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Die Stimme · 1929-04-18 · Heft 68 (18.4.1929) · page 2

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Journal
Die Stimme
Volume
2 (1929)
Issue
Heft 68 (18.4.1929)
Date
1929-04-18
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 DIE STIMME Nf. 08 Was kann das österreichische Judentum für Palästina tun? Von Prof. Artur Freud. Mit Rücksicht auf den bevorstehenden zionistischen Dcicgicrtentag haben wir uns an Prof. Artur Freu d, den DeieRierten des Direktoriums des Keren Ha jessod in Jerusalem, gewendet, um sein Urteil über den Stand und die Aussichten der BeteiJi'gung der Wiener Judenschaft an der Arbeit wir Palästina cinzuholen. Das vorige Arbeitsjahr des Keren Hajessod zeitigte a-us verschiedenen Ursachen, insbesondere infolge des Ablebens zweier Männer, wie Oberrabbincr C h a j e s und Direktor E p 1 e r, welche die Seele cles Wiener K»ren Hajessod waren, eine Abwärtsbewegung, welche das Direktorium in Jerusalem veranlaßt hat, die Arbeit des Wiener Keren Hajessod durch Delegierung zweier Vertrauensmänner tatkräftig zu unterstützen. Wir smd nun einige Monate an der, wie man sich vorsteMen kann, oft sehr mühseligen Arbeit und die Zeit ist zu kurz, um etwas Abschließendes zu sagen. Aber so viel darf man behaupten, daß es wieder langsam vorwärts geht. Die Wiener Ueberweisungen nach Jerusalem nach drei Monaten unserer Arbeit sind laut einer statistischen Aufstellung unseres Jerusalemer Direktoriums auf mehr al6 das Doppelte gegenüber dem Vorjahre gestiegen und Oesterreich gehört endlich zu den Ländern, die in den ersten fünf Monaten unseres Arbeitsjahres ihr Kontingent voll aufgebracht haben. Das alles sind freilich immer noch Leistungen, die nicht so hoch sind, daß man zufrieden die Hände in den Schoß legen könnte. Sinn und wachsendes Verständnis für Palästina sind heute auch in Wien Gemeingut vieler jüdischer Kreise außerhalb der zionistischen Organisation; aber es wird noch viel Arbeit geben — Intra muros ct extra — um Palästina das zu geben, was es zu erwarten berechtigt ist. Bis dahin bedarf es natürlich einer Intensiven Werbe- und Erziehungsarbeit. Denn Keren Hajassod bedeutet Erziehung zu wirklicher Opferleistung, nicht Spendensammlung. Um das zu erzielen, bedarf es bestimmter Methoden, geeigneter Mensohen mit einer Reihe bestimmter Qualitäten, denn nur so kann man Niveau halten und wirkliche Erfolge erzielen. Keren Hajessod Ist sozusagen eine Wissenschaft geworden, aber eine, deren Theorie sich nur aus der Praxis ergibt. Hier gilt steter Kontakt und unaufhörliche Berührung mit den verschiedensten Gruppen und immer wieder mit dem Einzelir.dividuum, das mit der Forderung Palästinas zu konfrontieren ist. Und eine weitere Vorbedingung für erfolgreiche Arbeit ist Einheitlichkeit und Zentralisation. Die Propagierung des Keren Hajessod darf nicht in Formen erfolgen, die geradezu die Idee des Keren Hajessod zunichte machen. Wir können gerne feststellen, daß der Keren Hajessod in Wiener zionistischen Kreisen Verständnis findet. Die Aufgabe der nächsten Zeit ist, die Kluft zwischen der unzweifelhaft vorhandenen Palästina- Stimmung und den tatsächlichen Leistungen für das Aufbauwerk zu Überbrücken. Dies kann nur auf dem Wege ruhiger, sachlicher Arbeit erfolgen, die hauptsächlich eine Arbeit von Mann zu Mann sein muß. Im Luftschiff über Erez- Israel Momentbilder von der Palästina-Fahrt des «Graf Zeppelin», Von Dr. Hermann