Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 2 (1929)
- Issue
- Heft 68 (18.4.1929)
- Date
- 1929-04-18
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 68 DIE STIMME «Satt» K KUNEROL % l*t Ttfbfffjt ftliiM Fett ans Kokosnüssen« Die Erzeugung steht unter streng ritueller Aufsicht des Herrn Bezirksrabbiners S, Bhrenfeld zu Mattershurg« K U N B R O L kann daher von allen Strenggläubigen zur Zubereitung von Osterspeisen verwendet werden« Albert Einstein: Was der Tempel für unsere Vorfahren bedeutete, das soll uns Erez Israel sein... Aussprüche und Briefe des berühmten Gelehrten Jüdische Gemeinschaft Die Lage des jüdischen Volkes läßt es mehr als je notwendig erscheinen, die jüdische Gemeinschaft lebendig zu erhalten. Zur Erreichung dieses Zieles ist neben der gemeinsam unternommenen Besiedlung Palästinas die Pflege der jüdischen geistigen Tradition das wertvollste Mittel. Appell an die Juden Ungarns Gerne folge ich der Aufforderung Ihres Blattes, an die Juden Ungarns einen Appell zu richten zugunsten des Keren Hajessod. Die größten Feinde jüdischen Volksbewußtseins und jüdischer Würde sind fette Degeneration, d. h. aus Reichtum und Wohlleben hervorgegangene Gesinnungslosigkeit, sowie eine Art innerer Abhängigkeit von der nicht jüdischen Umwelt, welche aus der Lockerung der jüdischen Gemeinschaft erwächst. Das Beste im Menschen kann nur gedeihen, wenn er in einer Gemeinschaft aufgeht; wie groß ist also die moralische Gefährdung des jüdischen Menschen, der den Zusammenhang mit dem eigenen Völkskörper verloren hat und von dem Wirtsvolk als Fremder angesehen wird! Oft genug ist schnöder, freudloser Egoismus aus solcher Situation erwachsen. 0 Besonders groß ist gegenwärtig der äußere Druck, der auf dem jüdischen Volke lastet. Aber gerade diese Not ist uns heilsam gewesen. Eine Erneuerung jüdischen Gemeinschaftslebens hat eingesetzt, von der sich die vorletzte Generation nichts hätte träumen lassen. Unter der Wirkung neu erwachten jüdischen Solidaritätsgefühles ist die von .hingebenden und umsichtigen Führern unter unüberwindlich scheinenden Schwierigkeiten ins Werk gesetzte Kolonisation Palästinas bereits zu so schönen Erfolgen gediehen, daß ich nicht an einem dauernden Erfolge zweifle. Der Wert dieses Werkes für die Juden der ganzen Welt ist ein hoher. Palästina wird eine Kulturstätte für alle Juden sein, eine Zuflucht für die Bedrängtesten, ein Feld der Betätigung für die Besten unter uns, ein einigendes Ideal und ein Mittel der inneren Gesundung für die Juden der ganzen Welt. Juden Ungaxms, zeigt, daß Ihr nicht zurückstehen wollt hinter Euren Volksgenossen in der übrigen Welt! An den Ingenieur Ruthenberg in Jerusalem! Möge Ihre Arbeit für den Keren Hajessod von Erfolg gekrönt sein. Möge es Ihnen gelingen, dem in den Vereinigten Staaten wohnenden Teil unseres Volkes die Einsicht zu vermitteln von der Größe und Schönheit und auch von der Notwendigkeit des in Palästina unternommenen Kolonisationswerkes. Ich habe unsere Jugend in Palästina bei schwerer, unverdrossener Arbeit gesehen, die durch bessere Ausstattung und Ausrüstung leichter und fruchtbarer gemacht werden könnte. Ich habe gesehen, wie die vortreffliche, tapfere kleine Kolonistenschar in Daganja eine Schuldenlast schleppen muß, die ihr von den begeisterten Brüdern so leicht abgenommen worden könnte. Ihr und all der anderen Kampf muß erleichtert werden! Ihr Leib muß von allen geschützt werden, denn sie opfern sich für Seele und Ansehen des ganzen jüdischen Volkes. Es muß der Nachweis erbracht werden, daß wir ein Volk sind, das noch genug Lebenswillen lind Kraft hat, ein großes Werk zu schaffen, das unseren Nachkommen einigender Mittelpunkt und Stütze sein wird. Was der Tempel für unsere Vorfahren bedeutete, das soll das Land für uns und unsere Nachkommen bedeuten. Oft habe ich