Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 2 (1929)
- Issue
- Heft 68 (18.4.1929)
- Date
- 1929-04-18
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 DIE STIMME i •. Die weltberühmten und bevorzugtesten □□□□□□□□□□□□□□□□□□□ODDDD a! □ § nTstöTamintnaRö □ □aüDnoaoaoaonnaonnQDDno sind bereits eingetroffen uhd in allen besseren Lebensmittelgeschäften erhältlich Eine Spezialität sind die neu eingelangten Mazzoth Crackers, eine besondere Freude für die Kinder Pfi«8Bftiü€f&©wIäz Plafzos «Vertrieb Wien, 2. Bei., Fugbadiga'se 24 (Nordbo&nslraOe 35) Telephon Nr. ® 25-9-32 und ß 49 0-82 FsliaSe: Bg. Frost, 2. Bes., Haidgasse 9, Telephon Nrs A 41-8-64 den Mörder des judi enossen in Rußland „ . . . Ich habe ihn ermordet, weil ich Russe und er Jude ist!" Dieser Tage begann vor dem Gericht zu Pskow (Dorpat) der Prozeß gegen den Arbeiter Trofimow, Mitglied der jungkomimmistischen Liga, der vor einigen Wochen auf grauenvolle Weise seinen j ii d i s c h e n Arheitsgenossen Bolscheminikow ermordet hat. Bekanntlich hatte Trofimow bei seiner ersten Vernehmung durch die Polizei ausgesagt: „Ja, ich habe i h ne r morde t, weilichRussobinund er Jude ist!“ Später versuchte er' die Sache so darzustellen, daß er Bolscheminikow im Verlauf eines persönlichen Streites und im Affekt ermordet hat. Neben Trofimow sind auch die Arbeiter Kunitzin, Gurin und Sincninkolsky der Beihilfe angeklagt. Vor dem Gericht gab Trofimow zu, er habe der Polizei bei seiner ersten Vernehmung gesagt, daß er Bolscheminikow getötet habe, weil er ein J ude sei. Er müsse nun aber diese Aussage zurückziehen, denn in Wirklichkeit habe er mit Bolscheminikow Streitigkeiten persönlicher Natur gehabt. Dieser Aussage gegenüber wurde vom Gericht festgestellt, daß Trofimow lange vor dem Morde unter den' Arbeitern eine antisemitische Hetze gegen seinen Arbeitskollegen Bolscheminikow geführt habe. Beim Verlassen der Fabrik kurz vor dem Morde, habe er seinen Arbeftsgenosscn zugerufen: ..Laßt uns nun nach Hause gehen und uns antrinken, dann w e rden wir dem Juden den Kopf a b s c h 1 a g e n.“ Die Mitangeklagten Kunitzin, Gurin und Sincninkolsky bestreiten, sich an Jer Verfolgung Bolscheminikows beteiligt zu haben. Durch das Kreuzverhör in die Enge getrieben, mußte Kimitzin zugeben, daß er als erster gegen Bolscheminikow den beschimpfenden Ausdruck „Jud“ gebraucht hat. Sincninkolsky wurde außerdem nachgewiesen, daß er vor einem Jahr (Friedmann, Petach Tikwah) und andere edle Sorten Weine 'W, fofrVfoff & fr» .•*0» PMFT 7/ mp /Al. V»*** ** fi/fwUHlUtiViTtCTi} «a,T . O , tfu/k'i mm mm mm Itwnjtjftr, Feierliche Seder-Abende Anmeldungen erwünscht: Restauration ,Wienea‘ f!., Obere Donaustraße 91 Tel. R-49-1-75 aus dem pädagogischen Technikum wegen antisemitischer Propaganda und Schmähung der jüdischen Rasse ausgeschlossen wurde. Die Prozeßverhjftndlungen finden abends statt, um den Arbeitern Gelegenheit zu geben, den Verhandlungen.'beizuwohnen. Der Andrang ist aber ein so starker, daß Polizei die Eingänge zum Gericht besetzt halten muß, um die Hunderte, die nicht mehr Platz haben, vom Saale fernzuhalten. In dem Prozesse sind 31 Zeugen geladen. Der Mörder zu zehn Jahren Gefängnis vfcrurreilt Das Verhör der vom Gericht geladenen 31 Zeugen ist heut& zu Ende gegangen. Die weitaus größte Mehrheit der Zeugen, meist Fabriksarbeiter, sagte aus, daß Trofimow den Mord nicht