B a d t. Der Autor dieses Aufsatzes hat unter den oftiziellen Gästen an der «Zoppelin»-Fahrt teilgenommen. Ministerialdirektor Dr. Badt, der Vertreter des preußische» Innenministers und seit einiger Zelt Repräsentant der preußischen Regierung Im deutschen Reichsrat, steht seit langem ln den Reihen der zionistischen Bewegung- Seine Darlegungen, die wir im Nachfolgenden gekürzt veröffentlichen, werden unseren Lesern sicher willkommen sein. Es ist schwer, die Empfindungen zu beschreiben, mit denen ich das Auftauohen der palästinensischen Küste am Horizont erwartete, Empfindungen, die sich bei der Fahrt über Palästina so steigerten, daß alles in mir vibrierte. Ich war ein Teil des Luftschiffes, bei dem auch bei äußerlich ruhigster Fahrt doch ln allen Drähten und Verspannungen das Surren der Motoren mitsdiwlngt. So schwang bei mir auch ln dem letzten Nerv der Motor des Herzens; Ich fühlte da« beschleunigte Hämmern der Pulse bis in d-le Fingerspitzen. Am Horizont erscheinen schneebedeckte Gebirgszüge. Der Gipfel dahinten, das muß der Hermon sein; und ich denke der herrlichen Tour, die mich vor 15 Jahren von der jüdischen Kolonie Metullah aus, vorbei an den Quellen des Jordan, in 1 Tagen auf die Spitze diese« schönen Berges führte. Aber dort tauoht ja schon der Karmel auf, die liebliche Bucht von Acco. Herr Doktor Eckencr hatte ursprünglich in Aussicht genommen, nach einer Schleife über den Karmel durch das Emek Jesreel nach Nazareth zu fahren, dann in der Jordansenke aufwärts über den Ttberlas-See bl« zum Merom- See, dort zu wenden, den Jordan abwärts bis zum Toten Meer, von hier aus über Jerusalem, Bethlehem »ach Ramieh, wo die Postsäcke abgeworfen werden t DIESE WOCHE 3 SCHLAGER Feinfarbige Spangenschuhe . . 22*50 Echt Chevraux, Spangen u, Pumps 27*50 Komb. Schlangenleder, Spangen und Pumps.* . 39*50 LISSIANSKY SCHUHE DIREKT IN DER FABRIK VII., KAISERSTRASSE 46 IM STOCK Eine jahrelange Erfahrung hat gelehrt, daß die Leistungen für den Keren Hajessod in geradem Verhältnis zur Stärke der zionistischen Organisation Im jeweiligen Lande stehen. Andererseits lehrt uns da« Beispiel Polens au« jüngster Zeit, daß eine Stärkung der Keren-Hajessod-Position auch die Hebung des Niveaus und Prestiges der zionistischen Landesorganlsation Sowie die gegenseitige Annäherung der einzelnen Strömungen zur Folge hat. Es ist meine feste Ueberzeugung, daß der beginnende Aufstieg des Keren Hajessod in Oesterreich den Auftakt zur Ralliierung der zionistischen Organisation bilden und zur Stärkung ihrer Schlagkraft beitragen wird. Eröffnung der Palästina- und Orientmesse in Tel Aviv Bedeutsame Ansprache des Obefkommissars Sir Chancellor Aus Tel Aviv meldet J. T. A.: In Altwesenheit des Oberkommissär Sir John Cbanceflor, der Konsuln auswärtiger Mächte, einer Abordnung der syrischen Regierung, zahlreicher Wirtscbaiftsvertrcter und Touriston aus vielen Ländern und Gäste aus ganz Palästina wurde die Palästina- und Orient-Messe in Te Aviv eröffnet. Der Bürgermeister von Tel Aviv Herr Dizengoff betonte in seiner Begrüßungsansprache, daß die Ausstellung ein Festsaal des HOTEL „CONTINENTAL“, H., Taborstraße 4, Samstag, den 27. April 1929, 8 Uhr abends Zweiter und letzter Jüdischer ftlederohend Ganz neues Programm Karten im Vorverkauf in der Bücherstube M, Rath II., Taborstraüe 20 a, und im Hotel Continental, —.... ... .mm .Limmwiai sollten, um zuletzt in Tel-Aviv zu landen. Doch die Sonne stand schon tief, als wir Haifa