gesehen, daß, wenn ein Jude dies erst ganz gefühlt hat, er seine Kräfte freudig in den Dienst der Sache stellt. Möge es Ihnen gelingen, dio Schlafenden zu wecken und die Wachenden zu entflammen. Lieber Herr Ussischkin! Ich kannte Sie schon als den unbeugsamen, charakterstarken, stiernackigen Führer unseres sonst so anpassungsgewohnten Volkes. Aber ich wußte nicht, daß Sie mit solcher Kraft auch soviel Zartheit und poetischen Schwung zu verbinden vermögen, wie Ihr Brief zeigt. Neben diesem verblaßt nämlich alles, was die Menschen mir sagten, und das waren viele und, weiß Gott, nicht die gewöhnlichsten! So meisterhaft es nun gesagt war, zu so geringem Teil war es in Wahrheit verdient. Es mag sein, daß mein Verhalten Wirkung auf die Juden und andere gehabt hat, aber es lag kein Verdienst darin. Ich wurde 35 Jahre alt, sozusagen ohne es zu wissen, daß ich ein Jude war. Nur rückschauend sehe ich, Die Biutlügenseudhe trat nun wieder in den letzten Vor-Pessaoh-Wochen in verschiedenen Ländern in bedrahlichier Form auf. Die T s c h e c h s 1 o w a k e i, wo das Ritualmordimärchen auf eine traurig berühmte Tradition zurüokiblicken kann, machte heuer den Anfang (Boskowitz). Es folgte Bayern, das wohl auch — besonders bei dem heutigen politischen Kurs dieser schwarzen Europäer — Anspruch auf reaktionäre Verblödung erheben darf, weiters Polen (Wilna), und nun erfährt die J. T. A. von einem wüsten Rituaimord- Tumult in Saloniki, der gefährliche Dimensionen anzunehmen drohte. Eine christliche Frau, die mit ihrem Kinde in einem jüdischen Stadtviertel spazieren ging, bemerkte plötzlich, daß ihr Kind nicht mehr an ihrer Seite war. Sie begann zu schreien, daß die Juden ihr das Kind gestohlen haben, um es zu töten und sein Blut für das kommende Pessachfestzu gebrauchen. Bald hatte sich eine unüibersehrbare Menge Christen angesammelt, die sich ansohiokten, über die jüdischen Wohnungen herzufallen. Ein griechischer Soldat versuchte die Menge zu beruhigen, indem er erklärte, er selbst habe ein herumirrendes Kind gefunden und es zum Polizeikommissariat gebracht. Das Kind konnte bald von der Polizei der Mutter wieder zu geführt werden. Trotzdem beruhigte sich die Menge nicht, und es mußte viel Polizei aufgeboten werden, um den lärmenden Pöbel zu zerstreuen. Es dürfte wohl wenig fruchten, die Dummen, die schon seit vielen Jahrhunderten nicht alle werden wollen, und sich immer zeitgerecht von schamlosen antisemitischen Demagogen belügen und aufhetzen lassen, belehren zu wollen. Dennoch wollen wir hier einige Aeußerungen und Gutachten großer christlicher Autoritäten aus den letzten Jahrhunderten des Mittelalters, Stimmen von Kaisern und Päpsten, die diese Beschuldigungen feierlich widerlegen und verdammen, reproduzieren. In einer alten jüdischen Schrift des Dichters und Ghronisten Ephraim bar Jakob in Köln wird die historisch beglaubigte Tatsache erzählt, daß beim zweiten Kreuzzug dem Heer der Kreuzfahrer der Mönch Rudolf voranzog, der überall predigte: «Rächet den Gekreuzigten zuerst an den Feinden bei euch und dann ziehet gegen die Israeliten.» Der Ewige aber, so erzählt der jüdische Chronist weiter, erhörte unser Flehen und sclnickte diesem Unhold einen anderen, würdigen Mönch nach, einen der größten und angesehensten aller Mönche, sein Name war Bernhard Haber aus der Stadt Clairvaux in Frankreich. Dieser sprach unter anderem: «Wer einen Juden an rührt, um sich an seinem Leben zu vergreifen, der sündigt so, als wenn er Jesum selbst anrührte, denn es steht in den Psalmen über sie geschrieben: «Tötet sie nicht, damit mein Name nicht vergessen werde!» Am deutlichsten hat der große Hohensta/uf enkaiser Friedrich II. das Ritualmordimärchen abgetan. In Fulda daß — obwohl ich in einer ganz christlichen Umgebung lebte und mit einer griechisch-katholischen Frau verheiratet war — meine intimsten Freunde Juden waren. Es war der Berliner Umwelt Vorbehalten, mich über meine Zugehörigkeit zum jüdischen Volke aufzuklären; ist es ein Wunder, daß ich ihre Lehre verstand? Auch tauchten überzeugte und kluge Männer auf, die mich in dieser Wandlung unterstützten, besJnders Weizmann und Blumenfeld. Hierauf leistete ich eigentlich nichts für die jüdische Sache, als daß ich mich aufrichtigen und frohen Sinnes vor allem zu ihr bekannt, wie es mir ums Herz war und ist und zeitlebens sein wird. Also bedient Euch meinur, wie es zum Frommen der gemeinsamen Sache eben möglich ist (nicht zu viel, damit die Wirksamkeit nicht verloren gehe!); ferner aber wisset, daß ich mir des Umstandes wohl bewußt bin, daß ich hiebei mehr Sache als Person bin. Wie dem auch sei, nehmen Sie meinen herzlichen Dank entgegen und auch die herzlichsten Grüße und Wünsche. Ihr A. Einstein. waren im Jahre 1235 einige Knaben ermordet worden und man hatte die Juden beschuldigt, die Monde wegen des Christenibluites begangen zu halben. Deshalb war es im Dezember zu großen Judenverfolgungen gekommen, bei denen zweiunddreißig Juden erschlagen wurden. Kaiser Friedrich der II. beschloß darauf, eine Untersuchung über die Blutbeschuldigung anzustellen. Er befragte zunächst Fürsten, Herren, Aebte und fromme Männer, aber sie waren verschiedener Meinung. Er glaubte nun am ehesten die Wahrheit zu erfahren, indem er die jüdischen Täuflinge befragte, von denen anzunehmen war, daß sie als Gegner nichts, was gegen die Juden und ihre Lehre spreche, verschweigen würden. Auf Grund der von den jüdischen Täuflingen abgegebenen Gutachten stellte er fest, weder im Alten noch im Neuen Testament sei zu finden, daß die Juden nach Menschenblut begierig wären. Deshalb erklärte er die Juden von Fulda des ihnen vorgeworfenen Verbrechens und auch die übrigen deutschen Juden eines so schändlichen Verdachtes nach dem Spruch der Fürsten für völlig unschuldig. Eine andere Chronik berichtet, die Juden ' vom Elsaß hätten sich beim König Rudolf von Habsburg beschwert, daß die Christen mehr als vierzig Juden ohne Ursache schimpflich getötet hätten. Die Christen wieder beschwerten sich, daß die Juden in einem Keller einen christlichen Knecht Werner am Karfreitag heimlich getötet hätten, der deshalb von vielen als Heiliger verehrt wurde. Rudolf verurteilte die Christen von Wesel und Boppart zu zweitausend Mark und befreite die Juden aus der Todesgefahr. Was aber sagen die Päpste und die hohen geistlichen Gelehrten über das Märchen vom jüdischen Ritualmord? In einer Bulle über den Ritualmord, die Papst Innozenz IV. erließ, heißt es u. a.: «Da die göttliche Schrift unter den Befehlen des Gesetzes sagt: «Du sollst nicht töten» und jenen (den Juden) besonders verbietet, am Osterfest etwas Gestorbenes zu berühren, so beschuldigt man sie fälschlich, daß sie an demselben Feste sich das Herz eines getöteten Knaben gegenseitig mitteiien, in dem Glauben, daß das Gesetz ihnen dieses vorsohreibe, während dies offenbar ihrem Gesetz zuwider ist . . .» Und Papst Martin V., ein strenger katholischer, Glaubenseiferer, der in religiösen Dingen keine Milde kannte, erließ im Jahre 1422 ein Schreiben, in dem er u. a. folgendes sagte: In vielen Fällen haben Christen, um die Juden ihres Vermögens berauben zu können, bei Seuchen und anderen Unglücksfällen behauptet, die Juden hätten selbst Gift in die Brunnen geworfen und ihren Mazzos Menschenblut b e i gern i s c h t. Durch dergleichen wird das Volk gegen die' Juden aufgeregt, so daß es sie tötet und verfolgt. In der Hoffnung auf die von den Propheten vorausgesagte’ einstige Bekehrung der Juden verbietet der Papst düs ■i ii nrnrnammmmmmmmammarnemmmm . . Die Blutlüge in aller Welt... Ritualmordmärchen einst und jetzt — Kaiserliche Erlässe und päpstliche Bullen aus dem Mittelalter