im Affekt, sondern mit kalter Berechnung vorbereitet und vollzogen hat. Einen tief erschütternden Eindruck machte die Aussage einiger Zeugen, die das fürchterliche Martyrium des ermordeten jüdischen Arbeiters schilderten. Nach Schluß der Zeugenaussagen hielt der Staatsanwalt ein längeres Plädoyer, in welchem er auf das Symptomatische dieses Prozesses hinweist, der als Warnung für die anderen Städte gelten und zur Reinigung der antisemitischen Atmosphäre beitragen sollte. Der Fabriksarbeiter Trofimow, der seinen jüdischen Arbeits- und Parteigenossen Bolscheminikow mit einem Beil erschlug, wurde vom Gericht in Pskow zu zehn JahrenGefäng-: n i s verurteilt, wobei das Gericht gleichzeitig erkannte, daß die Strafe im Hinblick auf die Jugend des Mörders — er ist erst 17 Jahre alt — auf fünf Jahre herabzusetzen sei. Die ebenfalls 17jährigen Arbeiter und Jungkommunisten Sineninkolsky und Kunitzin wurden der Bei-. hilfe am Morde schuldig befunden und zu je zwei Jahren Gefängnis verurteilt, wobei auch dieses Urteil im Hinblick auf ihre Jugend auf je ein Jahr herabgesetzt wird. Dieses'Urteil hat in Rußland geteilte Aufnahme gefunden. Die judenfeindlichen Elemente zeigen sich über das milde Urteil befriedigt. Diejenigen aber, die es für notwendig ansehen, daß gegen den Antisemitismus ein entscheidender Schlag geführt wird, sind über das Urteil enttäuscht. Nach ihrer Meinung hätte das Gericht wenigstens theoretisch die Todesstrafo aussprechen sollen, um dann mit Rücksicht auf die Jugend Trofimows auf zehn Jahre Gefängnis zu erkennen. Ein zweiter Prozeß wegen antisemitischer Umtriebe In Krasnojarsk fand der Prozeß gegen das Ehepaar Tschernomorzew, die Tochter und den Schwiegersohn des berühmten sibirischen Malers Karotonow, statt. Die Anklage lautete, daß das Ehepaar Tschernomorzew die in ihrer Nachbarschaft wohnende jüdische Familie Berzak zwei Jahre lang unablässig antisemitisch verfolgt hat. Karotonow hat die antisemitischen Ausschreitungen seiner Angehörigen stillschweigend geduldet, ja sio in einem gewissen Sinne begünstigt. Er wurde aber nicht vor Ge- Nf. gg rieht gestellt, weil sich seine Freunde, bekannte Künstler, für ihn eingesetzt haben. Allgemein wurde erwartet, daß man aus Respekt vor dem Künstler Karotonow seine Angehörigen freisprechen werde. Es erregte darum Aufsehen, als das Gericht auf eine Gefängnisstrafe von je eineinhalb! Jahren Gefängnis gegen das Ehepaar Tschernomorzew und auf 0 Monate Gefängnis gegen einen Bruder Tscliernomorzews erkannt hat. * „Schlagt die Juden, rettet Rußlar d!“ In Wojogda wurde versucht, einen Geheimbund mit der Parole: „Schlagt die Juden und rettet Rußland“ zu begründen. Anführer dieser Bande war der 19jährige Alexej Boschenow, der im Sanitätsdepartement der Stadt beschäftigt ist. Boschenow wurde zu drei Monaten Gefängnis verurteilt. Die Charlcower Zeitung „Krasni Wojna“, Organ der Roten Armee, berichtet über die Verbreitung des Antisemitismus unter ‘denSoldaten und fordert Maßnahmen gegen das antisemitische Gift. Ein Lehrer in Barbutinsk, Tereschko,-wurde wegen antisemitischer Propaganda zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt. Er pflegte die jüdischen Schüler' unaufhörlich zu quälen und ihnen Kreuze auf die Stirn zu malen. Mussolini über Assimilation und Zionismus Muflolini;ift wohl die am meisten interviewte und häufigft ' bcidiricbene politische Persönlichkeit der heutigen Zeit. Der FafdiiStcnführer ift Sich deffen wohl bewußt und cbenfo die Journalisten, die (ich an ihn wenden. Kürzlich wandte (ich an den römiSchcn Diktator ein j i d d i S ch c r Journalist, der feinem amerikanifchcn Blatte u. a. nachstehendes über feine Unterhaltung mit dem Ducc berichtet: Muflolini: „Ich habe Sie dahin verftanden, daß Sic mich für amcrikanifch-jüclifchc Zeitungen interviewen wollen. Wollen Sic mir Fragen Stollen?