erreichten. Dr. Eokener meinte, zuerst komme die Pflicht und diese Pflicht bestehe für Ihn vor allem darin, die Postsäoke sicher in Ramieh abzuwerfen. Infolgedessen wurde die Route geändert. Erst wurde der Karmel angestouert. Die deutsche Kolonie hatte sich auf einem großen schwarzen Feld — ich las später, os sei der Sportplatz des Makkabl gewesen — versammelt und dort in riesigen weißen Lettern das Wort «Willkommen» auf dem Boden ausgelegt. Als sich das Luftschiff der Stelle näherte, flutete die Menge, Tücher schwenkend, über das Feld. Vergeblich suchte ich am Hadar Hakarmel nach dem schönen Häuschen meines Freundes Hermann Struck, das ich" 1026 während des Baues in seiner Anlage bewundert hatte. Deutlich hob sieh zwar das Technikum ab, aber Strucks Haus vermochte ich nicht , zu finden. So winkte ich denn auf gut Olück meine herzlichsten drüße in diese Richtung. Hoffentlich haben sie Ihn erreicht. Nach einem kurzen Ausflug über die Bucht macht da« Luftschiff einen eleganten Bogen und fährt dann über die jüdische Kolonie Öatfh-Galim (von unten winkten wohl unsere Freunde, bei denen wir lm Mal 1926 einen so hübschen Nachmittag verlebt haben, herauf), die Küste entlang. Atlith, Tantum und die Ruinen von Cesarea sind deutlich sichtbar. Auf der ganzen Strecke bis zu den Eukalyptuswäldern von Chederah wrrd erkennbar, mit welcher Mühe hier Sumpf und Dünensand In fruchtbares Land verwandelt worden sind. An anderen Stellen bin ich mir im Zweifel; war das dort unten Slchron Jacob? Lag dort Benjamina? Die Orientierung wrrd erst bei der Mündung des Audacha wieder sicher, und schon erscheint da« liebe, viel gelästerte und doch in seiner Purimfreude so eindrucksvolle Tel-Aviv, Unten au« dem festlichen Tohuwabohu winkt jetzt sicher der Meister deß «Tohuwabohu», Freund Qronernann, mit dem ich hier zu Purim ein Rendezvous verabredet hatte. Dr. Eckener fordert mich auf, die Stelle zu bestimmen, an der das Konfetti abgeworfen werden soll. Meilenstein ist, der die überwundene Wirtschaftskrise o*d den Beginn einer neuen Periode wirtschaftlichen Gedeihens anzeigt. Die Eröffnung der Messe, fuhr er fort, fällt mit dem 20. Jahrestag der Begründung der Stadt Tel Aviv zusammen und sie beweist, was Juden in der Industrie, in der Landwirtschaft, in der Erziehung und in der allgemeinen Kulturentwiokhing in einer so verhältnismäßig kurzen Periode zu leisten imstande sind. Sir John Chancellor, der den Wetheakt vornahm, führte in seiner Ansprache aus: Was Tel Aviv und was die Judenhelt von gatte Palästina geleistet halben, findet in der Tel Avlver Ausstellung einen wunderbaren Ausdruck- Die Ausstellung seihst Ist eine glänzende Rekordleistung; die Ausstellungsobjekte sind sehr interessant, sehr vielfältig und zahlreich. Jetzt aber müßt Ihr auch die Kunst, eure Produkte auf den Markt zu bringen, lernen. Ich bin erfreut, unter den Ausstellern viele Engländer zu sehen, so daß die Ausstellung auch die Pflege der Handelsbeziehungen mit England in einer schönen Weise dokumentiert. Ihr werdet die Methoden lernen, wie man die Weltmärkte erobert. Die verbilligte elektrische Kraft, die dank der Arbeit Ruter»bergs Itt kurzer Zeit verfügbar sein wird, wird die industrielle Entwicklung des Landes stark fördern. Chancellor schloß mit dem Appell an die anwesenden Touristen, soviel Kapital als mögMcli In Palästina zu investieren, wo es gute Früchte tragen wird. Lord Phimer eröffnet die Palästina-Messe In London. FeldmarschaLl