht restlos außer Kraft gesetzt ist. Eine Annäherung würde beiden daran interessierten Teilen zum Vorteil gereichen und Pulido übertreibt zweifellos nicht, wenn er sagt, daß diese Tat eine grundlegende Bedeutung für die spanische Politik haben würde. Tatsächlich wohnen 600.000 oder 800.000 Juden spanischer Zunge in kompakten Massen in den wichtigsten Ländern am Mittelmeer: Marokko, Aegypten, Palästina, Syrien, Türkei, Griechenland, Bulgarien, Jugoslawien, Italien, Frankreich und selbst noch weiter, in Belgien, in Großbritannien, in Oesterreich (Wien), Rumänien usw. Ein Band verbindet sie alle miteinander: das „S p anio lieche“, das lebende Wahrzeichen der ruhmreichen Märtyrer, welche die spanisch-portugiesischen Juden waren... Und die Interessen Spaniens? Seit dem 17. Jahrhundert fehlt diesem Lande etwas, das man nicht durch einen ähnlichen Wert ersetzen kann. Man erinnere sich daran, daß zu den Abkömmlingen der von Leo vertriebenen Juden Rojos, Hebres, Spinoza zählen. Ständig lehrten «te die Pflicht der Duldung, die Anerkennung dar Andersgläubigkeit. Schon König Alphorns der Weise, an dessen Hof Rabbiner, Dichter und Weise glänzten, sagte: „Die Juden sind eine Art von Menschen, die überall den Vertrtern großer Herren der Humanität willkommen waren, obwohl sie nicht den Glauben an unseren Herrn Jesu Christi teilen. Da die Synagoge ein Ort ist, wo der Name Gottes gelobt wird, warnen wir die Christen, sie jemals heimzusuchen oder aus ihnen irgend etwas zu stehlen.“ Dennoch zweifeln wir sehr, ob diese philosophischen Argumente die heutigen realistischen Politiker Spaniens, wie den General Rivera, für die Sache der spanisch-sephardischen Annäherung gewinnen könnten. Obwohl eine spanisch-sephardischo Annäherung Spanien die Sympathien derjenigen europäischen und amerikanischen Länder sicherlich einbringen würde, in denen der „Jude“ durch die großen Herren der Humanität gelten gelassen wurde, ohne Voreingenommenheit und Vorurteil, obgleich er nicht den Glauben an Christus teilt. Dieser moralische Nutzen könnte eines Tages durch Vorteile materieller Art verdoppelt werden, da die Wiederaufnahme der Beziehungen zu den sephardischen Kaufleuten, die einen großen Teil des internationalen Handels in dem orientalischen Beoken des Mittelländischen Meeres, in ihrer Hand haben, für den Außenhandel Spaniens zweifellos eine entscheidende Bedeutung haben würd. Dies müßte man in Spanien verstehen. Die wahre spanisch-sephardische Annäherung kann sich auf der Basis der Tatsächlichkeit vollziehen und aus einer für beide Teile nutzbringenden Zusammenarbeit hervorgehen. Es ist beispielsweise notwendig, daß in dem spanischen Gebiet Marokkos jeder spanisch sprechende Jude ohne Schwierigkeiten die spanische Staatsbürgerschaft erwerben könnte (oder vielmehr wieaererlangen); was die Erziehung und den Unterricht anbelangt, so sollte die spanische Regierung in demselben Gebiet besondere Schulen ohne Mönche oder Geistliche schaffen, um die Rückkehr der Juden zur europäischen Kultur zu beschleunigen und ihnen freien Aufstieg in alle öffentlichen, sowohl zivilen als militärischen Aemter zu bieten. Ebenso müßten die jüdisch-spanischen Gelehrten und Geistigen die Freiheit haben, sich in Spanien niederzulassen, ihren Beruf ohne irgend welche Schwierigkeiten auszuüben und das Recht, die spanische Nationalität durch einfache Erklärung ihrerseits wiederzuerlangen. Spanische Handelskammern müßten in Wien, Belgrad, Sofia, Saloniki, Konstantinopel, Rhodos, dem ägyptischen Alexandrien, ebenso wie in Kairo und in Jerusalem gegründet werden und man müßte weiterhin die Titel eines Konsularbeamten, eines Vizekonsuls, eines Konsuls und Generalkonsuls ehrenhalber an Juden spanischer Zunge verleihen, die die für diese Posten erforderlichen Eigenschaften haben. Vor allem aber gibt es noch eine Frage von moralischer Bedeutung zu lösen: das