“ Ich: „Verlangt der Fafchismus die abfolutc Affimilation der italienischen Juden?“ Muflolini: „lpas kommt darauf an, was man unter dem Begriff Affimilation verlieht. Wenn Sic ein Veranlaffcn zum Preisgeben der jüdifchcn Tradition meinen, eine Unterdrückung der rcligiöfen oder raffenmäßigen Lebensphilofophie, So muß ich Ihnen Sagen: Uein! Wenn Sie aber unter Affimilation eine vollständige Einfühlung in das bürgerliche Leben von Italien, verftehen, eine abfolute. Hingebung an das nationale Ideal, unfercs Landes, dann muß ich Ihnen ebenfo beSlimmt fagen: Ja!“ ' Ich: „Kennen Sie die zioniftifchc Bewegung?“ Muflolini: „liecht gut. Ich nehme an, Sic willen, daß die italienifdic Regierung eine der crSlen war, die ihre Sympathie zum Erfolge Ihres PaläStinawerkcs ausdrückte. Erft kürzlich wurde mir erzählt, wie der Sdiöpfer des Zionismus, Dr. FI c r z 1, gerade bei Beginn der zioniftifdien Bewegung von unferem König empfangen wurde. Ich lernte Ihren ausgezeichneten Präfidentcn, Dr. W e i z m a n n, kennen, der ein großes Vertrauen bei der jüdifchen Bevölkerung unferes Landes genießt. Hier in Italien hcrrfcht echte Bewunderung für das Pionierwerk, das ln Palästina vorwärtsfehreitet.. Die Sabbatruhe der religiösen Arbeiter und Angestellten Ein religiöser Angcstelltenibund mit dem Sitz in Frankfurt a. M. hat dem Sozialpolitischen Ausschuß des Deut-* sehen Reichstages folgenden Antrag unterbreitet. Der Reichstag beliebe; in dem zur Zeit zur Beratung stehenden Entwurf eines Arbeitsschutzgesetzes, der u. a. die Bestlm-. mungen über die Sonntagsruhe neu regelt, eine dem Sinne nach wie folgt lautende Bestimmung anfzunchmen: In den Betrieben des Handelsgewcrbcs, die am Sab'bath und jü-, dischcn Feiertagen gänzlich ruhen, dürfen Angestellte jüdischen Glaubens an Sonn- und Feiertagen bis zur Dauer von fünf Stunden mit der Maßgabe beschäftigt werden, daß die Geschäftsräume für den allgemeinen Verkhr geschlossen bleiben. Zur Begründung wird u. a. ausgefülhrt, daß der Bund den Zweck habe, die den Sabbath beobachtenden religionstreuen Handlungsgehilfen gegen die durch die Wahrung des Sabbaths verschärfte Gefahr der Erwerbs-» losigkeit zu schützen. Joschiwah-Doktoren . . . Kürzlidi fand an dem orthodoxen thcologifchcn Seminar in New York, das nach Rabbi Jizdhak Elchanan benannt wird, die Graduierungszcrcmonic Statt. 4 t junge Rabbiner und 40 Lehrer haben die akadcmifchen Grade erhalten und werden fich nun dem Seclforgerifchen und erzieherischen Berufen widmen. Das Rabbi-Jizchak-Elchanan-Scminar hat bekanntlich wie die „Stimme“ bereits melden konnte, im Dezember 1928 fein neues Monumcntalgcbäudc bezogen und erhielt den Hock* fchulgrad. DIo Zionistische Bczlrkssektlon XX kondoliert auf diesem Weite Ihrem Sekretär und langjährigen, nul. opicruugävollen Arbeiter Herrn Samuel Wcintraub zum Ablehen seines Vaters, Rabb. Jizchack Rawltsch, Autors von „Jizchack Jcrancn“, „Awne Slka! rou“ 11. a.