Lord Plumer, der frühere Oberkommissär von Palästina, bat Montag, den 13. Mal, dl« Palästina-Ausstellung und -Messe in London eröffnet, Am 14. Mai hat Lord Cecil of Chclwood die Gäste ln die Ausstellung eingeführt. Luxussteuer für Mazzoth in Rußland Aus Moskau meldet J. T. A.: Anfang April waren die ersten auf Weisung des Berliner Mazzoth-Komltees nach Rußland gesandten Wa®gonladun«en mit Mazzoth in Moskau eingetroffen. Rabbi Klemns hat die Verteilung der Mazzoth ln Moskau übernommen. Auch in Leningrad hat man mit der Verteilung der eingetroffenen Mazzothscndungen begonnen. Weitere Waggons rollen nach dem Süden Rußlands. Der Verteilung in Moskau stehen noch Hindernisse im Wege, da die Zollbeamten die Nachzahlung einer Luxussteucr von Rubel 2.20 pro Kilo fordern. Inzwischen setzt auch die Zeitung «Emeß» ihre Attacke gegen die Mazzoth-Elnhihr aus dem Anstande fort. Die internationale Studentenorganisation gegen Numerus clausus und Rassenhaß Am 2$. April wird das Vertreterkomitee der Internationalen Studentcnorganifation (Cömitd des Rcprdscntants de« Organisatiohs internationales d’iftudiants) in Paris zufammentreten. Das Komitee wird unter anderem auch über die B ekämpfung der Numerus-chufus-Bcwegung und des ftudtntifchcn Antifcmitismus beraten. Es wird die Veröffentlichung einer autoritativen Erklärung gegen den Raffcnhaß erwartet. Der Wcltverband der jüdifchcn Studentenorganifationen wird auf der Tagung vertreten fein. (Ita.) Soll dies auf dem Platz vor dem Kasino, oder auf die Hauptstraße, die eben mit der Illumination beginnt, geschehen? Nach kurzem Zögern scheint mir das das Richtigere zu' sein, und von der hinteren Motorengondel meldet Kapitänleutnant von Schiller: «Konfetti klar zum Abwurf!» Weiter geht es nun nach Ramieh. Es Ist inzwischen ganz dunkel geworden, blutrot und groß geht der Mond äuf. Ist es auch wirklich der Mond? Man glaubt, einen Sonnen auf gang zu erleben; bald deckt Ihm wieder Gewölk. Mit hellem Licht meldet Ramieh schon von weitem durch Morsezeichen zu wiederholten Malen seinen Namen. Wir morsen mit Lichtsignalen zurück, daß wir verstanden haben. Grüne Leuchtkugeln zeigen uns die Mitte de« Flugplätze«, und bald werden die vier großen Postsäcke, je 25 Kilogramm schwer, an Fallschirmen befestigt, abgeworfen. Alle Fallschirme entfalten sich und schweben wie große weiße Vögel ln die Nacht. Soweit wir das in der Dunkelheit verfolgen können, kommen sie teils auf dem Flugplatz, teil« an dessen Rande, an. Und die Dunkelheit ist e« auch, die dem Rätselraten: «Landung oder Nichtlandungl» ein Ende machte. Was war alles während dieser zwei Tage darüber diskutiert worden 1 Alle Passagiere, aber auch di« Offiziere de« Luftschiffes bestürmten Dr. Eokener, doch auf alle Fälle für einige Stunden niederzugehen. Er war grundsätzlich gar nicht abgeneigt. Aber die Dunkelheit ließ eine Landung nicht opportun erscheinen. Zum großen Leidwesen der Passagiere, die »Ich schon auf die Teilnahme am Purimtrelben gefreut hatten, mußte das Schiff weiter nach Jerusalem fahren. Bald Ist dieses Ziel erreicht. Aber auch hier mindert die Dunkelheit den Eindruck. Nur ungefähr ahnt man, wo Kotei Maaravi und Omar Moschee, wo der Palast des High Commisstonsr und die Universität liegen müssen, und schon gellt es hinab zum Töten Meer. Ab und zu dringt der Mond durch die Wolken. Das sanfte Hinabgleiten, das Schweben über der rg£äsa££E2ag& /

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