Edikt von Ferdinand und Isabelia muß in gebührender Weise abgeschafft werden. Und um die Feierlichkeit dieser Handlung noch zu vervollständigen, muß auch der Großrabbiner von Palästina den „Cherem“, der im Jahre 1492 von den Vertriebenen ausgesprochen wurde, aufheben. Wann sollen wir Pessachfeiern? Der Kampf um den Kalender Die Londoner Internationale Liige für den festen Kalender veröffentlicht soeben eine Erklärung, ln der für die Zusammenlegung des jüdischen Peseaehfestes mit den christlichen Ostertagen eimgetreten wind. In der Erklärung heißt es u. a»: Während 1927 Pessach und Ostern am gleichen Tage, am 17. April, und 1928 in der gleichen Woche (am 5. und -am 8. April) begangen wunden, lagen schon Im Jahre 1929 zwischen Ostern (31. März) und Pessach (25. April) ganze 25 Tage. Das bringt es mit sich, daß auch zwischen dem jüdischen Schwuos-Fest und dem christlichen Pfingstfest zum Nachteil beider religiöser Gemern- Sie fohlen sich wie su Haus« beim Sedet in beitienoroiltrlen Bestaarnnt wi Ist«) A. BARSCH AK, WIEN II., Große Sehiffsasae 3, Telephon R-40-1 -39 Erstes Haus für; PalttStlnawelüQ,Karmel, ÜHekat, Malaga, Cherry, ungarische Weine. Seth und la Slibowltz Lieferungen von 5 Flaschen aufwlrts Ins Haus zugestellt Sederanmeldungen werden nthriftilchu. (liephoolsd entgegenginonnieB schäften die gleiche Zeitspanne liegt Die Divergierung um 25 Tage wird sich drei Jahre später, 1932, wiederholen. Dies, weil in den Jahren 1929 wie 1932 die Juden ihre archaische Methode der Einsohiebumg eines 13. Monats durchführen; als ob die Lebensibedimgunigen und die religiösen Erfahrungen seit der babylonischen Gefangenschaft vor etwa 2500 Jahren unverändert geblieben wären. Die Londoner Internationafle Liga für den festen britischen Oh-ief Rabbi J. H. Hertz, des französischen Gnand-Räbbim Israel Levi, des Rabbi Fürst von Wien u. a., in welchen erklärt wurde, daß eine Aenderung des Kalen V rs auf die jüdische Religion zerstörend wirken würde. Dagegen behauptet die internationale Liga für dien festen Kalender, daß die jüdische Religion mehr Vorteil davon haben könnte, wenn die Rabbiner zustimmen würden, daß alljährlich ein Sabbath dem Kalender beigefügt wird, so daß Ostern und Pessach auf den gleichen Tag fielen. (J, T. A) Herren- und Oomen-Hieider nach NaO •Kwrr.umhi Zehluv« um* 0*h*reiu laclna Wien, VI., JJfnrl uh Ufer straße 107, Tel. B 07.8-88 Die Negerjuden wollen nach Erez Israel Ansprache des Negerfürsten Gor» Amaa III. anläßlich der Einweihung der Negersynagoge in New York Bekanntlich existiert ln New York eine Kongregation von Negern jüdischen Glaubens, die sich «Bnei Brith Abraham» nennt. Die Kongregation erwarb vor kurzem im Zentrum des Negerviertels von New York zwei Häuser iwd haute sie in ©ine Synagoge und eine Schule um. Der Einweihung der Synagoge wohnte ehi Neger-Herrscher aus Westafrisa, Prinz Gora Amaa IM. hei, der über Millionen Neger-Untertanen herrscht. Vor der Feier wurden das Mincha- und das Maariw-Gehet gemeinsam verrichtet. Es fand dann eine Seelenandacht nach verstorbenen Neger- Juden statt, wobei der Rabbiner der Negergemeinde, Rabbi Ford, der selber Neger ist, das Kaddisch-Ccbct sprach- Fürst Gora Amaa hielt eine Ansprache, ln der er die kulturell hochstehenden Mitglieder der Gemeinde auföorderte, In sein Reich nach Afrika au kommen, wo sie als Lehrer des Volkes an der Erlösung Afrikas mltarbelten sollen» Rabbi Ford führt in seiner Rede aus, die schwarzen Juden sind dfe, nach einem speziellen Verfahren erzeugten, In Geschmack u. BekBrnmilchkelt unarnlcfitM STRUM-MAZZOTH und GRIESS die als vorzüglich, schmackhaft, hygienisch einwandfrei erzeugt, beatbekannt sind und wegen Ihrer Güte und Billigkeit allgemein bevorzugt werden I Die vielen tausende Freunde der Quälitäts-Mazzoth „Strum1* lassen sich keine anderen Erzeugnisse au fd r ä n ge n Froher Pessach — nur mit Strum-Mazzoth die als das beste österr. Fabrikat anerkannt sind Wer einmal 8trum-Ma«oth genießt, nimmt keine andercnl Die Mazzoth-B.'lckcrel II. STT.UM, II., Kotcnsterngasso 11, stohi unter Aufsicht des chrw. Rabbinats der Israelit. Kultusgemeinde Wien. Besonders in ritueller Hinsicht sind ßtrum- Masxoth unbedingt einwandfrei. Die Erzeugung erfolgt mit eigens konstruierten, palcntamtllcli geschützten Maschinen (Ofen) auf elektrischem Woge und werden von fachmännisch geschulten jüdischen Arbeitern angefertigt. Das ganze Maschlnenmatorlal wird von eigens hiezu bestellten Vertrauenspersonen dos Rabbinats viertelstündlich vollständig gereinigt und ausgewechselt. Achten Sie auf die Stampiglie „H. Striim“, die auf jedem Paket ersichtlich Ist! MAZZOTH-BACKEREI H. STRUM» WIEN, II. R0TEN8TERNQAS8E II TELEPHON R-41-6-12 seien für den Aufbau von Erez Israd und für die Befreiung Afrikas. Mit dem Gesang von «Hatitawah» schloß die Feier. Die jüdische Negengemeiode setzt sich aus Neger» zusammen, die oder deren Eltern erst in Amerika zum Judentum fibergetreten sind. Wohl gibt es in Amerika Neger, die behaupten, einem uralten jüdischen Neger-, stamm anzugebören. Diese Behauptung hält aber der Prüfung nicht Staad. Die palästinensische Bevölkerung die fruchtbarste der Weit Aus der foeben veröffentlichten amtlichen Geburtcttftatiftik geht hervor, daß die Bevölkerung Paläftinas die fruchtbarfte in der ganzen Welt ift. In Paläftina kommen auf ‘ io.ooo Einwohner jährlich 534 Geburten. Mit diefer Ziffer übertrifft Paläftina beträchtlich die Geburtenziffer Aegyptens und dfc Rußlands; fie ift dreimal fo groß wie die Geburtenziffer Schwedens und mehr als zweimal' fo groß wie die England* (Ita.) Keren Kajemeth-Akademle. Die von der Mädcfrengrupp« Gordonfa IX veranstaltete Keren Kajemeth-Akadeanle nahm einen in jeder Hinsicht glänzenden Verlauf. De« zahlreich erschienenen Publikum wurde ein vorzügliche* Programm geboten. Als besondere Höhepunkte des Abends seien itervorgeholben: Der lustige Schwank «Büchs enrumme-l» von Ernst Mcchner, die von Hedy Süß innig gesungenen jüdischen Volkslieder, das glanzvoll« Klavierspiel von Hertha Wenkert, das ebensolche Violinspiel des Herrn Julius Schwarz, die macht-, vollen Rezitationen Oskar T o 31 e r s, die Charaktertänize der ebenso jungen wie begabten Stella Mann und schließlich die von Fräulein Mi na'-Haber (einem ehemaligen Mitglied der Volksoper) gesungenen Lieder und Arien, die dem Publikum besonders gut gefielen. Landeskonferenz des Keren Kalemeth. Samstag, den 13. April, 7 Uhr 22 abends, wurde die diesjährige Landeskonferenz des Keren Kajemeth durch den Präsidenten, Herrn Adolf Böhm, eröffnet. Es beteiligten sich an ihr 70 Delegierte von 20 Gruppen. Ausführlicher Bericht in der nächsten Nummer. Belohnte Frömmigkeit. kn frommen Rabhlnerhaus trifft Freitag abends ein« Depesche ein, welche, da die strenge Sabbathruhevor-i Schrift dies verbietet, nicht geöffnet wird. Am nächsten Morgen kommt eine weitere Depesche, die das Schicksal der ersten teilt. Am Abend trifft eine dritte ein. Auch sie wird uneröffnet zu den übrigen gelegt. Endlich ist der Saibbatb vorbei und der fromme Gottesmann ist nun in der Lage, die Depesche« durchzusehen. Es ergibt sich, daß ein auswärtiger Kunsthändler ihm für ein zum Verkauf stehendes Bild mit bezahlter Drahtantwort 50.000 Gulden geboten, da die Drahtantwort ausgeblieben ist, das Gebot auf 60-000 Gulden und endlich in seiner Ungeduld auf 100-000 Gulden gesteigert hat. So wurde der fromme Mann für seine Gesetzestreuc belohnt. SIEGM. KORNMEHL GRO08FX.EX8OBHAUBREX Zentrale IX, Berggasse <9, Tel, A17-3-99 u, A16-9-34 Lieferant für Heilanstalten, ~~ unter Aufsicht des Ehrwürdigen Rabbinats der Israelitischen Kultusgemeinde Wien Autozuctelluncr kostenlos IX, Berggasse 15 XVill, W8hrlnger*traße 97

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